Montag, 11. Mai 2026

Christi Himmelfahrt und der Teufel

Als ich ein wenig im Lektionar blätterte, stieß ich auf die patristische Vigil-Lesung vom Freitag nach Christi Himmelfahrt. Der Autor dieses Textes ist Papst Leo der Große, einer der Vorgänger unseres jetzigen Papstes Leo XIV.

Ich möchte diesen uralten Text aus dem 5. Jahrhundert in zwei Schritten präsentieren:
1) der Text, so wie er leicht zu finden ist, 
2) ich möchte den patristischen Text "runterbrechen", aufbröseln, und zwar mit der Methode von (schnippischen und kecken) Frage und von text-basierten Antwort. 

1) "In wessen Interesse aber kämpfen die irdischen Begierden, wenn nicht in dem des Teufels? Er findet sein Vergnügen daran, die nach dem Himmlischen Strebenden Seelen durch die Genüsse der vergänglichen Güter zu fesseln und von jenem Wohnsitz abzulenken, aus dem er herausgefallen ist. Gegen seine Nachstellungen muss jeder Gläubige weise wachen, damit er seinen Feind gerade durch das, worin er versucht wird, schlagen kann.
Nichts aber, Geliebte, ist stärker gegenüber den Listen des Teufels als barmherzige Güte und freigebige Liebe. Durch sie wird jede Sünde entweder vermieden oder besiegt.
So lasst uns also der Liebe nachjagen, ohne die keine Tugend wertvoll ist" (Leo der Große, gest. 461, Aus einer Predigt zum Festgeheimnis der Himmelfahrt Christi, zit. nach Lektionar zum Stundenbuch II/3, Seite 189).

2) Mal abgesehen, dass nur die Priester, Diakone, Ordensleute und andere wenige Laien, die das Stundengebet verrichten, mit diesem Text konfrontiert werden (wenn sie nicht statt dessen einen irischen Segen lesen), so frage ich mich, wie es wohl einem postmodernen Laien, dem sog. Durchschnitts-Christen, mit einem solchen Text und seinen Aussagen gehen mag.
Das fängt ja schon bei diesem Unwort "Teufel" an, der ja - angeblich - keiner Person sein soll, sondern nur eine literarische oder mythologischen oder psychoanalytischen Chiffre. Wie schön, da können wir uns ja beruhigt zurücklehnen.
Ein Papst aus dem 5. Jahrhundert spricht in seiner Festpredigt - wenn diese je so gehalten worden und nicht eine literarische Arbeit ist - ganz unbefangen vom Teufel und von dessen Aktivitäten. Was würde wohl einem Prediger geschehen, der es wagen sollte, auf dem synodalen Weg solche Aussagen in seiner Predigt zu bringen? Ich vermute mal: ein Sturm von Empörungs-Getöse würde losbrechen und infolge dessen bekäme der Prediger Predigt-Verbot.
Also, der "Teufel" ist doch erledigt. Ja, schon, aber Moment mal. Das ist ja eine doppeldeutige Aussage! Ist dieses teuflische Konzept pseudo-theologisch abgeschafft oder ist er als Person von Christus besieht? 
Im 5. Jahrhundert scheint man davon überzeugt gewesen zu sein, dass der Teufel ein Interesse habe. Um welches es sich dabei handelt, erfuhr der Zuhörer im Fortgang der Predigt etwas später.
Sodann wird behauptet, der Teufel habe Vergnügen?
Frage: Ach! Welches und woran?
Antwort: Zu fesseln. 
Frage: Wen zu fesseln? 
Antwort: Die Seele!
Frage: Welche Seele?
Antwort: Jene Seelen, die nach dem Himmlischen streben. Und nun höre gut zu. Denn es gibt noch andere Seelen, die das nicht tun (nach dem Himmlischen streben). Diese Seelen sind wohl nicht (mehr) Objekte seines Interesses. Und der Teufel hat noch ein zweites Interesse: Eben jene Seelen abzulenken.
Frage: Wovon abzulenken? 
Antwort: Von einem Wohnsitz.
Frage: Von welchem Wohnsitz und wo soll der Wohnsitz denn sein? 
Antwort: Vom Himmel, aus dem der Teufel herausgefallen ist. Und dann soll jeder Gläubige etwas tun.
Frage: Was denn? 
Antwort: Gegen die Nachstellungen des Teufels wachen.
Frage: Gegen was? 
Antwort: Gegen die Nachstellungen! 
Frage: Was ist das denn? 
Antwort: Das sind Verfolgungen, so jedenfalls das Bedeutungswörterbuch (Duden). 
Frage: Und wie ist da zu wachen? 
Antwort: Weise! Also weder hysterisch noch melancholisch noch depressiv noch abergläubisch noch bigott noch verleugnend, negierend, verdrängend..., sondern realistisch, eben: weise.
Frage: Warum? Wozu? 
Antwort Damit der solchermaßen weise wachende Gläubige den Feind schlagen kann.
Frage: Wieso Feind! Gibt es den denn? Es ist doch alles so friedlich, nett und stimmig und passend und gemütlich! Wir haben doch so tolle pastorale Großräume, ein tolles pastorales Personal, ein funktionierendes, hochkarätiges und gut bezahltes ZK und eine DBK und den so loyalen BDKJ.
Antwort: Schon, aber wie war das noch: "...die nach dem Himmlischen strebenden Seelen..." Der päpstliche Prediger des 5. Jahrhunderts scheint optimistisch: JEDER Gläubige soll weise den Feind schlagen.
Frage: Wodurch soll jeder Gläubige den Feind schlagen?
Antwort: Durch genau das, worin er vom Feind versucht wird: deine Schwachstellen.
Frage: Und wie geht das am besten? 
Antwort: Durch Güte und Liebe, aber nicht gegenüber dem Teufel, sondern gegenüber dem Nächsten.
Frage: Und was bewirken Güte und Liebe?
Antwort: Durch unsere Güte und Liebe vermeiden oder besiegen wir UNSERE Sünden.
Frage: Sünde, was ist das denn? das ist mir aber ganz neu. Könnte es sein, dass das irgendetwas mit Beichte zu tun hat? Aber ich bin mir da nicht sicher, denn im Beichtunterricht habe ich davon nichts gehört. Ich habe mal gehört, dass ich ein Beichtgespräch führen könne, wenn ich mal ein Problem habe. Aber von Sünden war in meiner Beichtvorbereitung keine Rede.
Antwort: Deinen Einwand verstehe ich sehr gut. Ich habe auch mal gebeichtet und nur meine Sünden und alle meine Sünden bekannt. Als ich fertig war, sagte mir ein Stadtpfarrer, der es wohl sehr gut mit mir meinte: "Aber Herr Pater, sie müssen doch auch sehen, was Sie Gutes getan haben!" Ich antwortete darauf: "Herr Pfarrer, ich dachte, in der Beichte soll der Beichtende nur seine Sünden und alle seine Sünden bekennen." Darauf kam keine Antwort.
Zurück zu deiner Frage: was ist Sünde? Sünde - das ist unsere Zustimmung zu den Listen des Teufels.
Schön, dass der Papst noch eine Tipp gibt: Der Liebe nachjagen. Und damit es da keine Missverständnisse gibt: "der Liebe nachjagen", das ist nicht dasselbe wie: Bock auf Sex haben.
Papst Leo d. Gr.: "Ohne die Liebe ist keine Tugend wertvoll." Liebe macht Tugend wertvoll. Anders gesagt: Ohne Liebe ist die Tugend wert-los. Wohlgemerkt: das ist ein päpstliches Statement." Liebe macht Tugend wertvoll." Machen wir die Anwendung am Beispiel der Tugend der Keuschheit. Die Keuschheit ist eine Tugend. Die Liebe macht die Tugend der Keuschheit wertvoll. Ohne die Liebe ist die Tugend der Keuschheit wertlos: Keuschheit - ohne Liebe - wertlos -- das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Aber davon vielleicht ein anderes Mal... sonst wird es zu viel.
FROHES FEST!C

Predigt am 6. Sonntag der Osterzeit in St. Ottilien

 

Predigt am 6. Sonntag der Osterzeit, 10. Mai 2026,

in der Klosterkirche von St. Ottilien

 

Erste Lesung Apostelgeschichte 8,5-8.14-17

Zweite Lesung 1 Petrus 3,15-18

Evangelium Johannes 14,15-21

Liebe Christen,

Wir sind immer noch in der Osterzeit. Der Heilige Geist arbeitet daran, das Ostergeheimnis, die österliche Realität, die größte Tat Gottes - in unseren Herzen und in den einzelnen Gemeinden der Kirche zu vergegenwärtigen.

Im Evangelium: Jesus hat versprochen, er werde den Vater bitten, und der Vater wird uns einen anderen Beistand geben, der für immer bei uns bleiben soll.

Dieses Versprechen Jesu dient nicht dem Trost der damaligen Jünger, die Jesus zurücklassen wird.

Sondern: Dieses Versprechen Jesu ist eine Realität, die sich in die Geschichte hinein verlängert bis auf unsere Tage.

Was ist das für ein Geist, den Jesus versprochen hat und der vom Vater kommt?

Das Evangelium gibt Auskunft: Es ist der Geist der Wahrheit.

Diese Auskunft hat einen Rahmen im Evangelium:

Zuvor sagt Jesus: Wenn ihr mich liebt, dann werdet ihr meine Gebote halten.

Und am Ende sagt Jesus: wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

Die Liebe ist also der Rahmen für die Wahrheit.

Wahrheit und Liebe scheinen zusammenzugehören.

Liebe ohne Wahrheit wird zur Sentimentalität.

Wahrheit ohne Liebe wird zum Rigorismus.

Der Heilige Geist arbeitet in unseren Herzen, damit wir wachsen in der Wahrheit und in der Liebe.

In der Geschichte der Kirche hat es viele Werk der Liebe gegeben, lange bevor die Staaten entstanden und soziale Funktionen übernahmen.

Auch die Evangelisierung ist ein Werk der Liebe.

In der ersten Lesung hören wir von der missionarischen Dynamik der apostolischen Kirche. Die Verkündigung des Evangeliums begann zunächst in Jerusalem, dann überschritt sie die engen Grenzen Judäas, dann kam sie nach Samarien.

Der Inhalt der Verkündigung war Jesus, und zwar als der Christus, der Messias.

Und die Verkündigung des Wortes wurde begleitet von machtvollen Zeichen: Befreiungen und Heilungen, Zeichen der Gegenwart des Reiches Gottes.

Die Folge: so herrschte große Freude in jener Stadt.

Die Kirche wuchs in ihrer Einheit und in ihrer Ausdehnung, und dass - obwohl die Kirche keine staatlichen Privilegien genoss, ganz im Gegenteil, sie wurde verfolgt von ihrem jüdischen Ursprung.

In der zweiten Lesung hörten wir einen Abschnitt aus dem zweiten Petrusbrief.

Da werden sechs Merkmale genannt, welche die Christen in einer feindlichen Umwelt kennzeichneten.

Diese sechs Merkmale sind auch praktische Tipps für unsere christliche Lebensführung:

-        1. Christus im Herzen heilig halten

-        2. Ein reines Gewissen

-        3. Bescheiden und ehrfürchtig antworten, wenn wir angefragt werden nach dem Grund unserer Hoffnung.

-        4. Beschimpfungen und Verleumdungen ertragen

-        5. In der Gemeinschaft mit Christus ein rechtschaffenes Leben führen

-        6. Für gute Taten leiden, wenn es Gottes Wille ist

Das sind einige Haltungen, mit denen die Christen damals Zeugnis gaben von der Hoffnung, die sie erfüllte, und sie waren effizient.

Nun hat Jesus seiner Kirche, also uns: den Heiligen Geist verheißen und gesandt.

Und was soll der Heilige Geist tun? Er soll das, was Jesus in der Zeit vollbracht hat, einmalig, historisch, - das soll der Heilige Geist im Lauf der Zeit präsent halten.

Und das geschieht in besonderer Weise in der Feier der Eucharistie.

-        Der Geist des Herrn schafft die Verbindung zwischen uns, zwischen unserer Gemeinde und den anderen Gemeinden, die heute dieselbe Eucharistie feiern,

-        der Geist der Wahrheit hilft den Predigern, das Wort Gottes richtig zu verkünden, -        und er hilft den Hörern, das Verkünde richtig zu verstehen,

-        der Geist der Wahrheit lässt das verkündete Wort die Herzen der Höhrer durchdringen, damit es allmählich unsere persönliche Lebensgestaltung im Sinne des Evangeliums verändert.

-        Im eucharistischen Hochgebet rufen wir den Heilige Geist auf die Gaben von Brot und Wein herab, damit sie uns werden Leib und Blut Christi.

-        Und wir rufen den Heiligen Geist auf uns herab, damit wir ein Leib und Geist werden in Christus und damit wir zu einer Gabe werden, an der der Vater sein Wohlgefallen hat.

Es geht immer um Verwandlung in ein Besseres und in ein Mehr.

Nicht nur jetzt, in der Feier der heiligen Messe.

Auch in einem größeren Kontext.

Bei der Eröffnung dieser heiligen Messe haben wir gebetet:

Allmächtiger Gott, lass uns die österliche Zeit in herzlicher Freude begehen und die Auferstehung unseres Herrn preisen.

Österliche Zeit. Das sind 7 Wochen. Eine Woche hat 7 Tage. 7 x 7 = 49 Tage.

Jetzt könnte man fragen:

Warum sollen wir die österliche Zeit in herzlicher Freude begehen?

Und warum sollen wir die Auferstehung unseres Herrn preisen?

Die Antwort kommt im weiteren Verlauf des Tagesgebets.

Damit das österliche Geheimnis, das wir in diesen 50 Tagen feiern, unser ganzes Leben prägt und verwandelt. Prägt und verwandelt.

In diesen 50 Tagen der Osterzeit. Also kommt zu den 49 Tagen noch ein Tag hinzu, dann haben wir 50.

Und fünfzig heißt auf Griechisch: Pentekoste. 50 Tage.

Der 50. Tag ist also kein Fest des Heiligen Geistes, sondern die Vollendung des österlichen Geheimnisses, damit es unser ganzes Leben geprägt und verwandelt.

Am Donnerstag feiern wir das wunderschöne Hoch-Fest der Himmelfahrt des Herrn. Danach beginnt die Pfingst-Novene.

Die neun Tage der Vorbereitung auf Pfingsten als der Vollendung des österlichen Geheimnisses. Gemeinsam mit der Gottesmutter, der Braut des Heiligen Geistes, erflehen wir eine erneute Ausgießung des Heiligen Geistes.

Warum tun wir das, da wir doch alle den Heiligen Geist schon empfangen haben in der Taufe?

Wenn wir den Heiligen Geist auf uns herabrufen, dann tun wir das nicht, um mehr zu bekommen, sondern damit geben wir dem Heilgen Geist die Erlaubnis, in uns zu wirken, damit unser ganzes Leben von dem österlichen Geheimnis immer mehr geprägt und verwandelt werde.

Dienstag, 17. März 2026

Eine Typologie christlicher Witwenschaft - 10 Typologien

 

Typologie christlicher Witwenschaft


I. Paradigmatische Witwen der Schrift

Diese Gruppe zeigt die Urformen geistlicher Witwenschaft: existentielles Vertrauen auf Gott, Treue im Handeln und mutige Entscheidungen in Grenzsituationen.

  • Judit (AT, ca. 2. Jh. v. Chr.): Retterin ihres Volkes durch Mut und Glauben. Einladung: Wage es, auch in deiner Verwundbarkeit Werkzeug Gottes zu sein.

  • Rut (AT, ca. 12.–11. Jh. v. Chr.): Vorbild für Treue und Vertrauen über Grenzen hinweg. Einladung: Geh deinen Weg treu weiter, auch wenn Zukunft noch unklar ist.

  • Witwe von Sarepta (1 Kön 17): Vertrauen trotz äußerster Armut. Einladung: Vertraue, dass Gott gerade im Mangel neues Leben schenkt.

  • Die arme Witwe (Mk 12, ca. 30 n. Chr.): Radikale Hingabe. Einladung: Gib Gott dein „Wenig“ – es ist in seinen Augen alles.

  • Anna (Lk 2, 1. Jh. v. Chr./n. Chr.): Betende und wartende Prophetin. Einladung: Lass dein Leben zu einem stillen Ort der Gegenwart Gottes werden.

  • Tamar (Gen 38, 2. Jt. v. Chr.): Ringt um Gerechtigkeit in schwierigen Verhältnissen. Einladung: Scheue dich nicht, für dein Leben und deine Würde einzustehen.

  • Abigail (1 Sam 25, ca. 1000 v. Chr.): Kluge Vermittlerin. Einladung: Deine Weisheit kann Frieden stiften, wo andere nur Konflikt sehen.

  • Mutter der sieben Brüder (2 Makk 7, 2. Jh. v. Chr.): Treue im Leiden. Einladung: Vertraue darauf, dass dein Glaube auch durch Dunkelheit trägt.


II. Namenlose und repräsentative Witwen

Hier wird Witwenschaft als verbreitete soziale Realität sichtbar, die zunehmend auch kirchlich anerkannt wird.

  • Witwen der Jerusalemer Urgemeinde (Apg 6, 1. Jh.): Teil der ersten kirchlichen Sorge. Einladung: Du bist nicht übersehen – dein Leben gehört in die Mitte der Kirche.

  • Witwen in 1 Tim 5 (1. Jh.): Eigener geistlicher Stand. Einladung: Entdecke deine Würde als Berufung, nicht nur als Lebensumstand.

  • Frühchristliche Witwen (Didaskalia Apostolorum, 3. Jh.): Institutionalisierter Dienst. Einladung: Auch dein verborgener Dienst hat geistliches Gewicht.

  • Namenlose Witwen der Schrift: Unsichtbare Realität vieler Leben. Einladung: Gott kennt deinen Namen, auch wenn Menschen ihn nicht nennen.


III. Kontemplative und betende Witwen

Witwenschaft erscheint hier als Berufung zum Gebet und zur Fürbitte.

  • Anna: Vorbild unablässigen Gebets. Einladung: Dein Gebet kann ein Raum werden, in dem Welt und Gott sich begegnen.

  • Olympias von Konstantinopel († 408): Kontemplativ und engagiert. Einladung: Verbinde inneres Gebet mit einem offenen Herzen für andere.

  • Paula die Ältere († 404): Pilgerin und Beterin. Einladung: Dein Weg darf dich tiefer in die Nähe Gottes führen.


IV. Lehrerinnen, Gebildete, geistliche Autoritäten

Diese Witwen werden zu Trägerinnen geistlicher Erkenntnis.

  • Monika (ca. 331–387): Beharrliches Gebet einer Mutter. Einladung: Vertraue, dass dein Gebet Leben verändern kann.

  • Marcella (ca. 325–410): Zentrum geistlichen Austauschs. Einladung: Teile deinen Glauben – er wächst im Gespräch.

  • Paula von Rom (347–404): Förderin theologischer Arbeit. Einladung: Deine Fähigkeiten dürfen dem Reich Gottes dienen.

  • Lea von Rom († ca. 384): Geistliche Leiterin. Einladung: Nimm deine innere Autorität ernst.

  • Melania die Ältere (ca. 350–410): Lehrerin des Glaubens. Einladung: Deine Erfahrung kann anderen Orientierung geben.

  • Egeria (4. Jh.): Pilgerin und Beobachterin. Einladung: Geh deinen Glaubensweg bewusst und aufmerksam.


V. Diakonische und karitative Witwen

Witwenschaft wird hier zur Quelle tätiger Liebe.

  • Tabita (Dorkas) (Apg 9, 1. Jh.): Werke der Barmherzigkeit. Einladung: Kleine Taten der Liebe haben ewigen Wert.

  • Fabiola von Rom († 399): Dienst an Kranken. Einladung: Auch aus Bruch kann heilende Liebe wachsen.

  • Paula von Rom: Armenfürsorge. Einladung: Dein Besitz kann zum Segen für andere werden.

  • Olympias: Weitreichende Hilfe. Einladung: Dein Engagement darf größer sein, als du denkst.

  • Melania die Jüngere (383–439): Radikaler Verzicht. Einladung: Loslassen kann Freiheit und neue Fülle schenken.

  • Elisabeth von Thüringen (1207–1231): Dienst an Armen. Einladung: Begegne Christus im leidenden Menschen.

  • Elisabeth von Portugal (1271–1336): Friedensstifterin. Einladung: Werde zur Brücke, wo Konflikte trennen.


VI. Witwenschaft als „zweite Berufung“

Das Leben wird nach Verlust neu auf Gott hin ausgerichtet.

  • Melania die Jüngere: Neuanfang im Glauben. Einladung: Dein Leben ist nicht zu Ende – es beginnt neu vor Gott.

  • Olympias: Ganz im Dienst der Kirche. Einladung: Deine Geschichte kann zu einer Sendung werden.

  • Paula von Rom: Wandlung zur Leitfigur. Einladung: Gott kann dein Leben neu formen.

  • Galla von Rom (5. Jh.): Entschiedenheit. Einladung: Triff bewusst eine neue geistliche Wahl.

  • Francesca von Rom (1384–1440): Gemeinschaftsgründerin. Einladung: Aus deinem Leben kann neue Gemeinschaft entstehen.


VII. Politisch, gesellschaftlich und kirchlich wirksame Witwen

Diese Witwen übernehmen Verantwortung im öffentlichen Raum.

  • Judit: Politische Retterfigur. Einladung: Hab Mut, Verantwortung zu übernehmen.

  • Römische Aristokratinnen: Einflussreiche Frauen. Einladung: Nutze deinen Einfluss zum Guten.

  • Pulcheria (399–453): Politisch prägend. Einladung: Glaube darf auch öffentlich wirksam sein.

  • Olympias: Vermittlerin. Einladung: Sei eine Stimme der Versöhnung.

  • Elisabeth von Portugal: Friedenspolitik. Einladung: Dein Handeln kann Frieden stiften.


VIII. Verborgene, durchhaltende, treue Witwen

Diese Gruppe erinnert an stille Heiligkeit im Alltag.

  • Witwen in Nekrologen: Treue im Verborgenen. Einladung: Dein stilles Durchhalten ist vor Gott kostbar.

  • Lokale Überlieferungen: Tragende Säulen. Einladung: Auch ohne Sichtbarkeit trägst du Kirche mit.


IX. Biographisch gebrochene Witwen

Erfahrung von Bruch und Umkehr wird fruchtbar.

  • Fabiola von Rom: Umkehr nach Bruch. Einladung: Deine Vergangenheit ist kein Hindernis für Gottes Zukunft.

  • Frauen mit komplexen Lebensgeschichten: Zeitübergreifend. Einladung: Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade.


X. Geistlich unsichtbare, aber kirchlich tragende Witwen

Diese Gruppe würdigt die verborgene Kraft beständiger Leben.

  • Namenlose Witwen aller Epochen: Trägerinnen von Kontinuität. Einladung: Dein treues Leben ist ein Fundament für andere.


Hinweis: Die spirituellen Sätze verstehen sich als Einladung zur persönlichen Aneignung der jeweiligen Berufung.

Mittwoch, 11. Februar 2026

 

Gebet zur Weihe der Witwen in der liturgischen Fassung, mit:

  • heilsgeschichtlicher Anamnese (AT und NT),

  • kirchengeschichtlicher Entfaltung,

  • eucharistischer Nahtstelle („Darum bitten wir dich:“),

  • epikletischer Dreigliederung,

  • doxologischem Abschluss,

  • dreifach gesungenem Amen.

Weihegebet zur Consecratio Viduarum

Lasst uns beten.

Gott, du treuer und barmherziger Vater,
du Ursprung allen Lebens
und Vollender aller Berufung,
du bleibst derselbe in Ewigkeit
und führst dein Volk durch die Zeiten.

Du hast den Menschen in Liebe erschaffen
und Mann und Frau verbunden
im Bund der Ehe.
Du hast ihre Gemeinschaft gesegnet
und ihre Treue gestärkt.

Wenn aber der Tod die Ehe löst,
bleibt deine Treue bestehen.
Was vor Menschen endet,
wird vor dir verwandelt.

Schon im Alten Bund
hast du Witwen nicht verlassen.

Du hast Rut aus Moab geführt,
die in Treue bei Noomi blieb
und im Vertrauen auf dich
eine neue Heimat fand.

Du hast Judit gestärkt
zu Mut und entschlossenem Handeln,
damit sie dein Volk rettete
und deine Macht offenbarte.

Du hast die Witwe von Sarepta geprüft
und ihren Glauben belohnt,
als sie dem Propheten Elija vertraute
und das Wenige teilte, das sie besaß.

Du hast das Opfer der armen Witwe gesehen,
die alles hingab, was sie zum Leben hatte,
und sie vor allen gerühmt.

Du hast Hanna im Tempel erhalten,
die im Gebet verharrte
und die Erlösung Israels erwartete.

In deiner Kirche
hast du die Berufung der Witwen bewahrt.

Du hast sie versammelt
zum Dienst des Gebetes,
zur Fürbitte für dein Volk
und zum Zeugnis der kommenden Welt.

Du hast Tabita verherrlicht
durch ihre Werke der Barmherzigkeit.

Du hast Monika gestärkt
durch ihre Tränen, ihre Geduld
und ihre unerschütterliche Hoffnung.

Du hast in der Kirche Roms
heilige Witwen berufen:
Marcella, die dein Wort erforschte
und andere im Glauben unterwies;
Paula, die Besitz und Heimat verließ,
um dir in Armut zu folgen;
Lea, die im Verborgenen lebte
und in Askese und Demut
reiche Frucht brachte.

Du hast Elisabeth von Thüringen geführt,
die nach dem Verlust ihres Gatten
Armut wählte und den Kranken diente
und in tätiger Liebe
dein Erbarmen offenbarte.

Du hast Elisabeth von Portugal geführt,
die als Witwe Buße tat,
Frieden stiftete und die Not der Armen linderte
und inmitten der Welt
Zeugin deiner Versöhnung wurde.

Du hast Francesca von Rom geführt,
die als Witwe im Weltstand
Gebet und Dienst verband,
andere geistlich leitete
und deiner Kirche neue Wege erschloss.

Du hast viele Witwen gerufen,
deren Namen vor dir geschrieben stehen,
die getragen haben, was niemand sah,
und deren Leben deiner Kirche Halt gegeben hat
und bis heute
Frucht trägt in deinem Volk.

Du hast in all diesen Frauen gezeigt,
dass Witwenschaft vor dir
kein Ende, sondern Berufung ist,
kein Verlust ohne Verheißung,
sondern ein neuer Dienst
für deine Kirche und für die Welt.

Darum bitten wir dich:

Sende auf diese deine Dienerin
den Geist deiner Heiligkeit
und erfülle sie mit der Kraft deiner Gnade,

damit sie dir wohlgefalle
in Treue und lauteren Herzens
und standhaft bleibe
in der Hoffnung auf deine Verheißungen.

Heilige ihre Witwenschaft,
verwandle ihre Einsamkeit in Fruchtbarkeit des Gebetes
und mache ihr Leben zu einem Dienst der Liebe
für deine Kirche und für alle, die deiner Hilfe bedürfen.

Lass sie in ihrer Berufung
ein Zeichen der kommenden Welt sein,
ein Zeugnis der Auferstehung
und eine lebendige Erinnerung daran,
dass du allein die bleibende Hoffnung bist.

Darum stärke sie in deinem Geist
und vollende in ihr, was du begonnen hast.

Durch Christus, unseren Herrn.

Amen.
Amen.
Amen.

Fünf theologische Aspekte von Witwenschaft

 1.

Witwenschaft ist im Licht des Glaubens kein bloßer Verlustzustand, sondern eine von Gott eröffnete neue Berufung innerhalb der Kirche.

2.
Der Tod des Ehepartners beendet die sakramentale Ehe, doch er öffnet einen geistlichen Raum, in dem Treue, Gebet, Dienst und Hoffnung in neuer Weise Gestalt gewinnen können.

3.
Von Rut bis Francesca Romana, von der namenlosen armen Witwe bis zu den geistlich gebildeten Frauen Roms zeigt die Heilsgeschichte, dass Witwen Trägerinnen kirchlicher Fruchtbarkeit, Fürbitte, Diakonie und geistlicher Autorität sein können.

4.
Die Weihe der Witwe – als Sakramentalie – bestätigt nicht eine vergangene Bindung, sondern heiligt die gegenwärtige Lebensform und stellt sie ausdrücklich in den Horizont der Auferstehung.

5.
So wird Witwenschaft zu einem Zeichen der kommenden Welt: zu einem stillen, aber wirksamen Zeugnis dafür, dass Christus selbst die bleibende Treue, die letzte Hoffnung und der eigentliche Bräutigam seiner Kirche ist.

Ergebnis

Witwenschaft nicht als Defizit, sondern als neue Berufung im österlichen, ekklesialen, eschatologischen Horizont.

Sonntag, 8. Februar 2026

Predigt am 5. Sonntag im Jahreskreis in der Klosterkirche St. Ottilien

 

Predigt in der Heiligen Messe am 5. Sonntag im Jahreskreis,

8. Februar 2016 in der Klosterkirche St. Ottilien

Liebe Brüder und Schwester,

ich schlage vor, dass wir die Lesungen dieses Sonntags ein wenig betrachten, um zu erkennen, was Gott uns durch sein Wort sagen möchte.

Erste Lesung Jesaja 58,7-10

Wie können wir Gott richtig verehren? Und: Wann erhört Gott unsere Gebete? Gibt es da eine Vorbedingung seitens Gottes?

Antwort: Wenn wir das tun, was Gott von uns verlangt. Und was verlangt er?

Gott macht klare Ansagen.

Das haben wir gehört in der Ersten Lesung.

An die Hungrigen dein Brot austeilen.

Wenn du einen Nackten siehst, ihn bekleiden.

Dich deinen Verwandten nicht entziehen.

Der Unterdrückung bei dir ein Ende machen.

Auf keinen mit dem Finger zeigen.

Niemanden verleugnen.

Dem Hungrigen dein Brot reichen

Den Darbenden satt machen.

Die katechetische Tradition (KKK 2447) spricht von den 7 Werken der leiblichen und der geistigen Barmherzigkeit.

Die sieben Werk der leiblichen Barmherzigkeit:

1. Hungernde speisen,

2. Dürstenden zu trinken geben,

3. Nackte bekleiden,

4. Fremde aufnehmen,

5. Kranke besuchen,

6. Gefangene besuchen,

7. Tote begraben

die sieben Werke der geistlichen Barmherzigkeit

1. Unwissende lehren,

2. Zweifelnde beraten,

3. Trauernde trösten,

4. Sünder zurechtweisen,

5. Beleidigern gern verzeihen,

6. Lästige geduldig ertragen,

7. für Lebende und Verstorbene beten.

Wenn wir das tun oder uns in diese Richtung bewegen, dann haben wir schöne

Verheißungen, ebenfalls in der heutigen Lesung:

Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte,

deine Wunden werden schnell vernarben.

Deine Gerechtigkeit geht dir voran,

die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach.

Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben.

Und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier bin ich.

Dann geht im Dunkel dein Licht auf,

und deine Finsternis wird hell wie der Mittag.

 

 

Zweite Lesung 1 Kor 2,1-5

Paulus hatte die Gemeinde in Korinth gegründet. Nun ist er im Gespräch.

Der Inhalt seiner Predigt war Jesus Christus, und zwar als einen Gekreuzigten.

Er war nicht zu den Korinthern gekommen, um sie durch seine Klugheit zu überzeugen.

Der Inhalt seiner Verkündigung war riskant: einen Gekreuzigten zu verkünden, der das Heil bringen soll, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit.

Paulus war kein großer, überzeugender Redner.

Was hat denn dann die Korinther zur Bekehrung geführt?

Vom griechischen Heidentum zum Christus-Bekenntnis?

Wenn es eben nicht die Überzeugungskraft und nicht die Redekunst des Paulus waren?

Es waren zwei Dinge:

Der Heilige Geist und die Kraft Gottes.

Es gilt immer und überall: so auch bei dieser Predigt, heute an diesem Sonntag und an diesem Ort in St. Ottilien: nicht eine gute Predigt öffnet die Herzen, sondern die Gnade Gottes, wenn wir wenigstens die Zustimmung zur Gnade nicht verweigern.

Ok, wir beten um die Bekehrung der Menschen, gut gemeint. Aber vielleicht haben wir zuerst Bekehrung nötig. Bitten wir den Herrn, er möge uns jene Bereiche zeigen, von denen er wünscht, dass wir ihm dort mehr nachfolgen und weniger unsere Vorlieben kultivieren.

Oder: seien wir etwas sparsamer mit schönen Worten, die mehr den eigenen Stolz befriedigen und den Ohren der Zuhörer gefallen, die aber keine Veränderung in der Lebensführung in Richtung Evangelium bewirken.

 

 

 

Evangelium Mt 5,13-16

Licht der Welt und Salz der Erde. Sie kennen das.

Wir Christen sind erst mal Menschen wir alle anderen auch: wir leben und arbeiten in der Welt – das ist keine Neuigkeit.

Und doch unterscheiden wir uns von den anderen: unser Glaube und unsere Liebe machen uns zum Salz und zum Licht.

Jetzt können wir uns gut fühlen, wenn wir vom Herrn eine solch tolle Bestätigung bekommen, obwohl wir doch wissen, wie miserabel unser Leben tatsächlich ist und verläuft.

Schauen und hören wir genauer hin.

Das Salz macht die Speisen schmackhaft, das Licht erleuchtet die Dinge und lässt den Weg erkennen.

So soll ein Christ sein: dazu fähig, dem Leben seinen wahren Geschmack zu geben und das Leben mit dem richtigen Licht zu erleuchten. Es gibt verschieden Arten von Licht: das grelle Licht der Analyse, das kalte Neon-Licht der Distanziertheit, das trübe Licht der Esoterik, und das milde und warme Licht des Heiligen Geistes.

Jesus erwartet nicht von uns schöne Worte, über die Paulus auch nicht verfügte.

Jesus spricht von den guten Werken.

Wozu dienen unsere guten Werke, wenn wir sie denn tun?

Originalton Jesu: Damit die Menschen eure guten Werke sehen und den Vater im Himmel preisen!

Aha, das ist ja Mission, Evangelisierung oder Neu-Evangelisierung.

Unsere guten Werke sind so etwas wie Zeichen der Gegenwart Gottes unter den Menschen und in ihrer Lebensgeschichte.

Ihr seid das Licht in der Dunkelheit der Welt, /

Ihr seid das Salz für die Erde. /

Denen, die suchen, macht hell den schweren Weg. (GL 483,2)

Wenn wir das Gute tun, die Werke der leiblichen und der geistigen Barmherzigkeit, dann machen wir Gott gegenwärtig. Wir weisen auf ihn hin. Wir führen Menschen zu ihm, der Erfüllung ihrer unbewussten Sehnsüchte.

Samstag, 31. Januar 2026

Drei starke Frauen - von vielen: Witwen und Laiin

 Ja, St. Elisabeth von Ungarn (1207–1231) war unter kanonischem Aspekt bis zu ihrem Tod eine Laiin, genauer eine weltliche Terziarin (Secular Third Order) des hl. Franziskus.[1] [7]

Als Landgräfin verheiratet mit Ludwig IV. von Thüringen (gest. 1227), Mutter dreier Kinder, führte sie zunächst ein Laienleben mit intensiver Frömmigkeit, Werken der Barmherzigkeit und franziskanischer Spiritualität unter der Leitung von P. Rodeger und später Konrad von Marburg.[1] [7] Nach der Vertreibung durch ihren Schwager Heinrich Raspe (1227) gründete sie in Marburg ein Hospital für 28 Kranke, half täglich 900 Armen, lebte in extremer Armut und Buße, folgte der Third-Order-Regel (Gebet, Fasten, Almosen), legte aber keine feierlichen Gelübde (Armut, Keuschheit, Gehorsam) ab und blieb im Weltstand – ohne Klausur oder monastische Profess.[1] [8] [9] Der Regular Third Order (mit Profess) entstand erst später und galt nicht für sie.[1]

Kanonisch (vgl. CIC 1983 Can. 573–606) fehlte ihr der Status einer Religiösen; sie war eine fromme Laiin, deren Heiligkeit in der Nachfolge Christi „in der Welt“ lag. Papst Gregor IX. kanonisierte sie 1235 als Vorbild für Terziaren.[7]

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Ja, St. Elisabeth von Thüringen (1207–1231, auch „Elisabeth von Ungarn“ genannt) war unter kanonischem Aspekt bis zu ihrem Tod eine Laiin, konkret eine weltliche Terziarin (Secular Third Order) des hl. Franziskus.

Als Landgräfin, Ehefrau und Witwe lebte sie nach dem Tod ihres Mannes Ludwig IV. (1227) in extremer Armut und Buße, gründete ein Hospital in Marburg und pflegte Kranke, folgte der Terziarenregel (Gebet, Fasten, Almosen), legte jedoch keine feierlichen Gelübde der Evangelischen Räte ab und blieb im Weltstand ohne Klausur oder monastische Profess (vgl. CIC 1983 Can. 573 §2: Religiöse durch öffentliche, feierliche Profess). Der Regular Third Order mit Profess entstand später und galt nicht für sie. Papst Gregor IX. kanonisierte sie 1235 als Vorbild für Laienheiligkeit.

Zusammenfassung: Kanonisch Laiin im franziskanischen Laienstand, deren Heiligkeit in der Nachfolge Christi „in der Welt“ lag.[1] [2]

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Ja, St. Elisabeth von Portugal (1271–1336) war unter kanonischem Aspekt bis zu ihrem Tod eine Laiin, speziell eine weltliche Terziarin (Secular Third Order) des hl. Franziskus.

Als Witwe König Diniz’ I. (gest. 1325) trat sie dem Dritten Orden bei und führte ein Leben strenger Buße, des Gebets (volles Stundengebet), Fastens und intensiver Barmherzigkeit: Sie baute Spitäler und Almosenhäuser, versorgte Kranke und Arme, blieb jedoch im Weltstand mit Hofstaat und Freiheit, ohne Klausur oder Gemeinschaftsleben.[1] Der Secular Third Order ist für Laien „living in the world“ konzipiert, die eine Regel (Gebet, Fasten, Almosen) befolgen, ohne feierliche Profess der Evangelischen Räte (Armut, Keuschheit, Gehorsam).[2] [8] Kanonisch (vgl. CIC 1983 Can. 573 §2: Religiöse durch öffentliche Profess; Can. 303 für Säkularinstitute) behielt sie ihren Laienstatus – analog zu St. Elisabeth von Ungarn.[7]

Der Regular Third Order (mit Profess und Gemeinschaft) passt nicht: Er entstand später und galt für Klöster.[2] Ihre Heiligkeit lag in der Nachfolge Christi als fromme Laiin.[1]

Zusammenfassung: Bleibend Laiin, Vorbild für Terziaren im Weltleben.[8]

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Ja, Santa Francesca Romana (1384–1440) war unter kanonischem Aspekt bis zu ihrem Tod eine Laiin.

Sie emittierte am 15. August 1425 mit neun Gefährtinnen die solenne Oblation und gründete die Benedictine Oblate Congregation von Tor de’ Specchi (approbiert 1433 von Eugen IV.), folgte der Benediktsregel, lebte aber ohne formale monastische Profess (keine feierlichen Gelübde von Stabilität, Conversio morum oder Gehorsam) und ohne strenge Klausur.[1] [5] Die Oblatinnen waren „not, in the strict sense, nuns“: Sie behielten Laienstatus, konnten Eigentum besitzen, heiraten oder austreten, widmeten sich Gebet, Kontemplation und Werken der Barmherzigkeit als Laiengemeinschaft.[5] Nach dem Tod ihres Mannes (1436) wurde sie als Superioress Priorin, blieb jedoch kanonisch keine Religiöse im Sinn des status perfectionis (vgl. CIC 1983 Can. 573 §2: öffentliche Profess für Religiöse).[1] [12]

Ihre Heiligkeit (kanonisiert 1608) wurzelt in diesem radikalen Laienleben der Nachfolge Christi.[1]

Zusammenfassung: Kanonisch Laiin in oblationsgebundener Gemeinschaft, Vorläuferin säkularer Institute.[5]