Predigt
zu Pfingsten am Vorabend
23.
Mai 2026 in der Pfarrei Reith, Alpbachtal
Erste
Lesung Ezechiel 37,1-14 - Zweite Lesung Römer 8,22-27 - Evangelium Johannes
7,37.39
Liebe Schwestern und Brüder, die Lesungen haben eine innere
Einheit: sie sprechen von Leben, von Geist und von Heilung.
In der ersten Lesung aus dem Buch Ezechiel sieht der
Prophet ein Feld voller Totengebeine. Ein erschütterndes Bild: trocken, leblos,
ohne Hoffnung. Und doch sagt Gott: „Ich hauche euch meinen Geist ein, dann
werdet ihr lebendig.“
Dieses Bild beschreibt unser Inneres. Manchmal gibt es
das in uns: abgestorben, hart geworden, vielleicht durch Verletzungen,
Enttäuschungen oder alte Wunden.
Davon spreche ich in meinem Büchlein (Innere Heilung
und Befreiung durch Vergebung):
Nicht die Verletzungen zerstören uns – sondern das, was wir daraus machen. wenn
wir nicht vergeben.
Die zweite Lesung aus dem Römerbrief sagt: „Die
ganze Schöpfung seufzt und liegt in Geburtswehen.“
Auch das kennen wir, dieses Seufzen. Es ist das
Seufzen unseres Herzens, wenn wir an Menschen denken, die uns verletzt haben. und
wir tragen immer noch Groll, Bitterkeit und Enttäuschung in uns.
Und es gibt eine Verheißung: „Der Geist tritt für
uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.“
Das heißt: Wo wir nicht mehr weiterwissen, wo wir sagen:
„Ich kann nicht vergeben“, da kann der Heilige Geist in uns wirken, wenn wir ihm das erlauben.
Und dann, im Evangelium, die Einladung Jesu: „Wer
Durst hat, komme zu mir und trinke… Ströme von lebendigem Wasser werden aus
seinem Inneren fließen.“
Dieses lebendige Wasser ist der Heilige Geist.
Liebe Schwestern und Brüder, wenn wir diese drei
Lesungen zusammennehmen, entsteht eine klare Botschaft in einem Dreischritt
· Gott will Verletzungen heilen.
· Der Heilige Geist wirkt in unserem
Inneren.
· Und das geschieht dort, wo wir
uns öffnen.
Denn ein verschlossenes Herz kann dieses Wasser des
Heiligen Geistes nicht aufnehmen.
Und hier kommt die Vergebung ins Spiel. Vergebung ist
nicht einfach ein netter Rat Jesu – sie ist ein Befehle Jesu und ein innerer
Weg zur Heilung.
· Wenn wir nicht vergeben,
· dann halten wir unsere Verletzungen
fest,
· wir klagen weiter an,
· wir werden wie diese trockenen
Gebeine aus der ersten Lesung.
· Und wir haben kein Recht, von Gott
die Vergebung unserer Schulden zu erbitten, wenn wir unseren Schuldigern nicht
vergeben. und Satan freut sich.
Vergebung bedeutet nicht:
- vergessen,
was mir angetan worden ist
- die
Schuld klein-reden
- nachträglich
gutheißen,
- auch nicht
klein beigeben.
Vergebung ist: eine Entscheidung meines Willens. Ich
entscheide mich, mit den ewigen Anklagen und den ewigen Vorwürfen aufzuhören.
Das ist eine Entscheidung des Willens! Aber das reicht
nicht. Damit die Vergebung vollständig wird nach dem Herzen Jesus: darum muss
die Vergebung auch aus meinem Herzen kommen.
Und jetzt kommt das Entscheidende der heutigen
Botschaft: Wir müssen diesen Weg nicht allein gehen. Denn der Heilige
Geist ist bereits in uns – seit unserer Taufe.
Der Geist, der:
- die
Totengebeine lebendig macht,
- unser
unaussprechliches Seufzen versteht,
- und in
uns zu einer Quelle wird.
Vielleicht sagen manche: „Ich will ja vergeben, aber
ich kann nicht.“
Frage: Wer hindert dich denn an der Vergebung? Könnte
es sein, dass du nicht vergeben willst?
Und eine andere Frage: Geht es dir denn besser, wenn
du NICHT vergibst?
Begreife: Niemand hindert dich an deiner Vergebung.
Nur dein eigener innerer Widerstand.
Zusage: Und da hilft dir der Heilige Geist, wenn du
ihm das erlaubst.
Wenn du vergibst: mit dem Willen UND mit dem Herzen, --- dann
geschieht etwas:
·
Du wirst
Gott erfahren. Das Herz wird weiter. Der innere Druck lässt nach.
- Die
Erinnerung verliert ihren Schmerz. Du kannst dich an die Vergangenheit
erinnern, ohne immer wieder erneut den Schmerz zu spüren.
- Und vor
allem: Das lebendige Wasser beginnt zu fließen.
Liebe Schwestern und Brüder, Pfingsten ist die
Vollendung des österlichen Geheimnisses. Wir feiern den Sieg des Herrn über
alles, was unser Leben vermindert. Das ist ein guter Anlass, sich zu fragen:
- Wen
habe ich noch nicht wirklich vergeben?
- Welche
„trockenen Gebeine“ trage ich in mir?
- Wo ist
mein Herz verschlossen?
Und dann hören wir die Einladung Jesu ganz persönlich:
„Komm zu mir und trinke.“
Vielleicht beginnt alles mit einem
einfachen Gebet: „Herr, ich kann noch nicht vergeben, aber ich will vergeben,
ich bin jetzt bereit. Gib mir deinen Geist.“
Das genügt. Gott beginnt immer mit dem kleinen Ja. Und
dann kann geschehen, was wir heute gehört haben:
- Aus vertrockneten
Gebeinen wird Leben,
- Aus
Enge wird Freiheit, jahre-alte Wunden werden geheilt.
- verschlossene
Herzen werden geöffnet und werden zu Quellen lebendigen Wassers – für sich
und für andere. Amen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen