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Mittwoch, 3. Dezember 2025

Predigt Erster Adventssonntag Lesejahr A am 30.11.2025 in der Klosterkirche von St. Ottilien

 

Predigt am Ersten Adventssonntag (30.11.2025)

9.15 Uhr im Konventamt in St. Ottilien

 

Erste Lesung Jesaja 2,1-5

Zweite Lesung Römerbrief 13,11-14a

Evangelium Matthäus 24,37-44

 

Pater Willibrord Driever OSB

 

Liebe Brüder und Schwestern,

Was denken Sie, wenn Sie das Wort Advent hören?

O Gott, bald ist ja schon wieder Weihnachten! Was schenke ich denn? Und die Einkäufe für die Festtage.

Also: Advent – Vorbereitung auf Weihnachten.

Das ist schon richtig, und das hat auch seinen Platz in der Liturgie, aber nur am Ende der Advents-Zeit in den letzten sieben Tagen, vom 17. bis zum 23. Dezember

Die längste Zeit des Advent, vom 1. Adventssonntag bis zum 16. Dezember, hat eine andere Bedeutung. Welche?

-        Der Advent erinnert uns an eine einfache und wichtige Glaubenswahrheit.

-        an ein Geheimnis unseres Glaubens, nämlich dass unser Herr und Heiland Jesus Christus wiederkommen wird in Herrlichkeit.

-        Und wann soll das geschehen?

-        Nicht am Ende der Zeiten aus Anlass einer kosmischen Katastrophe.

-        Sondern wenn er, der Herr, die Zeiten vollenden wird, also bei der Vollendung der Zeiten.

-        An diese Wahrheit erinnert uns der Advent: in jeder heiligen Messe:

 

An jedem Sonntag bekennen wir im Großen Glaubensbekenntnis:

„Er (=Christus) sitzt zur Rechten des Vaters

und wird wiederkommen in Herrlichkeit,

zu richten die Lebenden und die Toten;

und seiner Herrschaft wird kein Ende sein.“

 

Und im Apostolischen Glaubensbekenntnis bekennen wir:

„…er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.“

 

In jeder Eucharistiefeier, nach der Wandlung: singen oder sprechen wir:
“Deinen Tod, o Herr, verkünden wir,

und deine Auferstehung preisen wir … wie lange?

bis du kommst in Herrlichkeit.“

 

Im Dritten Hochgebet beten wir:

„Wir verkünden sein heilbringendes Leiden,

seine glorreiche Auferstehung und Himmelfahrt

und erwarten seine Wiederkunft.“

 

Im Vierte Hochgebet beten wir:

„Wir verkünden den Tod deines Sohnes

und sein Hinabsteigen zu den Vätern,

bekennen seine Auferstehung und Himmelfahrt

und erwarten sein Kommen in Herrlichkeit.“

 

Und in jeder Eucharistiefeier betet der Priester in der Weiterführung des VU:

„Komm uns zu Hilfe mit deinem Erbarmen und bewahre uns vor Verwirrung und Sünde, damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus erwarten.“

 

Glauben wir das? Erwarten wir die wirklich volle Zuversicht?

 

Wenn wir IHN und seine Wiederkunft nicht erwarten oder das nicht glauben oder überhaupt nicht „auf dem Schirm“ haben, dann will uns der Advent genau das in Erinnerung rufen. Was genau?

 

Nicht das Kind in der Krippe. Und erst recht nicht den Weihnachtsmann.

 

Sondern dieses Geheimnis unseres Glaubens: dass da einer auf uns zukommt.

Der auf uns zukommt – ist das Wort Gottes, menschgeworden im Schoß der Jungfrau, gekreuzigt, gestorben und auferweckt, erhöht zum Vater, der die Wundmale seines Leidens als Zeichen seiner Identität an seinem verklärten Leib trägt.

 

ER kommt auf uns zu. Immer und jetzt, in dieser Heiligen Messe, im Mitmenschen und im Augenblick unseres je persönlichen Todes und bei der Vollendung der Zeiten.

 

„Jetzt ist das Heil uns näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden.“ (Paulus in der Zweiten Lesung)

 

Das stimmt immer. - In jedem Augenblick ist das Heil uns näher als zuvor.

 

ER, das Heil in Person, kommt immer auf uns zu.

Darum haben wir Christen immer Zukunft.

Weil ER immer auf uns zu kommt.

 

In diesem Sinne interpretieren wir die Herz-Jesu-Darstellung im Baldachin über dem Tabernakel:

Es ist der am Ende der Zeiten auf den Wolken des Himmels wiederkommende Christus.

Er ist der Zielpunkt, auf den deine persönliche Geschichte und die Geschichte der gesamten Menschheit hinzielt.

Das ist eine sichere Hoffnung, fest gegründet.

 

Die Kirche erkennt in den Worten des Propheten Jesaja eine Vorausahnung dieser gesicherten Hoffnung, eine Vorausahnung dieser Zukunft.

In der ersten Lesung haben wir davon gehört:
Am Ende der Tage wird es geschehen:
Der Berg mit dem Haus des Herrn

Steht fest gegründet als höchster der Berge; Er überragt alle Hügel.

 

Die sichere Hoffnung hat praktische Konsequenzen.

Paulus spricht davon in der Zweiten Lesung: es sind im Grunde drei Punkte:

1.    ablegen die Werke der Finsternis,

2.    anlegen die Waffen des Lichtes. Paulus gebraucht eine kriegerische Sprache.

Christliches Leben als Kampf, als Kriegsdienst. Geistliche Waffenrüstung (Epheser)

3.    Ehrenhaft leben wie am Tag. Modern gesprochen: transparent sein.

Paulus fasst zusammen: Legt als neues Gewand den Herrn Jesus Christus an.

D. h.: übernehmt seine Gesinnung, seine Lebensart.

Das Tagesgebet spricht von „Taten der Liebe“.

 

Was Paulus uns hier empfiehlt, das ist im Grunde nichts anderes als eine Lebensführung aus der Taufgnade und aus der Taufverpflichtung.

 

Das wäre dann die Praxis der Wachsamkeit, von der Jesus im Evangelium gesprochen hat.

Dass ER kommt – das ist sicher.

Wann ER kommt – das ist unsicher. Darum: Seid wachsam.

 

Wenn wir das Wollen – und dieses Wollen ist schon vom Herrn geschenkt, dann schenkt er auch das Vollbringen.

 

„Herr, unser Gott, alles steht in deiner Macht;

du schenkst das Wollen und das Vollbringen.

Hilf uns, dass wir auf dem Weg der Gerechtigkeit

Christus entgegengehen

Und uns durch Taten der Liebe auf seine Ankunft vorbereiten,

damit wir den Platz zu seiner Rechten erhalten,

wenn er wiederkommt in Herrlichkeit.

Freitag, 21. September 2018

Predigt 22. Sonntag in Oberschönenfeld

Predigt am 22. Sonntag (2.9.2018) in der Kirche der Zisterzienserinnen-Abtei Oberschönenfeld
Anwesend waren mehr Laien als Nonnen

Liebe Christen,
wissen Sie noch, worum wir Gott im heutigen Tagesgebet gebeten haben?
Ich wüsste es auch nicht - wenn ich das Gebet nicht vorher mehrmals gelesen hätte.
Diese Orationen sind ursprünglich lateinisch formuliert, eine sehr dichterische Sprache, auf das Wesentliche reduziert, in einer sehr gehobenen Sprache.
Diese Gebete gehen zum einen Ohr hinein und zum anderen hinaus und beim Amen wissen wir schon nicht mehr, worum wir eigentlich gebeten haben.
Es lohnt sich, das heutige Tagesgebet genauer.

1. "Von dir kommt alles Gute"
Das ist ein Glaubensbekenntnis und ein Lobpreis.
Gott ist gut, er liebt nicht nur, er IST die Liebe, darum kommt alles Gute von IHM und nur das Gute. Gott kann nichts Schlechtes schicken. Das kommt nicht von ihm, ist nicht gewollt von ihm.
"Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Gestirne" (Zweite Lesung)

2. Die Bitten:

a) "Pflanze in unser Herz die Liebe zu deinem Namen ein"
Aha, da wird etwas eingepflanzt. Was? Die Liebe!
Nun ist uns die Liebe schon gegeben, mit der Taufgnade. Glaube, Hoffnung, Liebe - sind uns schon gegeben, gratis, das sind die eingegossenen Tugenden. Liebe ist uns gegeben.
Aber offensichtlich kann sie wachsen. Dazu muss sie eingepflanzt werden, muß sich verwurzeln.
"Auch das Wort der Wahrheit" ist "in uns "eingepflanzt" (zweite Lesung)
Darum bitten wir Gott. Und es ist gut, Gott darum zu bitten, denn so machen wir uns die Notwendigkeit bewußt, dass wir unsere Zustimmung geben können und müssen.

b) die zweite Bitte: "Binde uns immer mehr an dich."
Aha, wir bitten darum, gebunden zu werden. nicht an irgend etwas oder an irgend eine mehr oder weniger vertrauenswürdige Person. Sondern Gott, an den, der die Liebe zu seinem Namen in uns eingepflanzt hat.
Aber: werden wir dann nicht unfrei?
Darum das Ziel dieser Bitte: "Damit in uns wächst, was gut und heilig ist." Denn: Alles Gute kommt von Dir.
Also: wir verlieren nicht unsere Freiheit, sondern es wächst in uns, was gut und heilig ist.
Wir können auch sagen: WIR wachsen in den natürlichen Gaben (unsere Schöpfung, Mann-Sein, Frau-Sein, Kreativität, Intelligenz, Musikalität, Fürsorge für andere...) und in den übernatürlichen Gaben (Glaube, Hoffnung, Liebe), die Gott uns geschenkt hat. Wir wachsen und reifen in unserer menschlichen, personalen Entwicklung und in unserer christlichen Berufung zur Heiligkeit.

c) die dritte Bitte: "Wache über uns und erhalte, was du gewirkt hast".
O, wie gut, dass ER das tut, dass er über uns wacht und dass er das in uns erhält - damit wir nicht leichtsinnig das auf's Spiel setzen und korrumpieren oder verlieren, was "gut und heilig ist" in uns.

Das sind die drei Bitten an Gott. Da hat Gott einiges an uns und für uns zu tun.
Und was tun wir? oder was können wir tun?
Das sagt Gott uns in seinem Wort zu diesem Sonntag:

Erste Lesung: Die Gebot halten. Kenn wir sie? Es gibt ja nicht nur die 10 Gebote, sondern auch die 5 Kirchengebote. Kennen wir sie?

Zweite Lesung: Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach. Dann werden beispielhaft einige soziale Werke aufgezählt und als "reiner und makelloser Dienst vor Gott, dem Vater" qualifiziert.

Evangelium: Aus einem verunreinigten Herzen kommt der ganze Mist. Wir verunreinigen unser Herz, wenn wir nicht von ganzem Herzen vergeben: nach dem Vorbild Jesu. Wir müssen und können uns um ein reines Herz bemühen: wenn wir immer und sofort von Herzen vergeben, siebenmal siebzigmal. Und das ist mehr und etwas anderes, als beim Friedensgruß dem Banknachbarn zur Rechten und Linken die Hand zu reichen. Echte Vergebung bewirkt das reine Herz.

Dann wächst in uns die Liebe zum SEINEM Namen.
Dann wächst in uns, was gut und heilig ist.
Aber daran müssen wir uns immer wieder erinnern.
Darum hören wir das gute Wort Gottes und feiern wir die sonntägliche Eucharistie




Samstag, 27. Januar 2018

Wie sollen wir die Menschen lieben?

Für den Fall, dass jemand die Menschen lieben will und nicht weiss, wie er das tun soll, und wenn er darauf eine Antwort haben will, dann findet er diese im heutigen Tagesgebet (4. Sonntag im Jahreskreis): "Gib, dass wir die Menschen lieben, wie du sie liebst." Und mit dem Du ist Gott gemeint, d. h., er und SEINE Art und Weise zu lieben ist der Maßstab.

Ah ja...
Das heisst nicht: lieben nach menschlicher Art und Weise.
Und wie lieben wir Menschen, gewöhnlich?
1. wir lieben bedingt, wir stellen Bedingungen: Wenn du das tust, dann liebe ich dich (das sagen wir nicht so, aber denken es.)
2. und wir lieben begrenzt: Weil du das getan hast, darum ist es aus mit uns. (Wir brechen Beziehungen ab und schlagen Türen zu: der Tod so mancher Freundschaft und Ehe.)

Gott ist und handelt anders: (Gott sei Dank!)
1. er liebt uns unbedingt. Er stellt keine Bedingungen (Wenn du meine Gebote erfüllst, dann liebe ich dich.)
2. und er liebt unbegrenzt. Er sagt nicht: Weil du das getan hast, darum ist es aus mit uns. Er lässt uns nicht aus seiner Liebe fallen. Wir können ihn (mit unseren Sünden) nicht zwingen, uns weniger zu lieben.

So liebt uns Gott. Und so sollen wir die Menschen (Kinder, Eltern, Ehegatten, Ehegattin) lieben.
Können wir als Menschen göttlich lieben? nach philosophischer Logik wohl nicht.
Darum wohl auch die Bitte an Gott um diese Gnade.
Mindestens ist es eine Zielvorgabe.

Wie sollen wir Gott anbeten?

Das heutige Tagesgebet (4. Sonntag im Jahreskreis) gibt Auskunft: mit ungeteiltem Herzen.
Das ist schwierig; denn wir erfahren uns oft als Personen mit "geteiltem Herzen", nicht geeint, nicht integriert. Wir schaffen es nicht. Darum bitten wir ja auch um diese Gnade, aber das ist es:
1. wir müssen erkennen und anerkennen, dass wir Gott eben nicht mit ungeteiltem Herzen anbeten.
2. wir müssen die Sehnsucht haben, dies tun zu können.
3. wir müssen um diese Gnade bitten.

Wozu hast du uns erschaffen?

Manche stellen sich ja diese Frage, besonders dann, wenn sie noch nicht den Sinn ihres Lebens erkannt haben oder dieser entschwunden ist, nach Schicksalsschlägen und Katastrophen.
Das heutige Tagesgebet (4. Sonntag im Jahreskreis) gibt Auskunft: "...damit wir dich preisen." Mit dem, der da angesprochen wird ("dich") ist der gemeint, der zuvor in dem Gebet als "unser Schöpfer" angesprochen wurde.
Dieser harmlose Satz enthält einige Voraussetzungen:
1. dass es da einen gibt, der uns geschaffen hat,
2. der - wenn wir den Text wörtlich nehmen - etwas von uns will, nämlich gepriesen werden,
3. und das alles macht nur Sinn im Horizont des Glaubens,
4. um in diesen Horizont einzusteigen und den Sinn erkennen zu können, ist ein Glaubensakt von uns gefordert,
5. und der wiederum erfordert Demut.

Sonntag, 21. November 2010

Paradiesische Zustände durch Herrschaft

Hochfest Christus König
Predigt in der Abteikirche St. Ottilien
Sonntag, 21. November 2010 (Lesejahr C)
Pater Willibrord Driever OSB

Liebe Christen!
Alle Menschen beten, sofern sie sich religiös betätigen: Juden und Christen, Buddhisten und Muslime, also auch Heiden beten.
Wodurch wird unser Beten zu einem christlichen Beten?
Dadurch, dass wir durch Jesus Christus zum Vater beten.
Das kommt zum Ausdruck, wenn wir am Beginn der hl. Messe das jeweilige Tagesgebet abschließen mit einer Formel: „Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.“
Manche Priester verändern diese Formel, unerlaubterweise.
Sie sagen: „Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, deinen Sohn unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und für uns da ist.“
Oder: „der mit dir lebt und liebt“.
Sie vermeiden das Wort „herrschen“. Leider geben diese Priester keine Erklärung dafür ab, warum sie das Wort „herrschen“ vermeiden. So kann man über die Motive ihres Handelns nur spekulieren.
- Vielleicht halten sie das Wort „herrschen“ für unzumutbar für die demokratieverwöhnten Ohren der Christen und Christinnen des 21. Jahrhunderts,
- Vielleicht stört es sie, dass es da einen geben sollte, der als einziger noch herrschen dürfe, der also etwas zu sagen haben sollte,
- Vielleicht haben sie persönlich schlechte Erfahrungen gemacht mit Autoritätspersonen und übertragen nun ihre negativen Erfahrungen auf Christus.
Im Widerstand zum Zeitgeist feiern wir heute die Herrschaft Jesu Christi.
Was ist es also um diese Herrschaft Jesu Christi, die die Kirche heute, am letzten Sonntag des Kirchenjahres, vor aller Welt bekennt?

Jesus Christus war vom Vater berufen, das Volk Gottes zu führen und in diesem Sinne ein echter Führer zu sein.
Die erste Lesung ist wie die Spitze eines Lichtkegels, der sich aus der Dunkelheit und Verworrenheit der Geschichte in die Zukunft hinein weitet und auf Christus gerichtet ist. David wurde als König über Israel gesalbt. Es war ein Königtum nicht ohne Zweideutigkeiten und Untreue. Ein echter, treuer König, ein vollkommener Hirte sollte viel später kommen: lange nach David: der Messias Christus. Er sollte es sein, der auf dem Thron seines Vaters sitzen und ohne Ende herrschen wird.

Seine Herrschaft hat einen zutiefst göttlichen Ursprung. Und er hat die Herrschaft über alles. „Denn in ihm wurde alles erschaffen. Und alles ist durch ihn und auf ihn hin erschaffen.“ Das ist das Glaubensbekenntnis aus der zweiten Lesung, aus dem Kolosserbrief.
Christus ist der Erste, weil er zeitlich vor allen anderen ist.
Und er ist das Modell für alle anderen.
Durch ihn und im Blick auf ihn hat der Vater alles geplant und geschaffen.
Christus ist auch der Erstgeborene der Toten.
Und über alle Dinge hat Christus eine absolute Herrschaft.
Alle Werte sind in ihm enthalten und sammeln sich in ihm wie in einem Brennpunkt.
Und alles wird in ihm mit Gott versöhnt.
So klingt es wie in einem Hymnus in diesem Kolosserbrief.

Das sind große Worte und große Geheimnisse. Wir fragen zurück: Wie und wann und warum sollte das denn so geschehen sein?
Dafür gibt es einen klaren Anhaltspunkt, ein geschichtliches Ereignis: nämlich sein Tod am Kreuz und das Vergießen seines Blutes; „Der Frieden gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut“.
Das heißt: die Dinge der Schöpfung, die Menschheit – sie sind nicht etwa deswegen befreit oder sie treten nicht etwa deswegen in das Reich Gottes ein, weil sie eine solche Qualität aus sich heraus schon hätten, oder weil sie einen Anspruch darauf hätten oder weil sie einem inneren Gesetz der Entwicklung gehorchen würden. Nein. Sondern deswegen: weil Jesus durch seinen Tod am Kreuz Frieden gestiftet hat durch sein Blut.
Daraus ergibt sich für uns die Blickrichtung und Zielrichtung unseres Lebens: nämlich das Kreuz Jesu. Bruder Konrad von Parzham hatte das begriffen. Er sagte: Das Kreuz ist mein Buch.

Bei der Bereitung der Gaben werden wir beten: „Er, der für uns gestorben ist, schenke allen Völkern Einheit und Frieden.“ (Gabengebet)
Und in der Präfation verkünden wir: „Als makelloses Lamm und friedenstiftendes Opfer hat er sich dargebracht auf dem Altar des Kreuzes, um das Werk der Erlösung zu vollziehen.“
Das ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was ich einem Buch las mit dem Titel: „Zen für Christen“. Dort steht die Anweisung: „Schauen wir nicht auf das Kreuz, auf das, was Leben zerstört, sondern schauen wir auf uns, nach innen.“

Im Evangelium präsentiert Lukas die Königsherrschaft Jesu. Es ist eine Parodie: Jesus wird König der Juden auf dem Thron eines Kreuzes. Es ist die Erinnerung an eine andere Parodie: die im Prätorium des Pontius Pilatus
Jesus tritt seine Königsherrschaft am Kreuz an. Das Kreuz ist der Thron des Messias-Königs. Und damit daran kein Zweifel möglich ist, zitiert Lukas den Kreuzestitel: „Über ihn war eine Tafel angebracht: Das ist der König der Juden“ – als Verhöhnung gemeint, und doch ist es eine so unglaubliche Wahrheit, dass sie schwarz auf weiß für die Augen der gesamten Menschheitsgeschichte festgehalten werden muss.
Das erinnert an eine andere Einsetzung Jesu in sein Messianisches Königsamt: Bei seiner Taufe sprach die Stimme aus dem Himmel: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden“.

Und Lukas fügt noch eine Szene hinzu: „Auch die Soldaten verspotteten ihn: Wenn du der König der Juden bist, dann hilf dir selbst!“
Die Welt versteht die Titel Jesu und seine Königsherrschaft in ihrem Sinne: eben als äußerliche, politische Größenzuschreibung. Jesus verweigert sich der Erfüllung dieser Konzepte. Er will nicht, daß seine Königsherrschaft ihm von außen zugeschrieben wird, wenn er wie ein Zauberer auftritt und seinem Schicksal entkommt. Jesus hat sich auch geweigert, aus Steinen Brot zu zaubern.
Sondern er will sein Königtum gerade darin zweigen, daß er in seinem Los aushält und dem Vater darin seine Treue bewahrt.

Nach dem Alten Testament, muß die Inthronisation von zwei Personen bezeugt werden: bei der Verklärung Jesu waren es Mose und Elija. Bei der Auferstehung Jesu und bei seiner Himmelfahrt waren es zwei Engel. Und bei seiner Inthronisation auf Golgotha waren es auch zwei Zeugen: zwei Verbrecher.
Lukas will damit zeigen, wie Jesus seine Königsherrschaft versteht: nämlich für alle Menschen, auch über seine Feinde. Und seine Königsherrschaft besteht darin, dass er allen Menschen die Vergebung anbietet. Der erste Adam hatte durch die Sünde des Mißtrauens Gott gegenüber das Paradies verloren. Christus ist der neue Adam: er hilft der ganzen Menschheit, in das verlorene Paradies wieder einzutreten.
Das wird uns nur gelingen, wenn wir die Vergebung Gottes auch annehmen.
Jesus schafft eine neue Menschheit: befreit von der Entfremdung durch die Sünde. Er eröffnet dem reuigen Schächer die Möglichkeit, an dieser neuen Menschheit im Paradies teilzuhaben. Die Vergebungsbereitschaft Jesu ist grenzenlos, und wir setzen dieser grenzenlosen Vergebungsbereitschaft Jesu Grenzen, wenn wir die Vergebung nicht annehmen – wie sie der andere Schächer nicht angenommen hat.
Das also ist die Art und Weise, wie Jesus Christus herrscht. Und diese Herrschaft ist die einzige, der wir uns angstfrei unterwerfen und ausliefern können.

Samstag, 7. August 2010

Ach, wenn es doch immer nur so bliebe...

Predigt
Charismatischer Gottesdienst in Vilgertshofen
Fest der Verklärung des Herrn
6. August 2011

„So wie es jetzt ist, soll es immer sein!“
Das sagen wir in Augenblicken, in denen es uns gut geht.
Dann möchten wir die Zeit am liebsten anhalten und ein Stück Ewigkeit hereinholen ins Vergängliche. Festhalten, was flüchtig ist.
Wenn es auch schön wäre, die Hoch-Zeiten des Lebens anzuhalten, - es geht nicht. Unmöglich, sich darin einzurichten.
Was bleibt, ist die Erinnerung an Schönes, an Freude und Glück.
Das alles zählt zu den Kostbarkeiten unseres Lebens, formt und prägt es.
Es erscheint bequem und reizvoll, sich im Angenehmen einzurichten und diese Erfahrung unvergänglich zu machen; aber es ist unmöglich.
Zum Leben gehören auch die unangenehmen Dinge, die Sachen, die uns gar nicht gefallen und die Situationen, denen wir am liebsten aus dem Weg gehen würden.
Auch das, was nicht in unser Konzept passt und was wir überhaupt nicht verstehen und begreifen: Schmerz und Leid, Unglücksfälle und Katastrophen zum Beispiel.
Das Schöne möchten wir festhalten – dem Unangenehmen möchten wir entfliehen: schnell soll es vorbeigehen. Einfach nur weg damit.

Das sind unsere Erfahrungen.
Und bei diesen Erfahrungen setzt das Evangelium an.
Petrus, Jakobus und Johannes geraten in eine ganz und gar ungewöhnliche, nicht planbare Situation.
Bei ihrem Unterwegs-sein mit Jesus haben sie schon viel erlebt, aber was jetzt passiert, ist ganz neu.
Jesus nimmt sie mit auf einen Berg und da geschieht etwas Besonderes: Jesus wird vor ihren Augen verwandelt.
Und weil das noch nicht genügt, erscheinen Elija und Mose und reden mit Jesus. Das Szenario macht den Jüngern Angst.
Mehr aus Verlegenheit schlägt Petrus vor, drei Hütten zu bauen: eine für Jesus, eine für Mose und eine für Elija.
Vielleicht ist das der Versuch, den Lichtgestalten eine Bleibe zu geben.
Sie sollen bleiben, sollen in Raum und Zeit eine Wohnung finden.
Dann kommt noch eine Steigerung: Alles bisher Erzählte bereitet nur die Kulisse für die Offenbarung Jesu als Sohn Gottes:
„Das ist mein geliebter Sohn.“ Gott bekennt sich zu Jesus.
Gott erkennt ihn als seinen Sohn.
Deutlicher ist es nicht zu sagen, dass Jesus Gott ist.
Geliebter Sohn sein: das heißt: in unmittelbarer Beziehung zu sein.
Da ist nichts dazwischen. Es ist die direkte Linie, die engste Verbindung.
Es ist Legitimation: „Der ist von mir! Der ist göttlich!“
Und nachgeschoben: „Auf den sollt ihr hören. Euer Leben bekommt damit eine neue Orientierung:
Richtet euch auf ihn hin aus! Denn das, was er euch zu sagen hat, ist wichtig für euch, ist euch ein Wort zum Leben.“

Der Evangelist lebte in einer patriarchalischen Gesellschaft.
Damals war das Vater-Sohn-Verhältnis eine besondere Beziehung, sie hatte zutun mit Anerkennung und Vermächtnis.
Der Sohn ist die Zukunft des Vaters.
Er ist die Fortsetzung der Familiengeschichte.
Da hört nichts auf und bricht nichts ab.

Vom Vater her gesehen:
Der Sohn ist die Spur, die man in der Welt hinterlässt.
Er ist Zeichen der Kontinuität und Bestätigung, dass das Leben weiter geht.
Und so wählt das Evangelium genau dieses Bild, um zu sagen, dass Jesus der Erlöser ist. Er ist Gott --- und von ihm her wird Heil.

In diese Beziehung werden die Jünger mit hineingenommen.
Diese Beziehung wird näher qualifiziert. Es ist vom „geliebten Sohn“ die Rede. Das Besondere ist also die Betonung der Liebe. Darauf kommt es an.
Das Wesen der Liebe ist es, zu lieben.
Das heißt: Liebe auszuteilen, sich zu verschenken, sich hinzugeben.

„geliebter Sohn“ – das ist die Kurzformel für LEBEN.
Denn da geht es um die Liebe, - und da geht es um die Beziehung.
Leben ist In-Beziehung sein.
Zum Leen brauchen wir die Liebe.
Wir wollen geliebt-sein, und wir wollen Liebe schenken.
Und wir brauchen gute Beziehungen.
und wenn dieses In-Beziehung-sein von Liebe getragen ist, dann ist so eine Hoch-Zeit des Lebens da, die wir für ewig festhalten wollen.

Und das bist du: Du bist der geliebte Sohn,
egal, ob du nun männlich oder weiblich bist.
Du bist der, zu dem Gott der Schöpfer eine liebevolle Beziehung aufgenommen hat.
Du bist von IHM gewollt, so wie du bist.
Das ist dein unverlierbarer Schatz.
Das ist das Fundament deines Lebens.
Du bist, weil du von Gott gewollt bist, und darum darfst du dich selber wollen.

Plötzlich ist sie vorbei, die Offenbarung der Gottessohnschaft Jesu, und alles läuft wieder normal.
Die Jünger und Jesus steigen vom Berg herab. Nach dem Gipfelerlebnis und der Hoch-Zeit geht es zurück in die Normalität des Alltags. Fast banal.

Aber schon wieder ist eine Überraschung da:
Jesus sagt, sie dürfen über das Erlebte nichts erzählen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.
Eine Zumutung nach der anderen: Zuerst das Miterleben der Offenbarung und dann auch noch das unbekannte Wort „von Toten auferstehen“.
Das eine noch kaum verstanden, schon kommt das nächste.
So wundert es nicht, dass die Jünger nicht begreifen und sie fragen, was es bedeutet.
Denn von den Toten kann niemand auferstehen. Das funktioniert nicht.
Nicht nach menschlichem Verstehen. ---------------

Was sie gerade miterlebt haben, macht sie vorsichtig.
Ganz so leicht schließen sie das scheinbar Unmögliche nicht mehr aus.
Jesus ist göttlich. Das haben sie gerade gehört.
Und da ist der Tod nicht das Ende.
Wenn Gott das Leben und die Liebe ist, - dann ist der Tod für ihn kein Problem.
Wenn Gott wirklich Gott ist, dann geht seine Dynamik immer auf Auferstehen zum Leben hin.

Und dies ist das zweite Geschenk Gottes für Dich: Du kannst nicht sterben,
weil Gott, dein Schöpfer, so sehr lebendig ist, dass er dich nicht in die Anonymität des Nichts versinken lässt.

Dies hat Gott dir zugesagt in deiner Schöpfung am Anfang deines Lebens und in jedem Augenblick, da er dich am Da-sein erhält.
Und er hat es dir zugesagt im Geschenk der Taufe, der Neuschöpfung mit der Gabe der Gotteskindschaft.

Wir dürfen hoffen, dem verklärten Wesen des Auferstandenen und seinem Bild gleichförmig zu werden,
wenn wir auch dem irdischen Jesus gleichförmig werden
und wenn wir das Schicksal des armen und verachteten Jesus teilen
und wenn wir ihm folgen auf seinem Weg
und wenn wir auch bereit sind, wie er das Kreuz auf uns zu nehmen.
Das fiel den Jüngern auch schon schwer.
Und darum hat der Herr sie mit dem Zeichen seiner Verklärung gestärkt.

In der Präfation singen wir heute:
Denn er enthüllte auf dem Berg der Verklärung seine verborgene Herrlichkeit,
er ließ vor auserwählten Zeugen seinen sterblichen Leib im Lichtglanz erstrahlen und gab den Jüngern die Kraft, das Ärgernis des Kreuzes zu tragen.

Das heutige Fest ist auch ein Fest der Hoffnung:
So schenkte er der ganzen Kirche, als uns, die Hoffnung, vereint mit ihrem Haupt die ewige Verklärung zu empfangen.

Das Fest der Verklärung des Herrn ist für uns eine Vergewisserung.
Gott vergewissert uns, macht uns und unseren Glauben sicherer.
Wir haben im Tagesgebet gebetet:
Allmächtiger Gott, bei der Verklärung deines eingeborenen Sohnes hast du durch das Zeugnis der Väter die Geheimnisses unseres Glaubens bekräftigt.
Du hast uns gezeigt, was wir erhoffen dürfen, wenn unsere Annahme an Kindes Statt sich einmal vollendet.

Und dann die Bitte:
Hilf uns, auf das Wort deines Sohnes zu hören, damit wir Anteil erhalten an seiner Herrlichkeit.

Jetzt, in dieser Eucharistiefeier, da wir das Wort Gottes hören und den Tod des Herrn verkünden und seine Auferstehung preisen – da geschieht unsere Verwandlung.
Jesus verwandelt unser Leben, da wir uns ihm aussetzen.
Wir können unser Leben in einem neuen Licht sehen.
Wir können verklärt werden, wenn wir uns der Dynamik Gottes überlassen.

Die Verklärung Jesu und die Verwandlung der Gaben von Brot und Wein und unsere Verwandlung: das alles ist Werk des Heiligen Geistes.
Im Gabengebet beten wir:
Gott, unser Vater, sende über uns und diese Gaben das Licht deiner Herrlichkeit, das in deinem Sohn aufgestrahlt ist. Es vertreibe die Dunkel der Sünde und mache uns zu Kindern des Lichtes.

Wenn wir die Eucharistie feiern und empfangen, dann werden wir schon hinheinverwandelt in den verklärten Leib des Herrn.

Am Schluß der Messe werden wir beten:
Lass uns durch den Empfang der himmlischen Speise seinem verklärten Leib gleichgestaltet werden.

Freitag, 6. August 2010

...mal ne gute Nachricht: wir können noch hoffen

Predigt
Charismatischer Gottesdienst in Vilgertshofen
Fest der Verklärung des Herrn
6. August 2011

„So wie es jetzt ist, soll es immer sein!“
Das sagen wir in Augenblicken, in denen es uns gut geht.
Dann möchten wir die Zeit am liebsten anhalten und ein Stück Ewigkeit hereinholen ins Vergängliche. Festhalten, was flüchtig ist.
Wenn es auch schön wäre, die Hoch-Zeiten des Lebens anzuhalten, - es geht nicht. Unmöglich, sich darin einzurichten.
Was bleibt, ist die Erinnerung an Schönes, an Freude und Glück.
Das alles zählt zu den Kostbarkeiten unseres Lebens, formt und prägt es.
Es erscheint bequem und reizvoll, sich im Angenehmen einzurichten und diese Erfahrung unvergänglich zu machen; aber es ist unmöglich.
Zum Leben gehören auch die unangenehmen Dinge, die Sachen, die uns gar nicht gefallen und die Situationen, denen wir am liebsten aus dem Weg gehen würden.
Auch das, was nicht in unser Konzept passt und was wir überhaupt nicht verstehen und begreifen: Schmerz und Leid, Unglücksfälle und Katastrophen zum Beispiel.
Das Schöne möchten wir festhalten – dem Unangenehmen möchten wir entfliehen: schnell soll es vorbeigehen. Einfach nur weg damit.

Das sind unsere Erfahrungen.
Und bei diesen Erfahrungen setzt das Evangelium an.
Petrus, Jakobus und Johannes geraten in eine ganz und gar ungewöhnliche, nicht planbare Situation.
Bei ihrem Unterwegs-sein mit Jesus haben sie schon viel erlebt, aber was jetzt passiert, ist ganz neu.
Jesus nimmt sie mit auf einen Berg und da geschieht etwas Besonderes: Jesus wird vor ihren Augen verwandelt.
Und weil das noch nicht genügt, erscheinen Elija und Mose und reden mit Jesus. Das Szenario macht den Jüngern Angst.
Mehr aus Verlegenheit schlägt Petrus vor, drei Hütten zu bauen: eine für Jesus, eine für Mose und eine für Elija.
Vielleicht ist das der Versuch, den Lichtgestalten eine Bleibe zu geben.
Sie sollen bleiben, sollen in Raum und Zeit eine Wohnung finden.
Dann kommt noch eine Steigerung: Alles bisher Erzählte bereitet nur die Kulisse für die Offenbarung Jesu als Sohn Gottes:
„Das ist mein geliebter Sohn.“ Gott bekennt sich zu Jesus.
Gott erkennt ihn als seinen Sohn.
Deutlicher ist es nicht zu sagen, dass Jesus Gott ist.
Geliebter Sohn sein: das heißt: in unmittelbarer Beziehung zu sein.
Da ist nichts dazwischen. Es ist die direkte Linie, die engste Verbindung.
Es ist Legitimation: „Der ist von mir! Der ist göttlich!“
Und nachgeschoben: „Auf den sollt ihr hören. Euer Leben bekommt damit eine neue Orientierung:
Richtet euch auf ihn hin aus! Denn das, was er euch zu sagen hat, ist wichtig für euch, ist euch ein Wort zum Leben.“

Der Evangelist lebte in einer patriarchalischen Gesellschaft.
Damals war das Vater-Sohn-Verhältnis eine besondere Beziehung, sie hatte zutun mit Anerkennung und Vermächtnis.
Der Sohn ist die Zukunft des Vaters.
Er ist die Fortsetzung der Familiengeschichte.
Da hört nichts auf und bricht nichts ab.

Vom Vater her gesehen:
Der Sohn ist die Spur, die man in der Welt hinterlässt.
Er ist Zeichen der Kontinuität und Bestätigung, dass das Leben weiter geht.
Und so wählt das Evangelium genau dieses Bild, um zu sagen, dass Jesus der Erlöser ist. Er ist Gott --- und von ihm her wird Heil.

In diese Beziehung werden die Jünger mit hineingenommen.
Diese Beziehung wird näher qualifiziert. Es ist vom „geliebten Sohn“ die Rede. Das Besondere ist also die Betonung der Liebe. Darauf kommt es an.
Das Wesen der Liebe ist es, zu lieben.
Das heißt: Liebe auszuteilen, sich zu verschenken, sich hinzugeben.

„geliebter Sohn“ – das ist die Kurzformel für LEBEN.
Denn da geht es um die Liebe, - und da geht es um die Beziehung.
Leben ist In-Beziehung sein.
Zum Leen brauchen wir die Liebe.
Wir wollen geliebt-sein, und wir wollen Liebe schenken.
Und wir brauchen gute Beziehungen.
und wenn dieses In-Beziehung-sein von Liebe getragen ist, dann ist so eine Hoch-Zeit des Lebens da, die wir für ewig festhalten wollen.

Und das bist du: Du bist der geliebte Sohn,
egal, ob du nun männlich oder weiblich bist.
Du bist der, zu dem Gott der Schöpfer eine liebevolle Beziehung aufgenommen hat.
Du bist von IHM gewollt, so wie du bist.
Das ist dein unverlierbarer Schatz.
Das ist das Fundament deines Lebens.
Du bist, weil du von Gott gewollt bist, und darum darfst du dich selber wollen.

Plötzlich ist sie vorbei, die Offenbarung der Gottessohnschaft Jesu, und alles läuft wieder normal.
Die Jünger und Jesus steigen vom Berg herab. Nach dem Gipfelerlebnis und der Hoch-Zeit geht es zurück in die Normalität des Alltags. Fast banal.

Aber schon wieder ist eine Überraschung da:
Jesus sagt, sie dürfen über das Erlebte nichts erzählen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.
Eine Zumutung nach der anderen: Zuerst das Miterleben der Offenbarung und dann auch noch das unbekannte Wort „von Toten auferstehen“.
Das eine noch kaum verstanden, schon kommt das nächste.
So wundert es nicht, dass die Jünger nicht begreifen und sie fragen, was es bedeutet.
Denn von den Toten kann niemand auferstehen. Das funktioniert nicht.
Nicht nach menschlichem Verstehen. ---------------

Was sie gerade miterlebt haben, macht sie vorsichtig.
Ganz so leicht schließen sie das scheinbar Unmögliche nicht mehr aus.
Jesus ist göttlich. Das haben sie gerade gehört.
Und da ist der Tod nicht das Ende.
Wenn Gott das Leben und die Liebe ist, - dann ist der Tod für ihn kein Problem.
Wenn Gott wirklich Gott ist, dann geht seine Dynamik immer auf Auferstehen zum Leben hin.

Und dies ist das zweite Geschenk Gottes für Dich: Du kannst nicht sterben,
weil Gott, dein Schöpfer, so sehr lebendig ist, dass er dich nicht in die Anonymität des Nichts versinken lässt.

Dies hat Gott dir zugesagt in deiner Schöpfung am Anfang deines Lebens und in jedem Augenblick, da er dich am Da-sein erhält.
Und er hat es dir zugesagt im Geschenk der Taufe, der Neuschöpfung mit der Gabe der Gotteskindschaft.

Wir dürfen hoffen, dem verklärten Wesen des Auferstandenen und seinem Bild gleichförmig zu werden,
wenn wir auch dem irdischen Jesus gleichförmig werden
und wenn wir das Schicksal des armen und verachteten Jesus teilen
und wenn wir ihm folgen auf seinem Weg
und wenn wir auch bereit sind, wie er das Kreuz auf uns zu nehmen.
Das fiel den Jüngern auch schon schwer.
Und darum hat der Herr sie mit dem Zeichen seiner Verklärung gestärkt.

In der Präfation singen wir heute:
Denn er enthüllte auf dem Berg der Verklärung seine verborgene Herrlichkeit,
er ließ vor auserwählten Zeugen seinen sterblichen Leib im Lichtglanz erstrahlen und gab den Jüngern die Kraft, das Ärgernis des Kreuzes zu tragen.

Das heutige Fest ist auch ein Fest der Hoffnung:
So schenkte er der ganzen Kirche, als uns, die Hoffnung, vereint mit ihrem Haupt die ewige Verklärung zu empfangen.

Das Fest der Verklärung des Herrn ist für uns eine Vergewisserung.
Gott vergewissert uns, macht uns und unseren Glauben sicherer.
Wir haben im Tagesgebet gebetet:
Allmächtiger Gott, bei der Verklärung deines eingeborenen Sohnes hast du durch das Zeugnis der Väter die Geheimnisses unseres Glaubens bekräftigt.
Du hast uns gezeigt, was wir erhoffen dürfen, wenn unsere Annahme an Kindes Statt sich einmal vollendet.

Und dann die Bitte:
Hilf uns, auf das Wort deines Sohnes zu hören, damit wir Anteil erhalten an seiner Herrlichkeit.

Jetzt, in dieser Eucharistiefeier, da wir das Wort Gottes hören und den Tod des Herrn verkünden und seine Auferstehung preisen – da geschieht unsere Verwandlung.
Jesus verwandelt unser Leben, da wir uns ihm aussetzen.
Wir können unser Leben in einem neuen Licht sehen.
Wir können verklärt werden, wenn wir uns der Dynamik Gottes überlassen.

Die Verklärung Jesu und die Verwandlung der Gaben von Brot und Wein und unsere Verwandlung: das alles ist Werk des Heiligen Geistes.
Im Gabengebet beten wir:
Gott, unser Vater, sende über uns und diese Gaben das Licht deiner Herrlichkeit, das in deinem Sohn aufgestrahlt ist. Es vertreibe die Dunkel der Sünde und mache uns zu Kindern des Lichtes.

Wenn wir die Eucharistie feiern und empfangen, dann werden wir schon hinheinverwandelt in den verklärten Leib des Herrn.

Am Schluß der Messe werden wir beten:
Lass uns durch den Empfang der himmlischen Speise seinem verklärten Leib gleichgestaltet werden.

Samstag, 8. Mai 2010

Wie lange dauert Ostern?

Wussten Sie schon, dass wir SIEBEN Wochen Ostern feiern?
Eine Woche hat siebe Tage.
Sieben mal sieben macht 49.
Aber das ist noch nicht genug.
Da muss noch eins drauf!
Macht 50.
Fünfzig auf Griechisch heißt: Pentekoste.
Zu Deutsch: Fünfzig.
Das wäre dann der sog. Pfingsttag.
Pfingsten ist also der 50. OSTERTAG, kein Fest des Heiligen Geistes.

Glauben Sie nicht?
Dann achten Sie auf das Tagesgebet vom 6. Sonntag der Osterzeit.
Dort heisst es:
Allmächtiger Gott, laß uns die österliche Zeit in herzlicher Freude begehen
und die Auferstehung unseres Herrn preisen,
damit das Ostergeheimnis,
das wir in diesen fünfzig Tagen feiern,
unser ganzes Leben prägt und verwandelt.

Na bitte... Oder glauben Sie immer noch nicht?
Dann lesen Sie bitte das Tagesgebet vom Samstag der siebten Osterwoche:

Allmächtiger Gott,
am Ender der heiligen fünfzig Tage bitten wir dich:
Gib uns die Gnade,
daß wir in einem Leben aus dem Glauben
das Ostergeheimnis deines Sohnes bewahren,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

(Das Problem ist, dass dieses Tagesgebet wohl nur von den wenigen vernommen wird, welche das Stundengebet an diesem Tag verrichte, und dass kaum ein Christ dieses Tagesgebet in einer hl. Messe vernehmen wird, weil es - landauf, landab - kaum noch einen Gottesdienst am Samstagmorgen gibt, seitdem die Vorabendmessen am Sonnabend eingeführt worden sind.)

Der theologische Hintergrund für die "Feier der heiligen fünfzig Tage":

Gott, unser Herr,
du hast das österliche Geheimnis
im Geschehen des Pfingsttages vollendet

und Menschen aus allen Völker das Heil geoffenbart...
(Tagesgebet in der Messe am Vorabend von Pfingsten)

weiter:

"Denn heute hast du das österliche Heilswerk vollendet,
heute hast du den Heiligen Geist gesandt über alle,
die du mit Christus auferweckt und zu deinen Kindern berufen hast."
(Präfation der Messe am Pfingsttag, MB, S. 204f.)

FROHES FEST!

Dienstag, 9. März 2010

Predigt zum Dritten Fastensonntag (7. März 2010)

Predigt
von Pater Willibrord Driever OSB
Missionsbenediktiner von St. Ottilien
am Dritten Fastensonntag (Lesejahr C)
(Klosterkirche St. Ottilien, 7. März 2010)


Liebe Brüder und Schwestern!

Wir gehen auf Ostern zur: das größte Fest unseres Glaubens, Grundlage und Ziel unseres Lebens. Die Kirche lädt uns ein, uns auf diese Feier vorzubereiten und bietet uns heute das Wort Gottes an.
An diesem Sonntag im Lukas-Lesejahr präzisiert die Litugie sehr konkret das Thema Umkehr und Buße – besonders im Hinblick auf die praktische Lebensführung.
Damit entspricht die Liturgie unserem Bedürfnis nach konkreten Weisungen;
sie legt aber auch den Finger auf so manche wunde Stelle.

In der ersten Lesung (Exodus 3,1-15) haben wir von Mose gehört.
In der Wüste macht er eine Gotteserfahrung.
Mose begegnet dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs: Dem Gott, der den Vätern Land und Nachkommenschaft verheißen hatte.
Mose erkennt den Widerspruch zwischen Verheißung und der aktuellen Not der Hebräer in Ägypten.
Und Mose erhält einen Auftrag. Denn Jahwe hat beschlossen, sein Volk aus der Gewalt Ägyptens zu erretten und es herauszuführen in ein gutes und weites Land.
Und dieser Gott nennt auch noch seinen Namen: Jahwe.
Auf Deutsch: Ich bin der, ich bin für euch da.
Mit diesem Namen sagt Gott ein Zweifaches von sich:
Zum einen: „Ich bin über jeden Namen hinaus, und ich kann nicht mit einem Begriff von euch begriffen werden.“
Zum anderen: „Ihr werdet mich in dem erkennen, was ich für euch tun werde. Die Geschichte ist es, in der ich mich offenbaren werde. Und ihr werdet mich in meinem Handeln in der Geschichte erkennen. Z. B. in diesen Tagen und Wochen und Monaten und Jahren in Amerika, in Irland und in Deutschland, da ich die Decke der sündhaften Verdrängung und Vertuschung von der ganzen Kirche wegreiße, um meine Kirche, mein heiliges Volk, zu läutern und zu reinigen und zu erneuern.
Und dabei bediene ich mich der Medien und der manchmal irrationalen und schizophrenen Gesellschaft.
Und bei diesem Werk der Erneuerung habe ich bei meinen Priestern und Ordensleuten begonnen.“

Auf der ganzen Welt und vor der ganzen Welt bekennt heute die Kirche im Tagesgebet: „Gott, unser Vater, du bist der Quell des Erbarmens und der Güte, wir stehen als Sünder vor dir, und unser Gewissen klagt uns an.“
Wir bitten aber auch: „Laß uns Vergebung finden durch Fasten, Gebet und Werke der Liebe.“

Zweite Lesung (1 Kor 10,1-6.10-12)

Bei den Eucharistiefeiern in Korinth scheint es Probleme und Mißständen gegeben zu haben.
Paulus erinnert die Gemeinde an die Ereignisse im Zusammenhang mit dem Durchzug durch das Rote Meer und der Wüstenwanderung der Vor-Väter.
Das Meer erinnert an die Wasser der Taufe.
Die Wolke ist ein Hinweis auf den Heiligen Geist.
Und das Verhältnis des Volkes zu Mose ist ähnlich wie das Verhältnis der Christen zu Christus.
Paulus will sagen: in diesen Ereignissen aus der Zeit des Alten Testamentes waren Christus und der Heilige Geist am Werk.
Paulus erinnert an das Manna und an das Wasser, das aus dem Felsen hervorquoll.
Er spricht von einer geistlichen Speise und von einem geistlichen Trank und davon, dass Christus dieser Felsen war.
Im Manna und im Wasser sieht er die Eucharistie, so wie er im Durchzug durch das Rote Meer die Taufe gesehen hat.
So wie Christus jetzt die Eucharistie darreicht, so hatte er damals den Hebräern in der Wüste Manna und Wasser gereicht.
Und Paulus erinnert an ein weiteres Ereignis: die Bestrafung Israels in der Wüste. Auch das ist für Paulus ein Vor-Bild, und zwar für die Drohungen, die über der Gemeinde zu Korinth liegen.
Es heißt: „Gott aber hatte an den meisten von ihnen kein Gefallen; denn er ließ sie in der Wüste umkommen.“ Und als innere Begründung heißt es: weil sie sich von der Gier beherrschen ließen.

Was ist damit gemeint?
Obwohl Israel schon in der Wüste so etwas wie Sakramente hatte, ließ es sich dennoch von der Gier beherrschen.
Israel hatte vor dem Anspruch des Sakramentes versagt und gemurrt und wurde deswegen bestraft.
Selbst die vorweggenommene Gegenwart Christi im Alten Bund hat die Vor-Väter nicht vor der Bestrafung bewahrt.
Und genau das wirft Paulus den Korinthern vor und stellt ihnen das Gericht vor Augen:
Wenn die Korinther vor dem Anspruch der Eucharistie versagen und murren, dann werden sie bestraft werden, wie ihre Väter damals in der Wüste.
Was bedeutet das für uns?
Weder Taufe noch Eucharistie können uns das Heil garantieren.
Die Sakramente garantieren nicht das Heil – wenn dem sakramentalen Gnadenangebot Gottes nicht die Freiheit des Empfängers entspricht.
Da gibt es keine Magie und kein Automatismus. Alles bleibt Sache einer freien Begegnung zwischen zwei freien Personen: der Person Gottes und der Person des Empfängers.

In Deutschland haben wir ein Heer von getauften und gefirmten „Heiden“: Menschen, die mit kirchlicher Gutheißung ein sakramentales Ritual durchlaufen haben, aber nicht missioniert und nicht evangelisiert worden sind. Erstkommunion als kindliche Probe für die spätere Hochzeitsfeier und Firmung als religiös aufgemotzte Jugendfeier und als das große Abschiedsfest von der Kirche.
Wenn wir die Sakramente vom Glauben und von einer entsprechenden sittlichen Lebensführung trennen, dann fallen wir zurück in die Mentalität des Wüstenzuges und wir würden denselben Misserfolg erleben, den die Hebräer erlebten.
Hoffentlich liegen am Weg der Geschichte keine Christen, hingerafft wie einst die Hebräer, weil sie die Sakramente zwar empfangen haben, sie aber nicht in ihrem Leben haben wirksam werden lassen.
Das Handeln Gottes ist niemals eine Versicherung.
Und das Heil, das er uns anbietet, ist niemals etwas Automatisches.
Es genügt nicht, die Zeichen seiner Gnade zu empfangen.
Gott fordert von uns auch die personale Antwort des Glaubens und eine ständige Bekehrung und eine entsprechende Lebensführung.
Das machen wir uns bewußt, wenn wir in der Osternacht unser Tauf-Versprechen erneuern.
Das Sakrament ist kein Schlußpunkt, sondern Ausgangspunkt und Anspruch.

Zum Evangelium (Lk 13,1-9)

Im Evangelium knüpft Jesus an zwei zufällige, aber aktuelle Neuigkeiten an.
Er bezieht sich auf zwei – sagen wir – Zeitungsmeldungen:
die Brutalität des römischen Statthalters, der ein Blutbad anrichtete,
und ein Bauunglück, bei dem 18 Menschen umkamen.
Es waren keine Sünder, die ihre sog. gerechte Strafe erlitten.
Sondern Pilger werden beim Opfern im Tempel niedergemacht und unschuldige Bauarbeiter kamen zu Tode – und Gott schweigt. Der Grund der katastrophalen Vorfälle liegt nicht in einer außerordentlichen, persönlichen Schuld der Betroffenen.
Sondern: das sind zunächst mal vorzeitige und plötzliche Todesfälle, die sich bei der Niederwerfung eines Aufstandes und bei einem Bauunglück ereigneten.
Zufällig wurden diese Menschen vom Tod überrascht.
Es hätte auch andere treffen können.
Und Jesus nimmt nun diese zufälligen Ereignisse, diese Neuigkeiten her und kommentiert sie: „Wenn ihr euch nicht bekehrt, werdet ihr alle genauso umkommen.“

Vielleicht hätte Jesus heute auf den Tsunami oder auf das Erdbeben in Haiti oder auf einen Verkehrsunfall auf der A 96 hingewiesen und kommentiert: „Wenn ihr euch nicht bekehrt, werdet ihr alle genauso umkommen.“
Durch diese Sicht Jesu werden diese Ereignisse zu Zeichen.
Jesus sagt: Mit dem Gericht Gottes wird es genau so sein: es wird plötzlich über alle hereinbrechen, die es am wenigsten erwarten.
Bekehrung, Buße: das bedeutet ganz praktisch: im Lukas-Evangelium: Vergib all jenen, denen du etwas vorzuwerfen hast – solange es noch Zeit dazu ist.
Unmittelbar vor dem heutigen Evangeliums-Abschnitt ruft Jesus zur Versöhnung mit dem Gegner auf.
Darum beten wir heute im Gabengebet, Gott möge uns die Kraft schenken, einander zu vergeben, wenn wir schuldig geworden sind.
Wenn ihr euch nicht bekehrt. – Das ist keine Aufforderung, sich noch schnell für den Abflug ins Jenseits zurecht zu machen und sich passend herzurichten.
Bekehrung, Buße: das bedeutet auch: erstnehmen, dass wir an ein Ende kommen werden, es kann auch mal plötzlich sein.
Wenn ihr euch nicht bekehrt. – Das ist der generelle Aufruf zur Umkehr. Jeder ist angesprochen. Entzieht er sich, dann wird ihn die Katastrophe des Gerichtes ereilen.

Frage: Sind wir fähig, so wie Jesus, die innerweltlichen Ereignisse unserer Zeit ebenso als Zeichen zu deuten: nämlich als Aufrufe zur Umkehr?

Dann bringt Jesus ein Gleichnis. Der Feigenbaum ist unfruchtbar und entzieht den Weinstöcken auch noch die Nährstoffe.
Der Herr des Weinberges trifft eigentlich eine sinnvolle Entscheidung.
Ungewöhnlich ist die Bitte des Weingärtners: Er will einen letzten Versuch machen, um den Feigenbaum vor der Vernichtung zu bewahren.
Aber auch er ist seiner Sache nicht sicher.
Sollte der letzte Versuch fehlschlagen, dann ist das Schicksal des unfruchtbaren Feigenbaums besiegelt.

An dieser Stelle nimmt das Gleichnis noch eine ganz andere Bedeutung an:
Jesus Christus handelt wie der Weingärtner. Jesus tritt für die letzte Frist ein. Und wir erhalten diese.
Auch eine lange, unfruchtbare Vergangenheit hindert Gott nicht, dem Feigenbaum eine Chance zu geben.
Es ist die Barmherzigkeit des himmlischen Vaters, von der gerade das Lukas-Evangelium ein so starkes Zeugnis ablegt.
Gott kann unsere antwortende Liebe nicht erzwingen.
Er wartet darauf, bis wir fähig werden, in Freiheit unsere Antwort der Liebe zu geben.
Und Gott gibt uns die Kraft, in dieser vergänglichen Welt das unvergängliche Heil zu wirken (vgl. Präfation für die Fastenzeit II)
Gott sei Dank!

Dienstag, 21. Juli 2009

Heiliger Geist, komm und entzünde uns, aber verbrenne uns nicht!

Predigt im Konventamt in der Klosterkirche St. Ottilien
Pfingstsonntag, 31. Mai 2009
Pater Willibrord Driever OSB

Eine Spannung liegt in den Lesungen und Gebeten und Gesängen der heutigen Liturgie. Die Spannung von Bitte und Erfüllung.

einerseits: Wir beten um die Sendung des Heiligen Geistes:
1. im Tagesgebet: Erfülle die ganze Welt mit den Gaben des Heiligen Geistes.
2. im Graduale: Emitte Spiritum tuum: Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu.
3. Sequenz: Komm herab, o Heil'ger Geist... (GL 244)
4. Ruf vor dem Evangelium: Veni Sancte Spiritus: Komm, Heiliger Geist, und erfülle die Herzen deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.
5. im Gabengebet: Allmächtiger Gott, erfülle die Verheißung deines Sohnes: Sende uns deinen Geist, damit er uns in die volle Wahrheit einführt.

Andererseits: In den Lesungen und im Evangelium hörten wir vom Kommen des Heiligen Geistes und von seinem Wirken.

1. die Lesung aus der Apostelgeschichte berichtet das Pfingstereignis,
2. die Lesung aus dem Korintherbrief beschreibt, wie der Geist Christi die Vielheit der Gaben und Dienste bewirkt und wie er die Einheit des Glaubens und des Bekenntnisses schafft,
3. das Evangelium verkündet, wie der auferstandene Herr am Ostertag den Geist schenkt. Der Ostergruß des Auferstandenen heißt "Friede".
Seine Ostergabe ist der Heilige Geist.

Die Spannung von Bitte und Erfüllung.
Die Bitte um die Gabe des Geistes und die Erfüllung der Bitte in der geschehenen Gabe. Dies in der Liturgie. – Aber nicht nur dort.

Sondern auch in unserem Leben.
Wir sind alle getauft. In der Taufe hat Gott uns seinen Heiligen Geist geschenkt.
Er hat uns die Gaben von Glaube, Hoffnung und Liebe geschenkt.
Er hat uns die heiligmachende Gnade geschenkt.

Aber wir erfahren den Heiligen Geist und sein Feuer so selten in unserem Leben.
Warum?

1. Vielleicht, weil wir sein Wirken in unserem Leben nicht erkennen.

Im Credo bekennen wir jeden Sonntag: Ich glaube an den Heiligen Geist. - Was heißt das denn? Wir können das mal durchbuchstabieren:
Ich glaube an den Heiligen Geist, das heißt: Ich glaube,
- daß er meine Vorurteile abbauen kann,
- daß er meine schlechten, eingefahrenen Gewohnheiten ändern kann,
- daß er meine Gleichgültigkeit und Trägheit und Menschenfurcht überwinden kann,
- daß er mir Phantasie zu einer liebevollen Lebensführung geben kann,
- daß er mich vor dem Bösen warnen kann,
- daß er mir Mut zum Guten geben kann,
- daß er meine selbstbezogene und unfruchtbare Traurigkeit überwinden kann,
- daß er mir Liebe zum Wort Gottes geben kann,
- daß er mir meine Minderwertigkeitsgefühle und meine Allmachtsphantasien nehmen kann,
- daß er meine Aggressionen bzw. Depressionen erhellen und verwandeln kann,
- daß er mir einen verständnisvollen Menschen an die Seite geben kann,
- daß er mein Wesen durchdringen kann.

Das wäre die Richtung für ein Leben im Heiligen Geist.
Wie schaut das praktisch aus: ein Leben im Wirkungsbereich des Heiligen Geistes?

Das könnte bedeuten:

• Müde sein - und doch andere aufmuntern.
• Sich verlassen fühlen - und doch andere zum Lächeln bringen.
• Selber Fragen haben - und sich Ratsuchenden doch nicht verweigern.
• Gehetzt sein - und doch andere nicht mit Ausreden abwimmeln.
• Schmerzen haben - und doch anderen gegenüber Geduld aufbringen.
• Belastet sein - und doch anderen tragen helfen.
• Nach einem Ausweg tasten - und doch die Hand eines anderen nicht loslassen.
• Manches entbehren - und doch anderen nichts missgönnen.
• Enttäuscht sein - und doch anderen ein Stück Hoffnung vorleben.
• Sich ausgebrannt vorkommen - und doch anderen helfen Sinn zu finden.
• Betend selber ohne Antwort bleiben - und doch anderen den Glauben erlebbar machen.
• Mit Ärger angefüllt sein - und doch den Gruß des anderen erwidern.
• Enttäuscht sein - und doch die Fehler anderer nicht an die große Glocke hängen.
• Keinen Dank bekommen - und doch für andere da sein.

Vielleicht hast du entdeckt, wo du schon im Wirkungsbereich des Heiligen Geistes lebst.

Der Geist ist in dir. Er ist schon da,

  • wo dein Leben pulsiert,
  • wo deine Wünsche entspringen,
  • wo deine Sehnsüchte zu strömen beginnen,
  • wo die Funken deiner Liebe sprühen,
  • wo du im Namen Jesu und in der Kraft des Heiligen Geistes Vergebung schenkst,
  • wo du einen neuen Anfang wagst,
  • wo deine neuen Gedanken aufbrechen,
  • wo du deinen Mut zu neuen Begegnungen sammelst,
  • wo dir die Kräfte zu neuen Aufgaben zuwachsen,
  • wo die Freude in dein Wesen tropft,
  • wo du es wagst, du selbst zu sein.

Da ist Gottes Geist in deinem Leben.

2. Oder wir spüren den Heiligen Geist deswegen nicht in unserem Leben, weil wir ihn nicht haben wollen.
Wir beten zwar: Komm, Schöpfer Geist – fürchten uns aber vor der göttlichen Unruhe.
Wir beten zwar: Entzünde die Herzen deiner Gläubigen – und wir fürchten uns dann, von ihm in Brand gesetzt zu werden und daß so manches in unserem Leben in seinem Feuer nicht bestehen könnte. Wir halten ihn auf Sparflamme.

Dann hätten wir nicht begriffen, wer der Heilige Geist ist und wie er wirkt.

Es ist der Geist,
• der über dem Urchaos schwebte und Ordnung schaffte,
• der auf Maria herabkam,
• der auf Jesus bei seiner Taufe herabkam,
• der auf die im Abendmahlssaal versammelten Frauen und Jünger herabkam,
• und den wir in jeder Eucharistiefeier auf die Gaben von Brot und Wein --- und auf uns herabrufen.

Es ist der gute Geist Gottes. - Dieser Geist möchte auch in mir und in Dir zur Grundmelodie und zum Hauptmotiv des Lebens werden.

Dabei geht es weder um besondere, rauschhafte Augenblicke, in denen der Heilige Geist in außergewöhnlicher Weise erfahren wird; noch um einen stimmungsvollen Gottesdienst am Pfingstfest.

Sondern es geht um die Gestaltung unseres normalen, alltäglichen Lebens aus der Taufgnade. Das ist der Heilige Geist, der uns gegeben ist.
Das ist Spiritualität: Gestaltung unseres Lebens aus dieser Kraft der Taufgnade.
Aus der Kraft der Taufgnade unser Leben gestalten und die Widrigkeiten des Alltags annehmen und bewältigen.

Die Spannung von Bitte um die Gabe und bereits geschenkte Gabe.

Die Bitte um den Heiligen Geist bedeutet nicht, daß wir ihn nicht schon besäßen.
Sondern dies ist die Bitte um Freisetzung des in der Taufe empfangenen Heiligen Geistes und seiner Gaben in uns, und es ist unsere Entscheidung dazuhin.

Der Heilige Geist ist nicht aufdringlich, er überfällt uns nicht und zwingt uns nicht, wie andere Geister. Der Heilige Geist will gebeten und eingeladen sein.
Und dann wird er sanfte und beharrliche Impulse geben.

Und woher kommt dieser Geist?
An jedem Karfreitag hören wir in der Liturgie die Passion nach Johannes.
Als Jesus am Kreuz erhöht war und von dem Essig genommen hatte, sprach er:
Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt - und er gab den Geist:
er schenkte den Geist als Gabe in die Welt hinein!
Vom Kreuz herab wurde der Geist in die Welt hinein entbunden.
Heute, am 50. Ostertag, hören wir wieder das Evangelium nach Johannes.
Am Ostertag, am Abend des ersten Tages der Woche, sagt der erhöhte Herr: Empfangt den Heiligen Geist.

Nochmal: Woher kommt dieser Geist?
  • Aus dem Geheimnis von Tod und Auferstehung des Herrn.
  • Aus der Feier der Eucharistie.
  • Und aus dem Empfang der eucharistischen Gaben.

Sende uns deinen Geist, damit er uns in die volle Wahrheit einführt und uns das Geheimnis dieses Opfers immer mehr erschließt.