Mittwoch, 27. Mai 2026

Predigt am Pfingstmontag 2026 in Reith in Österreich

 

Predigt zum Pfingstmontag 25. Mai 2026 Reith im Alpbachtal, Tirol

 

Livestream aus Reith:

Youtube-Kanal Pfarre Reith i. A. & Pfarre Bruck i. Z.

 

Erste Lesung Apg 10,34-35.42-48a - Zweite Lesung Eph 4,1b-6 - Joh 15,26-16,3.12-15

Liebe Schwestern und Brüder, nur einmal im Jahr feiern wir Pfingsten. - Aber: was an Pfingsten geschieht, das geht weiter, das kann immer geschehen.

Die Lesungen zeigen uns: Der Heilige Geist sprengt Grenzen, äußere und innere Grenzen.

In der ersten Lesung aus der Apostelgeschichte hören wir von Petrus: „Gott macht keinen Unterschied zwischen den Menschen.“

Petrus hatte zunächst gemeint, mit allen anderen: Die Heiden sind ausgeschlossen vom Heil, das nur den Juden gehört. - Und jetzt: Der Heilige Geist hat diese Grenzen aufgebrochen.

Warum ist das so wichtig? Weil auch wir Menschen dazu neigen, Grenzen zu ziehen:

  • zwischen „wir“ und „die anderen“ , zwischen „gut“ und „schlecht“
  • zwischen denen, die wir mögen – und denen, die wir ablehnen

Und manchmal tragen wir diese Grenzen nicht nur im Kopf – sondern tief im Herzen.

Die zweite Lesung aus dem Epheserbrief sagt uns: „Bewahrt die Einheit im Geist durch das Band des Friedens.“

Einheit ist eine Frucht des Heiligen Geistes. Warum ist das so wichtig?

Weil wir un-eins sind. Mit uns selbst. Es gibt diese Zerrissenheit in uns, diese Spaltung.

Aber auch die Un-einheit zu den anderen: die wir mögen und die wir ablehnen, missachten, verachten, anklagen.

Warum ist das so? Warum tragen wir Spannungen, Verletzungen und Distanz in uns?

In meinem Büchlein (Innere Heilung und Befreiung durch Vergebung) habe ich das so erklärt: Wir leiden nicht an dem, was uns angetan worden ist, vielleicht vor vielen Jahren, sondern daran, wie wir damit umgehen.

Wir leiden daran, dass wir nicht vergeben haben, oder nur halbherzig, nicht richtig vergeben haben.

Das bedeutet: Der Schlüssel zur Veränderung liegt in uns.

Wir haben die Freiheit zur Veränderung und wir haben die Verantwortung für unsere Veränderung.

Das Evangelium spricht vom Heiligen Geist als dem Beistand, dem Geist der Wahrheit.

Dieser Geist der Wahrheit tut zwei Dinge:

1.    Er zeigt uns die Wahrheit unseres Lebens, unserer Vergangenheit.

2. Er gibt uns Kraft, in dieser Wahrheit zu verändern im Sinne des Evangeliums.

Was ist diese Wahrheit?

  • Ich bin verletzt worden, vielleicht schon vor vielen Jahren, in meiner Kindheit.
  • Ich habe immer noch nicht vergeben.
  • Vielleicht habe ich gesagt: Das verzeihe ich nie!
  • Ich trage Groll in mir. Ich halte fest an der Verletzung. - Ich vergebe nicht.

Vielleicht sagst du dann auch noch: „Es tut so weh, ich leide so sehr, darum: ich vergebe nicht.“

Dann sage ich: Das ist doch unvernünftig. Du hast lange genug gelitten. - Darum frage ich dich: Geht es dir denn besser, wenn du nicht vergibst?

Der Geist der Wahrheit sagt dir: der Schlüssel zur Veränderung liegt in dir:

Du hast die Freiheit zur Veränderung und du hast die Verantwortung für deine Veränderung.

Du kannst vergeben: wenn du frei werden willst. Wenn du zu deiner inneren Einheit kommen willst. Wenn du zur Einheit mit den Menschen kommen willst, von denen du dich getrennt hast.

Wenn wir uns nicht für die Vergebung entscheiden, wenn wir nicht vergeben mit unserem Willen und mit unserem Herzen, dann bleibt das bittere Gift der Anklage in uns, und langsam vergiften wir uns.

Unvergebenheit bindet uns an die Vergangenheit. hält Wunden offen. verschließt unser Herz. Und Satan freut sich.

Und da brauchen wir den Heiligen Geist. Er ist der „Tröster“ und öffnet unser Herz, wenn wir es ihm erlauben.

Denken wir noch einmal an die erste Lesung:

Der Heilige Geist fällt auf Menschen, die vorher ausgeschlossen waren. Auf Heiden, die vom Volk Gottes der Juden ausgeschlossen waren.

Vielleicht ist das auch ein Bild für uns: Gibt es Menschen, die ich innerlich ausgeschlossen habe? Aus meinem Herzen? Aus meiner Liebe?

Pfingsten bedeutet: Gott schließt niemanden aus. Und Gott bittet dich: dasselbe zu tun.

Aber das schaffst du nicht aus deiner Kraft. Das weiß auch der liebe Gott.

Darum hat er uns den Heiligen Geist geschenkt, schon in der Taufe, und zwar zu 100 %.

Vergebung ist nur möglich in der Kraft des Heiligen Geistes.

Das ist die gute Nachricht: Du musst nicht warten, bis du „bereit“ bist.
Du darfst anfangen, weil Gott dir die Kraft gibt.

Und vielleicht ist der erste Schritt ganz klein: mit einem einfachen Gebet:

„Herr, ich will vergeben, bitte hilf mir dabei.“ Und das genügt. - Denn: Vergebung ist ein Prozess. Ein Weg, auf dem der Heilige Geist uns führt.

Die zweite Lesung sagt: „Ertragt einander in Liebe.“

Und Liebe ist kein Gefühl. Sondern eine Entscheidung. Zum Beispiel: Ich entscheide mich, endlich zu vergeben, mit dem Willen und mit dem Herzen in der Kraft des Heiligen Geistes.

Und was geschieht dann? Das erkläre ich auch in meinem Büchlein: Wenn wir so vergeben, dann entriegeln wir unser Herz. Wir entfernen die Riegel, die wir damals vor unser Herz gezogen haben, als wir verletzt wurden und uns schützen mussten, vor neuen Verletzungen.

Wenn wir unser Herz entriegeln, dann kann die Heilungsmacht des kostbaren Blutes Jesu unsere Wunden erreichen und der Balsam des Heiligen Geistes legt sich auf unsere Wunden. Und es beginnt der Prozess der inneren Heilung.

Pfingsten ist ein Fest des Herzens. Das ist heute ein guter Moment, sich zu fragen:

  • Wen trage ich noch in Unversöhntheit in mir?
  • Wo halte ich fest?  Wo ist mein Herz noch verschlossen?

Und dann beten wir: „Komm, Heiliger Geist, du Geist der Wahrheit, du kennst mein Herz.

Zeige mir, wo ich vergeben soll. Gib mir die Kraft, loszulassen.
Öffne, was verschlossen ist. Heile, was verwundet ist.“

Und dann geschieht Pfingsten – heute und immer, in dir. Amen.

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