Predigt im Konventamt St. Ottilien am
25. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr A
Am 20. September 2026
Liebe Brüder und Schwestern,
was Sie jetzt hören, das ist keine KI-generierte Predigt.
Vor einigen Wochen hatte ich mit der Vorbereitung dieser
Predigt begonnen, indem ich die biblischen Texte las und fragte: Jesus, was
willst du den Leuten sagen, die an diesem Sonntag zur Heiligen Messe kommen?
Was möchtest du, dass ich predige? Und dann kamen mir schon die Gedanken,
Eindrücke, Überlegungen…
Und Vorgestern am Freitag haben wir hier in unserer
Konventmesse vom Zelebranten gehört: Wir sollen oder dürfen Propheten sein.
Da dachte ich: ach, das passt ja.
Ich behaupte nicht, dass das, was ich Ihnen vortrage, Eins zu
Eins die Worte vom Himmel seien. Das wird wohl auch kein anderer Prediger
behaupten, der heute in Deutschland und anderswo predigt.
Also Jesus oder Gott-Vater könnte uns heute sagen:
Zur ersten Lesung
Ich stelle alles auf den Kopf.
Ich habe andere Maß-Stäbe und andere Begriffe: andere
Gedanken und andere Pläne und eine andere Gerechtigkeit.
Und daher kommen viele eurer Probleme: dass ihr euch zu sehr
auf eure menschliche Wirklichkeit bezieht und manchmal auch begrenzt.
Ihr fixiert euch auf eure begrenzte menschliche Realität.
Das ist zunächst mal gut als Ausgangspunkt, aber mehr auch
nicht.
Ich wünsche euch, dass ihr euch öffnet.
Ihr steht auf eurem Standpunkt, das ist ok.
Aber dann öffnet euch,
schaut über eure Grenzen hinaus, in die Weite und in die
Höhe.
Es gibt noch Mehr und Anderes, was ihr noch nicht in den
Blick genommen habt.
Ich will euch die Geheimnisse meines Herzens offenbaren.
Wenn sich Gedanken anbieten, die euch stören, und wenn sich
Wege auftun, die euch verwirren, dann muss das nicht gleich bedeuten, dass da
der böse Feind am Werk ist.
Das kann nämlich auch bedeuten, dass ihr in ein falsches
Denken gekommen seid, und dass ihr nur euren ausgetretenen Wegen weiterhin
folgen wollt.
Dann störe ich mit meinen Gedanken und mit meinen Wegen – und
das ist immer und nur Barmherzigkeit.
Zur zweiten Lesung
Paulus ist im Gefängnis und er muss mit seiner Verurteilung
zum Tode rechnen.
Er kann sich zwei Möglichkeiten wünschen.
1 eine Verlängerung seines Lebens, dann kann er noch
missionarisch und pastoral wirken.
2 er kann sich den Tod wünschen, dann wäre er bald beim
Herrn.
Und er weiß nicht, was das Bessere ist.
Was hat das mit uns zu tun? (Und auch der jetzt folgende
Gedanke kam mir im Gebet)
Diese Alternativen und diese Entscheidungen tragen wir alle
in uns. Nicht immer in dieser Dramatik, aber doch abgestuft in unseren Entscheidungen
in den unzähligen Situationen des Alltags.
Und hier liegt das Problem.
Weil wir uns keine Rechenschaft geben über die Qualität
dieser vielen kleinen Einzel-Entscheidungen und auch nicht über die Richtung,
die wir damit unserem Leben geben. Da könnten wir auch mal in die falsche
Richtung gehen.
Zum Evangelium
An einem anderen Tag meiner Vorbereitung habe ich gebetet:
Jesus, wenn das, was ich bis jetzt geschrieben habe, stimmig ist: Was willst du
dann durch dieses Evangelium den Leuten sagen?
Dann hörte ich: Sag ihnen: Hier könnt ihr sehen, wie sehr
meine Gedanken von euren Gedanken verschieden sind.
Ihr erwartet Gerechtigkeit nach euren Maßstäben.
Aber ich gehorche nicht euren Maßstäben.
Und ich gehe auch nicht auf euren Wegen.
Durch diese Verschiedenheit kommen die Probleme, nämlich
dann, wenn ihr an euren Gedanken und Wegen festhaltet, auch und sogar gegen meine
Offenbarung.
Das ist das Geheimnis meines Herzens: Ich gebe jedem nur das
und alles das, was er braucht, um sein zeitliches Glück und das ewige Heil
seiner unsterblichen Seele zu erlangen.
Darum bitte ich dich: Sei dir nicht allzu sicher, ob du immer
noch auf dem richtigen Weg bist.
Sei dir nicht allzu sicher, ob deine Gedanken immer noch in
die Richtung meines Denkens gehen.
Ich bitte dich: Schau gelegentlich in die Weite und in die
Höhe.
Diejenigen, die sich im letzten Augenblick bekehren, haben
den gleichen Anteil am Himmel wie jene, die schon lange nach dem Himmel
gestrebt haben.
Das ist für viele von euch ein großes Problem.
Eure menschlichen Maß-Stäbe sind hinfällig.“
In einem Bibelgespräch erklärte ich dieses Evangelium. Als
extremes Beispiel für die Barmherzigkeit Gottes nannte ich die Möglichkeit,
dass sich Hitler, Stalin, Nero im letzten Augenblick ihres Lebens bekehren
konnten und sie dann gerettet seien.
Da machte eine Person folgende Aussage: „Wenn der Hitler im
Himmel ist, dann will ich nicht im Himmel sein.“
Das ist der Neid des älteren Bruders aus dem Lukas-Evangelium,
der die Barmherzigkeit des Vaters für den jüngeren Bruder nicht ertragen kann.
Das ist der Trotz, die Rebellion, die Depression des Jona. Er
hatte nach göttlichem Befehl der sündhaften Stadt Ninive die Strafe der
Zerstörung angedroht. Daraufhin bekehrten sich die Niniviten. Gott verschonte
die Stadt. Der Prophet war blamiert und beschwerte sich bei Gott über dessen
Barmherzigkeit.
Das ist die Frage des Gutsherrn aus dem Evangelium: Bist du
neidisch, weil ich gut bin?
Was könnte der Herr uns heute sagen?
Es ist absolut wahr: meine Wege und meine Gedanken
unterscheiden sich von euren Wegen und von euren Gedanken.
Und wenn ihr diesen Unterschied nicht erkennt und nicht
akzeptiert, dann schafft ihr euch Probleme, die ihr eigentlich gut vermeiden
könnt.
Die Wirklichkeit, die Realität funktioniert nicht nach euren
Gesetzen und Regeln, die ihr für euch geschaffen und oft auch nur zurechtgelegt
habt.
Sondern die Wirklichkeit und die Realität funktionieren nach
meinen Gesetzen, die ich in der Schöpfung festgelegt habe.
Wenn ihr Gesetze schafft, die nicht meinen Gesetzen folgen
oder sogar im Widerspruch zu meinen Gesetzen stehen, dann schafft ihr für euch
das Chaos.
Schaut euch doch um in eurer Welt, wie es da zugeht.
Darum habe ich durch meinen Propheten Jeremia euch
eingeladen, mich zu suchen, solange ich zu finden bin, und mich anzurufen,
solange ich noch nahe bin.
Es ist der Wunsch meines Herzens, dass alle meine
Menschenkinder ihre falschen Wege verlassen und ihre gottlosen Pläne aufgeben
und zu mir kommen. Weil ich groß bin im Erbarmen.