Montag, 11. Mai 2026

Predigt am 6. Sonntag der Osterzeit in St. Ottilien

 

Predigt am 6. Sonntag der Osterzeit, 10. Mai 2026,

in der Klosterkirche von St. Ottilien

 

Erste Lesung Apostelgeschichte 8,5-8.14-17

Zweite Lesung 1 Petrus 3,15-18

Evangelium Johannes 14,15-21

Liebe Christen,

Wir sind immer noch in der Osterzeit. Der Heilige Geist arbeitet daran, das Ostergeheimnis, die österliche Realität, die größte Tat Gottes - in unseren Herzen und in den einzelnen Gemeinden der Kirche zu vergegenwärtigen.

Im Evangelium: Jesus hat versprochen, er werde den Vater bitten, und der Vater wird uns einen anderen Beistand geben, der für immer bei uns bleiben soll.

Dieses Versprechen Jesu dient nicht dem Trost der damaligen Jünger, die Jesus zurücklassen wird.

Sondern: Dieses Versprechen Jesu ist eine Realität, die sich in die Geschichte hinein verlängert bis auf unsere Tage.

Was ist das für ein Geist, den Jesus versprochen hat und der vom Vater kommt?

Das Evangelium gibt Auskunft: Es ist der Geist der Wahrheit.

Diese Auskunft hat einen Rahmen im Evangelium:

Zuvor sagt Jesus: Wenn ihr mich liebt, dann werdet ihr meine Gebote halten.

Und am Ende sagt Jesus: wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

Die Liebe ist also der Rahmen für die Wahrheit.

Wahrheit und Liebe scheinen zusammenzugehören.

Liebe ohne Wahrheit wird zur Sentimentalität.

Wahrheit ohne Liebe wird zum Rigorismus.

Der Heilige Geist arbeitet in unseren Herzen, damit wir wachsen in der Wahrheit und in der Liebe.

In der Geschichte der Kirche hat es viele Werk der Liebe gegeben, lange bevor die Staaten entstanden und soziale Funktionen übernahmen.

Auch die Evangelisierung ist ein Werk der Liebe.

In der ersten Lesung hören wir von der missionarischen Dynamik der apostolischen Kirche. Die Verkündigung des Evangeliums begann zunächst in Jerusalem, dann überschritt sie die engen Grenzen Judäas, dann kam sie nach Samarien.

Der Inhalt der Verkündigung war Jesus, und zwar als der Christus, der Messias.

Und die Verkündigung des Wortes wurde begleitet von machtvollen Zeichen: Befreiungen und Heilungen, Zeichen der Gegenwart des Reiches Gottes.

Die Folge: so herrschte große Freude in jener Stadt.

Die Kirche wuchs in ihrer Einheit und in ihrer Ausdehnung, und dass - obwohl die Kirche keine staatlichen Privilegien genoss, ganz im Gegenteil, sie wurde verfolgt von ihrem jüdischen Ursprung.

In der zweiten Lesung hörten wir einen Abschnitt aus dem zweiten Petrusbrief.

Da werden sechs Merkmale genannt, welche die Christen in einer feindlichen Umwelt kennzeichneten.

Diese sechs Merkmale sind auch praktische Tipps für unsere christliche Lebensführung:

-        1. Christus im Herzen heilig halten

-        2. Ein reines Gewissen

-        3. Bescheiden und ehrfürchtig antworten, wenn wir angefragt werden nach dem Grund unserer Hoffnung.

-        4. Beschimpfungen und Verleumdungen ertragen

-        5. In der Gemeinschaft mit Christus ein rechtschaffenes Leben führen

-        6. Für gute Taten leiden, wenn es Gottes Wille ist

Das sind einige Haltungen, mit denen die Christen damals Zeugnis gaben von der Hoffnung, die sie erfüllte, und sie waren effizient.

Nun hat Jesus seiner Kirche, also uns: den Heiligen Geist verheißen und gesandt.

Und was soll der Heilige Geist tun? Er soll das, was Jesus in der Zeit vollbracht hat, einmalig, historisch, - das soll der Heilige Geist im Lauf der Zeit präsent halten.

Und das geschieht in besonderer Weise in der Feier der Eucharistie.

-        Der Geist des Herrn schafft die Verbindung zwischen uns, zwischen unserer Gemeinde und den anderen Gemeinden, die heute dieselbe Eucharistie feiern,

-        der Geist der Wahrheit hilft den Predigern, das Wort Gottes richtig zu verkünden, -        und er hilft den Hörern, das Verkünde richtig zu verstehen,

-        der Geist der Wahrheit lässt das verkündete Wort die Herzen der Höhrer durchdringen, damit es allmählich unsere persönliche Lebensgestaltung im Sinne des Evangeliums verändert.

-        Im eucharistischen Hochgebet rufen wir den Heilige Geist auf die Gaben von Brot und Wein herab, damit sie uns werden Leib und Blut Christi.

-        Und wir rufen den Heiligen Geist auf uns herab, damit wir ein Leib und Geist werden in Christus und damit wir zu einer Gabe werden, an der der Vater sein Wohlgefallen hat.

Es geht immer um Verwandlung in ein Besseres und in ein Mehr.

Nicht nur jetzt, in der Feier der heiligen Messe.

Auch in einem größeren Kontext.

Bei der Eröffnung dieser heiligen Messe haben wir gebetet:

Allmächtiger Gott, lass uns die österliche Zeit in herzlicher Freude begehen und die Auferstehung unseres Herrn preisen.

Österliche Zeit. Das sind 7 Wochen. Eine Woche hat 7 Tage. 7 x 7 = 49 Tage.

Jetzt könnte man fragen:

Warum sollen wir die österliche Zeit in herzlicher Freude begehen?

Und warum sollen wir die Auferstehung unseres Herrn preisen?

Die Antwort kommt im weiteren Verlauf des Tagesgebets.

Damit das österliche Geheimnis, das wir in diesen 50 Tagen feiern, unser ganzes Leben prägt und verwandelt. Prägt und verwandelt.

In diesen 50 Tagen der Osterzeit. Also kommt zu den 49 Tagen noch ein Tag hinzu, dann haben wir 50.

Und fünfzig heißt auf Griechisch: Pentekoste. 50 Tage.

Der 50. Tag ist also kein Fest des Heiligen Geistes, sondern die Vollendung des österlichen Geheimnisses, damit es unser ganzes Leben geprägt und verwandelt.

Am Donnerstag feiern wir das wunderschöne Hoch-Fest der Himmelfahrt des Herrn. Danach beginnt die Pfingst-Novene.

Die neun Tage der Vorbereitung auf Pfingsten als der Vollendung des österlichen Geheimnisses. Gemeinsam mit der Gottesmutter, der Braut des Heiligen Geistes, erflehen wir eine erneute Ausgießung des Heiligen Geistes.

Warum tun wir das, da wir doch alle den Heiligen Geist schon empfangen haben in der Taufe?

Wenn wir den Heiligen Geist auf uns herabrufen, dann tun wir das nicht, um mehr zu bekommen, sondern damit geben wir dem Heilgen Geist die Erlaubnis, in uns zu wirken, damit unser ganzes Leben von dem österlichen Geheimnis immer mehr geprägt und verwandelt werde.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen