Predigt am 5. Sonntag der Osterzeit
22. Mai 2011, Konventamt in St. Ottilien
Liebe Christen!
Sieben Wochen gehen wir in der Osterzeit.
Es braucht Zeit, um das Ostergeheimnis zu ergehen.
Viele Lieder in unserem Gotteslob besingen und entfalten das Ostergeheimnis.
Heute möchte ich versuchen, das Lied unter der Nummer 220 ein wenig zu erschließen.
1. Das ist der Tag, den Gott gemacht,
der Freud in alle Welt gebracht.
Es freu sich, was sich freuen kann,
denn Wunder hat der Herr getan.
Das ist der Tag, den Gott gemacht. Das ist der Ostertag. Und dieser Tag hat die Länge von 50 Tagen. Sieben Wochen feiern wir Ostern.
Jede Woche hat sieben Tage. 7 x 7 = 49. Aber das reicht immer noch nicht. Da muß noch ein Tag drauf. Dann haben wir 50 Tage. 50 heißt auf Griechisch: Pentekoste, das klingt wie Pfingsten.
Und tatsächlich: Pfingsten ist der 50. Ostertag.
Was ist das für ein Tag? Es ist der erste Tag der Woche, jedenfalls nach dem Zeugnis des Neuen Testamentes. Da lesen und hören wir: Am ersten Tag der Woche kamen die Frauen zum Grab.
Der Freitag war der Todestag Jesu.
Der folgende Tag war Sabbat, der letzte Tag der jüdischen Woche;
Dieser Tag entspricht unserem Samstag. Das war der Tag der Grabesruhe Jesu.
Und am ersten Tag der neuen jüdischen Woche kamen die Frauen zum Grab und hatten die Erscheinung des Engels. Sie erhielten die Botschaft von der Auferweckung Jesu und den Auftrag, dies seinen Jüngern zu verkünden. Das ist der Ursprung unserer jährlichen und unserer sonntäglichen Osterfeier. Jeden Sonntag Ostern feiern.
„Denn Wunder hat der Herr getan.“ Wer ist dieser Herr?
Das ist der Gott Vater, der sich dem Moses im brennenden Dornbusch unter dem Namen Jahwe offenbart hatte.
Und um welches Wunder handelt es sich?
Das Wunder der Auferweckung Jesu.
Dieses Wunder feiern wir an jedem Sonntag:
„Darum kommen wir vor dein Angesicht und feiern mit der ganzen Kirche den ersten Tag der Woche als den Tag, an dem Christus von den Toten erstanden ist.“
Das ist ein wichtiger Impuls für unser Leben:
Wir beginnen die Woche mit dem, was Gott schon getan hat. An diesem Tag, dem ersten Tag der Woche, können wir wirklich die Hände in den Schoss legen und erst mal ausruhen. Relaxen. Stressfrei. Weil Gott seinen Teil getan hat. Und das feiern wir am sonntäglichen Ostertag.
Am Montag, dem zweiten Tag der Woche und dem ersten Arbeitstag, fangen wir dann an.
Es blieb dem Europäischen Normenausschuß vorbehalten, diesen biblischen Sacherverhalt zu verkennen und den Montag als den ersten Tag der Woche zu erklären.
2. Verklärt ist alles Leid der Welt,
des Todes Dunkel ist erhellt.
Der Herr erstand in Gottes Macht,
hat neues Leben uns gebracht.
Verklärt ist alles Leid der Welt.
Das Leid der Welt ist da, millionenfach. Es wird weder negiert noch bagatellisiert. Es wird gesehen und wahrgenommen und ernstgenommen.
Aber das Leid ist nicht das Letzte und nicht das Einzige.
Es wird verwandelt. In der verwandelnden Macht Jahwes beginnt es zu leuchten, so wie die Wunden der Passion am verklärten Leib des Herrn auch nicht ausgelöscht werden. Sie bleiben. Der vom Vater auferweckte und verklärte und in die Herrlichkeit des Himmels erhöhte Herr Jesus Christus trägt immer noch die Zeichen seiner Passion an seinem verklärten Leib und zeigt sie immerfort dem Vater.
Das verwandelte Leid. Wieder ein Impuls, wie wir unser Leben verstehen:
Leid gibt es auch in unserem Leben. Wie damit umgehen? Leid vermeiden und lindern, wo immer dies uns möglich ist. Aber viel Leid bleibt. Wie damit umgehen?
Wir können unser Leid annehmen und im Blick auf die Passion des Herrn mit seinem Leid verbinden und es dem Vater anbieten, damit ER es zum Heil verwandeln kann – für uns und viele andere.
Der Herr erstand in Gottes Macht.
Das entspricht genau dem ältesten Zeugnis des Neuen Testamentes. Unzählige Male hören wir: Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs hat ihn, den ihr ermordet habt, auferweckt. Jesus ist auferweckt worden durch die Macht Gottes. Dieses Zeugnis wird angedeutet in der Liedzeile: Der Herr erstand in Gottes Macht.
Und: hat neues Leben uns gebracht.
Ein Leben, das völlig anders ist als jenes Leben, welches wir von Natur aus haben.
Ein Leben, welches unser natürliches Leben unendlich übersteigt, welches einer anderen Wirklichkeit und einer anderen Dimension angehört, ein unzerstörbares Leben, welches weder gemindert wird noch in seiner Qualität abnimmt. Eben ein ewiges Leben.
Ein Leben, wonach sich jeder Mensch sehnt und welches so viele Religionen, Personen, Ideologien, Systeme und esoterische Theorien und Praktiken zwar versprechen, aber nicht vermitteln können.
Dieses unvergängliche, unzerstörbare, ewige Leben ist der ganzen Menschheit aller Orten und aller Zeiten und jedem Menschen von Gott durch die Erlösung geschenkt und angeboten worden. Gratia gratis data. Free net. 0,0 cent.
3. Wir sind getauft auf Christi Tod
und auferweckt mit ihm zu Gott.
Uns ist geschenkt sein Heil’ger Geist,
ein Leben, das kein Tod entreißt.
Das ist es. Das Sakrament der Taufe.
Zu Beginn dieser Eucharistiefeier haben wir gebetet:
“Gott, unser Vater,
du hast uns durch deinen Sohn erlöst und als deine geliebten Kinder angenommen.“
In der Taufe hat Gott uns alles geschenkt:
• sein göttliches, ewiges, unzerstörbares Leben;
• er hat einen Bund mit uns geschlossen, den ER niemals brechen wird;
• er hat uns die Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe geschenkt;
• er hat uns 100 % Heiligen Geist geschenkt.
Das alles hat Gott uns in der Taufe geschenkt. Wir müssen die Taufgnade annehmen: Dem Heiligen Geist erlauben, in uns zu wirken; eine persönliche Entscheidung treffen. Das geschieht in der Firmung. In der Firmung wird uns nicht der Heilige Geist geschenkt. Den haben wir schon in der Taufe empfangen. Sondern:
Die Firmung ist das Sakrament der Mündigkeit. Da können wir die persönliche Taufentscheidung nachholen. In der Firmung wird der Heilige Geist freigesetzt, und wir werden für einen Dienst in der kirchlichen Gemeinschaft gestärkt und ausgerüstet. („Abschiedsfest“)
Und wir sind jetzt schon auferweckt. Wir leben jetzt schon das ewige Leben. Wir können nicht sterben. Der Heilige Geist ist das Leben, das kein Tod entreißt.
Das ist genau das Thema des Johannesevangeliums.
In der 50tägigen Osterzeit hören wir jeden Tag einen Abschnitt aus dem Johannes-Evangelium.
Immer wieder versichert uns der johanneische Christus: Wer an mich glaubt, hat jetzt schon das ewige Leben.
Wer an mich glaubt, wird nicht sterben.
4. Wir schauen auf zu Jesus Christ,
zu ihm, der unsre Hoffnung ist.
In dieser Liedstrophe klingt das Mysterium der sog. „Himmelfahrt“, der Erhöhung des Herrn an.
Im Schlussgebet der Messe am Fest Christi Himmelfahrt werden wir beten: „Lenke unser Sinnen und Verlangen zum Himmel, wo Christus als Erster der Menschen bei dir ist.“
Wir sind die Glieder, er das Haupt,
erlöst ist, wer an Christus glaubt.
In dieser Liedstrophe begegnet uns der hl. Paulus.
Er beschreibt das Mysterium Christi und der Kirche mit dem Bild des Leibes: Christus ist das Haupt des Leibes, und wir Getauften sind die Glieder dieses Leibes. Und Haupt und Glieder zusammen und gemeinsam bilden den Leib Christi, und das ist die Kirche.
Und das ist die Heiligkeit der Kirche. Und alle Sünden der Glieder der Kirche, der Laien und der Priester, die Sünden, die global offensichtlich geworden sind, können niemals diese Heiligkeit der Kirche mindern. Wohl aber verdunkeln sie das Erscheinungsbild der Kirche in der Welt und ihre Glaubwürdigkeit und ihre Wirksamkeit. Das sind die hausgemachten Probleme der Kirche. Und die haben wir gemacht. Das ist unsere Schuld, und das verlangt Erkenntnis und Reue und Umkehr.
Erlöst ist, wer an Christus glaubt.
Heute haben wir im Tagesgebet gebetet: Sieh voll Güte auf alle, die an Christus glauben, und schenke ihnen die wahre Freiheit und das ewige Erbe.
Christus sagt heute im Evangelium: Glaubt an Gott, d. h.: glaubt an mich.
Christus präsentiert sich heute als der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Er ist der Weg zum Vater, weil er uns vereinigt mit seiner Hingabe an den Vater.
Er ist die Wahrheit, weil er sich uns zu erkennen gibt und weil er immer tiefer unsere Herzen durchdringt durch das verkündete und gehörte Wort Gottes.
Er ist das Leben: uns gegeben am Tisch der Eucharistie.
Christus ist der Weg zum Vater, weil er die Wahrheit ist. Er ist das Bild des Vaters in der Welt. Und er ist das Leben für den, der an ihn glaubt.
An Christus glauben: eine tiefe Beziehung zu ihm haben.
Ihm das ganze Leben anvertrauen und übergeben.
Eine andere Hoffnung gibt es nicht.
5. Nun singt dem Herrn das neue Lied,
in aller Welt ist Freud und Fried.
Das neue Lied, seit 2000 Jahren in den Charts: das ist das Halleluja. Eine Zusammensetzung aus Hallelu – Lobt!
Und der Kurzform von Jah-we.
Also: Lobt Gott! Durch diese 50 Tage erklingt es immer wieder. Hallelu-Jahwe.
In aller Welt ist Freud und Fried. – Stimmt das? Wenn man der Tagesschau und den Tagesthemen glaubt, dann stimmt das so nicht. Wie aber dann?
In aller Welt ist Freud und Fried insofern als die Welt mit dem erfüllt ist, was Gott getan hat: nämlich das Wunder der Auferweckung Jesu.
Dieses Geschehen ist nun einmal in die Weltgeschichte hineingeschrieben. Und keine Macht der Welt und der Unterwelt kann das auslöschen oder ungeschehen machen. Die Welt ist verändert. Aber sie erkennt das noch nicht und lebt das noch nicht. Nicht die Welt, besser gesagt: die einzelnen Menschen, und auch wir.
Es freu sich, was sich freuen kann,
denn Wunder hat der Herr getan.
Wenn es Freude und Friede ist der Welt gibt, dann nicht deswegen, weil wir das auf die Reihe kriegen. Das ist ja alles so schrecklich brüchig.
Sondern weil der Herr-Gott DAS Wunder getan hat. Deinen Tod, o Jesus, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir. Jetzt. Bis du kommst in Herrlichkeit.
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Donnerstag, 26. Mai 2011
Freitag, 13. November 2009
Predigt am 31. Sonntag im Jahreskreis - LJB (8.11.2009)
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Samstag, 1. August 2009
Unsere Sünden sind für Gott attraktiv
Am Dienstag, 28. Juli 2009, hielt ich in der Hl. Messe bei den Exerzitien in Illerberg eine Predigt. Dabei bezog ich mich auf die Lesungen des Tages vom Donnerstag der 17. Woche im Jahreskreis (Lesung: Ex 33,7-11;34,4b.5-9.28; Evangelium: Mt 13,36-43). Ich referierte die Geschichte des Mose, seinen Mord an den ägyptischen Fronaufseher, seine Flucht und seine Berufung. In diesem Kontext rutschte mir das Wort heraus: "Unsere Sünden sind für Gott attraktiv."
Attraktiv, das heißt: anziehend. Gott wird von unseren Sünden angezogen. Er kann unser selbstverschuldetes Elend nicht länger mit ansehen. Es bewegt seine Barmherzigkeit. Er kommt auf uns zu. Er in seinem fleischgewordenen Wort gibt sich drein in unser Elend. Er sucht das verlorene Schaf, die verlorene Drachme, sieht von weitem den heimkehrenden Sohn, wird von Mitleid gerührt, läuft ihm entgegen, fällt ihn um den Hals und küsst ihn (Lukas 15).
So ist und handelt Gott.
Gott sei Dank.
Attraktiv, das heißt: anziehend. Gott wird von unseren Sünden angezogen. Er kann unser selbstverschuldetes Elend nicht länger mit ansehen. Es bewegt seine Barmherzigkeit. Er kommt auf uns zu. Er in seinem fleischgewordenen Wort gibt sich drein in unser Elend. Er sucht das verlorene Schaf, die verlorene Drachme, sieht von weitem den heimkehrenden Sohn, wird von Mitleid gerührt, läuft ihm entgegen, fällt ihn um den Hals und küsst ihn (Lukas 15).
So ist und handelt Gott.
Gott sei Dank.
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Dienstag, 21. Juli 2009
Heiliger Geist, komm und entzünde uns, aber verbrenne uns nicht!
Predigt im Konventamt in der Klosterkirche St. Ottilien
Pfingstsonntag, 31. Mai 2009
Pater Willibrord Driever OSB
Pfingstsonntag, 31. Mai 2009
Pater Willibrord Driever OSB
Eine Spannung liegt in den Lesungen und Gebeten und Gesängen der heutigen Liturgie. Die Spannung von Bitte und Erfüllung.
einerseits: Wir beten um die Sendung des Heiligen Geistes:
1. im Tagesgebet: Erfülle die ganze Welt mit den Gaben des Heiligen Geistes.
2. im Graduale: Emitte Spiritum tuum: Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu.
3. Sequenz: Komm herab, o Heil'ger Geist... (GL 244)
4. Ruf vor dem Evangelium: Veni Sancte Spiritus: Komm, Heiliger Geist, und erfülle die Herzen deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.
5. im Gabengebet: Allmächtiger Gott, erfülle die Verheißung deines Sohnes: Sende uns deinen Geist, damit er uns in die volle Wahrheit einführt.
Andererseits: In den Lesungen und im Evangelium hörten wir vom Kommen des Heiligen Geistes und von seinem Wirken.
1. die Lesung aus der Apostelgeschichte berichtet das Pfingstereignis,
2. die Lesung aus dem Korintherbrief beschreibt, wie der Geist Christi die Vielheit der Gaben und Dienste bewirkt und wie er die Einheit des Glaubens und des Bekenntnisses schafft,
3. das Evangelium verkündet, wie der auferstandene Herr am Ostertag den Geist schenkt. Der Ostergruß des Auferstandenen heißt "Friede".
Seine Ostergabe ist der Heilige Geist.
Die Spannung von Bitte und Erfüllung.
Die Bitte um die Gabe des Geistes und die Erfüllung der Bitte in der geschehenen Gabe. Dies in der Liturgie. – Aber nicht nur dort.
Sondern auch in unserem Leben.
Wir sind alle getauft. In der Taufe hat Gott uns seinen Heiligen Geist geschenkt.
Er hat uns die Gaben von Glaube, Hoffnung und Liebe geschenkt.
Er hat uns die heiligmachende Gnade geschenkt.
Aber wir erfahren den Heiligen Geist und sein Feuer so selten in unserem Leben.
Warum?
1. Vielleicht, weil wir sein Wirken in unserem Leben nicht erkennen.
Im Credo bekennen wir jeden Sonntag: Ich glaube an den Heiligen Geist. - Was heißt das denn? Wir können das mal durchbuchstabieren:
Ich glaube an den Heiligen Geist, das heißt: Ich glaube,
- daß er meine Vorurteile abbauen kann,
- daß er meine schlechten, eingefahrenen Gewohnheiten ändern kann,
- daß er meine Gleichgültigkeit und Trägheit und Menschenfurcht überwinden kann,
- daß er mir Phantasie zu einer liebevollen Lebensführung geben kann,
- daß er mich vor dem Bösen warnen kann,
- daß er mir Mut zum Guten geben kann,
- daß er meine selbstbezogene und unfruchtbare Traurigkeit überwinden kann,
- daß er mir Liebe zum Wort Gottes geben kann,
- daß er mir meine Minderwertigkeitsgefühle und meine Allmachtsphantasien nehmen kann,
- daß er meine Aggressionen bzw. Depressionen erhellen und verwandeln kann,
- daß er mir einen verständnisvollen Menschen an die Seite geben kann,
- daß er mein Wesen durchdringen kann.
Das wäre die Richtung für ein Leben im Heiligen Geist.
Wie schaut das praktisch aus: ein Leben im Wirkungsbereich des Heiligen Geistes?
Das könnte bedeuten:
• Müde sein - und doch andere aufmuntern.
• Sich verlassen fühlen - und doch andere zum Lächeln bringen.
• Selber Fragen haben - und sich Ratsuchenden doch nicht verweigern.
• Gehetzt sein - und doch andere nicht mit Ausreden abwimmeln.
• Schmerzen haben - und doch anderen gegenüber Geduld aufbringen.
• Belastet sein - und doch anderen tragen helfen.
• Nach einem Ausweg tasten - und doch die Hand eines anderen nicht loslassen.
• Manches entbehren - und doch anderen nichts missgönnen.
• Enttäuscht sein - und doch anderen ein Stück Hoffnung vorleben.
• Sich ausgebrannt vorkommen - und doch anderen helfen Sinn zu finden.
• Betend selber ohne Antwort bleiben - und doch anderen den Glauben erlebbar machen.
• Mit Ärger angefüllt sein - und doch den Gruß des anderen erwidern.
• Enttäuscht sein - und doch die Fehler anderer nicht an die große Glocke hängen.
• Keinen Dank bekommen - und doch für andere da sein.
Vielleicht hast du entdeckt, wo du schon im Wirkungsbereich des Heiligen Geistes lebst.
Der Geist ist in dir. Er ist schon da,
- wo dein Leben pulsiert,
- wo deine Wünsche entspringen,
- wo deine Sehnsüchte zu strömen beginnen,
- wo die Funken deiner Liebe sprühen,
- wo du im Namen Jesu und in der Kraft des Heiligen Geistes Vergebung schenkst,
- wo du einen neuen Anfang wagst,
- wo deine neuen Gedanken aufbrechen,
- wo du deinen Mut zu neuen Begegnungen sammelst,
- wo dir die Kräfte zu neuen Aufgaben zuwachsen,
- wo die Freude in dein Wesen tropft,
- wo du es wagst, du selbst zu sein.
Da ist Gottes Geist in deinem Leben.
2. Oder wir spüren den Heiligen Geist deswegen nicht in unserem Leben, weil wir ihn nicht haben wollen.
Wir beten zwar: Komm, Schöpfer Geist – fürchten uns aber vor der göttlichen Unruhe.
Wir beten zwar: Entzünde die Herzen deiner Gläubigen – und wir fürchten uns dann, von ihm in Brand gesetzt zu werden und daß so manches in unserem Leben in seinem Feuer nicht bestehen könnte. Wir halten ihn auf Sparflamme.
Dann hätten wir nicht begriffen, wer der Heilige Geist ist und wie er wirkt.
Es ist der Geist,
• der über dem Urchaos schwebte und Ordnung schaffte,
• der auf Maria herabkam,
• der auf Jesus bei seiner Taufe herabkam,
• der auf die im Abendmahlssaal versammelten Frauen und Jünger herabkam,
• und den wir in jeder Eucharistiefeier auf die Gaben von Brot und Wein --- und auf uns herabrufen.
Es ist der gute Geist Gottes. - Dieser Geist möchte auch in mir und in Dir zur Grundmelodie und zum Hauptmotiv des Lebens werden.
Dabei geht es weder um besondere, rauschhafte Augenblicke, in denen der Heilige Geist in außergewöhnlicher Weise erfahren wird; noch um einen stimmungsvollen Gottesdienst am Pfingstfest.
Sondern es geht um die Gestaltung unseres normalen, alltäglichen Lebens aus der Taufgnade. Das ist der Heilige Geist, der uns gegeben ist.
Das ist Spiritualität: Gestaltung unseres Lebens aus dieser Kraft der Taufgnade.
Aus der Kraft der Taufgnade unser Leben gestalten und die Widrigkeiten des Alltags annehmen und bewältigen.
Die Spannung von Bitte um die Gabe und bereits geschenkte Gabe.
Die Bitte um den Heiligen Geist bedeutet nicht, daß wir ihn nicht schon besäßen.
Sondern dies ist die Bitte um Freisetzung des in der Taufe empfangenen Heiligen Geistes und seiner Gaben in uns, und es ist unsere Entscheidung dazuhin.
Der Heilige Geist ist nicht aufdringlich, er überfällt uns nicht und zwingt uns nicht, wie andere Geister. Der Heilige Geist will gebeten und eingeladen sein.
Und dann wird er sanfte und beharrliche Impulse geben.
Und woher kommt dieser Geist?
An jedem Karfreitag hören wir in der Liturgie die Passion nach Johannes.
Als Jesus am Kreuz erhöht war und von dem Essig genommen hatte, sprach er:
Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt - und er gab den Geist:
er schenkte den Geist als Gabe in die Welt hinein!
Vom Kreuz herab wurde der Geist in die Welt hinein entbunden.
Heute, am 50. Ostertag, hören wir wieder das Evangelium nach Johannes.
Am Ostertag, am Abend des ersten Tages der Woche, sagt der erhöhte Herr: Empfangt den Heiligen Geist.
Nochmal: Woher kommt dieser Geist?
- Aus dem Geheimnis von Tod und Auferstehung des Herrn.
- Aus der Feier der Eucharistie.
- Und aus dem Empfang der eucharistischen Gaben.
Sende uns deinen Geist, damit er uns in die volle Wahrheit einführt und uns das Geheimnis dieses Opfers immer mehr erschließt.
Sonntag, 1. März 2009
Betrachtung zum Ersten Fastensonntag im Lesejahr B
1. Lesung
Diese Geschichte ist bekannt und wohl eher eine Geschichte, die uns ärgert. Warum spielt Gott solche grausamen Spielchen?
Diese Geschichte ist eine Verheißungsgeschichte. Vorausgegangen war ja die Berufung des schon alten Abraham, mit 75 Jahren traf ihn die Berufung: Zieh fort aus deinem Land, aus deiner Verwandschaft und aus deinem Vaterhaus. Und Abraham zog fort.
Und er erhält eine Verheißung: Ich werde dich zu einem großen Volk machen. Zahlreich wie die Sterne am Himmel. Und er hatte keine Kinder. Später (Gen 18) bekommt er die Verheißung eines Nachkommens, Sara lacht. Aber die Verheißung wird erfüllt. Sara gebiert Isaak. Der erste Stern am Himmel der Nachkommen. Gott garantierte die Erfüllung seiner Verheißungen.
Und nun die heutige Geschichte. Im Grunde geht es um die Frage, die Gott an Abraham stellt: Ja, ich habe begonnen, meine Verheißungen zu erfüllen. Bist du bereit, diese Erfüllung an mich zurückzugeben und es mir zu überlassen, wie ich meinem Wort treu bleibe? (Glaubensgeschichte)
Abraham verläßt sich so sehr auf Gott, daß er selbst seine ureigenste Existenz, nämlich seine ehemals gottgeschenkte Zukunft, Isaak, erneut, ohne Widerspruch, in die Verfügung Gottes stellt. (Vertrauen)
Wer sich so verläßt, den Blick auf den rufenden Gott gewandt, der gelangt an den Ort, von dem es heißt: Jahwe läßt sich sehen.
2. Lesung
Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?
Unser Gott ist der Gott, der sich selbst das Opfer seines eigenen Sohnes abverlangt, um uns in ihm alles zu schenken. Sein Sohn ist sein ein und alles.
Was bedeuten unsere Opfer und Öpferchen im Vergleich zum freiwilligen Opfergang des Menschensohnes?
Evangelium
Auf dem Berg Morija gingen dem Abraham die Augen auf.
Petrus, Jakobus und Johannes kommen auf dem Berg Tabor zu einer gewandelten Gottesschau.
Ihnen wird ein Durchblick geschenkt. Und sie sehen niemand mehr bei sich außer Jesus. In Jesus blicken sie durch. Durch die Geschichte Gottes mit seinem Volk, durch die Gegenwart des irdischen Jesus, durch die Zukunft mit dem Auferstandenen.
Noch verstehen sie nicht, was das bedeutet: Von den Toten auferstehen.
Doch dann, als Jesus durch den Tod hindurchgegangen ist, wird ihnen ein österlicher Durchblick zuteil: Gottes geliebet Sohn ist das Opfer, das ein für allemal hingegeben ist.
Der Evangelist Markus will zeigen, wie die Endzeit durch Jesus Christus angebrochen ist. Es geht um das Aufscheinen der Herrlichkeit des noch verborgenen Messias. Die Herrlichkeitsszene ist vorübergehend. Abe sie enthüllt: Jener ist der Messias, der eine Zeitlang die Erniedrigung des Gottesknechtes erfahren muß. Petrus will die Offenbarung der himmlischen Herrlichkeit fixieren. Das ist zwar menschlich verständlich. Sie steht aber der Berufung zur Kreuzesnachfolge entgegen. Die Stimme aus der Wolke ist ein Mahruf in die Nachfolge Christi.
Diese Geschichte ist bekannt und wohl eher eine Geschichte, die uns ärgert. Warum spielt Gott solche grausamen Spielchen?
Diese Geschichte ist eine Verheißungsgeschichte. Vorausgegangen war ja die Berufung des schon alten Abraham, mit 75 Jahren traf ihn die Berufung: Zieh fort aus deinem Land, aus deiner Verwandschaft und aus deinem Vaterhaus. Und Abraham zog fort.
Und er erhält eine Verheißung: Ich werde dich zu einem großen Volk machen. Zahlreich wie die Sterne am Himmel. Und er hatte keine Kinder. Später (Gen 18) bekommt er die Verheißung eines Nachkommens, Sara lacht. Aber die Verheißung wird erfüllt. Sara gebiert Isaak. Der erste Stern am Himmel der Nachkommen. Gott garantierte die Erfüllung seiner Verheißungen.
Und nun die heutige Geschichte. Im Grunde geht es um die Frage, die Gott an Abraham stellt: Ja, ich habe begonnen, meine Verheißungen zu erfüllen. Bist du bereit, diese Erfüllung an mich zurückzugeben und es mir zu überlassen, wie ich meinem Wort treu bleibe? (Glaubensgeschichte)
Abraham verläßt sich so sehr auf Gott, daß er selbst seine ureigenste Existenz, nämlich seine ehemals gottgeschenkte Zukunft, Isaak, erneut, ohne Widerspruch, in die Verfügung Gottes stellt. (Vertrauen)
Wer sich so verläßt, den Blick auf den rufenden Gott gewandt, der gelangt an den Ort, von dem es heißt: Jahwe läßt sich sehen.
2. Lesung
Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?
Unser Gott ist der Gott, der sich selbst das Opfer seines eigenen Sohnes abverlangt, um uns in ihm alles zu schenken. Sein Sohn ist sein ein und alles.
Was bedeuten unsere Opfer und Öpferchen im Vergleich zum freiwilligen Opfergang des Menschensohnes?
Evangelium
Auf dem Berg Morija gingen dem Abraham die Augen auf.
Petrus, Jakobus und Johannes kommen auf dem Berg Tabor zu einer gewandelten Gottesschau.
Ihnen wird ein Durchblick geschenkt. Und sie sehen niemand mehr bei sich außer Jesus. In Jesus blicken sie durch. Durch die Geschichte Gottes mit seinem Volk, durch die Gegenwart des irdischen Jesus, durch die Zukunft mit dem Auferstandenen.
Noch verstehen sie nicht, was das bedeutet: Von den Toten auferstehen.
Doch dann, als Jesus durch den Tod hindurchgegangen ist, wird ihnen ein österlicher Durchblick zuteil: Gottes geliebet Sohn ist das Opfer, das ein für allemal hingegeben ist.
Der Evangelist Markus will zeigen, wie die Endzeit durch Jesus Christus angebrochen ist. Es geht um das Aufscheinen der Herrlichkeit des noch verborgenen Messias. Die Herrlichkeitsszene ist vorübergehend. Abe sie enthüllt: Jener ist der Messias, der eine Zeitlang die Erniedrigung des Gottesknechtes erfahren muß. Petrus will die Offenbarung der himmlischen Herrlichkeit fixieren. Das ist zwar menschlich verständlich. Sie steht aber der Berufung zur Kreuzesnachfolge entgegen. Die Stimme aus der Wolke ist ein Mahruf in die Nachfolge Christi.
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