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Montag, 11. Mai 2026

Christi Himmelfahrt und der Teufel

Als ich ein wenig im Lektionar blätterte, stieß ich auf die patristische Vigil-Lesung vom Freitag nach Christi Himmelfahrt. Der Autor dieses Textes ist Papst Leo der Große, einer der Vorgänger unseres jetzigen Papstes Leo XIV.

Ich möchte diesen uralten Text aus dem 5. Jahrhundert in zwei Schritten präsentieren:
1) der Text, so wie er leicht zu finden ist, 
2) ich möchte den patristischen Text "runterbrechen", aufbröseln, und zwar mit der Methode von (schnippischen und kecken) Frage und von text-basierten Antwort. 

1) "In wessen Interesse aber kämpfen die irdischen Begierden, wenn nicht in dem des Teufels? Er findet sein Vergnügen daran, die nach dem Himmlischen Strebenden Seelen durch die Genüsse der vergänglichen Güter zu fesseln und von jenem Wohnsitz abzulenken, aus dem er herausgefallen ist. Gegen seine Nachstellungen muss jeder Gläubige weise wachen, damit er seinen Feind gerade durch das, worin er versucht wird, schlagen kann.
Nichts aber, Geliebte, ist stärker gegenüber den Listen des Teufels als barmherzige Güte und freigebige Liebe. Durch sie wird jede Sünde entweder vermieden oder besiegt.
So lasst uns also der Liebe nachjagen, ohne die keine Tugend wertvoll ist" (Leo der Große, gest. 461, Aus einer Predigt zum Festgeheimnis der Himmelfahrt Christi, zit. nach Lektionar zum Stundenbuch II/3, Seite 189).

2) Mal abgesehen, dass nur die Priester, Diakone, Ordensleute und andere wenige Laien, die das Stundengebet verrichten, mit diesem Text konfrontiert werden (wenn sie nicht statt dessen einen irischen Segen lesen), so frage ich mich, wie es wohl einem postmodernen Laien, dem sog. Durchschnitts-Christen, mit einem solchen Text und seinen Aussagen gehen mag.
Das fängt ja schon bei diesem Unwort "Teufel" an, der ja - angeblich - keiner Person sein soll, sondern nur eine literarische oder mythologischen oder psychoanalytischen Chiffre. Wie schön, da können wir uns ja beruhigt zurücklehnen.
Ein Papst aus dem 5. Jahrhundert spricht in seiner Festpredigt - wenn diese je so gehalten worden und nicht eine literarische Arbeit ist - ganz unbefangen vom Teufel und von dessen Aktivitäten. Was würde wohl einem Prediger geschehen, der es wagen sollte, auf dem synodalen Weg solche Aussagen in seiner Predigt zu bringen? Ich vermute mal: ein Sturm von Empörungs-Getöse würde losbrechen und infolge dessen bekäme der Prediger Predigt-Verbot.
Also, der "Teufel" ist doch erledigt. Ja, schon, aber Moment mal. Das ist ja eine doppeldeutige Aussage! Ist dieses teuflische Konzept pseudo-theologisch abgeschafft oder ist er als Person von Christus besieht? 
Im 5. Jahrhundert scheint man davon überzeugt gewesen zu sein, dass der Teufel ein Interesse habe. Um welches es sich dabei handelt, erfuhr der Zuhörer im Fortgang der Predigt etwas später.
Sodann wird behauptet, der Teufel habe Vergnügen?
Frage: Ach! Welches und woran?
Antwort: Zu fesseln. 
Frage: Wen zu fesseln? 
Antwort: Die Seele!
Frage: Welche Seele?
Antwort: Jene Seelen, die nach dem Himmlischen streben. Und nun höre gut zu. Denn es gibt noch andere Seelen, die das nicht tun (nach dem Himmlischen streben). Diese Seelen sind wohl nicht (mehr) Objekte seines Interesses. Und der Teufel hat noch ein zweites Interesse: Eben jene Seelen abzulenken.
Frage: Wovon abzulenken? 
Antwort: Von einem Wohnsitz.
Frage: Von welchem Wohnsitz und wo soll der Wohnsitz denn sein? 
Antwort: Vom Himmel, aus dem der Teufel herausgefallen ist. Und dann soll jeder Gläubige etwas tun.
Frage: Was denn? 
Antwort: Gegen die Nachstellungen des Teufels wachen.
Frage: Gegen was? 
Antwort: Gegen die Nachstellungen! 
Frage: Was ist das denn? 
Antwort: Das sind Verfolgungen, so jedenfalls das Bedeutungswörterbuch (Duden). 
Frage: Und wie ist da zu wachen? 
Antwort: Weise! Also weder hysterisch noch melancholisch noch depressiv noch abergläubisch noch bigott noch verleugnend, negierend, verdrängend..., sondern realistisch, eben: weise.
Frage: Warum? Wozu? 
Antwort Damit der solchermaßen weise wachende Gläubige den Feind schlagen kann.
Frage: Wieso Feind! Gibt es den denn? Es ist doch alles so friedlich, nett und stimmig und passend und gemütlich! Wir haben doch so tolle pastorale Großräume, ein tolles pastorales Personal, ein funktionierendes, hochkarätiges und gut bezahltes ZK und eine DBK und den so loyalen BDKJ.
Antwort: Schon, aber wie war das noch: "...die nach dem Himmlischen strebenden Seelen..." Der päpstliche Prediger des 5. Jahrhunderts scheint optimistisch: JEDER Gläubige soll weise den Feind schlagen.
Frage: Wodurch soll jeder Gläubige den Feind schlagen?
Antwort: Durch genau das, worin er vom Feind versucht wird: deine Schwachstellen.
Frage: Und wie geht das am besten? 
Antwort: Durch Güte und Liebe, aber nicht gegenüber dem Teufel, sondern gegenüber dem Nächsten.
Frage: Und was bewirken Güte und Liebe?
Antwort: Durch unsere Güte und Liebe vermeiden oder besiegen wir UNSERE Sünden.
Frage: Sünde, was ist das denn? das ist mir aber ganz neu. Könnte es sein, dass das irgendetwas mit Beichte zu tun hat? Aber ich bin mir da nicht sicher, denn im Beichtunterricht habe ich davon nichts gehört. Ich habe mal gehört, dass ich ein Beichtgespräch führen könne, wenn ich mal ein Problem habe. Aber von Sünden war in meiner Beichtvorbereitung keine Rede.
Antwort: Deinen Einwand verstehe ich sehr gut. Ich habe auch mal gebeichtet und nur meine Sünden und alle meine Sünden bekannt. Als ich fertig war, sagte mir ein Stadtpfarrer, der es wohl sehr gut mit mir meinte: "Aber Herr Pater, sie müssen doch auch sehen, was Sie Gutes getan haben!" Ich antwortete darauf: "Herr Pfarrer, ich dachte, in der Beichte soll der Beichtende nur seine Sünden und alle seine Sünden bekennen." Darauf kam keine Antwort.
Zurück zu deiner Frage: was ist Sünde? Sünde - das ist unsere Zustimmung zu den Listen des Teufels.
Schön, dass der Papst noch eine Tipp gibt: Der Liebe nachjagen. Und damit es da keine Missverständnisse gibt: "der Liebe nachjagen", das ist nicht dasselbe wie: Bock auf Sex haben.
Papst Leo d. Gr.: "Ohne die Liebe ist keine Tugend wertvoll." Liebe macht Tugend wertvoll. Anders gesagt: Ohne Liebe ist die Tugend wert-los. Wohlgemerkt: das ist ein päpstliches Statement." Liebe macht Tugend wertvoll." Machen wir die Anwendung am Beispiel der Tugend der Keuschheit. Die Keuschheit ist eine Tugend. Die Liebe macht die Tugend der Keuschheit wertvoll. Ohne die Liebe ist die Tugend der Keuschheit wertlos: Keuschheit - ohne Liebe - wertlos -- das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Aber davon vielleicht ein anderes Mal... sonst wird es zu viel.
FROHES FEST!C

Samstag, 20. Mai 2023

Himmel - Hölle - logisch

Schwere Frage - leichte Antwort.

Wer kommt in den Himmel? - Jeder und nur, wer das will.

Wer kommt in die Hölle? - Jeder und nur, wer das will.

Welche Logik steckt dahinter? - Ein philosophisches Axiom, das lautet: "Wer das Ziel will, der will auch die Mittel".

Damit ist gemeint:

Wer wirklich und ernsthaft ein Ziel anstrebt und dieses auch erreichen will, der wendet zur Erreichung dieses Zieles auch alles hilfreichen Mittel an (und vermeidet und unterlässt alles, was ihn an der Erreichung des Zieles hindert - so könnte man ergänzen).

Diese schlichte und beeindruckende Wahrheit habe ich nicht in meinem Theologiestudium in Münster gehört (1978-1983), sondern in meinem Noviziats-Unterricht in St. Ottilien.

Aber das ist doch alles Unsinn!

Ist denn die Annahme des Gegenteils sinnvoller? Ist es denn sinnvoller zu meinen, dass der/die in den Himmel kommt, der/die das nicht will, und dass der/die in die Hölle kommt, der/die das nicht will? (Entschuldigung wegen dieser Umständlichkeit, aber ist heute so...)


Sonntag, 3. Juli 2011

35 Gründe, nicht zu sündigen

Beim Surfen in einem italienischen freikirchlichen Radiosender (www.evangelo.it) fand ich diese eindrucksvolle Sammlung.
Ich halte sie für nützlich.
Ich möchte sie euch im Original und in meiner Übersetzung nicht vorenthalten:

1. Perché un piccolo peccato apre la porta ad un altro peccato.
1. Weil eine kleine Sünde die Tür für eine andere Sünde öffnet.

2. Perché il mio peccato attira la disciplina di Dio.
2. Weil meine Sünde die Strafe Gottes nach sich zieht. (So die wörtliche Übersetzung. Aber: Wenn wir von Strafe reden, dann tun wir das aufgrund unserer menschlichen Erfahrung: wir hatten etwas "ausgefressen" und deswegen wurde uns eine Strafe auferlegt. Genau das tut Gott nicht; diese sog. Strafen sind keine Bestrafungen, sondern die inneren Folgen der von uns gesetzten Taten.)

3. Perché il tempo speso nel peccare è sprecato per sempre
3. Weil die Zeit, die wir für das Sündigen aufgewandt haben, für immer verloren ist.

4. Perché il mio peccato non compiace mai ma addolora il Signore che mi ama.
4. Weil meine Sünde niemals meinem Herrn gefällt, sondern ihn betrübt, der mich liebt.

5. Perché il mio peccato pone un grande peso sui miei responsabili spirituali.
5. Weil meine Sünde mein geistliches Leben beschwert.

6. Perché nel tempo il mio peccato avvilisce il mio cuore.
6. Weil mit der Zeit meine Sünde mein Herz beschwert.

7. Perché faccio quello che non devo fare.
7. Weil ich dann etwas tue, was ich nicht tun soll.

8. Perché il mio peccato sminuisce ciò che sono.
8. Weil meine Sünde das vermindert, was ich bin.

9. Perché gli altri, inclusa la mia famiglia, soffrono le conseguenze del mio peccare.
9. Weil die anderen, einschließlich meine Familie, unter den Folgen meiner Sünde leiden.

10. Perché il mio peccato rattrista mio fratello in Cristo.
10. Weil meine Sünde meinen Bruder in Christus betrübt.

11. Perché il mio peccato rallegra i nemici di Dio.
11. Weil meine Sünde die Feinde Gottes erfreut.

12. Perché il peccato mi fa credere di averci guadagnato qualcosa mentre in realtà ho solo perso.
12. Weil die Sünde mich glauben lässt, etwas gewonnen zu haben, während ich doch in Wirklichkeit nur verloren habe.

13. Perché il peccato mi allontana dalla possibilità di svolgere compiti di responsabilità spirituale.
13. Weil die Sünde mich von der Möglichkeit abhält, meine geistliche Verantwortung wahrzunehmen.

14. Perché i cosiddetti benefici del mio peccato non potranno mai superare le conseguenze della disubbidienza.
14. Weil die sog. Vorteile der Sünde niemals die Folgen meines Ungehorsams ausgleichen können.

15. Perché pentirsi del peccato commesso è un processo doloroso, eppure devo pentirmi.
15. Weil die Reue über die begangene Sünde ein schmerzhafter Prozess ist, und dennoch muß ich bereuen.

16. Perché il peccato è un piacere molto breve che produce una perdita eterna.
16. Weil die Sünde nur einen kurzfristigen Genuß verschafft, aber einen ewigen Verlust nach sich zieht.

17. Perché il mio peccato può indurre anche altri a peccare.
17. Weil meine Sünde auch andere zur Sünde verführen kann.

18. Perché il mio peccato può escludere altri dal conoscere Cristo.
18. Weil meine Sünde andere von der Erkenntnis Jesu Christi ausschließen kann.

19. Perché il peccato non dà peso alla croce, sulla quale Cristo è morto per cancellare il mio peccato.
19. Weil die Sünde nicht das Kreuz würdigt, an dem Christus gestorben ist, um meine Sünde auszulöschen.

20. Perché è impossibile peccare e seguire lo Spirito Santo allo stesso tempo.
20. Weil es unmöglich ist, zu sündigen und gleichzeitig dem Heiligen Geist zu folgen.

21. Perché Dio non adempie le preghiere di chi alimenta il proprio peccato.
21. Weil Gott nicht das Gebet dessen erhört, der fortwährend seine Sünde vermehrt.

22. Perché il peccato danneggia la mia testimonianza e disonora l’Evangelo.
22. Weil die Sünde mein lebensmäßiges Zeugnis (für den Herrn)unglaubwürdig mach und das Evangelium verunehrt.

23. Perché altri ancor più seri di me sono stati distrutti dal peccato.
23. Weil andere Menschen, die schon viel weiter auf ihrem geistlichen Weg vorangeschritten waren, durch die Sünde zugrundegegangen sind.

24. Perché sia gli abitanti del cielo sia quelli dell’inferno potrebbero testimoniare dell’insensatezza del peccato.
24. Weil sowohl die Bewohner des Himmels wie auch die der Hölle die Torheit der Sünde bezeugen können.

25. Perché il peccato e la colpa possono ferire sia la mente sia il corpo.
25. Weil die Sünde und die Schuld sowohl die Seele als auch dem Körper schaden. (Hier möchte ich die biblisch-christliche Anthropologie der Katholischen Theologie einbringen: Durch unsere Sünde verunstalten wir unsere Seele, nicht den Geist -la mente.)

26. Perché i peccati insieme al servizio mi rendono un ipocrita.
26. Weil alle Sünden zusammengenommen mich zu einem Heuchler machen.

27. Perché soffrire per il peccato non dà né gioia né ricompensa, mentre soffrire per la giustizia dà entrambi.
27. Weil das Leiden aufgrund der Sünde weder Freude noch Belohnung schenkt, während das Leiden wegen der Gerechtigkeit beides gewährt.

28. Perché il mio peccato vuol dire commettere adulterio con il mondo.
28. Weil meine Sünde immer eine Angleichung an die "Welt" ist.

29. Perché, anche se perdonato, rivedrò questo peccato nel giorno del Giudizio quando saranno applicate la perdita e il guadagno delle ricompense eterne.
29. Weil - auch wenn sie vergeben ist - ich diese Sünde am Tag des Endgerichtes wieder sehen werde, wenn es um die ewige Vergeltung gehen wird.

30. Perché non saprò mai prima del tempo quanto può essere severa la disciplina che dovrò subire a causa del mio peccato.
30. Weil ich niemals vor der Zeit wissen kann, wie schwer die Strafe sein wird, die ich für meine Sünde werde erleiden müssen.

31. Perché il mio peccato può essere l’indicazione di uno stato di sviamento.
31. Weil meine Sünde ein Aufweis meines Abweges sein kann.

32. Perché peccare vuol dire non amare Cristo.
32. Weil "sündigen" soviel bedeutet wie "Christus nicht lieben".

33. Perché la mia riluttanza nel rigettare il peccato gli conferisce un’autorità su di me più grande di quanto possa immaginare.
33. Weil ich durch meine Trägheit im Kampf gegen die Sünde eben jener Sünde eine Macht über mich verleihe, die größer ist, als ich mir vorstellen kann.

34. Perché il peccato glorifica Dio soltanto quando è da Lui giudicato e lo trasforma in bene, non perché valga qualcosa di per sé.
34. Weil die Sünde nur insofern Gott verherrlicht, wenn sie von Gott gerichtet und von ihm zum Guten gewandt wird, nicht aber weil die Sünde schon in sich einen Wert hätte.

35. Perché ho promesso a Dio che sarebbe stato il Signore della mia vita.
35. Weil ich Gott (in der Taufe) versprochen habe, dass er der Herr meines Lebens sein soll.

Sonntag, 9. Mai 2010

Futurologie und Einwohnung Gottes

6. Sonntag der Osterzeit (C)
Predigt in der Wallfahrtskirche Vilgertshofen
am 9. Mai 2010


2. Lesung Offb

Im Credo bekennen wir: Wir erwarten das Leben der kommenden Welt.

a) Gott wird also sein Werk vollenden.
V10 von oben herab = Das Heil wird von Gott geschenkt. Wie wird das sein?
Darüber kann nur in Bildern und Gleichnissen gesprochen werden.
Die Lesung spricht davon. Aber das ist kein Plan für einen Wettbewerb im Städtebau; sondern das ist das Israel der Vollendung.
Die Gemeinschaft der Erlösten erscheint als die leuchtende Stadt.
In der künftigen Stadt wird es keinen Tempel mehr geben.
Johannes sieht keinen Tempel = besondere Wohnstätte Gottes.
Dem Priester vorbehalten.
Jetzt: der direkte Zugang zu Gott und Christus ist für jeden Wirklichkeit geworden. „In ihm haben wir den freien Zugang durch das Vertrauen, das der Glaube an ihn schenkt.“ (Eph 3,12).
„Durch ihn haben wir auch den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns unserer Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes“ (Röm 5,2).
Wenn es keinen Tempel mehr gibt, dann auch kein Priestertum, kein Opfer, keine Unterscheidung zwischen dem Religiösen und dem Menschlichen.
In der zukünftigen Stadt gibt es keinen Kult mehr.
Es ist alles irgendwie „laisiert“. - Aber nicht, weil Gott abwesend wäre.
Sondern durch das genaue Gegenteil: durch die Fülle Gottes. Überall wird Gott sein. In allem wird Gott sein. Er wird alles erfüllen.
Und wir werden immer unmittelbar zu ihm sein. Durch den gekreuzigten und auferstandenen Sohn Gottes, das geschlachtete Lamm.
Gott, der im unzugänglichen Licht wohnt – ist für uns Menschen zugänglich geworden.


b) Die zukünftige Stadt wird Gemeinschaft sein. Es ist der Plan Gottes, seine ganze Menschheitsfamilie untereinander zu vereinen, an sich zu ziehen, mit sich zu vereinen.
Das lesen wir hier: die Namen der 12 Stämme der Söhne Israels (V.12) = das Volk des Alten Bundes. Für die Völker der Erde geöffnet.
Zwölf Grundsteine: Die 12 Namen der 12 Apostel des Lammes: = Kirche

Warum hören wir diese Lesung in der Osterzeit?
- das Osterereignis macht die Ordnung des Alten Bundes hinfällig.
- die Christen gingen nicht mehr in den Tempel aus Steinen in Jerusalem.
- Nun war die Versammlung der Christen der Ort, wo Gott erfahren wurde.
- es geht nicht mehr um die Wallfahrt nach Jerusalem. Sondern umgekehrt: die Kirche macht nun Gott in der Welt gegenwärtig.
- die Braut des Lammes ist die Kirche. Und diese ist vom Himmel herabgestiegen. Und so kann jeder in Gemeinschaft mit dem Lamm kommen, durch die Kirche.

Wenn wir jetzt Eucharistie feiern, dann wird diese Veränderung gegenwärtig.
- unsere Versammlung um Christus ist der Tempel.
- wir haben kein anderes Opfer als das Selbstopfer Jesu Christi und das Opfer unserer Hingabe mit Christus an den Vater.

Zum Evangelium Joh 14,23-29

Das Evangelium ist den johanneischen Abschiedsreden entnommen.
Diese richten sich zunächst an die Zeitgenossen und Leser des Autors, das heißt: an die christlichen Gemeinden um das Jahr 100 nach Christus.
Diese syrischen und kleinasiatischen Christen hatten ihren Herrn Jesus weder gesehen noch persönlich gehört.
Und ihre Hoffnung auf seine glorreiche Wiederkunft bislang war vergeblich geblieben, hatte sich nicht erfüllt.
Darum waren sie verwirrt, mutlos, enttäuscht. In ihrer gesellschaftlichen Umgebung isoliert.
Diesen Menschen wollte der Evangelist im Namen Jesu etwas erklären.
Er wollte ihnen sagen, was es bedeutet, an Jesus zu glauben, ihn zu lieben, sein Wort zu bewahren.

Gott liebt keine spektakulären Manifestationen.
Gott wird in denen Wohnung nehmen, die sein Wort bewahren.

Und hier haben wir eine ganz interessante Verbindung zur Lesung aus der Offenbarung des Johannes: Das Wohnen Gottes im Menschen.
Der Tempel aus Stein in Jerusalem galt als der Ort der Gegenwart Gottes.
Aber das Zeichen war zu materiell. Und Gott verließ den Tempel.
Paulus spricht auch von einem Tempel, aber von einem maßlosen Tempel. Denn das Maß des neuen Tempels ist die Liebe. Und die ist maßlos. Also ist auch der neue Tempel der Liebe maßlos.
Die ersten Christen hatten begriffen, daß es nicht mehr notwendig ist, Gott in einem Tempel aufzusuchen.
Denn nun waren alle ihre liturgischen Versammlungen der Ort des Wohnens Gottes.
Und das ist die innere wirkmächtige Gegenwart des Heiligen Geistes in unseren Herzen.
„Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Denn um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden. Verherrlicht also Gott in eurem Leib.“ (1 Kor 6,19-20).
„Wir sind doch der Tempel des lebendigen Gottes“ (2 Kor 6,16).
„Ihr seid also jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes. Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlussstein ist Christus Jesus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn. Durch ihn werdet auch ihr im Geist zu einer Wohnung Gottes erbaut“ (Eph 2,19-22).

b) Jesus kündigt den Aposteln an, dass er sie nicht verlassen werde, da er im Geist wiederkehren würde.

Das "Erinnern" des Heiligen Geistes ist keine rein informative Tätigkeit, als müßte den Gläubigen nur immer wieder erzählt werden, was Jesus früher einmal gesagt und getan hat.
Sondern: der Heilige Geist hat die Aufgabe, das einstige Wirken Jesu zu vergegenwärtigen, in der Gemeinde und durch die Gemeinde für die Welt.

Und das alles gilt genauso für uns heute:
Christus bleibt gegenwärtig in seiner Kirche. – Aha! – Ja, aber: wie?

1. er offenbart sich durch sein Wort, das verkündet, gehört und geglaubt wird,
2. und durch die Liebe, mit der die Glaubenden an seinem Wort festhalten.

Die Glaubenden: das ist jeder einzelne, und es ist die große Gemeinschaft all derer, die im Licht des auferstandenen Christus ihren Weg gehen.

Jesus nimmt Abschied. Er wünscht den Apostel Frieden.
„Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch.“ – Jesus nimmt Abschied, indem er Frieden wünscht.
Es ist ein besonderer Abschied: Er gibt eine besondere Gabe. Dieser Friede ist etwas anderes, als das, was Politiker versprechen herzustellen.

Jesus verheißt uns den Geist und schenkt uns den Frieden: die Gewissheit der bleibenden Gemeinschaft mit ihm und dem Vater.

Jesus gibt die messianischen Heilsgüter.
Die Gaben, die die Propheten für die Endzeit verheißen hatten:
zB vom Propheten Jesaja:

„Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg mit dem Haus des Herrn steht fest gegründet als höchster der Berge, er überragt alle Hügel, zu ihm strömen die Völker. Viele Völker machen sich auf den Weg; sie sagen: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs. Er zeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn vom Zion kommt die Weisung des Herrn, aus Jerusalem sein Wort.
Er spricht Recht im Streit der Völker, er weist viele Nationen zurecht.
Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermessern aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg.“ (Jes 2,2-4).

„Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seinen Schultern; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. Seine Herrschaft ist groß, und der Friede hat kein Ende.“ (Jes 9,5-6).

1 Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, / ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht.
2 Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm: / der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, / der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht.
3 [Er erfüllt ihn mit dem Geist der Gottesfurcht.] / Er richtet nicht nach dem Augenschein / und nicht nur nach dem Hörensagen entscheidet er,
4 sondern er richtet die Hilflosen gerecht / und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist. Er schlägt den Gewalttätigen / mit dem Stock seines Wortes und tötet den Schuldigen / mit dem Hauch seines Mundes.
5 Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften, / Treue der Gürtel um seinen Leib.
6 Dann wohnt der Wolf beim Lamm, / der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, / ein kleiner Knabe kann sie hüten.
7 Kuh und Bärin freunden sich an, / ihre Jungen liegen beieinander. / Der Löwe frisst Stroh wie das Rind.
8 Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter, / das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange.
9 Man tut nichts Böses mehr / und begeht kein Verbrechen / auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, / so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist. (Jes 11)

Wir kennen diese Teste von Jesaja aus den Lesungen der Adventszeit.
Das sind die messianischen Gaben, die die Propheten für die Endzeit verheißen haben
Und diese Gaben gibt Jesus jetzt.
Weil jetzt die Heilszeit angebrochen ist.
DIE Gabe ist das Leben des Vaters: göttliches, unzerstörbares, ewiges Leben – das tragen wir jetzt schon ist uns: durch den Glauben, durch die Taufe, durch die Gnade, die immer in uns erneuert wird durch die Sakramente der Buße und der Eucharistie – so sind wir mit Christus verbunden wie die Reben am Weinstock, so fließt sein göttliches Leben immer in uns hinein.