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Mittwoch, 27. Mai 2026

Predigt am Pfingstmontag 2026 in Reith in Österreich

 

Predigt zum Pfingstmontag 25. Mai 2026 Reith im Alpbachtal, Tirol

 

Livestream aus Reith:

Youtube-Kanal Pfarre Reith i. A. & Pfarre Bruck i. Z.

 

Erste Lesung Apg 10,34-35.42-48a - Zweite Lesung Eph 4,1b-6 - Joh 15,26-16,3.12-15

Liebe Schwestern und Brüder, nur einmal im Jahr feiern wir Pfingsten. - Aber: was an Pfingsten geschieht, das geht weiter, das kann immer geschehen.

Die Lesungen zeigen uns: Der Heilige Geist sprengt Grenzen, äußere und innere Grenzen.

In der ersten Lesung aus der Apostelgeschichte hören wir von Petrus: „Gott macht keinen Unterschied zwischen den Menschen.“

Petrus hatte zunächst gemeint, mit allen anderen: Die Heiden sind ausgeschlossen vom Heil, das nur den Juden gehört. - Und jetzt: Der Heilige Geist hat diese Grenzen aufgebrochen.

Warum ist das so wichtig? Weil auch wir Menschen dazu neigen, Grenzen zu ziehen:

  • zwischen „wir“ und „die anderen“ , zwischen „gut“ und „schlecht“
  • zwischen denen, die wir mögen – und denen, die wir ablehnen

Und manchmal tragen wir diese Grenzen nicht nur im Kopf – sondern tief im Herzen.

Die zweite Lesung aus dem Epheserbrief sagt uns: „Bewahrt die Einheit im Geist durch das Band des Friedens.“

Einheit ist eine Frucht des Heiligen Geistes. Warum ist das so wichtig?

Weil wir un-eins sind. Mit uns selbst. Es gibt diese Zerrissenheit in uns, diese Spaltung.

Aber auch die Un-einheit zu den anderen: die wir mögen und die wir ablehnen, missachten, verachten, anklagen.

Warum ist das so? Warum tragen wir Spannungen, Verletzungen und Distanz in uns?

In meinem Büchlein (Innere Heilung und Befreiung durch Vergebung) habe ich das so erklärt: Wir leiden nicht an dem, was uns angetan worden ist, vielleicht vor vielen Jahren, sondern daran, wie wir damit umgehen.

Wir leiden daran, dass wir nicht vergeben haben, oder nur halbherzig, nicht richtig vergeben haben.

Das bedeutet: Der Schlüssel zur Veränderung liegt in uns.

Wir haben die Freiheit zur Veränderung und wir haben die Verantwortung für unsere Veränderung.

Das Evangelium spricht vom Heiligen Geist als dem Beistand, dem Geist der Wahrheit.

Dieser Geist der Wahrheit tut zwei Dinge:

1.    Er zeigt uns die Wahrheit unseres Lebens, unserer Vergangenheit.

2. Er gibt uns Kraft, in dieser Wahrheit zu verändern im Sinne des Evangeliums.

Was ist diese Wahrheit?

  • Ich bin verletzt worden, vielleicht schon vor vielen Jahren, in meiner Kindheit.
  • Ich habe immer noch nicht vergeben.
  • Vielleicht habe ich gesagt: Das verzeihe ich nie!
  • Ich trage Groll in mir. Ich halte fest an der Verletzung. - Ich vergebe nicht.

Vielleicht sagst du dann auch noch: „Es tut so weh, ich leide so sehr, darum: ich vergebe nicht.“

Dann sage ich: Das ist doch unvernünftig. Du hast lange genug gelitten. - Darum frage ich dich: Geht es dir denn besser, wenn du nicht vergibst?

Der Geist der Wahrheit sagt dir: der Schlüssel zur Veränderung liegt in dir:

Du hast die Freiheit zur Veränderung und du hast die Verantwortung für deine Veränderung.

Du kannst vergeben: wenn du frei werden willst. Wenn du zu deiner inneren Einheit kommen willst. Wenn du zur Einheit mit den Menschen kommen willst, von denen du dich getrennt hast.

Wenn wir uns nicht für die Vergebung entscheiden, wenn wir nicht vergeben mit unserem Willen und mit unserem Herzen, dann bleibt das bittere Gift der Anklage in uns, und langsam vergiften wir uns.

Unvergebenheit bindet uns an die Vergangenheit. hält Wunden offen. verschließt unser Herz. Und Satan freut sich.

Und da brauchen wir den Heiligen Geist. Er ist der „Tröster“ und öffnet unser Herz, wenn wir es ihm erlauben.

Denken wir noch einmal an die erste Lesung:

Der Heilige Geist fällt auf Menschen, die vorher ausgeschlossen waren. Auf Heiden, die vom Volk Gottes der Juden ausgeschlossen waren.

Vielleicht ist das auch ein Bild für uns: Gibt es Menschen, die ich innerlich ausgeschlossen habe? Aus meinem Herzen? Aus meiner Liebe?

Pfingsten bedeutet: Gott schließt niemanden aus. Und Gott bittet dich: dasselbe zu tun.

Aber das schaffst du nicht aus deiner Kraft. Das weiß auch der liebe Gott.

Darum hat er uns den Heiligen Geist geschenkt, schon in der Taufe, und zwar zu 100 %.

Vergebung ist nur möglich in der Kraft des Heiligen Geistes.

Das ist die gute Nachricht: Du musst nicht warten, bis du „bereit“ bist.
Du darfst anfangen, weil Gott dir die Kraft gibt.

Und vielleicht ist der erste Schritt ganz klein: mit einem einfachen Gebet:

„Herr, ich will vergeben, bitte hilf mir dabei.“ Und das genügt. - Denn: Vergebung ist ein Prozess. Ein Weg, auf dem der Heilige Geist uns führt.

Die zweite Lesung sagt: „Ertragt einander in Liebe.“

Und Liebe ist kein Gefühl. Sondern eine Entscheidung. Zum Beispiel: Ich entscheide mich, endlich zu vergeben, mit dem Willen und mit dem Herzen in der Kraft des Heiligen Geistes.

Und was geschieht dann? Das erkläre ich auch in meinem Büchlein: Wenn wir so vergeben, dann entriegeln wir unser Herz. Wir entfernen die Riegel, die wir damals vor unser Herz gezogen haben, als wir verletzt wurden und uns schützen mussten, vor neuen Verletzungen.

Wenn wir unser Herz entriegeln, dann kann die Heilungsmacht des kostbaren Blutes Jesu unsere Wunden erreichen und der Balsam des Heiligen Geistes legt sich auf unsere Wunden. Und es beginnt der Prozess der inneren Heilung.

Pfingsten ist ein Fest des Herzens. Das ist heute ein guter Moment, sich zu fragen:

  • Wen trage ich noch in Unversöhntheit in mir?
  • Wo halte ich fest?  Wo ist mein Herz noch verschlossen?

Und dann beten wir: „Komm, Heiliger Geist, du Geist der Wahrheit, du kennst mein Herz.

Zeige mir, wo ich vergeben soll. Gib mir die Kraft, loszulassen.
Öffne, was verschlossen ist. Heile, was verwundet ist.“

Und dann geschieht Pfingsten – heute und immer, in dir. Amen.

Dienstag, 29. August 2023

„Gebet um Befreiung“ und „Befreiungsdienst“: eine Relation

 „Gebet um Befreiung“ und „Befreiungsdienst“: eine Relation

Der „Befreiungsdienst“ und das „Gebet um Befreiung“ haben etwas gemeinsam: sie sind beide kirchlich nicht geordnet: es gibt keine approbiertes Ritual, keine vorgeschriebenen Formeln oder Formen. Das heißt nicht: dass beides verboten oder unkirchlich wäre, sondern das heißt: dass die Kirche sich ihrem inneren Prinzip, nämlich dem Heiligen Geist und seiner Führung und seinem Wirken unterordnet und anvertraut und ihren Gliedern im Volke Gottes im Rahmen der Kirche und unter den Hirten große Handlungsfreiheit und Kreativität lässt Der „Befreiungsdienst“ ist Teil des kirchlichen Heilungsdienstes und als solcher ein umfassendes pastorales Handeln und enthält mehrere Elemente, unter anderem auch das „Gebet um Befreiung“:

- eröffnendes Gebet

- Interview mit dem Klienten, der Person, die um Hilfe bittet

- geistliche Unterscheidung: krankhaft - geistliche

- Evangelisierung

- Katechetisierung

- eventuell den / dem anderen vergeben

- Gebet um Befreiung

- gebietendes Wort

- eventuell Gebet um Heilung

- Gebet um Erfüllung mit dem Heiligen Geist

- abschließende Hinweise: Freiheit bewahren, in den Tugenden wachsen, ein geordnetes sakramentales Leben führen, ein normales Gebetsleben führen, die Berufs- und Standespflichten erfüllen, immer - sofort - und allen - und alles - mit dem Willen und mit dem Herzen vergeben - siehe Matthäus 18,35

- abschließendes Gebet




Donnerstag, 9. November 2017

Weg und Ziel
Predigt zum 15. Sonntag im JK – LJ A – Jakobsberg, 16.7.2017

1. Lesung: Jesaja 55,10-11
2. Lesung: Römer 8,18-23
Evangelium: Mt 13,1-23

Der Weg ist das Ziel
Klingt gut, ist aber ein Irrtum
Weg ist Weg, und Ziel ist Ziel.
Der Weg ist verschieden vom Ziel,
und das Ziel ist verschieden vom Weg.
Es gibt viele kleine Ziele: morgens aus dem Haus, Ziel: Arbeitsplatz, Schule, Einkaufen. Für heute früh war ihr Ziel der Jakobsberg.
Zurück: Ziel: zu Hause.
Es gibt große Ziele: Urlaubsziele, Verkaufsziele, Steigerung der Produktivität oder der Gewinne
noch größere Ziele: Lebensziele.
Da wird es interessant.
Was ist Ihr Lebensziel? Wofür leben Sie?

Tagesgebet: Gott, du bist unser Ziel.
Wieso? Warum?
Weil ER sich zu unserem Ziel gemacht hat.
Das ist also sein Angebot, seine Ziel-Vorgabe.
Und dann sind wir am Zuge:
Wir haben die Freiheit, unseren Lebensweg auf dieses Lebens-Ziel, auf unseren Schöpfer und Vollender, hin auszurichten und zu gestalten.
Und wir haben die Freiheit, so zu tun und so zu leben, als gäbe es dieses Ziel nicht. Und es sind ja nicht wenige, die so für sich entschieden haben. Vor vielen Jahren: Statistik: fast 50 % der Christen glauben nicht an die Auferstehung der Toten, rechnen nicht mit einem Ewigen Leben. Erfahrung: Praktikum im Altenheim.
Diese Lebenseinstellung, diese Entscheidung könnte sich als ein verhängnisvoller Irrtum erweisen.
Aber so weit müssen wir nicht gehen,
so dramatisch muß es nicht kommen.
Es gibt die vielen kleinen Irrtümer im Alltag.
Wir alle können uns doch mal irren.
Irren ist menschlich. – Eben.
Und darum unternimmt Gott etwas.
Wiederum TG. Zwei Aktionen, Handlungen:
1.     Du zeigst den Irrenden das Licht der Wahrheit.
2.     Und du führst sie auf den rechten Weg zurück.

Und wie tut er das? Dazu viele Möglichkeiten.
Am deutlichsten: jetzt in dieser Heiligen Messe. In den Lesungen / im Evangelium hat er zu uns gesprochen. Dein Wort ist Licht und Wahrheit, es leuchtet uns auf allen unsern Wegen.
Im Evangelium haben wir gehört, welches Schicksal dem Wort Gottes bestimmt ist. Dreifach scheitert es, und einfach kommt es zum Ziel.
Und das geschieht ja nicht irgendwie und irgendwo. Das sind ja nicht immer und nicht nur die anderen. Sondern das sind ja Bilder für unsere persönlichen Situationen:
-         Unsere Verschlossenheit dem Wort Gottes gegenüber.
-         Unsere Oberflächlichkeit.
-         Unser Nicht-hinhören.
-         Aber auch die Offenheit unseres Herzens, unsere Aufnahmebereitschaft.
Und so kommt das Wort Gottes doch zum Ziel und erreicht, was es sagt (Erste Lesung Jesaja).
aber nicht automatisch. Gott vergewaltigt uns nicht.
Er bittet um unsere Antwort, um unser Mittun.
Ok. So haben wir uns für eine christliche Lebensführung entschieden.
Und wiederum: nicht immer so konsequent, oft durchsetzt mit Bequemlichkeit, Verweigerung, nicht-hinhören, Verschlossenheit.
Und darum bitten wir: Gib allen, die sich Christen nennen (und das sind wir), also: gib uns die Kraft zu meiden, was diesem Namen widerspricht und zu tun, was unserem Glauben entspricht.

Die Kriterien sind: der Christen-Name und unser Glaube.
Und wie oft bleiben wir dabei auf der Strecke!
Mal mehr, mal weniger. Darum bitten wir am Beginn jeder Eucharistiefeier um Vergebung unserer Sünden. Und wenn wir mal schwer gesündigt haben, dann bietet Gott uns das Sakrament der Versöhnung an: die Beichte, jener wunderbare Quell der unerschöpflichen Barmherzigkeit Gottes.
Und dann bietet der Herr uns die eucharistische Speise: die Wegzehrung, wie man früher sagte.
Darum feiern wir sonntags die hl. Messe.
Weil wir diese Gnadenhilfen brauchen.

So können wir auf dem Weg bleiben, der uns zu unserem ewigen Lebensziel führt.

Sonntag, 21. November 2010

Paradiesische Zustände durch Herrschaft

Hochfest Christus König
Predigt in der Abteikirche St. Ottilien
Sonntag, 21. November 2010 (Lesejahr C)
Pater Willibrord Driever OSB

Liebe Christen!
Alle Menschen beten, sofern sie sich religiös betätigen: Juden und Christen, Buddhisten und Muslime, also auch Heiden beten.
Wodurch wird unser Beten zu einem christlichen Beten?
Dadurch, dass wir durch Jesus Christus zum Vater beten.
Das kommt zum Ausdruck, wenn wir am Beginn der hl. Messe das jeweilige Tagesgebet abschließen mit einer Formel: „Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.“
Manche Priester verändern diese Formel, unerlaubterweise.
Sie sagen: „Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, deinen Sohn unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und für uns da ist.“
Oder: „der mit dir lebt und liebt“.
Sie vermeiden das Wort „herrschen“. Leider geben diese Priester keine Erklärung dafür ab, warum sie das Wort „herrschen“ vermeiden. So kann man über die Motive ihres Handelns nur spekulieren.
- Vielleicht halten sie das Wort „herrschen“ für unzumutbar für die demokratieverwöhnten Ohren der Christen und Christinnen des 21. Jahrhunderts,
- Vielleicht stört es sie, dass es da einen geben sollte, der als einziger noch herrschen dürfe, der also etwas zu sagen haben sollte,
- Vielleicht haben sie persönlich schlechte Erfahrungen gemacht mit Autoritätspersonen und übertragen nun ihre negativen Erfahrungen auf Christus.
Im Widerstand zum Zeitgeist feiern wir heute die Herrschaft Jesu Christi.
Was ist es also um diese Herrschaft Jesu Christi, die die Kirche heute, am letzten Sonntag des Kirchenjahres, vor aller Welt bekennt?

Jesus Christus war vom Vater berufen, das Volk Gottes zu führen und in diesem Sinne ein echter Führer zu sein.
Die erste Lesung ist wie die Spitze eines Lichtkegels, der sich aus der Dunkelheit und Verworrenheit der Geschichte in die Zukunft hinein weitet und auf Christus gerichtet ist. David wurde als König über Israel gesalbt. Es war ein Königtum nicht ohne Zweideutigkeiten und Untreue. Ein echter, treuer König, ein vollkommener Hirte sollte viel später kommen: lange nach David: der Messias Christus. Er sollte es sein, der auf dem Thron seines Vaters sitzen und ohne Ende herrschen wird.

Seine Herrschaft hat einen zutiefst göttlichen Ursprung. Und er hat die Herrschaft über alles. „Denn in ihm wurde alles erschaffen. Und alles ist durch ihn und auf ihn hin erschaffen.“ Das ist das Glaubensbekenntnis aus der zweiten Lesung, aus dem Kolosserbrief.
Christus ist der Erste, weil er zeitlich vor allen anderen ist.
Und er ist das Modell für alle anderen.
Durch ihn und im Blick auf ihn hat der Vater alles geplant und geschaffen.
Christus ist auch der Erstgeborene der Toten.
Und über alle Dinge hat Christus eine absolute Herrschaft.
Alle Werte sind in ihm enthalten und sammeln sich in ihm wie in einem Brennpunkt.
Und alles wird in ihm mit Gott versöhnt.
So klingt es wie in einem Hymnus in diesem Kolosserbrief.

Das sind große Worte und große Geheimnisse. Wir fragen zurück: Wie und wann und warum sollte das denn so geschehen sein?
Dafür gibt es einen klaren Anhaltspunkt, ein geschichtliches Ereignis: nämlich sein Tod am Kreuz und das Vergießen seines Blutes; „Der Frieden gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut“.
Das heißt: die Dinge der Schöpfung, die Menschheit – sie sind nicht etwa deswegen befreit oder sie treten nicht etwa deswegen in das Reich Gottes ein, weil sie eine solche Qualität aus sich heraus schon hätten, oder weil sie einen Anspruch darauf hätten oder weil sie einem inneren Gesetz der Entwicklung gehorchen würden. Nein. Sondern deswegen: weil Jesus durch seinen Tod am Kreuz Frieden gestiftet hat durch sein Blut.
Daraus ergibt sich für uns die Blickrichtung und Zielrichtung unseres Lebens: nämlich das Kreuz Jesu. Bruder Konrad von Parzham hatte das begriffen. Er sagte: Das Kreuz ist mein Buch.

Bei der Bereitung der Gaben werden wir beten: „Er, der für uns gestorben ist, schenke allen Völkern Einheit und Frieden.“ (Gabengebet)
Und in der Präfation verkünden wir: „Als makelloses Lamm und friedenstiftendes Opfer hat er sich dargebracht auf dem Altar des Kreuzes, um das Werk der Erlösung zu vollziehen.“
Das ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was ich einem Buch las mit dem Titel: „Zen für Christen“. Dort steht die Anweisung: „Schauen wir nicht auf das Kreuz, auf das, was Leben zerstört, sondern schauen wir auf uns, nach innen.“

Im Evangelium präsentiert Lukas die Königsherrschaft Jesu. Es ist eine Parodie: Jesus wird König der Juden auf dem Thron eines Kreuzes. Es ist die Erinnerung an eine andere Parodie: die im Prätorium des Pontius Pilatus
Jesus tritt seine Königsherrschaft am Kreuz an. Das Kreuz ist der Thron des Messias-Königs. Und damit daran kein Zweifel möglich ist, zitiert Lukas den Kreuzestitel: „Über ihn war eine Tafel angebracht: Das ist der König der Juden“ – als Verhöhnung gemeint, und doch ist es eine so unglaubliche Wahrheit, dass sie schwarz auf weiß für die Augen der gesamten Menschheitsgeschichte festgehalten werden muss.
Das erinnert an eine andere Einsetzung Jesu in sein Messianisches Königsamt: Bei seiner Taufe sprach die Stimme aus dem Himmel: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden“.

Und Lukas fügt noch eine Szene hinzu: „Auch die Soldaten verspotteten ihn: Wenn du der König der Juden bist, dann hilf dir selbst!“
Die Welt versteht die Titel Jesu und seine Königsherrschaft in ihrem Sinne: eben als äußerliche, politische Größenzuschreibung. Jesus verweigert sich der Erfüllung dieser Konzepte. Er will nicht, daß seine Königsherrschaft ihm von außen zugeschrieben wird, wenn er wie ein Zauberer auftritt und seinem Schicksal entkommt. Jesus hat sich auch geweigert, aus Steinen Brot zu zaubern.
Sondern er will sein Königtum gerade darin zweigen, daß er in seinem Los aushält und dem Vater darin seine Treue bewahrt.

Nach dem Alten Testament, muß die Inthronisation von zwei Personen bezeugt werden: bei der Verklärung Jesu waren es Mose und Elija. Bei der Auferstehung Jesu und bei seiner Himmelfahrt waren es zwei Engel. Und bei seiner Inthronisation auf Golgotha waren es auch zwei Zeugen: zwei Verbrecher.
Lukas will damit zeigen, wie Jesus seine Königsherrschaft versteht: nämlich für alle Menschen, auch über seine Feinde. Und seine Königsherrschaft besteht darin, dass er allen Menschen die Vergebung anbietet. Der erste Adam hatte durch die Sünde des Mißtrauens Gott gegenüber das Paradies verloren. Christus ist der neue Adam: er hilft der ganzen Menschheit, in das verlorene Paradies wieder einzutreten.
Das wird uns nur gelingen, wenn wir die Vergebung Gottes auch annehmen.
Jesus schafft eine neue Menschheit: befreit von der Entfremdung durch die Sünde. Er eröffnet dem reuigen Schächer die Möglichkeit, an dieser neuen Menschheit im Paradies teilzuhaben. Die Vergebungsbereitschaft Jesu ist grenzenlos, und wir setzen dieser grenzenlosen Vergebungsbereitschaft Jesu Grenzen, wenn wir die Vergebung nicht annehmen – wie sie der andere Schächer nicht angenommen hat.
Das also ist die Art und Weise, wie Jesus Christus herrscht. Und diese Herrschaft ist die einzige, der wir uns angstfrei unterwerfen und ausliefern können.

Freitag, 7. Mai 2010

Gott zum Lügner machen und der arme Jesus

Charismatischer Gottesdienst
Fest der Hl. Katharina von Siena
29. April 2010
In der Pfarrkirche Illerberg


Zur Lesung 1 Joh 1,5-2,2

Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm.
Das ist die Wahrheit.
Er ist die Helligkeit, die wir brauchen, um als Menschen und als Christen leben zu können.
Das geschaffene Licht ist ein Gleichnis für Gott, das ungeschaffene Licht.
Licht und Leben gehören zusammen. Wie Finsternis und Tod.

Christus ist das wahre Licht.
Dieses Licht ist in die Welt gekommen.
Wir stehen vor der Entscheidung:
Wir können im Licht leben (nach der Wahrheit Gottes leben) oder wir können in der Finsternis leben (und aus unserem Leben eine Lüge machen)

Zwei Wendungen: in der Finsternis wandeln (in der Sünde leben) und im Licht wandeln (in der Heiligkeit leben).

Johannes bringt aber einen neuen Gedanken:
- die Leuchte, die den Weg erhellt, ist nicht mehr das Gesetz, sondern Gott selbst.
- früher waren es die rituellen Waschungen, die Reinheit verliehen, jetzt reinigt uns das Blut Jesu, und führt uns wieder auf den Weg des Lichtes, wenn wir uns zeitweise entfernt haben. (V.7b)
- Wenn wir am Licht teilhaben, dann stellt es uns in Gemeinschaft miteinander (V.7a) „haben wir Gemeinschaft miteinander“

Wie geht ein Leben im Licht?
1. das Bekenntnis: Jesus ist im Fleisch gekommen.
2. er ist wahrer Mensch geworden.
3. Es ist die Praxis der Bruderliebe. (Wer seinen Bruder hasst, ist in der Finsternis.) Wir können nicht auf dem Weg des Lichtes sein, und gleichzeitig das Grundgesetz der Bruderliebe auslassen.
4. anerkennen, dass wir Sünder sind.

Wenn wir uns selbst überlassen sind, dann können wir nicht im Licht Gottes bleiben. Wir können auch nicht den Plan Gottes verwirklichen, und wir können nicht in Gemeinschaft mit ihm leben.
Mit der Sünde verlieren wir den Weg und drängen uns ständig in die Finsternis.
Wir haben gesunden Menschenverstand und geben uns da keinen Illusionen hin.
„Wenn wir sagen, daß wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns.
Johannes spielt hier auf damalige Sekten an, die die Sündhaftigkeit des Menschen leugneten. – Wie heute, in der Esoterik: auch da gibt es keine Sünde, sondern nur gestörte Energiefelder oder gestörte Energiehaushalte, Energieblockaden, oder Yin und Yang sind aus dem Gleichgewicht.

Die einzig wirkliche Sünde ist der Hochmut: sich für sündlos zu halten.
Damit schneiden wir uns von der Gnade ab. Denn dann glauben wir, keine Gnade mehr nötig zu haben. Dann wohnt die Wahrheit nicht mehr in uns.

Wenn wir unsere Sünden bekennen, dann haben wir Gemeinschaft mit Gott. Wieso? Das Bekenntnis der Sünden ist eigentlich ein Bekenntnis der Barmherzigkeit Gottes. Damit sind wir bei Gott, mit ihm verbunden, in seiner Gemeinschaft.

Im Licht Gottes sein und Gemeinschaft mit ihm haben – das ist ein Weg, eben im Licht wandeln, es ist immer wieder ein Hinübergehen von der Finsternis zum Licht – durch Umkehr, durch Bekenntnis der Sünden.

So gesehen: Die Sünde verhindert nicht Gemeinschaft mit Gott, sondern ist also ein Anlaß zur Gemeinschaft mit Gott – durch den Ruf nach Vergebung.

Nur wenn wir uns als Sünder vor Gott bekennen, nur dann erfahren wir ja, das wir von Gott angenommen werden und angenommen sind – obwohl wir eigentlich – wegen unserer Sünden – unannehmbar sind.

Und ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.
Und dass du mich beim Namen nennst und mir vergibst.
Herr, du richtest mich wieder auf, und du hebst mich zu dir hinaus.
Ja, ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.

Nur der Anspruch, ohne Fehler zu sein, dadurch berauben wir uns der Gemeinschaft mit Gott – denn dann kann Gott nichts mehr an uns und für uns tun, nicht einmal Vergebung schenken, weil wir ja glauben, diese nicht nötig zu haben.
Das ist damit gemeint, wenn Johannes sagt: Wir machen dann Gott zum Lügner, ihn, der den Anspruch erhebt, uns vergeben zu wollen.

Im Johannes-Evangelium lesen wir: Jesus ist das Licht der Welt. Hier im Johannes-Brief folgt die Aufforderung: Wandelt im Licht.



Zum Evangelium Mt 11,25-30

Zwei Teile:
1. Dankgebet. Das einzigartige Verhältnis zwischen Vater und Sohn. Dank für die Sendung, die er vom Vater empfangen hat. Sendung: Den Vater den Kleinen zu offenbaren.
2. Jesus wendet sich an die Kleinen. Lädt sie ein, mit ihm in Gemeinschaft zu treten.

biblischer Hintergrund
Zur Zeit Jesu: im Judentum - die Weisen und Schriftgelehrten. Sie kannten die Heilige Schrift, waren gebildet. Es waren die jüdischen Lehrer, die kein Mitleid hatten mit den einfachen Leuten, mit dem unwissenden Volk, den sogenannten Kleinen, die Armen. Sie waren tatsächlich arm: sowohl materiell, wie auch dem Verstand nach.

Jesus will sich nun genau dieser Gruppe zuwenden, er will den Armen sein Reich öffnen. Er will ihnen eine besondere Offenbarung schenken.

Vers 27: Mir ist von meinem Vater alles übergeben. – Jesus hat eine volle Erkenntnis des Vaters. Die will er den Kleinen offenbaren.

D.h., wenn die Kleinen, die Armen, die Nicht-Studierten: sich um Jesus scharen, dann können sie Gott erkennen und eine Gemeinde bilden. Dann unterscheiden sie sich von jenen, die Gott nicht kennen. Und das sind die Heiden, aber auch die jüdischen Weisen. Genau die, die behaupten, Gott zu kennen. Aber von ihnen sagt Jesus: Der Vater hat es den Weisen und Klugen verborgen.

Jesus distanziert sich vom Intellektualismus.

Die Mühseligen und Beladenen – sind dieselben, wie die Kleinen und Unwissenden.
Bürde und Joch: Im Judentum – die Beobachtung des Gesetzes.

Schriftgelehrte: Gesetz mit unzähligen Vorschriften beladen. Die Einfachen und Unwissenden konnten das alles gar nicht wissen. D.h., sie machten sich dauernd schuldig, weil sie nicht alle Gesetze kannten und nicht erfüllen konnten. Sie konnten nicht das Notwendige vom Zufälligen unterscheiden.

Jesus sammelt die Menschen um sich, die unter der Knechtschaft des jüdischen Legalismus leiden.

Jesus distanziert sich also auch vom Legalismus.

d) Und doch sagt Jesus: Nehmt mein Joch auf euch.
Also: auch Jesus legt ein Joch auf. Aber dieses Joch ist leicht zu tragen.

Denn die Liebe zu Gott besteht darin, daß wir seine Gebote halten. Seine Gebote sind nicht schwer. Denn alles, was von Gott stammt, besiegt die Welt. Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube. (1 Joh 5,3-4).

Jesus selbst gehört der Gemeinschaft der Armen. Er war kein Studierter. Kein Schriftgelehrter. Er gehörte nicht der besseren Gesellschaft an.

Jesus ist ein Armer. Und er ist es von Herzen. Denn er hat völlig freiwillig diese Seinsweise auf sich genommen.

Jesus distanziert sich vom Intellektualismus.

Jesus wendet sich an die Unwissenden. Aber nicht von oben herab. Nicht wie ein Wissender. Sondern wie einer von ihnen.

Jesus legt ein Bekenntnis ab. Er bekennt, dass sein ganzes Wissen nicht aus ihm selbst kommt, sondern dass er es als Geschenk vom Vater empfangen hat.

Jesus distanziert sich also auch vom Legalismus.

Jesus wendet sich an jene, die unter der Last des Gesetzes stöhnen, die schuldig werden um des Gesetzes willen, und er steht ebenfalls wie einer von ihnen da.
Dafür einige Beispiele, die - wie das Evangelium - nur Matthäus entnommen sind:
- Man hatte ihm Fehler und Sünden vorgeworfen: Siehe, deine Jünger tun etwas, was am Sabbat verboten ist!
- Ist es am Sabbat erlaubt zu heilen? Sie suchten nämlich einen Grund zur Anklage gegen ihn.
- Die Pharisäer aber gingen hinaus und fassten den Beschluss, Jesus umzubringen.
- Nur mit Hilfe von Beelzebul, dem Anführer der Dämonen, kann er die Dämonen austreiben.
Meister, wir möchten ein Zeichen sehen.

Jesus mußte sich gegen diese Anschuldigungen verteidigen.
Und er hat jene aufgefordert, sich daraus zu befreien, die darin gefangen waren.

Was ist nun das Geheimnis dieses Evangeliums?

Jesus lebte in einer besonderen Beziehung zu Gott.
Es war die Beziehung des Sohnes zum Vater.

Jesus erkennt, dass sich das alttestamentliche Gesetz verselbständigt hat. Es ist zum Legalismus geworden. Es schiebt sich wie eine Wand vor die Begegnung mit dem wahren und lebendigen Gott. Es führt die Unwissenden in die Irre und bringt sie in ein falsches Verhältnis zu Gott.

Jesus schenkt den Armen und Bedürftigen besondere Aufmerksamkeit.
Jesus denkt den Kreis der Armen auf die Unwissenden aus und auf alle, die von einer falschen Weisheit getäuscht worden sind und von einem engen Legalismus gefangen wurden.

Jesus wurde ein Armer unter den Armen.
Was war seine Armut?
Er sagt es selber: Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden.
Er wurde also überreich beschenkt.
Er hat nichts aus sich selbst.
Er hat nur das, was er empfangen hat.

Ein ganz neues Verständnis von Armut im Licht des Herrn.
Armut – das hieß früher: materielle Situation und Unwissenheit.

Jetzt aber: arm sein – das ist die Art und Weise, wie Jesus zu seinem Vater steht.
- das ist die Art und Weise, wie Jesus auf seinen Vater bezogen ist.
- arm sein – das ist kein Mangel, sondern das ist die Art und Weise, wie Gott den Menschen geschaffen hat: nämlich so, dass wir auf Gott unseren Schöpfer bezogen sind.
Paulus sagt: Wir sind nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen. Also wir Menschen sind nach dem Bild und Gleichnis des Sohnes Gottes geschaffen.

Tatsächlich: auch wir können sagen: Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden. Was hätten wir denn, was wir nicht von Gott haben. Was wir aus uns selbst haben, das sind unsere Sünden.

Jesus – total auf den Vater bezogen.
Wir sind Jünger dieses Jesus.
Und wir werden immer mehr Jünger dieses Jesus, wenn wir im tiefsten Grund unserer Persönlichkeit einwilligen in eine Lebensart, die verfügbar ist für die Initiativen Gottes in unserem Leben. Und wenn wir das innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft leben.

Diese Zusammenhänge und diese Perspektiven lernen wir kennen, wenn wir usn auf einen Glaubensweg begeben, so wie Sie es jetzt tun, die Sie nach Illerberg gekommen sind. Oder wenn Sie Exerzitien machen, um im Glauben zu wachsen, oder wenn Sie sich einem Gebetskreis anschließen.

In der Feier und im Empfang der Eucharistie üben wir diese Haltung ein: diese Armut, dieses Sich-beschenken-lassen, dieses Frei-werden für die überraschenden Initiativen Gottes in unserem Leben.