Montag, 11. Mai 2026

Christi Himmelfahrt und der Teufel

Als ich ein wenig im Lektionar blätterte, stieß ich auf die patristische Vigil-Lesung vom Freitag nach Christi Himmelfahrt. Der Autor dieses Textes ist Papst Leo der Große, einer der Vorgänger unseres jetzigen Papstes Leo XIV.

Ich möchte diesen uralten Text aus dem 5. Jahrhundert in zwei Schritten präsentieren:
1) der Text, so wie er leicht zu finden ist, 
2) ich möchte den patristischen Text "runterbrechen", aufbröseln, und zwar mit der Methode von (schnippischen und kecken) Frage und von text-basierten Antwort. 

1) "In wessen Interesse aber kämpfen die irdischen Begierden, wenn nicht in dem des Teufels? Er findet sein Vergnügen daran, die nach dem Himmlischen Strebenden Seelen durch die Genüsse der vergänglichen Güter zu fesseln und von jenem Wohnsitz abzulenken, aus dem er herausgefallen ist. Gegen seine Nachstellungen muss jeder Gläubige weise wachen, damit er seinen Feind gerade durch das, worin er versucht wird, schlagen kann.
Nichts aber, Geliebte, ist stärker gegenüber den Listen des Teufels als barmherzige Güte und freigebige Liebe. Durch sie wird jede Sünde entweder vermieden oder besiegt.
So lasst uns also der Liebe nachjagen, ohne die keine Tugend wertvoll ist" (Leo der Große, gest. 461, Aus einer Predigt zum Festgeheimnis der Himmelfahrt Christi, zit. nach Lektionar zum Stundenbuch II/3, Seite 189).

2) Mal abgesehen, dass nur die Priester, Diakone, Ordensleute und andere wenige Laien, die das Stundengebet verrichten, mit diesem Text konfrontiert werden (wenn sie nicht statt dessen einen irischen Segen lesen), so frage ich mich, wie es wohl einem postmodernen Laien, dem sog. Durchschnitts-Christen, mit einem solchen Text und seinen Aussagen gehen mag.
Das fängt ja schon bei diesem Unwort "Teufel" an, der ja - angeblich - keiner Person sein soll, sondern nur eine literarische oder mythologischen oder psychoanalytischen Chiffre. Wie schön, da können wir uns ja beruhigt zurücklehnen.
Ein Papst aus dem 5. Jahrhundert spricht in seiner Festpredigt - wenn diese je so gehalten worden und nicht eine literarische Arbeit ist - ganz unbefangen vom Teufel und von dessen Aktivitäten. Was würde wohl einem Prediger geschehen, der es wagen sollte, auf dem synodalen Weg solche Aussagen in seiner Predigt zu bringen? Ich vermute mal: ein Sturm von Empörungs-Getöse würde losbrechen und infolge dessen bekäme der Prediger Predigt-Verbot.
Also, der "Teufel" ist doch erledigt. Ja, schon, aber Moment mal. Das ist ja eine doppeldeutige Aussage! Ist dieses teuflische Konzept pseudo-theologisch abgeschafft oder ist er als Person von Christus besieht? 
Im 5. Jahrhundert scheint man davon überzeugt gewesen zu sein, dass der Teufel ein Interesse habe. Um welches es sich dabei handelt, erfuhr der Zuhörer im Fortgang der Predigt etwas später.
Sodann wird behauptet, der Teufel habe Vergnügen?
Frage: Ach! Welches und woran?
Antwort: Zu fesseln. 
Frage: Wen zu fesseln? 
Antwort: Die Seele!
Frage: Welche Seele?
Antwort: Jene Seelen, die nach dem Himmlischen streben. Und nun höre gut zu. Denn es gibt noch andere Seelen, die das nicht tun (nach dem Himmlischen streben). Diese Seelen sind wohl nicht (mehr) Objekte seines Interesses. Und der Teufel hat noch ein zweites Interesse: Eben jene Seelen abzulenken.
Frage: Wovon abzulenken? 
Antwort: Von einem Wohnsitz.
Frage: Von welchem Wohnsitz und wo soll der Wohnsitz denn sein? 
Antwort: Vom Himmel, aus dem der Teufel herausgefallen ist. Und dann soll jeder Gläubige etwas tun.
Frage: Was denn? 
Antwort: Gegen die Nachstellungen des Teufels wachen.
Frage: Gegen was? 
Antwort: Gegen die Nachstellungen! 
Frage: Was ist das denn? 
Antwort: Das sind Verfolgungen, so jedenfalls das Bedeutungswörterbuch (Duden). 
Frage: Und wie ist da zu wachen? 
Antwort: Weise! Also weder hysterisch noch melancholisch noch depressiv noch abergläubisch noch bigott noch verleugnend, negierend, verdrängend..., sondern realistisch, eben: weise.
Frage: Warum? Wozu? 
Antwort Damit der solchermaßen weise wachende Gläubige den Feind schlagen kann.
Frage: Wieso Feind! Gibt es den denn? Es ist doch alles so friedlich, nett und stimmig und passend und gemütlich! Wir haben doch so tolle pastorale Großräume, ein tolles pastorales Personal, ein funktionierendes, hochkarätiges und gut bezahltes ZK und eine DBK und den so loyalen BDKJ.
Antwort: Schon, aber wie war das noch: "...die nach dem Himmlischen strebenden Seelen..." Der päpstliche Prediger des 5. Jahrhunderts scheint optimistisch: JEDER Gläubige soll weise den Feind schlagen.
Frage: Wodurch soll jeder Gläubige den Feind schlagen?
Antwort: Durch genau das, worin er vom Feind versucht wird: deine Schwachstellen.
Frage: Und wie geht das am besten? 
Antwort: Durch Güte und Liebe, aber nicht gegenüber dem Teufel, sondern gegenüber dem Nächsten.
Frage: Und was bewirken Güte und Liebe?
Antwort: Durch unsere Güte und Liebe vermeiden oder besiegen wir UNSERE Sünden.
Frage: Sünde, was ist das denn? das ist mir aber ganz neu. Könnte es sein, dass das irgendetwas mit Beichte zu tun hat? Aber ich bin mir da nicht sicher, denn im Beichtunterricht habe ich davon nichts gehört. Ich habe mal gehört, dass ich ein Beichtgespräch führen könne, wenn ich mal ein Problem habe. Aber von Sünden war in meiner Beichtvorbereitung keine Rede.
Antwort: Deinen Einwand verstehe ich sehr gut. Ich habe auch mal gebeichtet und nur meine Sünden und alle meine Sünden bekannt. Als ich fertig war, sagte mir ein Stadtpfarrer, der es wohl sehr gut mit mir meinte: "Aber Herr Pater, sie müssen doch auch sehen, was Sie Gutes getan haben!" Ich antwortete darauf: "Herr Pfarrer, ich dachte, in der Beichte soll der Beichtende nur seine Sünden und alle seine Sünden bekennen." Darauf kam keine Antwort.
Zurück zu deiner Frage: was ist Sünde? Sünde - das ist unsere Zustimmung zu den Listen des Teufels.
Schön, dass der Papst noch eine Tipp gibt: Der Liebe nachjagen. Und damit es da keine Missverständnisse gibt: "der Liebe nachjagen", das ist nicht dasselbe wie: Bock auf Sex haben.
Papst Leo d. Gr.: "Ohne die Liebe ist keine Tugend wertvoll." Liebe macht Tugend wertvoll. Anders gesagt: Ohne Liebe ist die Tugend wert-los. Wohlgemerkt: das ist ein päpstliches Statement." Liebe macht Tugend wertvoll." Machen wir die Anwendung am Beispiel der Tugend der Keuschheit. Die Keuschheit ist eine Tugend. Die Liebe macht die Tugend der Keuschheit wertvoll. Ohne die Liebe ist die Tugend der Keuschheit wertlos: Keuschheit - ohne Liebe - wertlos -- das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Aber davon vielleicht ein anderes Mal... sonst wird es zu viel.
FROHES FEST!C

Predigt am 6. Sonntag der Osterzeit in St. Ottilien

 

Predigt am 6. Sonntag der Osterzeit, 10. Mai 2026,

in der Klosterkirche von St. Ottilien

 

Erste Lesung Apostelgeschichte 8,5-8.14-17

Zweite Lesung 1 Petrus 3,15-18

Evangelium Johannes 14,15-21

Liebe Christen,

Wir sind immer noch in der Osterzeit. Der Heilige Geist arbeitet daran, das Ostergeheimnis, die österliche Realität, die größte Tat Gottes - in unseren Herzen und in den einzelnen Gemeinden der Kirche zu vergegenwärtigen.

Im Evangelium: Jesus hat versprochen, er werde den Vater bitten, und der Vater wird uns einen anderen Beistand geben, der für immer bei uns bleiben soll.

Dieses Versprechen Jesu dient nicht dem Trost der damaligen Jünger, die Jesus zurücklassen wird.

Sondern: Dieses Versprechen Jesu ist eine Realität, die sich in die Geschichte hinein verlängert bis auf unsere Tage.

Was ist das für ein Geist, den Jesus versprochen hat und der vom Vater kommt?

Das Evangelium gibt Auskunft: Es ist der Geist der Wahrheit.

Diese Auskunft hat einen Rahmen im Evangelium:

Zuvor sagt Jesus: Wenn ihr mich liebt, dann werdet ihr meine Gebote halten.

Und am Ende sagt Jesus: wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

Die Liebe ist also der Rahmen für die Wahrheit.

Wahrheit und Liebe scheinen zusammenzugehören.

Liebe ohne Wahrheit wird zur Sentimentalität.

Wahrheit ohne Liebe wird zum Rigorismus.

Der Heilige Geist arbeitet in unseren Herzen, damit wir wachsen in der Wahrheit und in der Liebe.

In der Geschichte der Kirche hat es viele Werk der Liebe gegeben, lange bevor die Staaten entstanden und soziale Funktionen übernahmen.

Auch die Evangelisierung ist ein Werk der Liebe.

In der ersten Lesung hören wir von der missionarischen Dynamik der apostolischen Kirche. Die Verkündigung des Evangeliums begann zunächst in Jerusalem, dann überschritt sie die engen Grenzen Judäas, dann kam sie nach Samarien.

Der Inhalt der Verkündigung war Jesus, und zwar als der Christus, der Messias.

Und die Verkündigung des Wortes wurde begleitet von machtvollen Zeichen: Befreiungen und Heilungen, Zeichen der Gegenwart des Reiches Gottes.

Die Folge: so herrschte große Freude in jener Stadt.

Die Kirche wuchs in ihrer Einheit und in ihrer Ausdehnung, und dass - obwohl die Kirche keine staatlichen Privilegien genoss, ganz im Gegenteil, sie wurde verfolgt von ihrem jüdischen Ursprung.

In der zweiten Lesung hörten wir einen Abschnitt aus dem zweiten Petrusbrief.

Da werden sechs Merkmale genannt, welche die Christen in einer feindlichen Umwelt kennzeichneten.

Diese sechs Merkmale sind auch praktische Tipps für unsere christliche Lebensführung:

-        1. Christus im Herzen heilig halten

-        2. Ein reines Gewissen

-        3. Bescheiden und ehrfürchtig antworten, wenn wir angefragt werden nach dem Grund unserer Hoffnung.

-        4. Beschimpfungen und Verleumdungen ertragen

-        5. In der Gemeinschaft mit Christus ein rechtschaffenes Leben führen

-        6. Für gute Taten leiden, wenn es Gottes Wille ist

Das sind einige Haltungen, mit denen die Christen damals Zeugnis gaben von der Hoffnung, die sie erfüllte, und sie waren effizient.

Nun hat Jesus seiner Kirche, also uns: den Heiligen Geist verheißen und gesandt.

Und was soll der Heilige Geist tun? Er soll das, was Jesus in der Zeit vollbracht hat, einmalig, historisch, - das soll der Heilige Geist im Lauf der Zeit präsent halten.

Und das geschieht in besonderer Weise in der Feier der Eucharistie.

-        Der Geist des Herrn schafft die Verbindung zwischen uns, zwischen unserer Gemeinde und den anderen Gemeinden, die heute dieselbe Eucharistie feiern,

-        der Geist der Wahrheit hilft den Predigern, das Wort Gottes richtig zu verkünden, -        und er hilft den Hörern, das Verkünde richtig zu verstehen,

-        der Geist der Wahrheit lässt das verkündete Wort die Herzen der Höhrer durchdringen, damit es allmählich unsere persönliche Lebensgestaltung im Sinne des Evangeliums verändert.

-        Im eucharistischen Hochgebet rufen wir den Heilige Geist auf die Gaben von Brot und Wein herab, damit sie uns werden Leib und Blut Christi.

-        Und wir rufen den Heiligen Geist auf uns herab, damit wir ein Leib und Geist werden in Christus und damit wir zu einer Gabe werden, an der der Vater sein Wohlgefallen hat.

Es geht immer um Verwandlung in ein Besseres und in ein Mehr.

Nicht nur jetzt, in der Feier der heiligen Messe.

Auch in einem größeren Kontext.

Bei der Eröffnung dieser heiligen Messe haben wir gebetet:

Allmächtiger Gott, lass uns die österliche Zeit in herzlicher Freude begehen und die Auferstehung unseres Herrn preisen.

Österliche Zeit. Das sind 7 Wochen. Eine Woche hat 7 Tage. 7 x 7 = 49 Tage.

Jetzt könnte man fragen:

Warum sollen wir die österliche Zeit in herzlicher Freude begehen?

Und warum sollen wir die Auferstehung unseres Herrn preisen?

Die Antwort kommt im weiteren Verlauf des Tagesgebets.

Damit das österliche Geheimnis, das wir in diesen 50 Tagen feiern, unser ganzes Leben prägt und verwandelt. Prägt und verwandelt.

In diesen 50 Tagen der Osterzeit. Also kommt zu den 49 Tagen noch ein Tag hinzu, dann haben wir 50.

Und fünfzig heißt auf Griechisch: Pentekoste. 50 Tage.

Der 50. Tag ist also kein Fest des Heiligen Geistes, sondern die Vollendung des österlichen Geheimnisses, damit es unser ganzes Leben geprägt und verwandelt.

Am Donnerstag feiern wir das wunderschöne Hoch-Fest der Himmelfahrt des Herrn. Danach beginnt die Pfingst-Novene.

Die neun Tage der Vorbereitung auf Pfingsten als der Vollendung des österlichen Geheimnisses. Gemeinsam mit der Gottesmutter, der Braut des Heiligen Geistes, erflehen wir eine erneute Ausgießung des Heiligen Geistes.

Warum tun wir das, da wir doch alle den Heiligen Geist schon empfangen haben in der Taufe?

Wenn wir den Heiligen Geist auf uns herabrufen, dann tun wir das nicht, um mehr zu bekommen, sondern damit geben wir dem Heilgen Geist die Erlaubnis, in uns zu wirken, damit unser ganzes Leben von dem österlichen Geheimnis immer mehr geprägt und verwandelt werde.