Predigt
zu Pfingsten in der Messe am Tage
24.
Mai 2026 in der Pfarrei Reith im Alpbachtal
Erste Lesung Apg 2,1-11 -
Zweite Lesung 1 Kor 12,3b-7.12-13 - Evangelium Joh 20,19-23
Liebe Schwestern und Brüder, die Lesungen führen uns
mitten hinein in das Geheimnis von Pfingsten – und hinein in unser eigenes
Herz.
In der ersten Lesung aus der Apostelgeschichte hören
wir von dem gewaltigen Ereignis: Ein Brausen vom Himmel, Feuerzungen, Menschen,
die plötzlich in neuen Sprachen sprechen.
Was ist da eigentlich geschehen? - Nicht nur ein
äußeres Wunder – sondern eine innere Verwandlung. Aus ängstlichen, verschlossenen
Jüngern werden freie Menschen.
Auch im Evangelium gibt es „Verschlossen-sein“. Es
heißt: „Die Türen waren verschlossen aus Furcht.“
Das ist ein starkes Bild. Kennst du das: diese
verschlossenen Türen?
- Türen
der Enttäuschung
- Türen
von Verletzungen
- Türen,
hinter denen wir uns schützen
Und dann
geschieht etwas. Jesus kommt und sagt zwei Dinge:
1. „Friede sei mit euch.“
2. Und dann haucht er sie an: „Empfangt
den Heiligen Geist.“
Und unmittelbar danach sagt er etwas, das oft überhört
wird: „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben.“
Pfingsten und Vergebung gehören zusammen. Warum?
Weil der Heilige Geist etwas schafft. Er schafft versöhnte
Herzen.
Die zweite
Lesung aus dem Erster Korintherbrief sagt:
„Es gibt verschiedene Gaben, aber nur den einen Geist.“
Dieser eine Geist wirkt in jedem von uns
unterschiedlich –
aber immer mit demselben Ziel: Heilung und mehr an Leben.
Verschlossene Herzen kommen nicht von dem, was uns
widerfahren ist –
sondern davon, dass wir immer noch nicht vergeben haben.
Obwohl der Heilige Geist uns diese Möglichkeit der
Vergebung schenkt.
Die
verschlossenen Türen im Evangelium sind die verschlossenen Räume unseres
Herzens.
Wir haben
die Türe unseres Herzens verschlossen, weil wir zu sehr verletzt worden sind.
Wir haben
nicht nur nicht vergeben, sondern wir haben uns auch noch verschlossen.
Wir wollten
uns vor neuen Verletzungen schützen und haben zu gemacht. Und Satan freut sich.
In meinem Büchlein (Innere Heilung und Befreiung durch Vergebung) erkläre ich: Vergebung ist nichts Oberflächliches, ist auch nicht einfach. Heißt nicht: Schon gut, habe ich schon vergessen, man soll die alten Sachen ruhen lassen…
Vergebung,
wie Jesus sie von uns erbittet, ist etwas Anspruchsvolles: Vergebung, das ist
eine Entscheidung kraft unseres Willens und eine Entscheidung des Herzens. Das
ist ein Prozess.
Und jetzt kommt die Gnade von Pfingsten: Denn Jesus
sagt nicht: „Streng dich mehr an! Reiss dich zusammen!“
Du musst das nicht aus eigener Kraft schaffen.
Jesus sagt: „Empfangt den Heiligen Geist.“
Der Heilige
Geist ist die Kraft, die uns überhaupt erst fähig macht zu vergeben.
Wir können vergeben, weil wir den Geist empfangen
haben. Wann? In der Taufe. Wieviel haben wir vom Heiligen Geist empfangen? 100
%
In der Kraft des Heiligen Geistes, in der Kraft der Taufgnade – kannst du vergeben.
Nicht aus eigener Stärke. Nicht aus moralischem Druck. Sondern aus Gnade
Vielleicht denkt jetzt jemand: „Ich will vergeben –
aber ich kann nicht.“
Das ist ein guter Ausgangspunkt. Warum? Weil du hier
erst mal dein Unvermögen erkannt und bekannt hast.
Dann ist genau das der Punkt, an dem Pfingsten
beginnt.
da kann die
Gnade ansetzen.
Denn der Heilige Geist wirkt dort, wo wir sagen: „Ich
kann nicht, aber ich will offen sein.“
Und noch etwas ist wichtig: Vergebung bedeutet nicht:
das erlittene Unrecht nachträglich verkleinern! Es bleibt in seiner ganzen
Tragik und Schwere bestehen.
Vergebung bedeutet: ich höre endlich auf mit den
ewigen Anklagen, ich lasse los. Ich vergebe nach dem Willen Jesu und nach dem
Beispiel Jesu. Und wenn ich wirklich vergebe, dann habe ich kein Recht mehr,
weiterhin anzuklagen.
Und was geschieht dann?
Ich nenne es so: Wenn wir vergeben, wird unser Herz
„entriegelt“. Dann kann der Heilige Geist meine tiefsten Wunden erreichen, dann kann die
Heilungsmacht des Kostbaren Blutes Jesu meine Wunden erreichen, dann beginnt
der Prozess der Heilung meiner Verletzungen.
Das ist Pfingsten: Der Geist kommt nicht über
uns – er durchdringt uns, wenn wir ihm das erlauben.
Liebe Schwestern und Brüder, Pfingsten ist die
Vollendung des österlichen Geheimnisses. Wir feiern den Sieg des Herrn über
alles, was unser Leben vermindert. Das ist ein guter Anlass, sich zu fragen:
- Gibt es
jemanden, dem ich noch nicht vergeben habe?
- Gibt es
eine Tür in meinem Herzen, die noch verschlossen ist?
Dann müssen wir nicht alles heute lösen. Aber wir
können beginnen.
Vielleicht mit einem einfachen Gebet:
„Herr Jesus Christus, du kennst mein Herz. Du kennst
meine Verletzungen. Ich kann noch nicht ganz vergeben – aber ich will es
wollen. Sende mir deinen Heiligen Geist.“
Und dann
geschieht langsam, oft leise, aber real:
- Verschlossene
Türen öffnen sich
- Herzen
werden langsam entriegelt
- Enge
des Herzens weitet sich
- Enge
wird zu Weite
- Verschlossenheit
wird zu Leben
Das feiern
wir heute, am Ende der heiligen 50 Tage, der österlichen Zeit:
Gott kommt
nicht nur von außen – er öffnet uns von innen, wenn wir ihm das erlauben. Amen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen