Montag, 28. Juni 2021

Predigt am 10. Sonntag im JK (B) am 6. Juni 2020

 

Predigt am 10. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B)

Erzabtei St. Ottilien

6. Juni 2020

I

Das heutige Evangelium

(V. 20-21:   Sorge der Angehörigen

V. 22:         Schriftgelehrte. Frage, Anklage, Interpretation: Jesus als Besessener

V. 23-27:    Jüngerbelehrung durch Jesus. Jesus offenbart sich als der Stärkere

V. 28-29:    eine Katechese durch Jesus

V. 30:         Kommentar des Markus

V. 31-35:    die wahren Verwandten Jesu

Kernfrage: Wer ist dieser? Woher diese Macht? (zuvor eine Dämonenaustreibung durch Jesus geschehen, die Schriftgelehrten anerkennen diese Tatsache, aber sie fragen jetzt nach der Macht Jesu). Die Schriftgelehrten geben auch gleich die Antwort: Er ist besessen! Seine Macht ist eine dämonische Macht.)

Ist ziemlich kraus: die Angehörigen Jesu sind besorgt um ihn, dann die Anklage, er sei besessen, dann ist da die Rede von den wahren Verwandten Jesu…

Aber die Sache ist ziemlich einfach: Zuvor (Kapitel 1): in der Synagoge von Kafarnaum, Jesus befreit einen Besessenen. Die Schriftgelehrten bestreiten und bezweifeln nicht die Faktizität und die Effektivität des von Jesus durchgeführten Exorzismus.

Aber sie behaupten, Jesus habe mit der Kraft Satans gehandelt.

In Wirklichkeit hat Jesus in der Kraft Gottes, des Heiligen Geistes gehandelt (Lk 4,16-30; Jes 61).

Das bedeutet: Die Schriftgelehrten interpretieren den Heiligen Geist Gottes als einen dämonischen Geist.

Das ist die Sünde gegen den Heiligen Geist. Wieso? Die Liebe zwischen Vater und Sohn (innerhalb der Trinität) ist so intensiv, dass diese Liebe zu einer Person geworden ist. Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist (Röm 5,5).

Das Schenken und das Empfangen der Vergebung geschieht und vollzieht sich im Raum und in der Kraft des Heiligen Geistes. Wer sich außerhalb des Heiligen Geistes stellt, der verweigert die Annahme der Vergebung Gottes. Darum kann diese Sünde nicht vergeben werden, nicht: weil Gott es nicht könne, sondern weil der Mensch sich sündhafter Weise gegen Gott verschlossen hat.

II

Die (Erste Lesung (Gen 3,9-15) und das heutige Evangelium stehen in einer Beziehung.

1.     Gott will uns seine Liebe und Freundschaft schenken. Das ist der Sinn des Paradieses.

2.     Man kann nur dem etwas schenken, der bereit ist, sich beschenken zu lassen. Diese Wahrheit gilt auch für Gott.  Wenn ich mich von Gott nicht beschenken lasse, dann mache ich Gott in diesem Sinne ohnmächtig.

3.     Wenn wir gierig und mit raffender Hand nach etwas greifen, um es uns selbstisch zu beschaffen, dann erfahren wir nur unsere Isolation.

Vorausgegangen war: die Szene vom Sündenfall in der Reihenfolge der Seduktion: Schlange verführt Frau, Frau verführt Mann (3,1-7)

In der Szene der Inquisition läuft es umgekehrt: erst der Mann, dann die Frau, dann die Schlage (3,8-13).

Als erste Folge der Sünde: Zwischen Adam und Eva gibt es schon einen Konflikt, aber auch zwischen den beiden und Gott.

Gott stellt Fragen, als wisse er von nichts.

Adam und Eva kommen nicht zum Eingeständnis ihres Mißtrauens Gott gegenüber, sondern klagen Gott an und machen ihm Vorwürfe und sprechen ihn schuldig.

Sie fühlen sich unschuldig und glauben, keine Vergebung zu brauchen.

Darum kann Gott nicht vergeben und es bleibt nur die Strafe in der Reihenfolge: Schlange, Frau, Mann.

Die liturgische Lesung aus Genesis steht in Beziehung zum Evangelium und berichtet nur die Verfluchung der Schlange. Und diese ist endgültig geschehen, als der Nachwuchs der Frau, nämlich, der Schlange den Kopf zertreten hat.

III

Diese Anklage der Schriftgelehrten provoziert eine Selbstoffenbarung Jesu in der nachfolgenden Gleichnis-Erzählung: Ich bin der Stärkere (V. 27)

Mit der Ankunft Jesu: Macht des Satans gebrochen. Wir haben keinen Grund, mit einer Heiden-Angst zu leben.

Jesus verweist auf seine wahren Verwandten. Wer sind wahren Verwandten?

-         Die ihn anerkennen, als den, der er ist, nämlich der Stärkere, der durch sein Kommen den Schwächeren, den Satan besiegt hat. Vom Satan, dem Schwächeren, haben wir in der ersten Lesung gehört.

-         Das ist die neue Realität. Wir Christen haben keinen Grund mit dieser Heiden-Angst zu leben.

-         Die Verwandten Jesus: Die leben führen in Übereinstimmung mit dieser neuen Realität, die er geschaffen hat.

-         Die den Willen des Vaters tun

-         Die in eine verwandtschaftliche Beziehung mit Jesus eintreten, durch das Tun des Willens Gottes, und dabei zählen nicht mehr die Bande des Blutes, sondern das Tun des Willens Gottes.

IV

Also: Leben als Verwandte Jesu, d.h.: Den Willen Gottes tun. Und das ist spannungsvoll, ein Leben voller Paradoxien.

Zweite Lesung (2 Kor 4,13-5,1)

5 Gegensätze:

Äußerer Mensch – innerer Mensch

Kleine Last der Not – Übergewicht an Herrlichkeit

Das Sichtbare – das Unsichtbare

Das Vergängliche – das Unvergängliche

Das irdische Zelt – das ewige Haus im Himmel

Paulus spricht von den Paradoxien des apostolischen Lebens.

Die Apostel akzeptierten das Paradox ihres Leben.

Was ist das Paradox: das ist Christus, der rettet durch den Tod.

Die Apostel gleichen sich diesem Paradox an.

Auch in unserem Leben gibt es diese Paradoxien.

Das ganze macht nur Sinn, wenn wir das im Licht des Glaubens sehen (V. 13).

1. Nur wenn wir glauben, dass Christus gestorben und auferstanden ist

2. Und wenn wir glauben, dass unser Leben mit diesen beiden Aspekten des Lebens Jesu verbunden ist, - nur so werden die Paradoxien unseres Lebens verständlich und erträglich.

Und dazu haben wir schon den Geist des Glaubens empfangen. Das war das erste Wort der zweiten Lesung: „Wir haben den gleichen Geist des Glaubens.“

Sonntag, 28. Februar 2021

Predigt am 2. Sonntag der Fastenzeit B (2021-02-28) in der Klosterkirche von St. Ottilien

 

Predigt am 2. Sonntag der Fastenzeit B (2021-02-28)

in der Klosterkirche von St. Ottilien


Liebe Brüder und Schwestern,

Dies ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.

Der himmlische Väter bestätigt seine Worte bei der Taufe Jesu.

Die Verklärung: macht deutlich, was hinter dem normalen äußeren Erscheinungsbild Jesu steht: seine Identität, das, was er sein wird, wenn der Vater ihn in seine Herrlichkeit erhöht und aufnimmt.

Mein geliebter Sohn, und es ist auch der einzige Sohn. Hinter diesen Worten verbirgt sich  das Drama des Opfers und des Karfreitags.

Der himmlische Vater schützt und bewahrt seinen vielgeliebten, einzigen Sohn nicht vor der Katastrophe.

Die Verklärung, die endgültige Glorie hat eine beunruhigende Voraussetzung:

Die Liebe des Vaters schließt diese schreckliche Konsequenz in sich.

Unbegreiflich für die Apostel, sie befürchten das Ende ihrer Hoffnungen auf eine Erneuerung des politischen Systems.

Und wie war das mit Abraham?

·        Er war schon 75 Jahre alt, als er endlich seiner Berufung folgt und er sich von seiner Vergangenheit löste: Zieh fort aus deinem Land, Sippe, Vaterhaus.

·        Einige Zeit später erhielt er die Verheißung, Stamm-Vater eines großen Volkes zu werden.

·        Er war schon alt, seine Frau Sara war alt. Die  biologische Fruchtbarkeit war physiologisch unmöglich.

·        Und doch: Sara gebiert den Isaak. Endlich beginnt Gott, seine Verheißung wahr zu machen.

·        Und nun die Aufforderung an Abraham, den Isaak zu opfern! Das ist die Frage: Abraham, bist du bereit, mir zu vertrauen und Isaak, den Garanten der Erfüllung der Verheißung an mich zurückzugeben und es mir zu überlassen, wie ich dennoch meine Verheißung erfüllen werde?

·        Und Abraham war bereit, bis zum letzten Augenblick.

Abraham sah sich vor einer doppelten Herausforderung: er  musste sich von seiner Vergangenheit lösen, und jetzt soll er auch seiner Zukunft entsagen.

Und das soll Gott sein?

1. So manches Mal sehen wir uns vor schrecklichen Herausforderungen: persönlich und global. Tod eines lieben Menschen, der Tod vieler unschuldiger Menschen bei Katastrophen.

Und dann kommen die Fragen: Warum? Gott, wo bist du? Warum lässt Gott das zu?

Der Ungläubige antwortet: Schicksal. Tragik.

Und der gläubige Mensch? Auch für den gläubigen Menschen kann erst mal alles zusammenbrechen. Gott wird dann als weit weg erlebt.

2. Die Liturgie des 2. Sonntages der Fastenzeit gibt uns eine Antwort, ohne auch nur das Geringste von der Problematik des Lebens aufzulösen.

Die Volksweisheit hat da einen Spruch: „Und wenn du meinst, es geht nicht mehr, / kommt von irgendwo ein Lichtlein her“. Das ist ja schon mal etwas.

Aber der Glaube hat noch mehr zu sagen und zu bieten.

Der Glaubende weiß mit seiner Glaubens-Sicherheit: es gibt eine geheimnisvolle Liebe, welche die Geschichte lenkt – auch wenn die äußeren Ereignisse vom Gegenteil sprechen.

Nur wir in unserer geistlichen Kurzsichtigkeit: wir können die Pläne des Heils in der Geschichte nicht erkennen.

Gott (in seinem Plan und in seinem Handeln) übersteigt unsere natürliche Erkenntniskraft. Darum: Wir können Gott bitten: Reinige die Augen unseres Geistes, damit wir fähig werden, die Herrlichkeit zu erkennen.

Nur der Glaube und das Glauben geben uns im Dunkel des Glaubens ein Licht zum Verständnis und zu einem Tiefenblick, zum Durchblick, mindestens zu einem Erahnen der Absichten Gottes mit der Welt, mit der Geschichte und mit meinem Leben.

Im Licht der Verklärung gibt Gott seine Antwort: das Kreuz Jesu (und wir können sagen: auch die Kreuze unseres Lebens), die leidvollen Situationen sind eine Durchgangs-Phase in einem Projekt, das auf Herrlichkeit hingeordnet ist und darin zur Vollendung kommt.

Reinige die Augen unseres Geistes, damit wir fähig werden, deine Herrlichkeit zu erkennen.

Präfation: „Jesus hat den Jüngern seinen Tod vorausgesagt und ihnen auf dem heiligen Berg seine Herrlichkeit kundgetan. In seiner Verklärung erkennen wir: dass wir durch das Leiden mit Christus zur Auferstehung gelangen.“

Abraham als Vater wurde von unmenschlichem Leid zerrissen.

Nach dieser Phase, entdeckte er den Gott des Lebens und der Verheißung, der einen neuen Bund mit ihm schließt und der ihn für eine gesegnete Zukunft öffnet.

Abraham ist nicht nur ein Vorbild für die Glaubenden, sondern auch der Vater der Glaubenden. In der Glaubensprüfung hat er ausgehalten:

Abraham hat gegen allen Anschein geglaubt: Gott ist treu zu den IHM Vertrauenden

3. und jetzt schauen wir auf Jesus.

Jesus lebt zwei Haltungen: den Glaubensgehorsam des Abraham, und er lebt den Issak als einer der geopfert wird. Und Jesus lebt diese zwei Haltungen in völligem Bewusstsein und in aller Freiheit.

Der Vater hat seinen geliebten Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns dahingegeben, auch als Beweis seiner Liebe zu uns und um uns zu zeigen, wie wichtig wir sündigen Menschen für ihn, den heiligen Gott, sind.  (2. Lesung)

Das meint Paulus, wenn er drei Fragen stellt: Ist Gott für uns – wer ist dann gegen uns! Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns dahingegeben.

Wer kann uns anklagen? Niemand! Wenn Jesus uns gerechtgemacht hat.

Wer kann uns verurteilen, wenn Jesus uns freigesprochen hat!

Kein Feind ist stark genug, der die Liebe Gottes zu uns überwinden könnte.

DIESEM Gott glauben wird. IHN lieben wir. Auf IHN hoffen wir. Auf ihn sind wir getauft. Die Osternacht ist DER Tauftermin. Nun sind wir schon alle getauft. In der Osternacht und in der Osterzeit werden wir unser Taufversprechen erneuern. Die Fastenzeit, die österliche Bußzeit dient der Vorbereitung auf die Erneuerung unseres Taufversprechens.

Geheimnisvollerweise und vernünftigerweise wissen wir, dass Gott alles zum Guten lenkt für jene, die Gott lieben, die nach seinem ewigen Plan berufen sind.

Irgendwie wissen wir das, und irgendwie glauben wir das auch.

Aber im Getriebe des Alltags vergessen wir diese Wahrheit, und der Staub des Alltags legt sich darauf.

Darum bitten wir: „Nähre uns mit deinem Wort und reinige die Augen unseres Geistes, damit wir fähig werden, deine Herrlichkeit zu erkennen.“

Montag, 23. November 2020

Predigt zum Hochfest Christus König

 

Christkönigssonntag LJ A  (22. November 2020)

Stichpunkte für die Predigt im Hochamt in der Klosterkirche St. Ottilien

Evangelium Mt 25,31-46

·         Gerichtsrede – Bergpredigt, Seligpreisungen. Klammer. Die Summe aller vorausgehenden Gleichnisse.

·         Gerichtsrede: parallel, 2x 6 Werke der Nächstenliebe (Hunger, Durst, Fremd, Nackt, Krank, Gefangen).

·         Großes Staunen.

·         Die Gesegneten fragen: Wann haben wir…?

·         Die Verfluchten (ein schreckliches Wort) beginnen ihre Selbstverteidigung: Wann…?

·         Beide Gruppen erhalten dieselbe Antwort: Was ihr den … getan habt

·         Verflucht aufgrund der Verweigerung. Nicht getan

·         Gesegnet aufgrund der Taten. Was ihr getan habt.

·         Der Weltenrichter identifiziert sich mit den Notleidenden.

·         Beide Gruppen sind sich nicht bewußt, wem ihr Handeln bzw. ihr Verweigern gilt. Was ist der Hintergrund?

·         In den Gemeinden des Matthäus gab es einen Irrtum: die Christen hätten allein schon durch ihre Zugehörigkeit zur Gemeinde beim Endgericht eine bevorzugte Stellung.

o   Jungfrauen mit Lampen, aber ohne Öl

o   Wie der Mann ist zwar bei der Hochzeitsfeier, aber ohne entsprechende Kleidung. = die Leute sitzen am Tisch der Eucharistie, leben aber nicht entsprechend.

·         Der Weltenrichte wird mit einem Hirten verglichen.

·         Die Scheidung läuft nicht zwischen Christen und Heiden.

·         Das Tun, die Werke haben eschatologische Bedeutung. Auf die Liebe kommt es an. Unser Handeln und Nicht-Handeln hat eschatologische Relevanz.

·         Wo ist Gott? – Da, wo Menschen in Not sind.

·         Wo begegne ich Gott? – Da, wo ich aktiv werde.

·         Wer sich von Notleidenden berühren lässt, der begegnet Gott, ohne es zu wissen und ohne es zu erfahren.

·         Wer sich den Notleidenden verschließt und sich in sich selbst verschließt und sich damit auch Gott gegenüber verschließt… Was bleibt ihm denn dann noch? der wählt für sich die Hölle.

·         Wo bleibt da die Barmherzigkeit Gottes?

·         An der fehlt es nie. Aber die Frage: Kann ein Mensch, der sich im Leben und im Sterben den anderen und Gott verschlossen hat, sich für die Barmherzigkeit öffnen? Wir können es nur hoffen.

 

Erste Lesung Ez 34,11-12.15-17

·         Gottes-Rede: Jetzt will ich meine Schafe selber suchen, mich kümmern… Was war denn zuvor?

·         Gegensatz: zur Führungsschicht in Israel. Hatte versagt. Verantwortung für das Volk nicht wahrgenommen und Macht missbraucht. Die guten Absichten Gottes verstellt.

·         Das hatte die große Katastrophe ausgelöst: Eroberung der Stadt, Zerstörung des Tempels, Deportation des Volkes nach Babylon, Exil.

·         Alles 590 vor Christus.

·         Ezechiel ist mit seinen Leidensgenossen in Babylon.

·         Ezechiel gibt nun eine theologische Deutung der Katastrophe.

·         Er sagt: das alles ist geschehen, weil die Führung versagt hatte.

·         Frage: Wenn Gott der gute Hirte ist, warum hat er dann nicht eingegriffen? Warum nicht Versagen d. Führungsschicht verhindert?

·         Antwort: Gott hatte eingegriffen, immer wieder Propheten. Aber die Verantwortlichen haben nicht gehört.

·         In diesem Zusammenhang steht das Gotteswort: Jetzt aber will ich mich selber um meine Schafe kümmern.

·         Botschaft der Lesung:

·         Aus Katastrophe – Neuanfang

·         Aus Zerbruch – was Ganzes.

·         Das ist Gottes Wesen. – Ist das schon alles?

·         In Geschichte: die Ablehnung Gottes durch den Menschen hat sich immer wiederholt.

·         Bis zum Jahre 30 n. Chr., bis hin zur großen Ablehnung Gottes und seines Angebotes in der Ermordung Jesu. Und Gott hat mit der Auferweckung Jesu geantwortet. Das ist Barmherzigkeit.

·         In dieser Lektüre bekommt die Botschaft der atl. Lesung eine andere Tiefe und Bedeutung:

·         Aus Katastrophe Karfreitags – Neuanfang: Auferweckung Jesu und unsere Auferweckung

·         Aus dem Zerbruch der Gottesbeziehung durch die Ursünde mit den Folgen der Erbschuld – Wiederherstellung des gnadenhaften Urzustandes durch die Taufe als Frucht des Pascha-Mysteriums.

·         Dieses Raster (Katastrophe – Neuanfang; Zerbruch – Ganzes) könnte man auch mal auf das eigene Leben anwenden und sich fragen: Hat sich so etwas auch in meinem Leben ereignet?

 

Zweite Lesung 1 Kor 15 (hier habe ich nur den Aspekt der Parusie ausgeführt)

·         Paulus reagiert auf Mitglieder der Gemeinde Korinth: Leugnung d. A.

·         Christus: Macht des Todes gebrochen.

·         Gott hat den Tod nicht gemacht. Tod = Sold der Sünde.

·         Gegenüberstellung: Christus – Adam, durch ihn kam Sterblichkeit und Tod in die Welt.

·         Durch Mensch kam Tod. Durch Mensch kam Auferstehung.

·         Reihenfolge: Erster ist Christus. Wenn Christus kommt, dann alle, die zu ihm gehören. (Hier Advent):

o   Credo: Et iterum venturus est cum gloria. Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit.

o   Nach der Wandlung: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.

o   HG III nach der Wandlung: Wir verkünden sein heilbringendes Leiden, seine glorreiche Auferstehung und Himmelfahrt und erwarten seine Wiederkunft.

o   Nach dem VU: Komm uns zu Hilfe mit deinem Erbarmen und bewahre uns vor Verwirrung und Sünde, damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers J. Chr. erwarten.

·         Christus auferweckt durch den Vater, d. h.: nicht durch eigene Leistung. Gegen pneumatische Tendenzen:  Leid und Tod überwinden durch Charismen und eigene Geisteskraft, also ohne Gott u. Christus.

·         Dagegen Paulus: Tod allgegenwärtig, Teil des Lebens. Erst am Ende.

·         „am Ende“ recht vage. Vernichtung aller widergöttlichen, lebenszerstörenden Mächte, besonders Tod.

·         Eschatologische Dynamik. Ziel: Gottes Alleinherrschaft, keine Tyrannei.

·         Universale Gottesherrschaft, die am Ender der Zeiten allen und allem gilt, 6x

·         Zu Jesus gehören, d. h., Jesus nachfolgen, Leben und Handeln im Geist Jesu.

Montag, 26. Oktober 2020

Predigt zum 30. Sonntag im JK, Lesejahr A

 30. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr A (25.10.2020) Heilig Geist München

Muß man die Menschen meiden, um Gott zu finden?

Und wenn man Gott gefunden hat: kann der dann sich den Menschen zuwenden, sich um sie kümmern und mit ihnen und für sie arbeiten?

Oder anders:

Sind Liebe zu Gott und Liebe zu den Menschen kompatibel? Oder gegensätzlich? Schließen sie einander aus, so dass man eine Wahl und Entscheidung treffen müsste?

1.     Den Menschen lieben, um Gott zu lieben

Jesus hat diese Fragen beantwortet. Das erste Gebot: Gott lieben, das zweite Gebot: die Menschen lieben.

Es ist also ein Irrtum zu glauben, dass – wenn Gott für einen wichtig geworden ist – man dann die Menschheit vernachlässigen müsse (Evangelium).

Im Gegenteil: die wesentlichen Aussagen des AT und die Lehre Jesu bezeugen: die Gottesbegegnung erneuert und vervollkommnet die Aufmerksamkeit und Fürsorge für den Nächsten (Erste Lesung).

Vertiefung des Evangeliums: es gibt die Gegensätze:

Die Menschen lieben – ja, aber auch: sich vor der Welt hüten, sich trennen, kritische Distanz (Johannes Evangelium, Römer 12,1.2), Vater und Mutter verlassen… (Synoptiker)

Wenn wir wählen müssen zwischen Gott und den Menschen: wie machen wir das?

Könnte es nicht doch sein, dass die Liebe zu den Menschen manchmal die Liebe zu Gott schmälern muss?

Wie geht das zusammen?

Grundsätzlich: die Heilige Schrift und die Tradition der Kirche haben niemals erlaubt, dass der Christ sich weniger um die Menschen kümmert unter dem Vorwand, sich ausschließlich um Gott zu kümmern.

Bibel und Tradition haben immer betont: dass der Dienst am Menschen gerade die Realisierung des Dienstes für Gott ist.

2.     Theorie und Praxis

Es geht um unser „inneres Leben“ und seine Kultivierung. Ein permanentes Anliegen, so wie der Körper die Ruhe, Erholung, Entspannung braucht.

Das innere Leben: ist kein Monolog, aber auch nicht ein bloßes Reden mit Gott.

Wenn wir Gott im Gebet begegnen, wenn wir im Gebet Gott näher kommen, dann kommen wir unvermeidlich auch den Menschen näher, die Gott geschaffen hat und die er retten will.

3.     Kontemplation und Aktion

Der Christ darf und soll sich für reservierte Zeiten von den Menschen und den Verpflichtungen zurückziehen, um exklusiv für den Herrn da zu sein.

Es kann durchaus sein, dass wir eine Stunde in der Mediation oder in der Anbetung sind, ohne dass uns ausdrücklich ein Gedanken an die Bedürfnisse der Menschen bewegt.

Was bedeutet das?

Unser normales Leben ist gekennzeichnet durch Rhythmen, und das gilt auch für unser Leben als Christen: Kontemplation – Aktion und von der Aktion zur Kontemplation.

Wenn wir uns mal für eine Zeit von den Menschen zurückziehen, dann ist das immer nur provisorisch.

Wie in unserem normalen Leben: Momente des Rückzugs und Momente der Aktivität.

Wir leben das Geheimnis Jesu Christi in seiner ganzen Komplexität, in allen Gliedern der Kirche und in allen Jahrhunderten.

Eine Formel:

Der Kontemplative dient den Menschen, indem der Gott dient.

Und der aktive Mensch dient Gott, indem er den Menschen dient.

Beide folgen Jesus nach, denn Jesus war kontemplativ und aktiv. und beide realisieren das eine Mysterium: nämlich das, was Jesus gelebt hat: das inkarnierte Wort Gottes.

Dienstag, 20. Oktober 2020

Predigt zum 29. Sonntag im Jahreskreis - Lesejahr A

 

29. Sonntag im Jahreskreis (18.10.2020)

Vorabend: Heilig Geist, München

Sonntag: St. Martin, Illerberg

 

Erste Lesung

·        Jesaja schaut zurück auf die Geschichte und deutet sie.

·        Historisch: das Volk Israel befand sich in der babylonischen Gefangenschaft. Kyrus als  König der Perser, 557-529 vor Christus, erobert Babylon 538.

Folge: Das Volk Israel darf in seine Heimat zurückkehren.

·        Kyrus erhält alle Titel, die dem Volk Gottes und dem zukünftigen Messias zukommen: Gesalbter

·        Kyrus, heidnischer König,  macht Karriere: Gott fasst ihn bei der Hand usw.

·        Gott präsentiert ein Instrument, dessen er sich bedient, um ein außergewöhnliches Werk zu vollbringen.

·        Warum? Zwei Gründe

o   1. Um Israel willen, Ehrennahmen gegeben, ohne Gott zu kennen

o   2. Damit MAN erkennt: Jahwe – der einzige Gott (Exklusivismus (Erwählung) und Universalismus, „Katholizität“ Israels)

·        Ergebnis. Die Botschaft: Jahwe ist der einzige Gott. Er kann alle Instrumente wählen, um seinen Heilswillen durchzusetzen.

·        Sogar die Heiden, die nicht zum Volk Gottes gehören, können den Heilsplan Gottes realisieren und Gott bekanntmachen, ohne Gott und seine Absichten zu kennen.

 

Zweite Lesung

·        1 Thess – der älteste Brief im NT, 20 Jahre nach dem Tod Jesu.

·        Um 50 hatte Paulus die Gemeinde gegründet.

·        Paulus hört vom Wachstum der Gemeinde.

·        Er nennt sie „Kirche“ – und er erklärt, warum er sie „Kirche“ nennt.

·        Die Gemeinde in Thessalonich ist deswegen Kirche, weil die Einzelnen begriffen hatten, wie Gott und der Heilige Geist handeln:

o   Der Vater liebt und erwählt (V. 4)

o   Der Heilige Geist wirkt mit Macht in der Verkündigung des Evangeliums (V. 5)

·        Vater-Gott und der Heilige Geist haben in ihrem Handeln (V. 5) eine zustimmende Antwort gefunden bei den Einzelnen,

·        Und die Einzelnen haben sich im Vater und im Heiligen Geist verbunden (V. 1).

·        Diese Realität ist nicht etwas Verborgenes,

sondern sie wird anschaubar und ansichtig in:

o   Tätiger Glaube

o   Opferbereite Liebe

o   Hoffnung auf das Kommen des Herrn. Advent

·        Die drei theologischen Tugenden, heiligmachende Gnade, Taufgnade.

·        Drei Kennzeichen dafür, dass der Geist des Herrn am Werk ist.

 

Evangelium

·        Wenn wir Jesus eine Frage stellen, dann riskieren wir, mehr zu erfahren, als wir wissen wollen.

·        Damals lautete die Frage: Ist es uns Juden erlaubt, dem heidnischen Kaiser Kopf-Steuern zu zahlen in einem Land, das Gott gehört?

·        Wenn Jesus die Frage bejaht, dann könnte er als Kollaborateur mit der römischen Besatzungsmacht erscheinen.

·        Wenn Jesus die Frage verneint, dann könnte er als Rebell gegen die römische Besatzungsmacht erscheinen.

·        In beiden Fällen würde Jesus in Gefahr geraten. (Das ist die politische Lesart)

·        (Katechetische, christologische Lesart): Im Grunde zeigt sich hier ein Problem der frühen Kirche. Nämlich die Frage: Gibt es eine Handlungsanweisung für den Christen, der unter den heidnischen Bedingungen seiner Umwelt arbeitet?

Diese Frage war aktuell schon in der frühen Kirche – wie heute. (Leben wir in heidnischer oder christlicher Umwelt? Noch christliches Abendland?)

·        Jesus antwortet mit einer Aufforderung. Gebt dem Kaiser, gebt Gott…

·        Das sind zwei gleichklingende Forderungen, die aber sehr verschieden sind.

·        Denn: was gehört denn dem Kaiser? Nichts! Nicht der Kaiser ist wichtig.

·        Und was gehört Gott? Alles! Es geht um den Anspruch Gottes!

·        Was können wir Gott geben? Nicht dies und das! Wir können ihm nur alles geben. Und was ist das alles? Letztlich sind wir!

·        Zurück zur Frage: Gibt es eine Handlungsanweisung für uns Christen in einer heidnischen Umwelt?

·        Vom Evangeliums kommt die Antwort:

o   1. wir haben es nicht nötig, uns aus der Welt zurückzuziehen.

o   2. Wir sollen die heidnische Umwelt von innen her transformieren.

·        Und wie geht das? Dem Kaiser geben, Gott geben…

·        Gott kann man nicht dies oder das oder etwas geben. Gott kann man nur das geben, was ihm gehört. Wir gehören ihm, und das ist unsere Identität.

Also müssen wir unsere Identität realisieren und uns IHM schenken.

·        Dazu vier Hinweise:

o   1. Paulus, Römerbrief 12,1: Ich ermahne euch, meine Brüder, kraft der Barmherzigkeit Gottes, eure Leiber als lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer darzubringen - als euren geistigen Gottesdienst.

o   2. Im Eucharistischen Hochgebet (nach der Wandlung): Er mache uns auf immer zu einer Gabe, die dir wohlgefällt.

o   3. Gabengebet Kirchweihe: Nimm die Gaben an, … und mach auch uns selbst zu einer Gabe, die dir wohlgefällt.

o   4. Das Gebet von Charles de Foucauld: Mein Vater, ich überlasse mich dir, mach mit mir, was dir gefällt. Was du auch tun magst, ich danke dir. Zu allem bin ich bereit, alles nehme ich an. GL 8.7

·        Das meint Jesus, wenn er sagt: Gebt Gott, was Gott gehört.