Montag, 21. September 2026

unsere Gedanken und Wege und die Gedanken und Wege Gottes

 

Predigt im Konventamt St. Ottilien am 25. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr A

Am 20. September 2026

Liebe Brüder und Schwestern,

was Sie jetzt hören, das ist keine KI-generierte Predigt.

Vor einigen Wochen hatte ich mit der Vorbereitung dieser Predigt begonnen, indem ich die biblischen Texte las und fragte: Jesus, was willst du den Leuten sagen, die an diesem Sonntag zur Heiligen Messe kommen? Was möchtest du, dass ich predige? Und dann kamen mir schon die Gedanken, Eindrücke, Überlegungen…

Und Vorgestern am Freitag haben wir hier in unserer Konventmesse vom Zelebranten gehört: Wir sollen oder dürfen Propheten sein.

Da dachte ich: ach, das passt ja.

Ich behaupte nicht, dass das, was ich Ihnen vortrage, Eins zu Eins die Worte vom Himmel seien. Das wird wohl auch kein anderer Prediger behaupten, der heute in Deutschland und anderswo predigt.

Also Jesus oder Gott-Vater könnte uns heute sagen:

Zur ersten Lesung

Ich stelle alles auf den Kopf.

Ich habe andere Maß-Stäbe und andere Begriffe: andere Gedanken und andere Pläne und eine andere Gerechtigkeit.

Und daher kommen viele eurer Probleme: dass ihr euch zu sehr auf eure menschliche Wirklichkeit bezieht und manchmal auch begrenzt.

Ihr fixiert euch auf eure begrenzte menschliche Realität.

Das ist zunächst mal gut als Ausgangspunkt, aber mehr auch nicht.

Ich wünsche euch, dass ihr euch öffnet.

Ihr steht auf eurem Standpunkt, das ist ok.

Aber dann öffnet euch,

schaut über eure Grenzen hinaus, in die Weite und in die Höhe.

Es gibt noch Mehr und Anderes, was ihr noch nicht in den Blick genommen habt.

Ich will euch die Geheimnisse meines Herzens offenbaren.

Wenn sich Gedanken anbieten, die euch stören, und wenn sich Wege auftun, die euch verwirren, dann muss das nicht gleich bedeuten, dass da der böse Feind am Werk ist.

Das kann nämlich auch bedeuten, dass ihr in ein falsches Denken gekommen seid, und dass ihr nur euren ausgetretenen Wegen weiterhin folgen wollt.

Dann störe ich mit meinen Gedanken und mit meinen Wegen – und das ist immer und nur Barmherzigkeit.

Zur zweiten Lesung

Paulus ist im Gefängnis und er muss mit seiner Verurteilung zum Tode rechnen.

Er kann sich zwei Möglichkeiten wünschen.

1 eine Verlängerung seines Lebens, dann kann er noch missionarisch und pastoral wirken.

2 er kann sich den Tod wünschen, dann wäre er bald beim Herrn.

Und er weiß nicht, was das Bessere ist.

Was hat das mit uns zu tun? (Und auch der jetzt folgende Gedanke kam mir im Gebet)

Diese Alternativen und diese Entscheidungen tragen wir alle in uns. Nicht immer in dieser Dramatik, aber doch abgestuft in unseren Entscheidungen in den unzähligen Situationen des Alltags.

Und hier liegt das Problem.

Weil wir uns keine Rechenschaft geben über die Qualität dieser vielen kleinen Einzel-Entscheidungen und auch nicht über die Richtung, die wir damit unserem Leben geben. Da könnten wir auch mal in die falsche Richtung gehen.

Zum Evangelium

An einem anderen Tag meiner Vorbereitung habe ich gebetet: Jesus, wenn das, was ich bis jetzt geschrieben habe, stimmig ist: Was willst du dann durch dieses Evangelium den Leuten sagen?

Dann hörte ich: Sag ihnen: Hier könnt ihr sehen, wie sehr meine Gedanken von euren Gedanken verschieden sind.

Ihr erwartet Gerechtigkeit nach euren Maßstäben.

Aber ich gehorche nicht euren Maßstäben.

Und ich gehe auch nicht auf euren Wegen.

Durch diese Verschiedenheit kommen die Probleme, nämlich dann, wenn ihr an euren Gedanken und Wegen festhaltet, auch und sogar gegen meine Offenbarung.

Das ist das Geheimnis meines Herzens: Ich gebe jedem nur das und alles das, was er braucht, um sein zeitliches Glück und das ewige Heil seiner unsterblichen Seele zu erlangen.

Darum bitte ich dich: Sei dir nicht allzu sicher, ob du immer noch auf dem richtigen Weg bist.

Sei dir nicht allzu sicher, ob deine Gedanken immer noch in die Richtung meines Denkens gehen.

Ich bitte dich: Schau gelegentlich in die Weite und in die Höhe.

Diejenigen, die sich im letzten Augenblick bekehren, haben den gleichen Anteil am Himmel wie jene, die schon lange nach dem Himmel gestrebt haben.

Das ist für viele von euch ein großes Problem.

Eure menschlichen Maß-Stäbe sind hinfällig.“

In einem Bibelgespräch erklärte ich dieses Evangelium. Als extremes Beispiel für die Barmherzigkeit Gottes nannte ich die Möglichkeit, dass sich Hitler, Stalin, Nero im letzten Augenblick ihres Lebens bekehren konnten und sie dann gerettet seien.

Da machte eine Person folgende Aussage: „Wenn der Hitler im Himmel ist, dann will ich nicht im Himmel sein.“

Das ist der Neid des älteren Bruders aus dem Lukas-Evangelium, der die Barmherzigkeit des Vaters für den jüngeren Bruder nicht ertragen kann.

Das ist der Trotz, die Rebellion, die Depression des Jona. Er hatte nach göttlichem Befehl der sündhaften Stadt Ninive die Strafe der Zerstörung angedroht. Daraufhin bekehrten sich die Niniviten. Gott verschonte die Stadt. Der Prophet war blamiert und beschwerte sich bei Gott über dessen Barmherzigkeit.

Das ist die Frage des Gutsherrn aus dem Evangelium: Bist du neidisch, weil ich gut bin?

Was könnte der Herr uns heute sagen?

Es ist absolut wahr: meine Wege und meine Gedanken unterscheiden sich von euren Wegen und von euren Gedanken.

Und wenn ihr diesen Unterschied nicht erkennt und nicht akzeptiert, dann schafft ihr euch Probleme, die ihr eigentlich gut vermeiden könnt.

Die Wirklichkeit, die Realität funktioniert nicht nach euren Gesetzen und Regeln, die ihr für euch geschaffen und oft auch nur zurechtgelegt habt.

Sondern die Wirklichkeit und die Realität funktionieren nach meinen Gesetzen, die ich in der Schöpfung festgelegt habe.

Wenn ihr Gesetze schafft, die nicht meinen Gesetzen folgen oder sogar im Widerspruch zu meinen Gesetzen stehen, dann schafft ihr für euch das Chaos.

Schaut euch doch um in eurer Welt, wie es da zugeht.

Darum habe ich durch meinen Propheten Jeremia euch eingeladen, mich zu suchen, solange ich zu finden bin, und mich anzurufen, solange ich noch nahe bin.

Es ist der Wunsch meines Herzens, dass alle meine Menschenkinder ihre falschen Wege verlassen und ihre gottlosen Pläne aufgeben und zu mir kommen. Weil ich groß bin im Erbarmen.

Mittwoch, 8. Juli 2026

 

13. Sonntag im Jahreskreis (C) in der Klosterkirche von St. Ottilien am 28. Juni 2026

Erste Lesung: 2 Könige 4,8-11.14-16a

Zweite Lesung: Römer 6,3-4.8-11

Evangelium: Matthäus 10,37-42

Liebe Brüder und Schwestern,

(Zur ersten Lesung:) Kinderlose Frau, und der Mann ist auch schon alt. Damit ist eigentlich schon alles gesagt. Nämlich: menschliche Unmöglichkeit, da ist nichts mehr zu machen, und darum: Hoffnungslosigkeit.

Aber der Fortgang der Geschichte zeigt: Die Frau wird schwanger.

Da haben wir zwei Realitäten: auf der einen Seite menschliche Unmöglichkeit, Ausweglosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Und da geschieht es: Gott bricht ein in menschliche Begrenztheit und Unmöglichkeit.

Der Gott, der das Meer spaltet, der hat immer einen Weg für dich.

Der Gott, der brennt und doch nicht verbrennt, der hat immer ein Licht für dich.

Der Gott, der den glimmenden Docht nicht auslöscht, der kann immer deinen Lebensfunken zum Auflodern bringen.

Und der Gott, der das geknickte Rohr nicht zerbricht, der kann immer die Brüche deines Lebens zu Quellen der Gnade verwandeln.

Und der Gott, der Felsen öffnet, um in der Wüste Wasser hervorquellen zu lassen, der kann auch deine Verhärtung aufweichen, ohne dich zu zerbrechen.

Dieser Gott hat nicht nur damals gehandelt. Er handelt auch heute an uns – in der Taufe (Zweite Lesung)

In der Taufe werden wir verändert, ob wir es merken oder nicht, ob wir es wissen oder nicht. Es geschieht. Weil Gott anfängt.

Realität ist: In uns stirbt der alte sündige Mensch, der alte Adam, wie Paulus sagt.

Und ein neues Leben beginnt: das Leben Jesu Christi in uns. Das ist die Taufgnade, die Taufgabe.

Nun sind wir noch nicht auferstanden. Aber die Hoffnung auf Auferstehung ist da.

Wir leben in einer Zwischenzeit. Und jetzt wir dran.

Jetzt müssen wir zeigen, dass Jesus mit der Kraft seiner Auferstehung in uns lebt. Das ist unsere Tauf-Aufgabe.

Wie können wir das zeigen? Durch unser Verhalten.

Und das sind immer zwei Dimensionen: das Gute tun, und – das ist heute das Thema der zweiten Lesung – die Abkehr von der Sünde.

Jede Sünde ist eine Verleugnung der Taufgnade, eine Distanzierung vom Herrn, ein Rückschritt auf dem Weg zum Herrn, eine Verleugnung unserer Gemeinschaft mit ihm.

Es ist schon eine Gnade, wenn wir das erkennen.

Wie dieses neue Leben konkret aussieht, sagt uns Jesus im heutigen Evangelium.

Jesus sagt: Es könnte sein, dass wir seiner nicht würdig sind.

Wann sind wir seiner nicht würdig?

Wenn wir einen Menschen oder eine Sache mehr lieben als wir Gott lieben sollen, dann vergötzen wir diesen Menschen oder diese Sache.

Wenn der Ehemann seine Frau mehr liebt als er Gott lieben soll, dann vergötzt er seine Frau.

Wenn die Ehefrau ihren Mann mehr liebt als sie Gott lieben soll, dann vergötzt sie ihren Ehemann.

Die Folge: dann gerät die Ordnung der Liebe aus dem Gleichgewicht.

Es geht auch anders.

Wenn wir Gott an die erste Stelle setzen und ihn über allen und über alles lieben, dann lieben wir auch die Menschen in der rechten Ordnung. Dann kommt niemand zu kurz.

Das zweite Wort Jesu: Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig.

Was ist dieses Kreuz?

Es sind die Widrigkeiten des Lebens. Daran fehlt es nicht:in der Ehe, in der Familie, als Single, im Kloster.

Und jeder hat sein eigenes Kreuz, nicht das Kreuz eines anderen. Das Kreuz, das Christus jedem Menschen zumisst. Es ist ihm in göttlicher Weisheit und Liebe zugedacht.

Ist Jesus inklusiv? Ist er exklusiv? Ich weiß es nicht.

Jesus ist vor allem alternativ. Er stellt uns vor eine Entscheidung.

Aber niemals ohne die Gnade, die das Unmögliche möglich macht, und niemals ohne seine Verheißung.

Denn ein Gott, der das Meer teilt, kommt nie zu spät.

Da ist immer noch Hoffnung.

Unser Gott bahnt einen Weg, immer. Auf für dich. Dank sei Gott.

Sonntag, 28. Juni 2026

Wie man trotzdem Papst und Bischof werden kann

 

Heute feiern wir die Apostel Petrus und Paulus.

Der eine hat Jesus dreimal verraten, der andere war ein fanatischer Christenverfolger.

Eigentlich schlechte Voraussetzungen, um Papst oder Bischof zu werden, so schreibt ein Mitbruder, dem man kaum widersprechen kann.

Gott kann wankelmütige und ängstliche Herzen zu Felsen verwandeln, und Gott kann versteinerte Herzen erweichen.

Römer haben diese beiden Männer umgebracht, Römer haben sie später zu Patronen ihrer Stadt erhoben.

So ändern sich die Zeiten und die Menschen.

An diesem Tag im Jahre 1884 wurde die Gründung eines Missionshauses zur Aufnahme und Ausbildung von Missionaren im ehemaligen Benediktinerkloster Reichenbach von Papst Leo XIII approbiert. Dies ist der Gründungstag der Kongregation von St. Ottilien.

Mittwoch, 27. Mai 2026

Predigt am Pfingstmontag 2026 in Reith in Österreich

 

Predigt zum Pfingstmontag 25. Mai 2026 Reith im Alpbachtal, Tirol

 

Livestream aus Reith:

Youtube-Kanal Pfarre Reith i. A. & Pfarre Bruck i. Z.

 

Erste Lesung Apg 10,34-35.42-48a - Zweite Lesung Eph 4,1b-6 - Joh 15,26-16,3.12-15

Liebe Schwestern und Brüder, nur einmal im Jahr feiern wir Pfingsten. - Aber: was an Pfingsten geschieht, das geht weiter, das kann immer geschehen.

Die Lesungen zeigen uns: Der Heilige Geist sprengt Grenzen, äußere und innere Grenzen.

In der ersten Lesung aus der Apostelgeschichte hören wir von Petrus: „Gott macht keinen Unterschied zwischen den Menschen.“

Petrus hatte zunächst gemeint, mit allen anderen: Die Heiden sind ausgeschlossen vom Heil, das nur den Juden gehört. - Und jetzt: Der Heilige Geist hat diese Grenzen aufgebrochen.

Warum ist das so wichtig? Weil auch wir Menschen dazu neigen, Grenzen zu ziehen:

  • zwischen „wir“ und „die anderen“ , zwischen „gut“ und „schlecht“
  • zwischen denen, die wir mögen – und denen, die wir ablehnen

Und manchmal tragen wir diese Grenzen nicht nur im Kopf – sondern tief im Herzen.

Die zweite Lesung aus dem Epheserbrief sagt uns: „Bewahrt die Einheit im Geist durch das Band des Friedens.“

Einheit ist eine Frucht des Heiligen Geistes. Warum ist das so wichtig?

Weil wir un-eins sind. Mit uns selbst. Es gibt diese Zerrissenheit in uns, diese Spaltung.

Aber auch die Un-einheit zu den anderen: die wir mögen und die wir ablehnen, missachten, verachten, anklagen.

Warum ist das so? Warum tragen wir Spannungen, Verletzungen und Distanz in uns?

In meinem Büchlein (Innere Heilung und Befreiung durch Vergebung) habe ich das so erklärt: Wir leiden nicht an dem, was uns angetan worden ist, vielleicht vor vielen Jahren, sondern daran, wie wir damit umgehen.

Wir leiden daran, dass wir nicht vergeben haben, oder nur halbherzig, nicht richtig vergeben haben.

Das bedeutet: Der Schlüssel zur Veränderung liegt in uns.

Wir haben die Freiheit zur Veränderung und wir haben die Verantwortung für unsere Veränderung.

Das Evangelium spricht vom Heiligen Geist als dem Beistand, dem Geist der Wahrheit.

Dieser Geist der Wahrheit tut zwei Dinge:

1.    Er zeigt uns die Wahrheit unseres Lebens, unserer Vergangenheit.

2. Er gibt uns Kraft, in dieser Wahrheit zu verändern im Sinne des Evangeliums.

Was ist diese Wahrheit?

  • Ich bin verletzt worden, vielleicht schon vor vielen Jahren, in meiner Kindheit.
  • Ich habe immer noch nicht vergeben.
  • Vielleicht habe ich gesagt: Das verzeihe ich nie!
  • Ich trage Groll in mir. Ich halte fest an der Verletzung. - Ich vergebe nicht.

Vielleicht sagst du dann auch noch: „Es tut so weh, ich leide so sehr, darum: ich vergebe nicht.“

Dann sage ich: Das ist doch unvernünftig. Du hast lange genug gelitten. - Darum frage ich dich: Geht es dir denn besser, wenn du nicht vergibst?

Der Geist der Wahrheit sagt dir: der Schlüssel zur Veränderung liegt in dir:

Du hast die Freiheit zur Veränderung und du hast die Verantwortung für deine Veränderung.

Du kannst vergeben: wenn du frei werden willst. Wenn du zu deiner inneren Einheit kommen willst. Wenn du zur Einheit mit den Menschen kommen willst, von denen du dich getrennt hast.

Wenn wir uns nicht für die Vergebung entscheiden, wenn wir nicht vergeben mit unserem Willen und mit unserem Herzen, dann bleibt das bittere Gift der Anklage in uns, und langsam vergiften wir uns.

Unvergebenheit bindet uns an die Vergangenheit. hält Wunden offen. verschließt unser Herz. Und Satan freut sich.

Und da brauchen wir den Heiligen Geist. Er ist der „Tröster“ und öffnet unser Herz, wenn wir es ihm erlauben.

Denken wir noch einmal an die erste Lesung:

Der Heilige Geist fällt auf Menschen, die vorher ausgeschlossen waren. Auf Heiden, die vom Volk Gottes der Juden ausgeschlossen waren.

Vielleicht ist das auch ein Bild für uns: Gibt es Menschen, die ich innerlich ausgeschlossen habe? Aus meinem Herzen? Aus meiner Liebe?

Pfingsten bedeutet: Gott schließt niemanden aus. Und Gott bittet dich: dasselbe zu tun.

Aber das schaffst du nicht aus deiner Kraft. Das weiß auch der liebe Gott.

Darum hat er uns den Heiligen Geist geschenkt, schon in der Taufe, und zwar zu 100 %.

Vergebung ist nur möglich in der Kraft des Heiligen Geistes.

Das ist die gute Nachricht: Du musst nicht warten, bis du „bereit“ bist.
Du darfst anfangen, weil Gott dir die Kraft gibt.

Und vielleicht ist der erste Schritt ganz klein: mit einem einfachen Gebet:

„Herr, ich will vergeben, bitte hilf mir dabei.“ Und das genügt. - Denn: Vergebung ist ein Prozess. Ein Weg, auf dem der Heilige Geist uns führt.

Die zweite Lesung sagt: „Ertragt einander in Liebe.“

Und Liebe ist kein Gefühl. Sondern eine Entscheidung. Zum Beispiel: Ich entscheide mich, endlich zu vergeben, mit dem Willen und mit dem Herzen in der Kraft des Heiligen Geistes.

Und was geschieht dann? Das erkläre ich auch in meinem Büchlein: Wenn wir so vergeben, dann entriegeln wir unser Herz. Wir entfernen die Riegel, die wir damals vor unser Herz gezogen haben, als wir verletzt wurden und uns schützen mussten, vor neuen Verletzungen.

Wenn wir unser Herz entriegeln, dann kann die Heilungsmacht des kostbaren Blutes Jesu unsere Wunden erreichen und der Balsam des Heiligen Geistes legt sich auf unsere Wunden. Und es beginnt der Prozess der inneren Heilung.

Pfingsten ist ein Fest des Herzens. Das ist heute ein guter Moment, sich zu fragen:

  • Wen trage ich noch in Unversöhntheit in mir?
  • Wo halte ich fest?  Wo ist mein Herz noch verschlossen?

Und dann beten wir: „Komm, Heiliger Geist, du Geist der Wahrheit, du kennst mein Herz.

Zeige mir, wo ich vergeben soll. Gib mir die Kraft, loszulassen.
Öffne, was verschlossen ist. Heile, was verwundet ist.“

Und dann geschieht Pfingsten – heute und immer, in dir. Amen.

Predigt an Pfingsten, Messe am Tage

 

Predigt zu Pfingsten in der Messe am Tage

24. Mai 2026 in der Pfarrei Reith im Alpbachtal


Livestream aus Reith: 

Youtube-Kanal Pfarre Reith i. A. & Pfarre Bruck i. Z.

 

Erste Lesung Apg 2,1-11 - Zweite Lesung 1 Kor 12,3b-7.12-13 - Evangelium Joh 20,19-23

Liebe Schwestern und Brüder, die Lesungen führen uns mitten hinein in das Geheimnis von Pfingsten – und hinein in unser eigenes Herz.

In der ersten Lesung aus der Apostelgeschichte hören wir von dem gewaltigen Ereignis: Ein Brausen vom Himmel, Feuerzungen, Menschen, die plötzlich in neuen Sprachen sprechen.

Was ist da eigentlich geschehen? - Nicht nur ein äußeres Wunder – sondern eine innere Verwandlung. Aus ängstlichen, verschlossenen Jüngern werden freie Menschen.

Auch im Evangelium gibt es „Verschlossen-sein“. Es heißt: „Die Türen waren verschlossen aus Furcht.“

Das ist ein starkes Bild. Kennst du das: diese verschlossenen Türen?

  • Türen der Enttäuschung
  • Türen von Verletzungen
  • Türen, hinter denen wir uns schützen

Und dann geschieht etwas. Jesus kommt und sagt zwei Dinge:

1.   „Friede sei mit euch.“

2.   Und dann haucht er sie an: „Empfangt den Heiligen Geist.“

Und unmittelbar danach sagt er etwas, das oft überhört wird: „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben.“

Pfingsten und Vergebung gehören zusammen. Warum?

Weil der Heilige Geist etwas schafft. Er schafft versöhnte Herzen.

Die zweite Lesung aus dem Erster Korintherbrief sagt:
„Es gibt verschiedene Gaben, aber nur den einen Geist.“

Dieser eine Geist wirkt in jedem von uns unterschiedlich –
aber immer mit demselben Ziel: Heilung und mehr an Leben.

Verschlossene Herzen kommen nicht von dem, was uns widerfahren ist –
sondern davon, dass wir immer noch nicht vergeben haben.

Obwohl der Heilige Geist uns diese Möglichkeit der Vergebung schenkt.

Die verschlossenen Türen im Evangelium sind die verschlossenen Räume unseres Herzens.

Wir haben die Türe unseres Herzens verschlossen, weil wir zu sehr verletzt worden sind.

Wir haben nicht nur nicht vergeben, sondern wir haben uns auch noch verschlossen.

Wir wollten uns vor neuen Verletzungen schützen und haben zu gemacht. Und Satan freut sich.

In meinem Büchlein (Innere Heilung und Befreiung durch Vergebung) erkläre ich: Vergebung ist nichts Oberflächliches, ist auch nicht einfach. Heißt nicht: Schon gut, habe ich schon vergessen, man soll die alten Sachen ruhen lassen…

Vergebung, wie Jesus sie von uns erbittet, ist etwas Anspruchsvolles: Vergebung, das ist eine Entscheidung kraft unseres Willens und eine Entscheidung des Herzens. Das ist ein Prozess.

Und jetzt kommt die Gnade von Pfingsten: Denn Jesus sagt nicht: „Streng dich mehr an! Reiss dich zusammen!“

Du musst das nicht aus eigener Kraft schaffen.

Jesus sagt: „Empfangt den Heiligen Geist.“

Der Heilige Geist ist die Kraft, die uns überhaupt erst fähig macht zu vergeben.

Wir können vergeben, weil wir den Geist empfangen haben. Wann? In der Taufe. Wieviel haben wir vom Heiligen Geist empfangen? 100 %

In der Kraft des Heiligen Geistes, in der Kraft der Taufgnade – kannst du vergeben.

Nicht aus eigener Stärke. Nicht aus moralischem Druck. Sondern aus Gnade

Vielleicht denkt jetzt jemand: „Ich will vergeben – aber ich kann nicht.“

Das ist ein guter Ausgangspunkt. Warum? Weil du hier erst mal dein Unvermögen erkannt und bekannt hast.

Dann ist genau das der Punkt, an dem Pfingsten beginnt. da kann die Gnade ansetzen.

Denn der Heilige Geist wirkt dort, wo wir sagen: „Ich kann nicht, aber ich will offen sein.“

Und noch etwas ist wichtig: Vergebung bedeutet nicht: das erlittene Unrecht nachträglich verkleinern! Es bleibt in seiner ganzen Tragik und Schwere bestehen.

Vergebung bedeutet: ich höre endlich auf mit den ewigen Anklagen, ich lasse los. Ich vergebe nach dem Willen Jesu und nach dem Beispiel Jesu. Und wenn ich wirklich vergebe, dann habe ich kein Recht mehr, weiterhin anzuklagen.

Und was geschieht dann?

Ich nenne es so: Wenn wir vergeben, wird unser Herz „entriegelt“. Dann kann der Heilige Geist meine tiefsten Wunden erreichen, dann kann die Heilungsmacht des Kostbaren Blutes Jesu meine Wunden erreichen, dann beginnt der Prozess der Heilung meiner Verletzungen.

Das ist Pfingsten: Der Geist kommt nicht über uns – er durchdringt uns, wenn wir ihm das erlauben.

Liebe Schwestern und Brüder, Pfingsten ist die Vollendung des österlichen Geheimnisses. Wir feiern den Sieg des Herrn über alles, was unser Leben vermindert. Das ist ein guter Anlass, sich zu fragen:

  • Gibt es jemanden, dem ich noch nicht vergeben habe?
  • Gibt es eine Tür in meinem Herzen, die noch verschlossen ist?

Dann müssen wir nicht alles heute lösen. Aber wir können beginnen.

Vielleicht mit einem einfachen Gebet:

„Herr Jesus Christus, du kennst mein Herz. Du kennst meine Verletzungen. Ich kann noch nicht ganz vergeben – aber ich will es wollen. Sende mir deinen Heiligen Geist.“

Und dann geschieht langsam, oft leise, aber real:

  • Verschlossene Türen öffnen sich
  • Herzen werden langsam entriegelt
  • Enge des Herzens weitet sich
  • Enge wird zu Weite
  • Verschlossenheit wird zu Leben

Das feiern wir heute, am Ende der heiligen 50 Tage, der österlichen Zeit:

Gott kommt nicht nur von außen – er öffnet uns von innen, wenn wir ihm das erlauben. Amen.

Predigt Pfingsten am Vorabend in Reith in Österreich

 

Predigt zu Pfingsten am Vorabend

23. Mai 2026 in der Pfarrei Reith, Alpbachtal

Erste Lesung Ezechiel 37,1-14 - Zweite Lesung Römer 8,22-27 - Evangelium Johannes 7,37.39

Liebe Schwestern und Brüder, die Lesungen haben eine innere Einheit: sie sprechen von Leben, von Geist und von Heilung.

In der ersten Lesung aus dem Buch Ezechiel sieht der Prophet ein Feld voller Totengebeine. Ein erschütterndes Bild: trocken, leblos, ohne Hoffnung. Und doch sagt Gott: „Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig.“

Dieses Bild beschreibt unser Inneres. Manchmal gibt es das in uns: abgestorben, hart geworden, vielleicht durch Verletzungen, Enttäuschungen oder alte Wunden.

Davon spreche ich in meinem Büchlein (Innere Heilung und Befreiung durch Vergebung):
Nicht die Verletzungen zerstören uns – sondern das, was wir daraus machen. wenn wir nicht vergeben.

Die zweite Lesung aus dem Römerbrief sagt: „Die ganze Schöpfung seufzt und liegt in Geburtswehen.“

Auch das kennen wir, dieses Seufzen. Es ist das Seufzen unseres Herzens, wenn wir an Menschen denken, die uns verletzt haben. und wir tragen immer noch Groll, Bitterkeit und Enttäuschung in uns.

Und es gibt eine Verheißung: „Der Geist tritt für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.“

Das heißt: Wo wir nicht mehr weiterwissen, wo wir sagen: „Ich kann nicht vergeben“, da kann der Heilige Geist in uns wirken, wenn wir ihm das erlauben.

Und dann, im Evangelium, die Einladung Jesu: „Wer Durst hat, komme zu mir und trinke… Ströme von lebendigem Wasser werden aus seinem Inneren fließen.“

Dieses lebendige Wasser ist der Heilige Geist.

Liebe Schwestern und Brüder, wenn wir diese drei Lesungen zusammennehmen, entsteht eine klare Botschaft in einem Dreischritt

·      Gott will Verletzungen heilen.

·      Der Heilige Geist wirkt in unserem Inneren.

·      Und das geschieht dort, wo wir uns öffnen.

Denn ein verschlossenes Herz kann dieses Wasser des Heiligen Geistes nicht aufnehmen.

Und hier kommt die Vergebung ins Spiel. Vergebung ist nicht einfach ein netter Rat Jesu – sie ist ein Befehle Jesu und ein innerer Weg zur Heilung.

·      Wenn wir nicht vergeben,

·      dann halten wir unsere Verletzungen fest,

·      wir klagen weiter an,

·      wir werden wie diese trockenen Gebeine aus der ersten Lesung.

·  Und wir haben kein Recht, von Gott die Vergebung unserer Schulden zu erbitten, wenn wir unseren Schuldigern nicht vergeben. und Satan freut sich.

Vergebung bedeutet nicht:

  • vergessen, was mir angetan worden ist
  • die Schuld klein-reden
  • nachträglich gutheißen,
  • auch nicht klein beigeben.

Vergebung ist: eine Entscheidung meines Willens. Ich entscheide mich, mit den ewigen Anklagen und den ewigen Vorwürfen aufzuhören.

Das ist eine Entscheidung des Willens! Aber das reicht nicht. Damit die Vergebung vollständig wird nach dem Herzen Jesus: darum muss die Vergebung auch aus meinem Herzen kommen.

Und jetzt kommt das Entscheidende der heutigen Botschaft: Wir müssen diesen Weg nicht allein gehen. Denn der Heilige Geist ist bereits in uns – seit unserer Taufe.

Der Geist, der:

  • die Totengebeine lebendig macht,
  • unser unaussprechliches Seufzen versteht,
  • und in uns zu einer Quelle wird.

Vielleicht sagen manche: „Ich will ja vergeben, aber ich kann nicht.“

Frage: Wer hindert dich denn an der Vergebung? Könnte es sein, dass du nicht vergeben willst?

Und eine andere Frage: Geht es dir denn besser, wenn du NICHT vergibst?

Begreife: Niemand hindert dich an deiner Vergebung. Nur dein eigener innerer Widerstand.

Zusage: Und da hilft dir der Heilige Geist, wenn du ihm das erlaubst.

Wenn du vergibst: mit dem Willen UND mit dem Herzen,  ---  dann geschieht etwas:

·        Du wirst Gott erfahren. Das Herz wird weiter. Der innere Druck lässt nach.

  • Die Erinnerung verliert ihren Schmerz. Du kannst dich an die Vergangenheit erinnern, ohne immer wieder erneut den Schmerz zu spüren.
  • Und vor allem: Das lebendige Wasser beginnt zu fließen.

Liebe Schwestern und Brüder, Pfingsten ist die Vollendung des österlichen Geheimnisses. Wir feiern den Sieg des Herrn über alles, was unser Leben vermindert. Das ist ein guter Anlass, sich zu fragen:

  • Wen habe ich noch nicht wirklich vergeben?
  • Welche „trockenen Gebeine“ trage ich in mir?
  • Wo ist mein Herz verschlossen?

Und dann hören wir die Einladung Jesu ganz persönlich: „Komm zu mir und trinke.“

Vielleicht beginnt alles mit einem einfachen Gebet: „Herr, ich kann noch nicht vergeben, aber ich will vergeben, ich bin jetzt bereit. Gib mir deinen Geist.“

Das genügt. Gott beginnt immer mit dem kleinen Ja. Und dann kann geschehen, was wir heute gehört haben:

  • Aus vertrockneten Gebeinen wird Leben,
  • Aus Enge wird Freiheit, jahre-alte Wunden werden geheilt.
  • verschlossene Herzen werden geöffnet und werden zu Quellen lebendigen Wassers – für sich und für andere. Amen.