Mittwoch, 27. Mai 2026

Predigt Pfingsten am Vorabend in Reith in Österreich

 

Predigt zu Pfingsten am Vorabend

23. Mai 2026 in der Pfarrei Reith, Alpbachtal

Erste Lesung Ezechiel 37,1-14 - Zweite Lesung Römer 8,22-27 - Evangelium Johannes 7,37.39

Liebe Schwestern und Brüder, die Lesungen haben eine innere Einheit: sie sprechen von Leben, von Geist und von Heilung.

In der ersten Lesung aus dem Buch Ezechiel sieht der Prophet ein Feld voller Totengebeine. Ein erschütterndes Bild: trocken, leblos, ohne Hoffnung. Und doch sagt Gott: „Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig.“

Dieses Bild beschreibt unser Inneres. Manchmal gibt es das in uns: abgestorben, hart geworden, vielleicht durch Verletzungen, Enttäuschungen oder alte Wunden.

Davon spreche ich in meinem Büchlein (Innere Heilung und Befreiung durch Vergebung):
Nicht die Verletzungen zerstören uns – sondern das, was wir daraus machen. wenn wir nicht vergeben.

Die zweite Lesung aus dem Römerbrief sagt: „Die ganze Schöpfung seufzt und liegt in Geburtswehen.“

Auch das kennen wir, dieses Seufzen. Es ist das Seufzen unseres Herzens, wenn wir an Menschen denken, die uns verletzt haben. und wir tragen immer noch Groll, Bitterkeit und Enttäuschung in uns.

Und es gibt eine Verheißung: „Der Geist tritt für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.“

Das heißt: Wo wir nicht mehr weiterwissen, wo wir sagen: „Ich kann nicht vergeben“, da kann der Heilige Geist in uns wirken, wenn wir ihm das erlauben.

Und dann, im Evangelium, die Einladung Jesu: „Wer Durst hat, komme zu mir und trinke… Ströme von lebendigem Wasser werden aus seinem Inneren fließen.“

Dieses lebendige Wasser ist der Heilige Geist.

Liebe Schwestern und Brüder, wenn wir diese drei Lesungen zusammennehmen, entsteht eine klare Botschaft in einem Dreischritt

·      Gott will Verletzungen heilen.

·      Der Heilige Geist wirkt in unserem Inneren.

·      Und das geschieht dort, wo wir uns öffnen.

Denn ein verschlossenes Herz kann dieses Wasser des Heiligen Geistes nicht aufnehmen.

Und hier kommt die Vergebung ins Spiel. Vergebung ist nicht einfach ein netter Rat Jesu – sie ist ein Befehle Jesu und ein innerer Weg zur Heilung.

·      Wenn wir nicht vergeben,

·      dann halten wir unsere Verletzungen fest,

·      wir klagen weiter an,

·      wir werden wie diese trockenen Gebeine aus der ersten Lesung.

·  Und wir haben kein Recht, von Gott die Vergebung unserer Schulden zu erbitten, wenn wir unseren Schuldigern nicht vergeben. und Satan freut sich.

Vergebung bedeutet nicht:

  • vergessen, was mir angetan worden ist
  • die Schuld klein-reden
  • nachträglich gutheißen,
  • auch nicht klein beigeben.

Vergebung ist: eine Entscheidung meines Willens. Ich entscheide mich, mit den ewigen Anklagen und den ewigen Vorwürfen aufzuhören.

Das ist eine Entscheidung des Willens! Aber das reicht nicht. Damit die Vergebung vollständig wird nach dem Herzen Jesus: darum muss die Vergebung auch aus meinem Herzen kommen.

Und jetzt kommt das Entscheidende der heutigen Botschaft: Wir müssen diesen Weg nicht allein gehen. Denn der Heilige Geist ist bereits in uns – seit unserer Taufe.

Der Geist, der:

  • die Totengebeine lebendig macht,
  • unser unaussprechliches Seufzen versteht,
  • und in uns zu einer Quelle wird.

Vielleicht sagen manche: „Ich will ja vergeben, aber ich kann nicht.“

Frage: Wer hindert dich denn an der Vergebung? Könnte es sein, dass du nicht vergeben willst?

Und eine andere Frage: Geht es dir denn besser, wenn du NICHT vergibst?

Begreife: Niemand hindert dich an deiner Vergebung. Nur dein eigener innerer Widerstand.

Zusage: Und da hilft dir der Heilige Geist, wenn du ihm das erlaubst.

Wenn du vergibst: mit dem Willen UND mit dem Herzen,  ---  dann geschieht etwas:

·        Du wirst Gott erfahren. Das Herz wird weiter. Der innere Druck lässt nach.

  • Die Erinnerung verliert ihren Schmerz. Du kannst dich an die Vergangenheit erinnern, ohne immer wieder erneut den Schmerz zu spüren.
  • Und vor allem: Das lebendige Wasser beginnt zu fließen.

Liebe Schwestern und Brüder, Pfingsten ist die Vollendung des österlichen Geheimnisses. Wir feiern den Sieg des Herrn über alles, was unser Leben vermindert. Das ist ein guter Anlass, sich zu fragen:

  • Wen habe ich noch nicht wirklich vergeben?
  • Welche „trockenen Gebeine“ trage ich in mir?
  • Wo ist mein Herz verschlossen?

Und dann hören wir die Einladung Jesu ganz persönlich: „Komm zu mir und trinke.“

Vielleicht beginnt alles mit einem einfachen Gebet: „Herr, ich kann noch nicht vergeben, aber ich will vergeben, ich bin jetzt bereit. Gib mir deinen Geist.“

Das genügt. Gott beginnt immer mit dem kleinen Ja. Und dann kann geschehen, was wir heute gehört haben:

  • Aus vertrockneten Gebeinen wird Leben,
  • Aus Enge wird Freiheit, jahre-alte Wunden werden geheilt.
  • verschlossene Herzen werden geöffnet und werden zu Quellen lebendigen Wassers – für sich und für andere. Amen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen