Predigt zum 24. Sonntag (B)
Konventamt Zisterzienserinnen-Abtei Oberschönenfeld
Liebe Christen,
In der Ersten Lesung haben wir zweimal gehört: Gott wird mir helfen.
und zweimal: "Darum werde ich nicht in Schande enden", bzw. "Ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate."
Woher hat der Prophet Jesaja diese Sicherheit?
Er ist ein Mensch, der total auf Gott bezogen ist.
Er ist nicht einer, der sein Ohr für Gott geöffnet hätte.
Denn es heißt ja: "Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet" (Erste Lesung).
D. h.: Er hat sein Ohr öffnen LASSEN.
Dieser Mensch hat Gott die Erlaubnis gegeben, in sein Leben einzugreifen und in seinem Leben wirksam zu werden und die Initiative zu ergreifen.
Aber das heißt nicht, dass es dann keine Probleme gäbe.
Ganz im Gegenteil: Schläge, Gewalt, Schmähungen und Speichel.
Wenn man Gott präsent hält und seinen Anspruch hoch hält - dann kommt Gegenwind; das mußte Jesaja erfahren und auch Jesus, dessen Geschick in dem Gottesknecht Jesaja vorgebildet ist. Und das erfahren auch wir heute. Und das um so mehr, je weniger das Umfeld christlich geprägt ist. Und der Gegenwind nimmt zu, je unchristlicher die Umwelt wird. Es fängt an mit Lächerlich-machen, oder Desinteresse, oder mit Zynismus, bis zur Ausgrenzung und Marginalisierung - zunächst der Werte des Evangeliums, dann ihre Vertreter und Zeugen. Je weiter die Umwelt von Gott entfernt ist, desto heftiger oder distanzierter oder kälter reagiert sie auf den Zeugen Gottes.
Gott hat seine Zeugen weder vor Problemen noch vor dem gewaltsamen Tod bewahrt. Und dennoch: "Gott, der Herr, wird mir helfen. Ich weis, dass ich nicht in Schande gerate." Aber die Hilfe sieht kaum so aus, wie wir es erwarten.
Zweite Lesung
Der Glaube ohne Werke ist tot. Und es gibt den Glauben aufgrund der Werke.
Um welchen Glauben geht es denn?
Der Glaube ist zuerst das Geschenk Gottes an uns. In der Taufe hat Gott uns die Gnade des Glaubens geschenkt. Wir können überhaupt nur Glauben, weil Gott uns die Fähigkeit (Tauglichkeit, Tugend) des Glaubens geschenkt hat.
Aber dieses Geschenk muß angenommen, "ausgepackt" und gelebt werden. Er wird sich zeigen in einer entsprechenden Lebensführung, damit sind die so genannten "Werke" gemeint. Wir kennen die "Werke der Barmherzigkeit" aus dem Matthäus-Evangelium.
Das die zweite Art des Glaubens: der Glaube als unsere Antwort auf das Geschenk des Glaubens, der Glaube als unsere TAT.
Evangelium
1) Jesus fragt seine Jünger. Petrus gibt die 100 % richtige Antwort, er gebraucht die richtige FORMEL. Aber er MEINT etwas total Falsches. Er liegt 100 % daneben.
2) Jesus erklärt, was ER unter "Messias" versteht. Und das ist genau das Gegenteil von dem, was Petrus meint. Petrus gibt nicht. Er will es besser wissen als Jesus. Er wagt es, Jesus auf seine Seite zu ziehen. Und da wird Jesus radikal (er geht an die Wurzel des Übels): Weg von mir, SATAN.
Taufe Jesu, Jesus geht in die Wüster, fastet 40 Tage. In der Situation seiner größten Schwäche: Da tritt der Satan an ihn heran: "Wenn du Gottes Sohn bist, dann befiehlt, dass aus diesen Steinen Brot wird."
Und am Ende (bei der Vollendung) seines messianischen Dienstes tritt wiederum der Satan an ihn heran: "Wenn du Gottes Sohn bist, dann steige herab vom Kreuz!"
Und dazwischen die Versuchung Jesu durch Petrus. Petrus ist zum Sakrament Satans geworden.
Jesus bleibt seiner Berufung treu. Und Petrus muß das erst noch lernen.
3) Jesus zur Volksmenge: die Belehrung: "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach." Dann können wir eigentlich nicht erwarten, dass es uns anders ergehen sollte als es dem erging, dem wir nachfolgen oder von dem wir behaupten oder vorgeben, ihm nachzufolgen. Jesus hat uns keine gemütliche Christentümlichkeit versprochen, kein behagliches Wohlfühl-Christentum in Clubsesseln und bei Kaffe- oder Diskutier-runden, wo alles nett und gemütlich und stimmig und passen sein muß.
Freitag, 21. September 2018
Predigt zum 23. Sonntag (9.9.2018)
Predigt zum 23. Sonntag
Konventamt, Zisterzienserinnen-Abtei Oberschönenfeld
Liebe Christen,
haben Sie gerade irgendeinen Konflikt, ein Problem
- mit der Gattin, mit dem Gatten,
- mit den Kindern, Enkeln,
- mit dem Chef, mit den Mitarbeitern
- mit einer Mitschwester, mit der Äbtissin?
Dann sagt dir der Prophet: Habt Mut! Fürchtet euch nicht!
Warum sollte ich Mut haben? Warum sollte ich mich nicht fürchten?
Der Prophet nennt die Begründung und gibt die Antwort:
Seht, HIER ist euer Gott!
In welcher Situation sagt er das?
im Exil oder im Nach-Exil.
Das bedeutet: Verlust der Heimat, der staatlichen und der religiösen Existenz, Chaos.
also keine angenehme Situation.
und genau DA ist unser Gott: in dieser chaotischen Realität.
Gott ist immer in der Realität.
Er ist niemals im Ideal, in der Illusion: da finden wir niemals Gott.
Gott finden wir nur in der Realität, und sei sie noch so chaotisch, dunkel, "abgefahren", aussichtslos.
Was kann ich tun? Vielleicht zwei Möglichkeiten:
a) Ich kann abwinken. "Ist schon recht"... das geht in den Nihilismus, Fatalismus, Depression, Glaubenslosigkeit
b) ich kann einen Glaubensakt setzen: Ja, Gott, ich glaube DIR, dass du IN meinem Chaos... bist - wo ich nicht mehr durchblicke. Ich glaube, dass du DA bist. Ich übergebe dir meine Situation, die ich nicht mehr händeln kann. Und ich erlaube dir, tätig zu werden. Schaffe du Ordnung, bringe Licht, bring Heilung, schaffe einen Ausweg, bring Befreiung, schaffe Veränderung, wirke Erneuerung, schenke mir eine neue Perspektive.
Ich verspreche dir: Ich werde meinen Teil dazu beitragen. Ich werde tun, was ich tun kann, und was ich deswegen auch tun muss. Aber wo ich nicht weiter kann, da - bitte - fang du an. Ich bitte dich darum und ich erlaube es dir, das in meinem Leben zu tun.
Und schenke mir in dieser Heiligen Messe die Gnade, beides unterscheiden zu können.
Konventamt, Zisterzienserinnen-Abtei Oberschönenfeld
Liebe Christen,
haben Sie gerade irgendeinen Konflikt, ein Problem
- mit der Gattin, mit dem Gatten,
- mit den Kindern, Enkeln,
- mit dem Chef, mit den Mitarbeitern
- mit einer Mitschwester, mit der Äbtissin?
Dann sagt dir der Prophet: Habt Mut! Fürchtet euch nicht!
Warum sollte ich Mut haben? Warum sollte ich mich nicht fürchten?
Der Prophet nennt die Begründung und gibt die Antwort:
Seht, HIER ist euer Gott!
In welcher Situation sagt er das?
im Exil oder im Nach-Exil.
Das bedeutet: Verlust der Heimat, der staatlichen und der religiösen Existenz, Chaos.
also keine angenehme Situation.
und genau DA ist unser Gott: in dieser chaotischen Realität.
Gott ist immer in der Realität.
Er ist niemals im Ideal, in der Illusion: da finden wir niemals Gott.
Gott finden wir nur in der Realität, und sei sie noch so chaotisch, dunkel, "abgefahren", aussichtslos.
Was kann ich tun? Vielleicht zwei Möglichkeiten:
a) Ich kann abwinken. "Ist schon recht"... das geht in den Nihilismus, Fatalismus, Depression, Glaubenslosigkeit
b) ich kann einen Glaubensakt setzen: Ja, Gott, ich glaube DIR, dass du IN meinem Chaos... bist - wo ich nicht mehr durchblicke. Ich glaube, dass du DA bist. Ich übergebe dir meine Situation, die ich nicht mehr händeln kann. Und ich erlaube dir, tätig zu werden. Schaffe du Ordnung, bringe Licht, bring Heilung, schaffe einen Ausweg, bring Befreiung, schaffe Veränderung, wirke Erneuerung, schenke mir eine neue Perspektive.
Ich verspreche dir: Ich werde meinen Teil dazu beitragen. Ich werde tun, was ich tun kann, und was ich deswegen auch tun muss. Aber wo ich nicht weiter kann, da - bitte - fang du an. Ich bitte dich darum und ich erlaube es dir, das in meinem Leben zu tun.
Und schenke mir in dieser Heiligen Messe die Gnade, beides unterscheiden zu können.
Islamkritik: "Warnen oder verharmlosen?"
Der Debattenbeitrag "Warnen oder verharmlosen?" von Felix Dirsch (Die Tagespost vom 6.9.2018) endet mit der Feststellung:
"Es ist längst Zeit für eine fundierte katholische Islamkritik!"
Nach der Lektüre kamen mir einige Fragen:
- Wozu diese fundierte katholische Islamkritik?
- Wer sollte / könnte sie verfassen?
- An wen sollte sie gerichtet sein? Wer ist der Adressat oder wer sind die Adressaten?
- Was soll sie bewirken?
- Wird sie ernst genommen werden?
- Was soll sie (noch) bewirken (können)?
Am 12. September haben wir den Gedenktag Mariä Namen gefeiert. "Papst Innozenz XI. führte das Fest 1683 in der ganzen abendländischen Kirche ein zum Dank für den Sieg über die Türken bei Wien" (Schott-Messbuch). " Dabei ging es nicht um territoriale Ausweitung der damaligen "Türkei", sondern um die aggressive Ausbreitung des Islam. Dieser Sieg steht im Kontext des tausendjährigen Abwehrkampfes "der christlichen Zivilisation gegen den islamischen Imperialismus..." (Robert Spaemann).
Offensichtlich hatte die damalige christliche Zivilisation nicht den Eindruck, dass der Islam zu Europa gehöre, sonst hätte man sich nicht der angeblichen islamischen Friedensbotschaft verweigert.
Der Islam ist eine Religion des Friedens - für alle, die unter der Scharia leben.
Weitere militärische Siege folgten. "Und so geht es weiter..." (meinte Robert Spaemann in seinen "Meditationen eines Christen".
"Und so geht es weiter." Womit? Mit der islamischen Aggression? oder mit dem Abwehrkampf? Mit Abwehr sicher nicht.
Ebenfalls in der DT vom 6. September war zu lesen, dass die Kirche in Deutschland seit dem Jahr 2000 rund 540 Kirchengebäude und Kapellen aufgegeben habe (Verkauf, Umbau, Abriß). Wie viele Moscheen wurden in diesem Zeitraum gebaut? Welches Signal senden wir in die islamische Welt? Wie nehmen die Anhänger des Islam uns wahr? "Die Ungläubigen schließen ihre Kirchen und bauen Moscheen."
Nehmen wir drei reale Faktoren zusammen: die bundesrepublikanische demographische Entwicklung (wer es noch nicht wissen sollte: wir sind ein sterbendes Volk), die "Flüchtlingskrise" oder besser gesagt: die Folgen der unkontrollierten Invasion und der rapide Glaubensschwund. Was ist der synergetische Effekt? Was wird hier in zwei Generationen los sein? Wir werden ein europäisches Kalifat!
Wir werden eine Kirche der Märtyrer.
Wie unwahrscheinlich ist diese Prognose?
Ist das Pessimismus? Ich würde sagen: Realismus.
Die Kirche als Mysterium geht nicht unter; sie wird weiter bestehen, vermutlich in den Formen der vorkonstantinischen Antike.
Predigt 22. Sonntag in Oberschönenfeld
Predigt am 22. Sonntag (2.9.2018) in der Kirche der Zisterzienserinnen-Abtei Oberschönenfeld
Anwesend waren mehr Laien als Nonnen
Liebe Christen,
wissen Sie noch, worum wir Gott im heutigen Tagesgebet gebeten haben?
Ich wüsste es auch nicht - wenn ich das Gebet nicht vorher mehrmals gelesen hätte.
Diese Orationen sind ursprünglich lateinisch formuliert, eine sehr dichterische Sprache, auf das Wesentliche reduziert, in einer sehr gehobenen Sprache.
Diese Gebete gehen zum einen Ohr hinein und zum anderen hinaus und beim Amen wissen wir schon nicht mehr, worum wir eigentlich gebeten haben.
Es lohnt sich, das heutige Tagesgebet genauer.
1. "Von dir kommt alles Gute"
Das ist ein Glaubensbekenntnis und ein Lobpreis.
Gott ist gut, er liebt nicht nur, er IST die Liebe, darum kommt alles Gute von IHM und nur das Gute. Gott kann nichts Schlechtes schicken. Das kommt nicht von ihm, ist nicht gewollt von ihm.
"Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Gestirne" (Zweite Lesung)
2. Die Bitten:
a) "Pflanze in unser Herz die Liebe zu deinem Namen ein"
Aha, da wird etwas eingepflanzt. Was? Die Liebe!
Nun ist uns die Liebe schon gegeben, mit der Taufgnade. Glaube, Hoffnung, Liebe - sind uns schon gegeben, gratis, das sind die eingegossenen Tugenden. Liebe ist uns gegeben.
Aber offensichtlich kann sie wachsen. Dazu muss sie eingepflanzt werden, muß sich verwurzeln.
"Auch das Wort der Wahrheit" ist "in uns "eingepflanzt" (zweite Lesung)
Darum bitten wir Gott. Und es ist gut, Gott darum zu bitten, denn so machen wir uns die Notwendigkeit bewußt, dass wir unsere Zustimmung geben können und müssen.
b) die zweite Bitte: "Binde uns immer mehr an dich."
Aha, wir bitten darum, gebunden zu werden. nicht an irgend etwas oder an irgend eine mehr oder weniger vertrauenswürdige Person. Sondern Gott, an den, der die Liebe zu seinem Namen in uns eingepflanzt hat.
Aber: werden wir dann nicht unfrei?
Darum das Ziel dieser Bitte: "Damit in uns wächst, was gut und heilig ist." Denn: Alles Gute kommt von Dir.
Also: wir verlieren nicht unsere Freiheit, sondern es wächst in uns, was gut und heilig ist.
Wir können auch sagen: WIR wachsen in den natürlichen Gaben (unsere Schöpfung, Mann-Sein, Frau-Sein, Kreativität, Intelligenz, Musikalität, Fürsorge für andere...) und in den übernatürlichen Gaben (Glaube, Hoffnung, Liebe), die Gott uns geschenkt hat. Wir wachsen und reifen in unserer menschlichen, personalen Entwicklung und in unserer christlichen Berufung zur Heiligkeit.
c) die dritte Bitte: "Wache über uns und erhalte, was du gewirkt hast".
O, wie gut, dass ER das tut, dass er über uns wacht und dass er das in uns erhält - damit wir nicht leichtsinnig das auf's Spiel setzen und korrumpieren oder verlieren, was "gut und heilig ist" in uns.
Das sind die drei Bitten an Gott. Da hat Gott einiges an uns und für uns zu tun.
Und was tun wir? oder was können wir tun?
Das sagt Gott uns in seinem Wort zu diesem Sonntag:
Erste Lesung: Die Gebot halten. Kenn wir sie? Es gibt ja nicht nur die 10 Gebote, sondern auch die 5 Kirchengebote. Kennen wir sie?
Zweite Lesung: Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach. Dann werden beispielhaft einige soziale Werke aufgezählt und als "reiner und makelloser Dienst vor Gott, dem Vater" qualifiziert.
Evangelium: Aus einem verunreinigten Herzen kommt der ganze Mist. Wir verunreinigen unser Herz, wenn wir nicht von ganzem Herzen vergeben: nach dem Vorbild Jesu. Wir müssen und können uns um ein reines Herz bemühen: wenn wir immer und sofort von Herzen vergeben, siebenmal siebzigmal. Und das ist mehr und etwas anderes, als beim Friedensgruß dem Banknachbarn zur Rechten und Linken die Hand zu reichen. Echte Vergebung bewirkt das reine Herz.
Dann wächst in uns die Liebe zum SEINEM Namen.
Dann wächst in uns, was gut und heilig ist.
Aber daran müssen wir uns immer wieder erinnern.
Darum hören wir das gute Wort Gottes und feiern wir die sonntägliche Eucharistie
Anwesend waren mehr Laien als Nonnen
Liebe Christen,
wissen Sie noch, worum wir Gott im heutigen Tagesgebet gebeten haben?
Ich wüsste es auch nicht - wenn ich das Gebet nicht vorher mehrmals gelesen hätte.
Diese Orationen sind ursprünglich lateinisch formuliert, eine sehr dichterische Sprache, auf das Wesentliche reduziert, in einer sehr gehobenen Sprache.
Diese Gebete gehen zum einen Ohr hinein und zum anderen hinaus und beim Amen wissen wir schon nicht mehr, worum wir eigentlich gebeten haben.
Es lohnt sich, das heutige Tagesgebet genauer.
1. "Von dir kommt alles Gute"
Das ist ein Glaubensbekenntnis und ein Lobpreis.
Gott ist gut, er liebt nicht nur, er IST die Liebe, darum kommt alles Gute von IHM und nur das Gute. Gott kann nichts Schlechtes schicken. Das kommt nicht von ihm, ist nicht gewollt von ihm.
"Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Gestirne" (Zweite Lesung)
2. Die Bitten:
a) "Pflanze in unser Herz die Liebe zu deinem Namen ein"
Aha, da wird etwas eingepflanzt. Was? Die Liebe!
Nun ist uns die Liebe schon gegeben, mit der Taufgnade. Glaube, Hoffnung, Liebe - sind uns schon gegeben, gratis, das sind die eingegossenen Tugenden. Liebe ist uns gegeben.
Aber offensichtlich kann sie wachsen. Dazu muss sie eingepflanzt werden, muß sich verwurzeln.
"Auch das Wort der Wahrheit" ist "in uns "eingepflanzt" (zweite Lesung)
Darum bitten wir Gott. Und es ist gut, Gott darum zu bitten, denn so machen wir uns die Notwendigkeit bewußt, dass wir unsere Zustimmung geben können und müssen.
b) die zweite Bitte: "Binde uns immer mehr an dich."
Aha, wir bitten darum, gebunden zu werden. nicht an irgend etwas oder an irgend eine mehr oder weniger vertrauenswürdige Person. Sondern Gott, an den, der die Liebe zu seinem Namen in uns eingepflanzt hat.
Aber: werden wir dann nicht unfrei?
Darum das Ziel dieser Bitte: "Damit in uns wächst, was gut und heilig ist." Denn: Alles Gute kommt von Dir.
Also: wir verlieren nicht unsere Freiheit, sondern es wächst in uns, was gut und heilig ist.
Wir können auch sagen: WIR wachsen in den natürlichen Gaben (unsere Schöpfung, Mann-Sein, Frau-Sein, Kreativität, Intelligenz, Musikalität, Fürsorge für andere...) und in den übernatürlichen Gaben (Glaube, Hoffnung, Liebe), die Gott uns geschenkt hat. Wir wachsen und reifen in unserer menschlichen, personalen Entwicklung und in unserer christlichen Berufung zur Heiligkeit.
c) die dritte Bitte: "Wache über uns und erhalte, was du gewirkt hast".
O, wie gut, dass ER das tut, dass er über uns wacht und dass er das in uns erhält - damit wir nicht leichtsinnig das auf's Spiel setzen und korrumpieren oder verlieren, was "gut und heilig ist" in uns.
Das sind die drei Bitten an Gott. Da hat Gott einiges an uns und für uns zu tun.
Und was tun wir? oder was können wir tun?
Das sagt Gott uns in seinem Wort zu diesem Sonntag:
Erste Lesung: Die Gebot halten. Kenn wir sie? Es gibt ja nicht nur die 10 Gebote, sondern auch die 5 Kirchengebote. Kennen wir sie?
Zweite Lesung: Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach. Dann werden beispielhaft einige soziale Werke aufgezählt und als "reiner und makelloser Dienst vor Gott, dem Vater" qualifiziert.
Evangelium: Aus einem verunreinigten Herzen kommt der ganze Mist. Wir verunreinigen unser Herz, wenn wir nicht von ganzem Herzen vergeben: nach dem Vorbild Jesu. Wir müssen und können uns um ein reines Herz bemühen: wenn wir immer und sofort von Herzen vergeben, siebenmal siebzigmal. Und das ist mehr und etwas anderes, als beim Friedensgruß dem Banknachbarn zur Rechten und Linken die Hand zu reichen. Echte Vergebung bewirkt das reine Herz.
Dann wächst in uns die Liebe zum SEINEM Namen.
Dann wächst in uns, was gut und heilig ist.
Aber daran müssen wir uns immer wieder erinnern.
Darum hören wir das gute Wort Gottes und feiern wir die sonntägliche Eucharistie
Dienstag, 24. Juli 2018
Predigt zum 14. Sonntag JK - LJ B (8. Juli 2018)
Predigt
im Konventamt in der Erzabtei St. Ottilien
14.
Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr B
8.
Juli 2018
Pater
Willibrord Driever OSB
Erste Lesung (Ezechiel
1,28b-2,5)
Eine umwerfende Erfahrung
Befehl: Stell dich auf deine Füße.
Aber Ezechiel kann nicht. Da kam Geist in ihn
Und er stellte sich auf seine Füße
Dann kommt der Auftrag:
Spricht: So spricht der Herr.
Wen muß er erinnern? – seine Zeitgenossen!
Woran muß er sie erinnern? – an den Bund, den Gott
mit seinem Volk geschlossen hat. – dass Gott da ist! Dass ER treu ist und treu
zu seinem Bund steht! Gott präsent halten.
Wie / wodurch muß er erinnern? – durch Wort, Leben
und Zeichen.
Wozu / warum muß er erinnern? – um das Handeln der
Menschen wieder neu auf den Bund auszurichten.
ABER: Kommt der Prophet an? Wird er gehört?
Gleich bei seiner Berufung zum Propheten wird er
schon informiert über die Hartherzigkeit und Widerspenstigkeit seiner
Adressaten.
Seine Adressaten sind unfähig zum Hören.
Es sind „abtrünnige Söhne mit trotzigem Gesicht und
mit einem harten Herzen“.
Ezechiel hatte schlechte Karten.
Jesus auch, wie wir im Evangelium hören werden.
Der letzte Satz lautet: Sie werden erkennen!
Also eine Verheißung von Erfolg.
Das ist eine Erfolgsgarantie.
Wann der Erfolg eintritt und wie er eintritt – dass
weiss der Prophet nicht. Das ist Gottes Sache.
Der Prophet hat seinen Dienst zu tun: Gott präsent
zu halten.
Was hat das mit uns zu tun?
Als Getaufte haben wir Anteil am Priestertum
Christi, an seiner prophetischen und königlichen Sendung. (KKK 1268)
Unsere christliche Existenz hat also auch eine
prophetische Dimension.
d.h.
- Wir sind berufen und gesandt zu einem
prophetischen Dienst. (Gott präsent halten, durch unser Zeugnis: erstmal durch
unsere persönliche Lebensführung, dann auch – wenn es passt – durch Worte)
- wir haben mit Widerständigkeit zu rechnen.
- wir haben aber auch eine Erfolgsgarantie –
allerdings nach göttlichen Maßstäben, nicht nach menschlichen Maßstäben.
Zweite Lesung (2 Kor 12,7-10)
Paulus hatte eine besondere Offenbarung erhalten.
Gefahr: der Überhebung, Selbstlob.
Um diese Gefahr nicht aufkommen zu lassen: Stachel
im Fleisch, Bote Satans, Faustschläge.
Was war das? Krankheit? Seelische Not?
Wir wissen es nicht.
Paulus bittet 3x ,um Befreiung. Ohne Erfolg.
Die Belastung bleibt.
Gottes Wort: Aber göttliche Gnade in der
menschlichen Schwachheit.
Paulus zieht Konsequenzen: nimmt seine Schwachheit
an. Dann kommt die Kraft Christi auf ihn herab.
Paulus bejaht seine Ohnmacht, Mißhandlungen, Nöte,
Verfolgung, Ängste: die er für Christus erträgt.
Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.
Was könnte das für uns bedeuten?
1. Da,
wo wir groß sein wollen, da hat Gott keinen Platz.
2. Wenn
wir immer wieder unsere Hinfälligkeit erfahren, dann werden wir dadurch vor
Überheblichkeit bewahrt; dann haben wir keinen Grund, auf andere
herabzuschauen.
Evangelium (Mk 6,1b-6)
Jesus ist zu Besuch in seiner Heimatstadt, in der
Synagoge liest er aus der Heiligen Schrift und legt sie aus.
Was Jesus sagt, das erzählt der Evangelist nicht.
Er erzählt nur, was die Leute sagen:
Die Zuhörer Jesu waren zunächst begeistert.
Dann schlug die Begeisterung um in Ablehnung.
Man könnte sagen: Sie sind empört.
Ist das nicht der Zimmermann!
Den kennen wir doch
Der ist doch nichts Besseres als wir!
Was spielt der sich so auf!
Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist?
Woher hat er das alles?
Was sind das für Wunder, die durch ihn geschehen?
Jesus erleidet das Prophetenschicksal, aber nicht
weil er extravagant wäre, sondern gerade wegen des Gegenteils, weil er zu gewöhnlich
ist.
Für seine Landsleute in Nazareth war Jesus nichts
weiter als der Zimmermann. Man kannte seine Herkunft. Jesus war zu menschlich.
Die Landsleute konnten seine göttliche Größe nicht sehen. Wenn Jesus von Gott
käme, dann müßte er göttlicher auftreten – meinen sie.
Es heißt: Jesus konnte dort keine Wunder tun.
Warum nicht?
Weil er dort nur dem Unglauben begegnet.
„Er wunderte sich über ihren Unglauben“
Es war ja niemand da, der die Kraft Gottes hätte
bezeugen können.
Er respektiert die Entscheidung seiner Zeitgenossen,
die sich für den Unglauben entschieden haben.
Jesus respektiert die freie Entscheidung, Gott
abzulehnen oder anzunehmen.---
„Nur einige Kranken legte er die Hände auf und
heilte sie.“
Das waren die Wenigen, die ihm Glauben schenkten.
Wenige Gläubige inmitten vieler Ungläubiger.
Ezechiel wurde gesandt zu denen „mit einem trotzigen
Gesicht und einem hartem Herzen.“
Das sind die, in Jesus NUR den Zimmermann sehen.
Jesus läßt sich nicht entmutigen.
Er bettelt nicht um Anerkennung.
Er passt sich nicht den Erwartungen an.
Er grenzt sich ab und geht einfach weiter.
Er geht weg.
Er geht dorthin, wo er hofft, Menschen zu treffen,
die für seine Lehre offen sind.
Schauen wir auf uns:
Wir haben unsere Ideen und Vorstellungen, wie Gott
zu sein hat und was er zu tun und zu lassen hat.
Damit verstellen wir uns den Zugang zu Gott.
Und wir erkennen ihn dann nicht und dort nicht, wo
er sich zeigt und handelt.
Wenn wir unsere prophetische Berufung ernstnehmen
wollen, wenn wir uns vom Geist Gottes erfassen und senden lassen wollen, dann
müssen wir uns zuerst selber vom Wort Gottes treffen lassen.
Die Leute in Nazareth haben Jesus gehört, aber sie
haben nicht richtig zugehört. Das Wort Jesu konnte keine Wurzeln schlagen in
ihren Herzen.
Wie wichtig ist das richtige Zuhören.
Immer mehr Menschen hören immer mehr: mit Handy und
Waekmen.
Es geht um das richtige Zuhören.
Die Evangelien sprechen davon:
Im Lukas-Evangelium:
Jesus sagt dort: Wer meine Worte hört und danach
handelt, der ist wie ein Mann, der sein Haus auf Fels baute.
Jesus erzählt dort das Gleichnis von der dreifachen
Saat und sagt: Gebt also acht, dass ihr richtig zuhört.
Und von seinen wahren Verwandten sagt er: Meine
Mutter und meine Brüder sind die, die das Wort Gottes hören und danach handeln.
Jesus preist nicht die Blutsverwandtschaft selig:
Sondern Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen.
Und das ist das Eine Notwendige, das Bessere, das
nicht genommen wird: Zu Füßen Jesu sitzen und sein Wort hören.
Wir sind getauft. Wir haben das Licht des Gaubens
empfangen. Bitten wir Gott, dass er uns von unseren Vorurteilen befreie und
dass wir fähig werden, sein Wort richtig zu verstehen und aufzunehmen.
Sonntag, 18. Februar 2018
Predigt zum Ersten Fastensonntag
Erster Fastensonntag
(18.1.2018, Konventamt St. Ottlien)
P. Willibrord Driever
Am Aschermittwoch haben
wir die Fastenzeit begonnen.
Sie heißt eigentlich
„österliche Bußzeit“.
Damit wird ein
wichtiger Akzent gesetzt und die Richtung angezeigt.
Wie auf einem Pilgerweg
bewegen wir uns in Richtung Ostern.
Das Ostergeheimnis ist
die Feier von Tod und Auferstehung des Herrn.
Dieses Ostergeheimnis
ist die Mitte unseres Glaubens.
Es gibt eine
Liturgiefeier, in der wir die Stationen von Tod und Auferstehung des Herrn
feiern.
Es ist ein
Gottesdienst, der sich über drei Tage erstreckt.
Diese eine
Liturgiefeier beginnt mit der Feier vom Abendmahl am Gründonnerstag, geht über
den Karfreitag und kommt zur Hochform in der Feier der Ostervigil, der Feier
der Osternacht.
In den ersten
Jahrhunderten der Kirchengeschichte war die Ostervigil der Termin für die Taufe
schlechthin.
Eine Erinnerung an
diese alte Praxis ist die Erneuerung des Taufversprechens in der Ostervigil.
Diese Erneuerung des
Taufversprechens hat zwei Teile oder zwei Dimensionen:
1)
Die dreifache
Absage:
an den Satan, um
in der Freiheit der Kinder Gottes leben zu können.
Die Absage an
seiner Bosheit, damit es nicht Macht über uns gewinnt.
Und die Absage
an seine Verlockungen zur Sünde.
Und wir antworten:
ICH widersage
2)
Und der zweite
Teil oder die zweite Dimension:
Das dreifache
Glaubensbekenntnis an den dreifaltigen Gott.
Und wir
antworten: ICH glaube.
So ist es auch bei der
Taufe.
Wahrscheinlich wurden
wir alle als Kinder getauft, damals hatten unsere Eltern an unserer Stelle das
Taufversprechen abgelegt.
In der Ostervigil haben
wir die Möglichkeit, dieses Versprechen ganz persönlich nachzuholen.
In der Präfation für
die Fastenzeit heißt es:
„Du mahnst uns in dieser Zeit der Buße zum Gebet und zu Werken der Liebe,
„Du mahnst uns in dieser Zeit der Buße zum Gebet und zu Werken der Liebe,
du rufst uns zur Feier
der Geheimnisse, die in uns die Gnade der Kindschaft erneuern.“
Welche Kindschaft? --- Unsere
Gotteskindschaft!
Und die österliche
Bußzeit mit ihren Sonntagen und den Lesungen will uns eine Hilfe sein, bei
unserer Vorbereitung auf die Erneuerung unseres Taufversprechens.
Die Erste Lesung aus
dem AT, aus dem Buch Genesis:
Erzählt von den
verheerenden Folgen der Sintflut und von dem Bundesschluss.
Nach der Sintflut hat
Gott mit Noach und mit der ganzen Menschheit einen Bund geschlossen.
Gottes Bund mit Noach
eröffnet den Menschen eine neue Zukunft.
Die zweite Lesung aus
dem NT, aus dem 1. Petrusbrief:
Petrus spricht von der
Taufe als dem Gegenbild der Sintflut.
Die Rettung durch die Flut
hindurch wurde Sinnbild für die Taufe.
So wie in der Sintflut
die Bosheit vernichtet wurde,
so schenkt die Taufe
das göttliche Leben, die Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe, sie schenkt den
Heiligen Geist.
Die Taufe orientiert
uns auf Christus hin und befähigt uns zu einem Christus-gemäßen Leben.
Im Evangelium hat
Christus dies bestätigt und hat zwei Realitäten angesagt:
1)
die Zeit ist
erfüllt,
2)
das Reich Gottes
ist da.
Und er hat dann zwei
Einladungen ausgesprochen oder zwei Forderungen gestellt:
1)
glaubt dieser
guten Nachricht
2)
und ändert
entsprechend euer Leben.
Dabei wird es an
Versuchungen nicht fehlen.
Aber Christus macht die
teuflische List des Versuchers zunichte
und lässt uns die
Bosheit des Feindes durchschauen.
Darum bitten wir am Schluss
der Heiligen Messe: Stärke uns mit jedem guten Wort, das aus deinem Mund
hervorgeht.
Es ist immer das selbe,
und eigentlich ganz einfach – in der
Sache, nicht in ihrer Realisierung: es geht nämlich immer um: Nachfolge Jesu
oder christliche Existenz oder christus-gemäßes Leben – nennen Sie es, wie sie
wollen.
Es ist ein Leben aus
der Taufgnade. Dazu hat Gott schon alles gegeben: die heilig-machende Gnade;
sie befähigt uns zu einem christlichen Leben.
Zwei Beispiele:
·
Die sakramentale
Ehe ist nur zwischen zwei Getauften möglich.
·
Die monastische
Profess kann nur von einem Getauften abgelegt werden.
Aber wir haben dieses
Geschenk der Taufgnade noch nicht angenommen,
Wir haben den Taufbund
noch nicht persönlich ratifiziert.
oder bildlich: wir
haben das Geschenk noch nicht ausgepackt.
Und darum kann der
Heilige Geist in uns noch nicht so richtig wirken.
Er manipuliert uns
nicht. Er wartet auf unsere Zustimmung, auf unsere Einladung.
Eine solche bewusste
Entscheidung für die Taufe können wir setzen durch die Tauferneuerung.
Und dazu lädt die
Kirche uns ein
-
in der
Ostervigil
-
und jetzt in
dieser Vorbereitungszeit der österlichen Bußzeit.
Wiederum aus der Präfation
von der Fastenzeit:
„Denn jedes Jahr
schenkst du, Gott, deinen Gläubigen die Gnade, das Osterfest in der Freude des
Heiligen Geistes zu erwarten.“
Gehen wir diesen österlichen
Pilgerweg in der Freude des Heiligen Geistes auf das diesjährige Osterfest zu.
Samstag, 10. Februar 2018
Lektüre für die und in der Fastenzeit
Liebe Freunde,
es ist ein alter Brauch, in der Fastenzeit eine besondere Lektüre zu wählen. Ich habe folgende Idee: jeden Tag einen Teil aus dem Tagebuch der Schwester Faustyna Kowalska zu lesen.
Ich habe eine Rechnung gemacht:
die Fastenzeit hat 46 Kalendertage (sie hat 40 Fastentage),
das TB hat 537 Seiten, aber 16 Seiten sind unbedruckt.
537 : 46 = 11,...
also: wenn man täglich 12 Seiten liest (vom Aschermittwoche bis zum Karsamstag einschließlich), dann kann man das TB ganz in der Fastenzeit lesen.
Ich weiss: oftmals ist der Text sehr dicht, vielleicht ist es auch für manche zu viel. Entscheidet selber, was möglich ist entsprechend den Umständen.
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