Mittwoch, 27. Mai 2026

Predigt am Pfingstmontag 2026 in Reith in Österreich

 

Predigt zum Pfingstmontag 25. Mai 2026 Reith im Alpbachtal, Tirol

 

Livestream aus Reith:

Youtube-Kanal Pfarre Reith i. A. & Pfarre Bruck i. Z.

 

Erste Lesung Apg 10,34-35.42-48a - Zweite Lesung Eph 4,1b-6 - Joh 15,26-16,3.12-15

Liebe Schwestern und Brüder, nur einmal im Jahr feiern wir Pfingsten. - Aber: was an Pfingsten geschieht, das geht weiter, das kann immer geschehen.

Die Lesungen zeigen uns: Der Heilige Geist sprengt Grenzen, äußere und innere Grenzen.

In der ersten Lesung aus der Apostelgeschichte hören wir von Petrus: „Gott macht keinen Unterschied zwischen den Menschen.“

Petrus hatte zunächst gemeint, mit allen anderen: Die Heiden sind ausgeschlossen vom Heil, das nur den Juden gehört. - Und jetzt: Der Heilige Geist hat diese Grenzen aufgebrochen.

Warum ist das so wichtig? Weil auch wir Menschen dazu neigen, Grenzen zu ziehen:

  • zwischen „wir“ und „die anderen“ , zwischen „gut“ und „schlecht“
  • zwischen denen, die wir mögen – und denen, die wir ablehnen

Und manchmal tragen wir diese Grenzen nicht nur im Kopf – sondern tief im Herzen.

Die zweite Lesung aus dem Epheserbrief sagt uns: „Bewahrt die Einheit im Geist durch das Band des Friedens.“

Einheit ist eine Frucht des Heiligen Geistes. Warum ist das so wichtig?

Weil wir un-eins sind. Mit uns selbst. Es gibt diese Zerrissenheit in uns, diese Spaltung.

Aber auch die Un-einheit zu den anderen: die wir mögen und die wir ablehnen, missachten, verachten, anklagen.

Warum ist das so? Warum tragen wir Spannungen, Verletzungen und Distanz in uns?

In meinem Büchlein (Innere Heilung und Befreiung durch Vergebung) habe ich das so erklärt: Wir leiden nicht an dem, was uns angetan worden ist, vielleicht vor vielen Jahren, sondern daran, wie wir damit umgehen.

Wir leiden daran, dass wir nicht vergeben haben, oder nur halbherzig, nicht richtig vergeben haben.

Das bedeutet: Der Schlüssel zur Veränderung liegt in uns.

Wir haben die Freiheit zur Veränderung und wir haben die Verantwortung für unsere Veränderung.

Das Evangelium spricht vom Heiligen Geist als dem Beistand, dem Geist der Wahrheit.

Dieser Geist der Wahrheit tut zwei Dinge:

1.    Er zeigt uns die Wahrheit unseres Lebens, unserer Vergangenheit.

2. Er gibt uns Kraft, in dieser Wahrheit zu verändern im Sinne des Evangeliums.

Was ist diese Wahrheit?

  • Ich bin verletzt worden, vielleicht schon vor vielen Jahren, in meiner Kindheit.
  • Ich habe immer noch nicht vergeben.
  • Vielleicht habe ich gesagt: Das verzeihe ich nie!
  • Ich trage Groll in mir. Ich halte fest an der Verletzung. - Ich vergebe nicht.

Vielleicht sagst du dann auch noch: „Es tut so weh, ich leide so sehr, darum: ich vergebe nicht.“

Dann sage ich: Das ist doch unvernünftig. Du hast lange genug gelitten. - Darum frage ich dich: Geht es dir denn besser, wenn du nicht vergibst?

Der Geist der Wahrheit sagt dir: der Schlüssel zur Veränderung liegt in dir:

Du hast die Freiheit zur Veränderung und du hast die Verantwortung für deine Veränderung.

Du kannst vergeben: wenn du frei werden willst. Wenn du zu deiner inneren Einheit kommen willst. Wenn du zur Einheit mit den Menschen kommen willst, von denen du dich getrennt hast.

Wenn wir uns nicht für die Vergebung entscheiden, wenn wir nicht vergeben mit unserem Willen und mit unserem Herzen, dann bleibt das bittere Gift der Anklage in uns, und langsam vergiften wir uns.

Unvergebenheit bindet uns an die Vergangenheit. hält Wunden offen. verschließt unser Herz. Und Satan freut sich.

Und da brauchen wir den Heiligen Geist. Er ist der „Tröster“ und öffnet unser Herz, wenn wir es ihm erlauben.

Denken wir noch einmal an die erste Lesung:

Der Heilige Geist fällt auf Menschen, die vorher ausgeschlossen waren. Auf Heiden, die vom Volk Gottes der Juden ausgeschlossen waren.

Vielleicht ist das auch ein Bild für uns: Gibt es Menschen, die ich innerlich ausgeschlossen habe? Aus meinem Herzen? Aus meiner Liebe?

Pfingsten bedeutet: Gott schließt niemanden aus. Und Gott bittet dich: dasselbe zu tun.

Aber das schaffst du nicht aus deiner Kraft. Das weiß auch der liebe Gott.

Darum hat er uns den Heiligen Geist geschenkt, schon in der Taufe, und zwar zu 100 %.

Vergebung ist nur möglich in der Kraft des Heiligen Geistes.

Das ist die gute Nachricht: Du musst nicht warten, bis du „bereit“ bist.
Du darfst anfangen, weil Gott dir die Kraft gibt.

Und vielleicht ist der erste Schritt ganz klein: mit einem einfachen Gebet:

„Herr, ich will vergeben, bitte hilf mir dabei.“ Und das genügt. - Denn: Vergebung ist ein Prozess. Ein Weg, auf dem der Heilige Geist uns führt.

Die zweite Lesung sagt: „Ertragt einander in Liebe.“

Und Liebe ist kein Gefühl. Sondern eine Entscheidung. Zum Beispiel: Ich entscheide mich, endlich zu vergeben, mit dem Willen und mit dem Herzen in der Kraft des Heiligen Geistes.

Und was geschieht dann? Das erkläre ich auch in meinem Büchlein: Wenn wir so vergeben, dann entriegeln wir unser Herz. Wir entfernen die Riegel, die wir damals vor unser Herz gezogen haben, als wir verletzt wurden und uns schützen mussten, vor neuen Verletzungen.

Wenn wir unser Herz entriegeln, dann kann die Heilungsmacht des kostbaren Blutes Jesu unsere Wunden erreichen und der Balsam des Heiligen Geistes legt sich auf unsere Wunden. Und es beginnt der Prozess der inneren Heilung.

Pfingsten ist ein Fest des Herzens. Das ist heute ein guter Moment, sich zu fragen:

  • Wen trage ich noch in Unversöhntheit in mir?
  • Wo halte ich fest?  Wo ist mein Herz noch verschlossen?

Und dann beten wir: „Komm, Heiliger Geist, du Geist der Wahrheit, du kennst mein Herz.

Zeige mir, wo ich vergeben soll. Gib mir die Kraft, loszulassen.
Öffne, was verschlossen ist. Heile, was verwundet ist.“

Und dann geschieht Pfingsten – heute und immer, in dir. Amen.

Predigt an Pfingsten, Messe am Tage

 

Predigt zu Pfingsten in der Messe am Tage

24. Mai 2026 in der Pfarrei Reith im Alpbachtal


Livestream aus Reith: 

Youtube-Kanal Pfarre Reith i. A. & Pfarre Bruck i. Z.

 

Erste Lesung Apg 2,1-11 - Zweite Lesung 1 Kor 12,3b-7.12-13 - Evangelium Joh 20,19-23

Liebe Schwestern und Brüder, die Lesungen führen uns mitten hinein in das Geheimnis von Pfingsten – und hinein in unser eigenes Herz.

In der ersten Lesung aus der Apostelgeschichte hören wir von dem gewaltigen Ereignis: Ein Brausen vom Himmel, Feuerzungen, Menschen, die plötzlich in neuen Sprachen sprechen.

Was ist da eigentlich geschehen? - Nicht nur ein äußeres Wunder – sondern eine innere Verwandlung. Aus ängstlichen, verschlossenen Jüngern werden freie Menschen.

Auch im Evangelium gibt es „Verschlossen-sein“. Es heißt: „Die Türen waren verschlossen aus Furcht.“

Das ist ein starkes Bild. Kennst du das: diese verschlossenen Türen?

  • Türen der Enttäuschung
  • Türen von Verletzungen
  • Türen, hinter denen wir uns schützen

Und dann geschieht etwas. Jesus kommt und sagt zwei Dinge:

1.   „Friede sei mit euch.“

2.   Und dann haucht er sie an: „Empfangt den Heiligen Geist.“

Und unmittelbar danach sagt er etwas, das oft überhört wird: „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben.“

Pfingsten und Vergebung gehören zusammen. Warum?

Weil der Heilige Geist etwas schafft. Er schafft versöhnte Herzen.

Die zweite Lesung aus dem Erster Korintherbrief sagt:
„Es gibt verschiedene Gaben, aber nur den einen Geist.“

Dieser eine Geist wirkt in jedem von uns unterschiedlich –
aber immer mit demselben Ziel: Heilung und mehr an Leben.

Verschlossene Herzen kommen nicht von dem, was uns widerfahren ist –
sondern davon, dass wir immer noch nicht vergeben haben.

Obwohl der Heilige Geist uns diese Möglichkeit der Vergebung schenkt.

Die verschlossenen Türen im Evangelium sind die verschlossenen Räume unseres Herzens.

Wir haben die Türe unseres Herzens verschlossen, weil wir zu sehr verletzt worden sind.

Wir haben nicht nur nicht vergeben, sondern wir haben uns auch noch verschlossen.

Wir wollten uns vor neuen Verletzungen schützen und haben zu gemacht. Und Satan freut sich.

In meinem Büchlein (Innere Heilung und Befreiung durch Vergebung) erkläre ich: Vergebung ist nichts Oberflächliches, ist auch nicht einfach. Heißt nicht: Schon gut, habe ich schon vergessen, man soll die alten Sachen ruhen lassen…

Vergebung, wie Jesus sie von uns erbittet, ist etwas Anspruchsvolles: Vergebung, das ist eine Entscheidung kraft unseres Willens und eine Entscheidung des Herzens. Das ist ein Prozess.

Und jetzt kommt die Gnade von Pfingsten: Denn Jesus sagt nicht: „Streng dich mehr an! Reiss dich zusammen!“

Du musst das nicht aus eigener Kraft schaffen.

Jesus sagt: „Empfangt den Heiligen Geist.“

Der Heilige Geist ist die Kraft, die uns überhaupt erst fähig macht zu vergeben.

Wir können vergeben, weil wir den Geist empfangen haben. Wann? In der Taufe. Wieviel haben wir vom Heiligen Geist empfangen? 100 %

In der Kraft des Heiligen Geistes, in der Kraft der Taufgnade – kannst du vergeben.

Nicht aus eigener Stärke. Nicht aus moralischem Druck. Sondern aus Gnade

Vielleicht denkt jetzt jemand: „Ich will vergeben – aber ich kann nicht.“

Das ist ein guter Ausgangspunkt. Warum? Weil du hier erst mal dein Unvermögen erkannt und bekannt hast.

Dann ist genau das der Punkt, an dem Pfingsten beginnt. da kann die Gnade ansetzen.

Denn der Heilige Geist wirkt dort, wo wir sagen: „Ich kann nicht, aber ich will offen sein.“

Und noch etwas ist wichtig: Vergebung bedeutet nicht: das erlittene Unrecht nachträglich verkleinern! Es bleibt in seiner ganzen Tragik und Schwere bestehen.

Vergebung bedeutet: ich höre endlich auf mit den ewigen Anklagen, ich lasse los. Ich vergebe nach dem Willen Jesu und nach dem Beispiel Jesu. Und wenn ich wirklich vergebe, dann habe ich kein Recht mehr, weiterhin anzuklagen.

Und was geschieht dann?

Ich nenne es so: Wenn wir vergeben, wird unser Herz „entriegelt“. Dann kann der Heilige Geist meine tiefsten Wunden erreichen, dann kann die Heilungsmacht des Kostbaren Blutes Jesu meine Wunden erreichen, dann beginnt der Prozess der Heilung meiner Verletzungen.

Das ist Pfingsten: Der Geist kommt nicht über uns – er durchdringt uns, wenn wir ihm das erlauben.

Liebe Schwestern und Brüder, Pfingsten ist die Vollendung des österlichen Geheimnisses. Wir feiern den Sieg des Herrn über alles, was unser Leben vermindert. Das ist ein guter Anlass, sich zu fragen:

  • Gibt es jemanden, dem ich noch nicht vergeben habe?
  • Gibt es eine Tür in meinem Herzen, die noch verschlossen ist?

Dann müssen wir nicht alles heute lösen. Aber wir können beginnen.

Vielleicht mit einem einfachen Gebet:

„Herr Jesus Christus, du kennst mein Herz. Du kennst meine Verletzungen. Ich kann noch nicht ganz vergeben – aber ich will es wollen. Sende mir deinen Heiligen Geist.“

Und dann geschieht langsam, oft leise, aber real:

  • Verschlossene Türen öffnen sich
  • Herzen werden langsam entriegelt
  • Enge des Herzens weitet sich
  • Enge wird zu Weite
  • Verschlossenheit wird zu Leben

Das feiern wir heute, am Ende der heiligen 50 Tage, der österlichen Zeit:

Gott kommt nicht nur von außen – er öffnet uns von innen, wenn wir ihm das erlauben. Amen.

Predigt Pfingsten am Vorabend in Reith in Österreich

 

Predigt zu Pfingsten am Vorabend

23. Mai 2026 in der Pfarrei Reith, Alpbachtal

Erste Lesung Ezechiel 37,1-14 - Zweite Lesung Römer 8,22-27 - Evangelium Johannes 7,37.39

Liebe Schwestern und Brüder, die Lesungen haben eine innere Einheit: sie sprechen von Leben, von Geist und von Heilung.

In der ersten Lesung aus dem Buch Ezechiel sieht der Prophet ein Feld voller Totengebeine. Ein erschütterndes Bild: trocken, leblos, ohne Hoffnung. Und doch sagt Gott: „Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig.“

Dieses Bild beschreibt unser Inneres. Manchmal gibt es das in uns: abgestorben, hart geworden, vielleicht durch Verletzungen, Enttäuschungen oder alte Wunden.

Davon spreche ich in meinem Büchlein (Innere Heilung und Befreiung durch Vergebung):
Nicht die Verletzungen zerstören uns – sondern das, was wir daraus machen. wenn wir nicht vergeben.

Die zweite Lesung aus dem Römerbrief sagt: „Die ganze Schöpfung seufzt und liegt in Geburtswehen.“

Auch das kennen wir, dieses Seufzen. Es ist das Seufzen unseres Herzens, wenn wir an Menschen denken, die uns verletzt haben. und wir tragen immer noch Groll, Bitterkeit und Enttäuschung in uns.

Und es gibt eine Verheißung: „Der Geist tritt für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.“

Das heißt: Wo wir nicht mehr weiterwissen, wo wir sagen: „Ich kann nicht vergeben“, da kann der Heilige Geist in uns wirken, wenn wir ihm das erlauben.

Und dann, im Evangelium, die Einladung Jesu: „Wer Durst hat, komme zu mir und trinke… Ströme von lebendigem Wasser werden aus seinem Inneren fließen.“

Dieses lebendige Wasser ist der Heilige Geist.

Liebe Schwestern und Brüder, wenn wir diese drei Lesungen zusammennehmen, entsteht eine klare Botschaft in einem Dreischritt

·      Gott will Verletzungen heilen.

·      Der Heilige Geist wirkt in unserem Inneren.

·      Und das geschieht dort, wo wir uns öffnen.

Denn ein verschlossenes Herz kann dieses Wasser des Heiligen Geistes nicht aufnehmen.

Und hier kommt die Vergebung ins Spiel. Vergebung ist nicht einfach ein netter Rat Jesu – sie ist ein Befehle Jesu und ein innerer Weg zur Heilung.

·      Wenn wir nicht vergeben,

·      dann halten wir unsere Verletzungen fest,

·      wir klagen weiter an,

·      wir werden wie diese trockenen Gebeine aus der ersten Lesung.

·  Und wir haben kein Recht, von Gott die Vergebung unserer Schulden zu erbitten, wenn wir unseren Schuldigern nicht vergeben. und Satan freut sich.

Vergebung bedeutet nicht:

  • vergessen, was mir angetan worden ist
  • die Schuld klein-reden
  • nachträglich gutheißen,
  • auch nicht klein beigeben.

Vergebung ist: eine Entscheidung meines Willens. Ich entscheide mich, mit den ewigen Anklagen und den ewigen Vorwürfen aufzuhören.

Das ist eine Entscheidung des Willens! Aber das reicht nicht. Damit die Vergebung vollständig wird nach dem Herzen Jesus: darum muss die Vergebung auch aus meinem Herzen kommen.

Und jetzt kommt das Entscheidende der heutigen Botschaft: Wir müssen diesen Weg nicht allein gehen. Denn der Heilige Geist ist bereits in uns – seit unserer Taufe.

Der Geist, der:

  • die Totengebeine lebendig macht,
  • unser unaussprechliches Seufzen versteht,
  • und in uns zu einer Quelle wird.

Vielleicht sagen manche: „Ich will ja vergeben, aber ich kann nicht.“

Frage: Wer hindert dich denn an der Vergebung? Könnte es sein, dass du nicht vergeben willst?

Und eine andere Frage: Geht es dir denn besser, wenn du NICHT vergibst?

Begreife: Niemand hindert dich an deiner Vergebung. Nur dein eigener innerer Widerstand.

Zusage: Und da hilft dir der Heilige Geist, wenn du ihm das erlaubst.

Wenn du vergibst: mit dem Willen UND mit dem Herzen,  ---  dann geschieht etwas:

·        Du wirst Gott erfahren. Das Herz wird weiter. Der innere Druck lässt nach.

  • Die Erinnerung verliert ihren Schmerz. Du kannst dich an die Vergangenheit erinnern, ohne immer wieder erneut den Schmerz zu spüren.
  • Und vor allem: Das lebendige Wasser beginnt zu fließen.

Liebe Schwestern und Brüder, Pfingsten ist die Vollendung des österlichen Geheimnisses. Wir feiern den Sieg des Herrn über alles, was unser Leben vermindert. Das ist ein guter Anlass, sich zu fragen:

  • Wen habe ich noch nicht wirklich vergeben?
  • Welche „trockenen Gebeine“ trage ich in mir?
  • Wo ist mein Herz verschlossen?

Und dann hören wir die Einladung Jesu ganz persönlich: „Komm zu mir und trinke.“

Vielleicht beginnt alles mit einem einfachen Gebet: „Herr, ich kann noch nicht vergeben, aber ich will vergeben, ich bin jetzt bereit. Gib mir deinen Geist.“

Das genügt. Gott beginnt immer mit dem kleinen Ja. Und dann kann geschehen, was wir heute gehört haben:

  • Aus vertrockneten Gebeinen wird Leben,
  • Aus Enge wird Freiheit, jahre-alte Wunden werden geheilt.
  • verschlossene Herzen werden geöffnet und werden zu Quellen lebendigen Wassers – für sich und für andere. Amen.

Montag, 11. Mai 2026

Christi Himmelfahrt und der Teufel

Als ich ein wenig im Lektionar blätterte, stieß ich auf die patristische Vigil-Lesung vom Freitag nach Christi Himmelfahrt. Der Autor dieses Textes ist Papst Leo der Große, einer der Vorgänger unseres jetzigen Papstes Leo XIV.

Ich möchte diesen uralten Text aus dem 5. Jahrhundert in zwei Schritten präsentieren:
1) der Text, so wie er leicht zu finden ist, 
2) ich möchte den patristischen Text "runterbrechen", aufbröseln, und zwar mit der Methode von (schnippischen und kecken) Frage und von text-basierten Antwort. 

1) "In wessen Interesse aber kämpfen die irdischen Begierden, wenn nicht in dem des Teufels? Er findet sein Vergnügen daran, die nach dem Himmlischen Strebenden Seelen durch die Genüsse der vergänglichen Güter zu fesseln und von jenem Wohnsitz abzulenken, aus dem er herausgefallen ist. Gegen seine Nachstellungen muss jeder Gläubige weise wachen, damit er seinen Feind gerade durch das, worin er versucht wird, schlagen kann.
Nichts aber, Geliebte, ist stärker gegenüber den Listen des Teufels als barmherzige Güte und freigebige Liebe. Durch sie wird jede Sünde entweder vermieden oder besiegt.
So lasst uns also der Liebe nachjagen, ohne die keine Tugend wertvoll ist" (Leo der Große, gest. 461, Aus einer Predigt zum Festgeheimnis der Himmelfahrt Christi, zit. nach Lektionar zum Stundenbuch II/3, Seite 189).

2) Mal abgesehen, dass nur die Priester, Diakone, Ordensleute und andere wenige Laien, die das Stundengebet verrichten, mit diesem Text konfrontiert werden (wenn sie nicht statt dessen einen irischen Segen lesen), so frage ich mich, wie es wohl einem postmodernen Laien, dem sog. Durchschnitts-Christen, mit einem solchen Text und seinen Aussagen gehen mag.
Das fängt ja schon bei diesem Unwort "Teufel" an, der ja - angeblich - keiner Person sein soll, sondern nur eine literarische oder mythologischen oder psychoanalytischen Chiffre. Wie schön, da können wir uns ja beruhigt zurücklehnen.
Ein Papst aus dem 5. Jahrhundert spricht in seiner Festpredigt - wenn diese je so gehalten worden und nicht eine literarische Arbeit ist - ganz unbefangen vom Teufel und von dessen Aktivitäten. Was würde wohl einem Prediger geschehen, der es wagen sollte, auf dem synodalen Weg solche Aussagen in seiner Predigt zu bringen? Ich vermute mal: ein Sturm von Empörungs-Getöse würde losbrechen und infolge dessen bekäme der Prediger Predigt-Verbot.
Also, der "Teufel" ist doch erledigt. Ja, schon, aber Moment mal. Das ist ja eine doppeldeutige Aussage! Ist dieses teuflische Konzept pseudo-theologisch abgeschafft oder ist er als Person von Christus besieht? 
Im 5. Jahrhundert scheint man davon überzeugt gewesen zu sein, dass der Teufel ein Interesse habe. Um welches es sich dabei handelt, erfuhr der Zuhörer im Fortgang der Predigt etwas später.
Sodann wird behauptet, der Teufel habe Vergnügen?
Frage: Ach! Welches und woran?
Antwort: Zu fesseln. 
Frage: Wen zu fesseln? 
Antwort: Die Seele!
Frage: Welche Seele?
Antwort: Jene Seelen, die nach dem Himmlischen streben. Und nun höre gut zu. Denn es gibt noch andere Seelen, die das nicht tun (nach dem Himmlischen streben). Diese Seelen sind wohl nicht (mehr) Objekte seines Interesses. Und der Teufel hat noch ein zweites Interesse: Eben jene Seelen abzulenken.
Frage: Wovon abzulenken? 
Antwort: Von einem Wohnsitz.
Frage: Von welchem Wohnsitz und wo soll der Wohnsitz denn sein? 
Antwort: Vom Himmel, aus dem der Teufel herausgefallen ist. Und dann soll jeder Gläubige etwas tun.
Frage: Was denn? 
Antwort: Gegen die Nachstellungen des Teufels wachen.
Frage: Gegen was? 
Antwort: Gegen die Nachstellungen! 
Frage: Was ist das denn? 
Antwort: Das sind Verfolgungen, so jedenfalls das Bedeutungswörterbuch (Duden). 
Frage: Und wie ist da zu wachen? 
Antwort: Weise! Also weder hysterisch noch melancholisch noch depressiv noch abergläubisch noch bigott noch verleugnend, negierend, verdrängend..., sondern realistisch, eben: weise.
Frage: Warum? Wozu? 
Antwort Damit der solchermaßen weise wachende Gläubige den Feind schlagen kann.
Frage: Wieso Feind! Gibt es den denn? Es ist doch alles so friedlich, nett und stimmig und passend und gemütlich! Wir haben doch so tolle pastorale Großräume, ein tolles pastorales Personal, ein funktionierendes, hochkarätiges und gut bezahltes ZK und eine DBK und den so loyalen BDKJ.
Antwort: Schon, aber wie war das noch: "...die nach dem Himmlischen strebenden Seelen..." Der päpstliche Prediger des 5. Jahrhunderts scheint optimistisch: JEDER Gläubige soll weise den Feind schlagen.
Frage: Wodurch soll jeder Gläubige den Feind schlagen?
Antwort: Durch genau das, worin er vom Feind versucht wird: deine Schwachstellen.
Frage: Und wie geht das am besten? 
Antwort: Durch Güte und Liebe, aber nicht gegenüber dem Teufel, sondern gegenüber dem Nächsten.
Frage: Und was bewirken Güte und Liebe?
Antwort: Durch unsere Güte und Liebe vermeiden oder besiegen wir UNSERE Sünden.
Frage: Sünde, was ist das denn? das ist mir aber ganz neu. Könnte es sein, dass das irgendetwas mit Beichte zu tun hat? Aber ich bin mir da nicht sicher, denn im Beichtunterricht habe ich davon nichts gehört. Ich habe mal gehört, dass ich ein Beichtgespräch führen könne, wenn ich mal ein Problem habe. Aber von Sünden war in meiner Beichtvorbereitung keine Rede.
Antwort: Deinen Einwand verstehe ich sehr gut. Ich habe auch mal gebeichtet und nur meine Sünden und alle meine Sünden bekannt. Als ich fertig war, sagte mir ein Stadtpfarrer, der es wohl sehr gut mit mir meinte: "Aber Herr Pater, sie müssen doch auch sehen, was Sie Gutes getan haben!" Ich antwortete darauf: "Herr Pfarrer, ich dachte, in der Beichte soll der Beichtende nur seine Sünden und alle seine Sünden bekennen." Darauf kam keine Antwort.
Zurück zu deiner Frage: was ist Sünde? Sünde - das ist unsere Zustimmung zu den Listen des Teufels.
Schön, dass der Papst noch eine Tipp gibt: Der Liebe nachjagen. Und damit es da keine Missverständnisse gibt: "der Liebe nachjagen", das ist nicht dasselbe wie: Bock auf Sex haben.
Papst Leo d. Gr.: "Ohne die Liebe ist keine Tugend wertvoll." Liebe macht Tugend wertvoll. Anders gesagt: Ohne Liebe ist die Tugend wert-los. Wohlgemerkt: das ist ein päpstliches Statement." Liebe macht Tugend wertvoll." Machen wir die Anwendung am Beispiel der Tugend der Keuschheit. Die Keuschheit ist eine Tugend. Die Liebe macht die Tugend der Keuschheit wertvoll. Ohne die Liebe ist die Tugend der Keuschheit wertlos: Keuschheit - ohne Liebe - wertlos -- das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Aber davon vielleicht ein anderes Mal... sonst wird es zu viel.
FROHES FEST!C

Predigt am 6. Sonntag der Osterzeit in St. Ottilien

 

Predigt am 6. Sonntag der Osterzeit, 10. Mai 2026,

in der Klosterkirche von St. Ottilien

 

Erste Lesung Apostelgeschichte 8,5-8.14-17

Zweite Lesung 1 Petrus 3,15-18

Evangelium Johannes 14,15-21

Liebe Christen,

Wir sind immer noch in der Osterzeit. Der Heilige Geist arbeitet daran, das Ostergeheimnis, die österliche Realität, die größte Tat Gottes - in unseren Herzen und in den einzelnen Gemeinden der Kirche zu vergegenwärtigen.

Im Evangelium: Jesus hat versprochen, er werde den Vater bitten, und der Vater wird uns einen anderen Beistand geben, der für immer bei uns bleiben soll.

Dieses Versprechen Jesu dient nicht dem Trost der damaligen Jünger, die Jesus zurücklassen wird.

Sondern: Dieses Versprechen Jesu ist eine Realität, die sich in die Geschichte hinein verlängert bis auf unsere Tage.

Was ist das für ein Geist, den Jesus versprochen hat und der vom Vater kommt?

Das Evangelium gibt Auskunft: Es ist der Geist der Wahrheit.

Diese Auskunft hat einen Rahmen im Evangelium:

Zuvor sagt Jesus: Wenn ihr mich liebt, dann werdet ihr meine Gebote halten.

Und am Ende sagt Jesus: wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

Die Liebe ist also der Rahmen für die Wahrheit.

Wahrheit und Liebe scheinen zusammenzugehören.

Liebe ohne Wahrheit wird zur Sentimentalität.

Wahrheit ohne Liebe wird zum Rigorismus.

Der Heilige Geist arbeitet in unseren Herzen, damit wir wachsen in der Wahrheit und in der Liebe.

In der Geschichte der Kirche hat es viele Werk der Liebe gegeben, lange bevor die Staaten entstanden und soziale Funktionen übernahmen.

Auch die Evangelisierung ist ein Werk der Liebe.

In der ersten Lesung hören wir von der missionarischen Dynamik der apostolischen Kirche. Die Verkündigung des Evangeliums begann zunächst in Jerusalem, dann überschritt sie die engen Grenzen Judäas, dann kam sie nach Samarien.

Der Inhalt der Verkündigung war Jesus, und zwar als der Christus, der Messias.

Und die Verkündigung des Wortes wurde begleitet von machtvollen Zeichen: Befreiungen und Heilungen, Zeichen der Gegenwart des Reiches Gottes.

Die Folge: so herrschte große Freude in jener Stadt.

Die Kirche wuchs in ihrer Einheit und in ihrer Ausdehnung, und dass - obwohl die Kirche keine staatlichen Privilegien genoss, ganz im Gegenteil, sie wurde verfolgt von ihrem jüdischen Ursprung.

In der zweiten Lesung hörten wir einen Abschnitt aus dem zweiten Petrusbrief.

Da werden sechs Merkmale genannt, welche die Christen in einer feindlichen Umwelt kennzeichneten.

Diese sechs Merkmale sind auch praktische Tipps für unsere christliche Lebensführung:

-        1. Christus im Herzen heilig halten

-        2. Ein reines Gewissen

-        3. Bescheiden und ehrfürchtig antworten, wenn wir angefragt werden nach dem Grund unserer Hoffnung.

-        4. Beschimpfungen und Verleumdungen ertragen

-        5. In der Gemeinschaft mit Christus ein rechtschaffenes Leben führen

-        6. Für gute Taten leiden, wenn es Gottes Wille ist

Das sind einige Haltungen, mit denen die Christen damals Zeugnis gaben von der Hoffnung, die sie erfüllte, und sie waren effizient.

Nun hat Jesus seiner Kirche, also uns: den Heiligen Geist verheißen und gesandt.

Und was soll der Heilige Geist tun? Er soll das, was Jesus in der Zeit vollbracht hat, einmalig, historisch, - das soll der Heilige Geist im Lauf der Zeit präsent halten.

Und das geschieht in besonderer Weise in der Feier der Eucharistie.

-        Der Geist des Herrn schafft die Verbindung zwischen uns, zwischen unserer Gemeinde und den anderen Gemeinden, die heute dieselbe Eucharistie feiern,

-        der Geist der Wahrheit hilft den Predigern, das Wort Gottes richtig zu verkünden, -        und er hilft den Hörern, das Verkünde richtig zu verstehen,

-        der Geist der Wahrheit lässt das verkündete Wort die Herzen der Höhrer durchdringen, damit es allmählich unsere persönliche Lebensgestaltung im Sinne des Evangeliums verändert.

-        Im eucharistischen Hochgebet rufen wir den Heilige Geist auf die Gaben von Brot und Wein herab, damit sie uns werden Leib und Blut Christi.

-        Und wir rufen den Heiligen Geist auf uns herab, damit wir ein Leib und Geist werden in Christus und damit wir zu einer Gabe werden, an der der Vater sein Wohlgefallen hat.

Es geht immer um Verwandlung in ein Besseres und in ein Mehr.

Nicht nur jetzt, in der Feier der heiligen Messe.

Auch in einem größeren Kontext.

Bei der Eröffnung dieser heiligen Messe haben wir gebetet:

Allmächtiger Gott, lass uns die österliche Zeit in herzlicher Freude begehen und die Auferstehung unseres Herrn preisen.

Österliche Zeit. Das sind 7 Wochen. Eine Woche hat 7 Tage. 7 x 7 = 49 Tage.

Jetzt könnte man fragen:

Warum sollen wir die österliche Zeit in herzlicher Freude begehen?

Und warum sollen wir die Auferstehung unseres Herrn preisen?

Die Antwort kommt im weiteren Verlauf des Tagesgebets.

Damit das österliche Geheimnis, das wir in diesen 50 Tagen feiern, unser ganzes Leben prägt und verwandelt. Prägt und verwandelt.

In diesen 50 Tagen der Osterzeit. Also kommt zu den 49 Tagen noch ein Tag hinzu, dann haben wir 50.

Und fünfzig heißt auf Griechisch: Pentekoste. 50 Tage.

Der 50. Tag ist also kein Fest des Heiligen Geistes, sondern die Vollendung des österlichen Geheimnisses, damit es unser ganzes Leben geprägt und verwandelt.

Am Donnerstag feiern wir das wunderschöne Hoch-Fest der Himmelfahrt des Herrn. Danach beginnt die Pfingst-Novene.

Die neun Tage der Vorbereitung auf Pfingsten als der Vollendung des österlichen Geheimnisses. Gemeinsam mit der Gottesmutter, der Braut des Heiligen Geistes, erflehen wir eine erneute Ausgießung des Heiligen Geistes.

Warum tun wir das, da wir doch alle den Heiligen Geist schon empfangen haben in der Taufe?

Wenn wir den Heiligen Geist auf uns herabrufen, dann tun wir das nicht, um mehr zu bekommen, sondern damit geben wir dem Heilgen Geist die Erlaubnis, in uns zu wirken, damit unser ganzes Leben von dem österlichen Geheimnis immer mehr geprägt und verwandelt werde.