Predigt am 6. Sonntag der Osterzeit, 10.
Mai 2026,
in der Klosterkirche von St. Ottilien
Erste Lesung
Apostelgeschichte 8,5-8.14-17
Zweite
Lesung 1 Petrus 3,15-18
Evangelium
Johannes 14,15-21
Liebe
Christen,
Wir sind immer noch in der Osterzeit. Der Heilige Geist
arbeitet daran, das Ostergeheimnis, die österliche Realität, die größte Tat
Gottes - in unseren Herzen und in den einzelnen Gemeinden der Kirche zu
vergegenwärtigen.
Im Evangelium: Jesus hat versprochen, er werde den Vater
bitten, und der Vater wird uns einen anderen Beistand geben, der für immer bei
uns bleiben soll.
Dieses Versprechen Jesu dient nicht dem Trost der damaligen
Jünger, die Jesus zurücklassen wird.
Sondern: Dieses Versprechen Jesu ist eine Realität, die sich
in die Geschichte hinein verlängert bis auf unsere Tage.
Was ist das für ein Geist, den Jesus versprochen hat und der
vom Vater kommt?
Das Evangelium gibt Auskunft: Es ist der Geist der Wahrheit.
Diese Auskunft hat einen Rahmen im Evangelium:
Zuvor sagt Jesus: Wenn ihr mich liebt, dann werdet ihr meine
Gebote halten.
Und am Ende sagt Jesus: wer meine Gebote hat und sie hält,
der ist es, der mich liebt; wer aber
mich liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und
auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.
Die Liebe ist also der Rahmen für die Wahrheit.
Wahrheit und Liebe scheinen zusammenzugehören.
Liebe ohne Wahrheit wird zur Sentimentalität.
Wahrheit ohne Liebe wird zum Rigorismus.
Der Heilige Geist arbeitet in unseren Herzen, damit wir
wachsen in der Wahrheit und in der Liebe.
In der Geschichte der Kirche hat es viele Werk der Liebe
gegeben, lange bevor die Staaten entstanden und soziale Funktionen übernahmen.
Auch die Evangelisierung ist ein Werk der Liebe.
In der ersten Lesung hören wir von der missionarischen
Dynamik der apostolischen Kirche. Die Verkündigung des Evangeliums
begann zunächst in Jerusalem, dann überschritt sie die engen Grenzen Judäas, dann
kam sie nach Samarien.
Der Inhalt der Verkündigung war Jesus, und zwar als
der Christus, der Messias.
Und die Verkündigung des Wortes wurde begleitet von
machtvollen Zeichen: Befreiungen und Heilungen, Zeichen der Gegenwart des
Reiches Gottes.
Die Folge: so herrschte große Freude in jener Stadt.
Die Kirche wuchs in ihrer Einheit und in ihrer Ausdehnung, und
dass - obwohl die Kirche keine staatlichen Privilegien genoss, ganz im
Gegenteil, sie wurde verfolgt von ihrem jüdischen Ursprung.
In der zweiten Lesung hörten wir einen Abschnitt aus dem zweiten
Petrusbrief.
Da werden sechs Merkmale genannt, welche die Christen in
einer feindlichen Umwelt kennzeichneten.
Diese sechs Merkmale sind auch praktische Tipps für unsere
christliche Lebensführung:
-
1.
Christus im Herzen heilig halten
-
2.
Ein reines Gewissen
-
3.
Bescheiden und ehrfürchtig antworten, wenn wir angefragt werden nach dem Grund
unserer Hoffnung.
-
4.
Beschimpfungen und Verleumdungen ertragen
-
5.
In der Gemeinschaft mit Christus ein rechtschaffenes Leben führen
-
6.
Für gute Taten leiden, wenn es Gottes Wille ist
Das sind einige Haltungen, mit denen die Christen damals
Zeugnis gaben von der Hoffnung, die sie erfüllte, und sie waren effizient.
Nun hat Jesus seiner Kirche, also uns: den Heiligen Geist
verheißen und gesandt.
Und was soll der Heilige Geist tun? Er soll das, was Jesus in
der Zeit vollbracht hat, einmalig, historisch, - das soll der Heilige Geist im
Lauf der Zeit präsent halten.
Und das geschieht in besonderer Weise in der Feier der
Eucharistie.
-
Der
Geist des Herrn schafft die Verbindung zwischen uns, zwischen unserer Gemeinde
und den anderen Gemeinden, die heute dieselbe Eucharistie feiern,
- der Geist der Wahrheit hilft den Predigern, das Wort Gottes richtig zu verkünden, - und er hilft den Hörern, das Verkünde richtig zu verstehen,
-
der
Geist der Wahrheit lässt das verkündete Wort die Herzen der Höhrer
durchdringen, damit es allmählich unsere persönliche Lebensgestaltung im Sinne
des Evangeliums verändert.
-
Im
eucharistischen Hochgebet rufen wir den Heilige Geist auf die Gaben von Brot
und Wein herab, damit sie uns werden Leib und Blut Christi.
-
Und
wir rufen den Heiligen Geist auf uns herab, damit wir ein Leib
und Geist werden in Christus und damit wir zu einer Gabe werden, an der
der Vater sein Wohlgefallen hat.
Es geht immer um Verwandlung in ein Besseres und in ein Mehr.
Nicht nur jetzt, in der Feier der heiligen Messe.
Auch in einem größeren Kontext.
Bei der Eröffnung dieser heiligen Messe haben wir gebetet:
Allmächtiger Gott, lass uns die österliche Zeit in herzlicher
Freude begehen und die Auferstehung unseres Herrn preisen.
Österliche Zeit. Das sind 7 Wochen. Eine Woche hat 7 Tage. 7
x 7 = 49 Tage.
Jetzt könnte man fragen:
Warum sollen wir die österliche Zeit in herzlicher Freude
begehen?
Und warum sollen wir die Auferstehung unseres Herrn preisen?
Die Antwort kommt im weiteren Verlauf des Tagesgebets.
Damit das österliche Geheimnis, das wir in diesen 50 Tagen
feiern, unser ganzes Leben prägt und verwandelt. Prägt und verwandelt.
In diesen 50 Tagen der Osterzeit. Also kommt zu den 49 Tagen
noch ein Tag hinzu, dann haben wir 50.
Und fünfzig heißt auf Griechisch: Pentekoste. 50 Tage.
Der 50. Tag ist also kein Fest des Heiligen Geistes, sondern
die Vollendung des österlichen Geheimnisses, damit es unser ganzes Leben
geprägt und verwandelt.
Am Donnerstag feiern wir das wunderschöne
Hoch-Fest der Himmelfahrt des Herrn. Danach beginnt die Pfingst-Novene.
Die neun Tage der Vorbereitung auf Pfingsten
als der Vollendung des österlichen Geheimnisses. Gemeinsam mit der
Gottesmutter, der Braut des Heiligen Geistes, erflehen wir eine erneute
Ausgießung des Heiligen Geistes.
Warum tun wir das, da wir doch alle den
Heiligen Geist schon empfangen haben in der Taufe?
Wenn wir den Heiligen Geist auf uns herabrufen,
dann tun wir das nicht, um mehr zu bekommen, sondern damit geben wir dem
Heilgen Geist die Erlaubnis, in uns zu wirken, damit unser ganzes Leben von dem
österlichen Geheimnis immer mehr geprägt und verwandelt werde.
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