Vollkommene Hingabe und österliche Bußzeit
Die vollkommene Hingabe
Der hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort hat "den Christen die Weihe an Christus durch die Hände Marias als wirksames Mittel" empfohlen, "um die Taufverpflichtung treu zu leben." (Hl. Papst Johannes Paul II., Enzyklika Redemtoris Mater, 25. März 1987 (Über die selige Jungfrau Maria im Leben der pilgernden Kirche).
Unsere Taufverpflichtung folgt aus der Taufgnade, und unsere Taufgnade wurzelt im österlichen Mysterium.
Auf der Grundlage der Schrift des Hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort (Das Goldene Buch) sind zwei Hilfen erschienen:
1.) 33 Schritte. Mit Maria zu Jesus! Vorbereitungsheft. Lebensübergabe an Christus durch die Hände Mariens.
2.) Weihe an die Allerheiligste Dreifaltigkeit durch das Unbefleckte Herz Mariens. Texte zur Vorbereitung.
Vor Jahren habe ich diese Weihe vollzogen und auch im Zusammenhang mit den großen Festen erneuert (25. März und 8. Dezember). Dabei hatte ich schon immer den Eindruck, diese geistliche Übung sei nicht so recht mit dem liturgischen Rahmen verbunden.
Beide Entscheidungen (die Entscheidung für die Erneuerung unseres Taufversprechens und die Entscheidung für die Weihe bzw. ihre Erneuerung) brauchen eine Zeit der Vorbereitung.
Die Fastenzeit als eine Zeit der Vorbereitung
Zur Eröffnung der Liturgie des Palmsonntages begrüßt der Priester die Gemeinde mit den Worten: "In den Tagen der Fastenzeit haben wir uns auf Ostern vorbereitet; wir haben uns bemüht um die Bekehrung unseres Herzens und um tätige Nächstenliebe."
In der Ostervigil werden wir das Taufversprechen erneuern.
Vor der Erneuerung des Taufversprechens (innerhalb der Feier der Osternacht) sagt der Priester:
"Wir alles sind einst durch das österliche Geheimnis der Taufe mit Christus begraben worden, damit wir mit ihm auferstehen zu einem neuen Leben. Nach den vierzig Tagen der Fastenzeit, in denen wir uns auf Ostern vorbereitet haben, wollen wir darum das Taufversprechen erneuern, mit dem wir einst dem Satan abgeschworen und Gott versprochen haben, ihm, unserem Herrn, in der heiligen katholischen Kirche zu dienen."
Die Vorbereitung der Weihe
Hier folgt die Struktur der Vorbereitung und Weihe:
Erste Woche - "Weihe unseres Leibes" bzw. "Eine Woche in Nazaret"
Zweite Woche - "Weihe unseres inneren Seins" bzw. "Eine Woche im Schoß des Vaters"
Dritte Woche - "Weihe unseres inneren Seins" bzw. "Eine Woche im Herzen Jesu"
Vierte Woche - "Weihe unserer Lebensbereiche" bzw. "Eine Woche im Schatten des Heiligen Geistes"
Fünfte Woche - Weihe an die Heiligste Dreifaltigkeit" bzw. "Eine Woche im Herzen der Dreifaltigkeit"
Die Verbindung
Die Österliche Bußzeit besteht aus fünf Wochen (danach folgt die Karwoche). So kann man schön die vier Wochen der Vorbereitung auf die 1. bis 4. Woche der Fastenzeit und die 5 Tage der Weihe auf die 5. Woche der Fastenzeit verteilen, so daß man sich ganz auf die Feier der Karwoche einlassen kann.
So lässt sich die Vorbereitung auf die Weihe sehr schön mit der Österlichen Bußzeit verbinden. Und zwar aus drei Gründen:
1.) weil die Fastenzeit neben Werken der Buße und der Nächstenliebe besonders auch eine Zeit des vermehrten Gebetes ist;
2.) weil die Fastenzeit eine Zeit der Vorbereitung auf Ostern ist. "Hilf uns, die vierzig Tage der Buße in rechter Gesinnung zu begehen, damit wir das heilige Osterfest mit geläutertem Herzen feiern." (Gebet bei der Segnung und Austeilung der Asche am Aschermittwoch.)
3.) weil sowohl die Struktur der Weihe-Vorbereitung wie auch die Struktur der Fastenzeit in wunderbarer Weise zeitlich und sachlich harmonieren.
Das Ziel
Wir wollen besser und tiefer aus der Kraft der Taufgnade unsere Taufverpflichtung leben und erfüllen. Nicht mehr und nicht weniger. Der Katechismus der Katholischen Kirche sagt es mit diesen Worten: Gott hat uns erschaffen, damit an seinem glückseligen Leben teilhaben. Er ruft uns und hilft uns, ihn zu erkennen und ihn mit all unseren Kräften zu lieben. In Christus und durch ihn beruft er die Menschen, im Heiligen Geist seine Kinder zu werden und sein glückselige Lebe zu erben (vgl. KKK 1).
Posts mit dem Label Taufversprechen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Taufversprechen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Montag, 18. März 2019
Sonntag, 18. Februar 2018
Predigt zum Ersten Fastensonntag
Erster Fastensonntag
(18.1.2018, Konventamt St. Ottlien)
P. Willibrord Driever
Am Aschermittwoch haben
wir die Fastenzeit begonnen.
Sie heißt eigentlich
„österliche Bußzeit“.
Damit wird ein
wichtiger Akzent gesetzt und die Richtung angezeigt.
Wie auf einem Pilgerweg
bewegen wir uns in Richtung Ostern.
Das Ostergeheimnis ist
die Feier von Tod und Auferstehung des Herrn.
Dieses Ostergeheimnis
ist die Mitte unseres Glaubens.
Es gibt eine
Liturgiefeier, in der wir die Stationen von Tod und Auferstehung des Herrn
feiern.
Es ist ein
Gottesdienst, der sich über drei Tage erstreckt.
Diese eine
Liturgiefeier beginnt mit der Feier vom Abendmahl am Gründonnerstag, geht über
den Karfreitag und kommt zur Hochform in der Feier der Ostervigil, der Feier
der Osternacht.
In den ersten
Jahrhunderten der Kirchengeschichte war die Ostervigil der Termin für die Taufe
schlechthin.
Eine Erinnerung an
diese alte Praxis ist die Erneuerung des Taufversprechens in der Ostervigil.
Diese Erneuerung des
Taufversprechens hat zwei Teile oder zwei Dimensionen:
1)
Die dreifache
Absage:
an den Satan, um
in der Freiheit der Kinder Gottes leben zu können.
Die Absage an
seiner Bosheit, damit es nicht Macht über uns gewinnt.
Und die Absage
an seine Verlockungen zur Sünde.
Und wir antworten:
ICH widersage
2)
Und der zweite
Teil oder die zweite Dimension:
Das dreifache
Glaubensbekenntnis an den dreifaltigen Gott.
Und wir
antworten: ICH glaube.
So ist es auch bei der
Taufe.
Wahrscheinlich wurden
wir alle als Kinder getauft, damals hatten unsere Eltern an unserer Stelle das
Taufversprechen abgelegt.
In der Ostervigil haben
wir die Möglichkeit, dieses Versprechen ganz persönlich nachzuholen.
In der Präfation für
die Fastenzeit heißt es:
„Du mahnst uns in dieser Zeit der Buße zum Gebet und zu Werken der Liebe,
„Du mahnst uns in dieser Zeit der Buße zum Gebet und zu Werken der Liebe,
du rufst uns zur Feier
der Geheimnisse, die in uns die Gnade der Kindschaft erneuern.“
Welche Kindschaft? --- Unsere
Gotteskindschaft!
Und die österliche
Bußzeit mit ihren Sonntagen und den Lesungen will uns eine Hilfe sein, bei
unserer Vorbereitung auf die Erneuerung unseres Taufversprechens.
Die Erste Lesung aus
dem AT, aus dem Buch Genesis:
Erzählt von den
verheerenden Folgen der Sintflut und von dem Bundesschluss.
Nach der Sintflut hat
Gott mit Noach und mit der ganzen Menschheit einen Bund geschlossen.
Gottes Bund mit Noach
eröffnet den Menschen eine neue Zukunft.
Die zweite Lesung aus
dem NT, aus dem 1. Petrusbrief:
Petrus spricht von der
Taufe als dem Gegenbild der Sintflut.
Die Rettung durch die Flut
hindurch wurde Sinnbild für die Taufe.
So wie in der Sintflut
die Bosheit vernichtet wurde,
so schenkt die Taufe
das göttliche Leben, die Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe, sie schenkt den
Heiligen Geist.
Die Taufe orientiert
uns auf Christus hin und befähigt uns zu einem Christus-gemäßen Leben.
Im Evangelium hat
Christus dies bestätigt und hat zwei Realitäten angesagt:
1)
die Zeit ist
erfüllt,
2)
das Reich Gottes
ist da.
Und er hat dann zwei
Einladungen ausgesprochen oder zwei Forderungen gestellt:
1)
glaubt dieser
guten Nachricht
2)
und ändert
entsprechend euer Leben.
Dabei wird es an
Versuchungen nicht fehlen.
Aber Christus macht die
teuflische List des Versuchers zunichte
und lässt uns die
Bosheit des Feindes durchschauen.
Darum bitten wir am Schluss
der Heiligen Messe: Stärke uns mit jedem guten Wort, das aus deinem Mund
hervorgeht.
Es ist immer das selbe,
und eigentlich ganz einfach – in der
Sache, nicht in ihrer Realisierung: es geht nämlich immer um: Nachfolge Jesu
oder christliche Existenz oder christus-gemäßes Leben – nennen Sie es, wie sie
wollen.
Es ist ein Leben aus
der Taufgnade. Dazu hat Gott schon alles gegeben: die heilig-machende Gnade;
sie befähigt uns zu einem christlichen Leben.
Zwei Beispiele:
·
Die sakramentale
Ehe ist nur zwischen zwei Getauften möglich.
·
Die monastische
Profess kann nur von einem Getauften abgelegt werden.
Aber wir haben dieses
Geschenk der Taufgnade noch nicht angenommen,
Wir haben den Taufbund
noch nicht persönlich ratifiziert.
oder bildlich: wir
haben das Geschenk noch nicht ausgepackt.
Und darum kann der
Heilige Geist in uns noch nicht so richtig wirken.
Er manipuliert uns
nicht. Er wartet auf unsere Zustimmung, auf unsere Einladung.
Eine solche bewusste
Entscheidung für die Taufe können wir setzen durch die Tauferneuerung.
Und dazu lädt die
Kirche uns ein
-
in der
Ostervigil
-
und jetzt in
dieser Vorbereitungszeit der österlichen Bußzeit.
Wiederum aus der Präfation
von der Fastenzeit:
„Denn jedes Jahr
schenkst du, Gott, deinen Gläubigen die Gnade, das Osterfest in der Freude des
Heiligen Geistes zu erwarten.“
Gehen wir diesen österlichen
Pilgerweg in der Freude des Heiligen Geistes auf das diesjährige Osterfest zu.
Donnerstag, 4. März 2010
Missbrauch: Skandal und Erneuerung
Predigt
von Pater Willibrord Driever OSB,
Missionsbenediktiner in St. Ottilien,
in den Eucharistiefeiern am Zweiten Fastensonntag
(Pfarrkirche St. Michael in Abtsgmünd, 27./28. Februar 2010)
Liebe Brüder und Schwestern!
1. Wenn Sie in diesen Tagen aufmerksam die Tagesschau gesehen haben, dann haben Sie eine Vorstellung von dem Kloster, zu dem ich gehöre und aus dem ich komme: St. Ottilien ist in die Schlagzeilen geraten.
Nicht nur Amerika, nicht nur Irland, nicht nur die Jesuiten in Berlin…, jetzt auch die Benediktiner in Bayern.
Und ich glaube: das ist noch lange nicht das Ende, wir haben noch lange nicht den Abgrund erreicht, es kommt noch schlimmer.
2. Wir können uns dem Phänomen des Missbrauchs unter verschiedenen Aspekten nähern: moraltheologisch, juristisch, aber auch statistisch. Ich möchte Ihnen einige objektive Daten nennen.
Jährlich ca. 19.000 polizeilich gemeldete Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern. 2/3 im sog. sozialen Nah-Raum (Verwandte, Bekannte, Familie, oft durch Vater oder älteren Bruder). SPIEGEL: Knapp 100 Verdachtsfälle von Kindesmißbrauch in katholischen Einrichtungen Deutschlands seit 1995 hat der SPIEGEL zusammengezählt. Der Anteil katholischer Priester und Mitarbeiter (60.000) an der männlichen deutschen Bevölkerung über 21 Jahre (33 Millionen) beträgt knapp zwei Prozent. Verrechnet man die ihnen angelasteten Fälle von Kindesmißbrauch (100) mit den 210.000 deutschlandweit polizeilich gemeldeten Übergriffen seit 1995, beträgt der Anteil der katholischen Täter ganze 0,05 Prozent. Der durchschnittliche deutsche Mann wird mit 36-mal-größerer Wahrscheinlichkeit übergriffig als der katholische Priester.
Allein in Berlin wohnen etwa 10.000 Personen, denen Sexualdelikte aller Art vorgeworfen wurden. Sie machen 0,3 Prozent der Berliner Bevölkerung aus; das bedeutet, dass statistisch ein Angezeigter Sexualstraftäter auf 340 Bürger kommt. Und bei den Angezeigten handelt es sich nicht um Priester.
Soweit die Fakten. Diese statistischen Bemerkungen sollen nicht das Phänomen des Missbrauchs in der Kirche bagatellisieren, sondern nur kontextualisieren.
3. Die Kirche wurde immer geprüft, von außen und von innen. Die härtesten und demütigendsten Prüfungen der Kirche sind immer die, welche aus ihrem Inneren hervorgehen, und das insbesondere dann, wenn einige Männer der Kirche, die durch die Weihe in einen besonderen Dienst hineingenommen sind, in verdammenswerte Handlungen verwickelt sind.
Durch die (global betrachtet) millionenfachen Übergriffe werden Kinderseelen gemordet, wird entsetzliches Leid angerichtet. Das ist besonders schlimm, wenn Priester daran beteiligt sind.
Die Stürme, die die Kirche wegen der Sünden ihrer Mitglieder heimsuchen, können Angst machen. Die schlimmsten Stürme sind die, die den Gläubigen ans Herz gehen, die den Gläubigen den Glauben rauben und die das Vertrauen in Gott untergraben, die die Gläubigen aus der Kirche hinaustreiben.
4. Schauen wir noch einmal in unsere säkulare Umwelt: Angeblich will der Gesetzgeber durch seine Gesetzgebung seit Jahren das Leben schützen; tatsächlich aber wird die Abtreibung immer mehr vereinfacht, und die Zahlen der Abtreibungen nehmen zu. Die Produktion und der Konsum von Pornographie ist legalisiert. Der schulische Aufklärungsunterricht ist mehr eine Verführung zur Unkeuschheit als eine Hilfe, mit der gottgeschenkten Gabe der menschlichen Geschlechtlichkeit in einer menschenwürdigen Weise umzugehen. Das, was Gott Sünde nennt, wird in der Gesellschaft als lebenswert propagiert. Und gleichzeitig entrüstet sich diese Gesellschaft über die Sünden der Priester, die in viel größerem Umfang von Nicht-Priestern begangen wird.
5. Ich bin überzeugt, dass in diesen Wochen viele Katholiken sagen: „Das soll die heilige Kirche sein?!“ – „Mit diesem verrotteten Haufen will ich nichts zu tun haben, ich nehme jetzt endgültig meinen Abschied.“ Das erinnert mich irgendwie an die Pharisäer.
Ich möchte dann fragen: Was suchst du denn? Suchst du eine Kirche der moralisch Perfekten, der Super-Christen? Wo sollte diese Kirche denn sein? Bist du denn moralisch so perfekt, bist du denn ein solcher Super-Christ, dass du in eine solche Kirche hineingehören würdest? Und wenn es eine solche Kirche gäbe: Glaubst du, du würdest da aufgenommen werden?
5. Und die Heiligkeit der Kirche besteht nicht in der moralischen Perfektion ihrer Mitglieder bzw. ihrer Amtsträger. Die Kirche ist nicht deswegen heilig, weil ihre Mitglieder so anständig wären. Heiligkeit der Kirche bedeutet: daß Gott den Menschen in der Taufe heiligt. In der Taufe schenkt Gott dem Menschen seine heiligmachende Gnade (Gnade der Rechtfertigung), indem Gott dem Täufling seine Heiligkeit eingießt, gratis, und ihn solchermaßen heiligt. Die Getauften sind also die durch die Heiligkeit Gottes Geheiligten und als solche bilden sie die Kirche, und das ist die Heiligkeit der Kirche. Das ist die Taufgnade. Und damit ist auch eine Aufgabe gegeben: die Berufung, das ganz normale christliche Leben zu gestalten nach den Weisungen des Evangeliums in den Bereichen, wo Gott sie hingestellt hat. Aber eben aus der Kraft der Taufgnade.
6. Ausgerechnet im Priester-Jahr brechen diese Skandale auf. Hier leuchten mehrere Geheimnisse auf: Das Geheimnis Gottes. Gott erwählt nach seinem Ratschluß, nicht nach äußerem Augenschein oder nach dem, was wir für würdig erachten.
Krasser kann uns das Mysterium des Priestertums nicht vor Augen geführt werden: Gott beruft nicht nach Würdigkeit, sondern gemäß seiner Erwählung. Und das ist Sein Geheimnis. JEDER von Gott zum Priestertum berufene Mann ist unwürdig, es ist Gottes Geheimnis, warum er gerade diese Männer beruft.
Und noch etwas wird deutlich: das Geheimnis Jesu Christi. Der historische Jesus von Nazareth hatte, rein äußerlich betrachtet, auch nichts besonderes an sich. Darum taten sich die Jünger auch so schwer, das gott-menschliche Persongeheimnis Jesu zu begreifen. Im heutigen Evangelium von der Verklärung Jesu wird deutlich, dass in diesem Jesus von Nazareth noch mehr und Anderes ist: nämlich seine Göttlichkeit. Diese hat Gott den Augen der Jünger für einen kurzen Moment aufleuchten lassen.
Und das ist auch das Geheimnis der Kirche: sie hat eine Außen-Ansicht: Ämter, Menschen, Verwaltung, Organisation…, und eine Innen-Sicht: das ist der in der Kraft des Heiligen Geistes in der Kirche fortlebende Christus; das ist die in ihr aufbewahrte Gnade, die Gott der ganzen Menschheit durch die Kirche und ihre Mission und Evangelisierung zudienen will: kurz, ihre Heiligkeit.
Und wir alle verdunkeln durch unsere Sünden die Heiligkeit der Kirche, wir alle verdunkeln durch unsere Sünden das Erscheinungsbild der Kirche in der Welt. Wir müssen alle und immer an unsere Brust schlagen und Gott um Vergebung bitten.
Im Credo bekennen wir: Ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Dann sollen wir daran denken, was Heiligkeit bedeutet, und wir sollen Gott danken für die Gnade, zu dieser Kirche gehören zu dürfen.
7. Wir sind in der Fastenzeit, in der österlichen Buß-Zeit, wir gehen auf Ostern zu. DIE Feier von Ostern: das ist die Osternacht, in der wir das Wasser weihen und unser Taufversprechen erneuern. Das soll nicht wieder ein Ritus werden, der an uns vorbeirauscht und der vorüber ist, bevor wir recht begriffen haben, was wir da getan haben.
Bei unserer Taufe waren wir unmündig, damals haben unsere Eltern und Paten für uns den Glauben bekannt und das Taufversprechen abgelegt. In der Osternacht hast du die Gelegenheit, ganz persönlich dein Taufversprechen zu erneuern, zu ratifizieren, deine Unterschrift zu geben. Nur du, ohne Stellvertretung.
Das ist Übergabe deines Lebens an deinen Herrn. Das ist deine Erlaubnis an den Heiligen Geist, in die wirken zu dürfen. Dann kann Christus bzw. der Heilige Geist alle deine natürlichen Fähigkeiten von Selbstbezogenheit reinigen und läutern und in Dienst nehmen, dann brechen deine Charismen auf. Dann wird Kirche lebendig.
Dann begreifen auch die Eheleute, was Ehesakrament bedeutet: dann fangen sie an, gemeinsam zu beten, auch mit den Kindern. Dann werden die Familien zu dem, was das Konzil von den Familien gesagt hat: sie sind „Kirche im kleinen“. Dann werden auch die Familien zu den ersten Priesterseminaren.
Die Christen wünschen sich gute Priester. Wo sollen die denn her kommen? Die fallen doch nicht vom Himmel! Wo wird denn noch in den Gemeinden um Priesterberufe und um deren Heiligung gebetet? Die Berufungen müssen doch aus unseren Gemeinden hervorgehen, die können doch nicht immer von Indien oder aus Polen kommen!
Wir brauchen heilige Ehen, heilige Familien, in denen geistliche Berufungen von den Kindern erkannt werden können, wo die Jugendlichen auf ihrem Berufungsweg bestätigt, ermutigt werden.
8. Ich bin überzeugt: was wir in diesen Wochen erleben ist providentiell. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Gott am Werk ist. Gott ist dabei, seine Kirche zu erneuern. Und das geschieht durch Aufdeckung und Buße. Wie würde es in der Kirche weitergehen, wenn diese Fälle weder in Amerika noch in Irland noch in Deutschland aufgedeckt worden wären! Die Sünde würde weiter schwären am Leib der Kirche. Nun ist Gott dabei, die Decke der Verschwiegenheit von den Sünden runterzureißen; damit die Kirche sich bekehrt und erneuert. Gott erneuert seine Kirche. In diesem Sinne dürfen wir froh darum sein, was jetzt geschieht.
von Pater Willibrord Driever OSB,
Missionsbenediktiner in St. Ottilien,
in den Eucharistiefeiern am Zweiten Fastensonntag
(Pfarrkirche St. Michael in Abtsgmünd, 27./28. Februar 2010)
Liebe Brüder und Schwestern!
1. Wenn Sie in diesen Tagen aufmerksam die Tagesschau gesehen haben, dann haben Sie eine Vorstellung von dem Kloster, zu dem ich gehöre und aus dem ich komme: St. Ottilien ist in die Schlagzeilen geraten.
Nicht nur Amerika, nicht nur Irland, nicht nur die Jesuiten in Berlin…, jetzt auch die Benediktiner in Bayern.
Und ich glaube: das ist noch lange nicht das Ende, wir haben noch lange nicht den Abgrund erreicht, es kommt noch schlimmer.
2. Wir können uns dem Phänomen des Missbrauchs unter verschiedenen Aspekten nähern: moraltheologisch, juristisch, aber auch statistisch. Ich möchte Ihnen einige objektive Daten nennen.
Jährlich ca. 19.000 polizeilich gemeldete Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern. 2/3 im sog. sozialen Nah-Raum (Verwandte, Bekannte, Familie, oft durch Vater oder älteren Bruder). SPIEGEL: Knapp 100 Verdachtsfälle von Kindesmißbrauch in katholischen Einrichtungen Deutschlands seit 1995 hat der SPIEGEL zusammengezählt. Der Anteil katholischer Priester und Mitarbeiter (60.000) an der männlichen deutschen Bevölkerung über 21 Jahre (33 Millionen) beträgt knapp zwei Prozent. Verrechnet man die ihnen angelasteten Fälle von Kindesmißbrauch (100) mit den 210.000 deutschlandweit polizeilich gemeldeten Übergriffen seit 1995, beträgt der Anteil der katholischen Täter ganze 0,05 Prozent. Der durchschnittliche deutsche Mann wird mit 36-mal-größerer Wahrscheinlichkeit übergriffig als der katholische Priester.
Allein in Berlin wohnen etwa 10.000 Personen, denen Sexualdelikte aller Art vorgeworfen wurden. Sie machen 0,3 Prozent der Berliner Bevölkerung aus; das bedeutet, dass statistisch ein Angezeigter Sexualstraftäter auf 340 Bürger kommt. Und bei den Angezeigten handelt es sich nicht um Priester.
Soweit die Fakten. Diese statistischen Bemerkungen sollen nicht das Phänomen des Missbrauchs in der Kirche bagatellisieren, sondern nur kontextualisieren.
3. Die Kirche wurde immer geprüft, von außen und von innen. Die härtesten und demütigendsten Prüfungen der Kirche sind immer die, welche aus ihrem Inneren hervorgehen, und das insbesondere dann, wenn einige Männer der Kirche, die durch die Weihe in einen besonderen Dienst hineingenommen sind, in verdammenswerte Handlungen verwickelt sind.
Durch die (global betrachtet) millionenfachen Übergriffe werden Kinderseelen gemordet, wird entsetzliches Leid angerichtet. Das ist besonders schlimm, wenn Priester daran beteiligt sind.
Die Stürme, die die Kirche wegen der Sünden ihrer Mitglieder heimsuchen, können Angst machen. Die schlimmsten Stürme sind die, die den Gläubigen ans Herz gehen, die den Gläubigen den Glauben rauben und die das Vertrauen in Gott untergraben, die die Gläubigen aus der Kirche hinaustreiben.
4. Schauen wir noch einmal in unsere säkulare Umwelt: Angeblich will der Gesetzgeber durch seine Gesetzgebung seit Jahren das Leben schützen; tatsächlich aber wird die Abtreibung immer mehr vereinfacht, und die Zahlen der Abtreibungen nehmen zu. Die Produktion und der Konsum von Pornographie ist legalisiert. Der schulische Aufklärungsunterricht ist mehr eine Verführung zur Unkeuschheit als eine Hilfe, mit der gottgeschenkten Gabe der menschlichen Geschlechtlichkeit in einer menschenwürdigen Weise umzugehen. Das, was Gott Sünde nennt, wird in der Gesellschaft als lebenswert propagiert. Und gleichzeitig entrüstet sich diese Gesellschaft über die Sünden der Priester, die in viel größerem Umfang von Nicht-Priestern begangen wird.
5. Ich bin überzeugt, dass in diesen Wochen viele Katholiken sagen: „Das soll die heilige Kirche sein?!“ – „Mit diesem verrotteten Haufen will ich nichts zu tun haben, ich nehme jetzt endgültig meinen Abschied.“ Das erinnert mich irgendwie an die Pharisäer.
Ich möchte dann fragen: Was suchst du denn? Suchst du eine Kirche der moralisch Perfekten, der Super-Christen? Wo sollte diese Kirche denn sein? Bist du denn moralisch so perfekt, bist du denn ein solcher Super-Christ, dass du in eine solche Kirche hineingehören würdest? Und wenn es eine solche Kirche gäbe: Glaubst du, du würdest da aufgenommen werden?
5. Und die Heiligkeit der Kirche besteht nicht in der moralischen Perfektion ihrer Mitglieder bzw. ihrer Amtsträger. Die Kirche ist nicht deswegen heilig, weil ihre Mitglieder so anständig wären. Heiligkeit der Kirche bedeutet: daß Gott den Menschen in der Taufe heiligt. In der Taufe schenkt Gott dem Menschen seine heiligmachende Gnade (Gnade der Rechtfertigung), indem Gott dem Täufling seine Heiligkeit eingießt, gratis, und ihn solchermaßen heiligt. Die Getauften sind also die durch die Heiligkeit Gottes Geheiligten und als solche bilden sie die Kirche, und das ist die Heiligkeit der Kirche. Das ist die Taufgnade. Und damit ist auch eine Aufgabe gegeben: die Berufung, das ganz normale christliche Leben zu gestalten nach den Weisungen des Evangeliums in den Bereichen, wo Gott sie hingestellt hat. Aber eben aus der Kraft der Taufgnade.
6. Ausgerechnet im Priester-Jahr brechen diese Skandale auf. Hier leuchten mehrere Geheimnisse auf: Das Geheimnis Gottes. Gott erwählt nach seinem Ratschluß, nicht nach äußerem Augenschein oder nach dem, was wir für würdig erachten.
Krasser kann uns das Mysterium des Priestertums nicht vor Augen geführt werden: Gott beruft nicht nach Würdigkeit, sondern gemäß seiner Erwählung. Und das ist Sein Geheimnis. JEDER von Gott zum Priestertum berufene Mann ist unwürdig, es ist Gottes Geheimnis, warum er gerade diese Männer beruft.
Und noch etwas wird deutlich: das Geheimnis Jesu Christi. Der historische Jesus von Nazareth hatte, rein äußerlich betrachtet, auch nichts besonderes an sich. Darum taten sich die Jünger auch so schwer, das gott-menschliche Persongeheimnis Jesu zu begreifen. Im heutigen Evangelium von der Verklärung Jesu wird deutlich, dass in diesem Jesus von Nazareth noch mehr und Anderes ist: nämlich seine Göttlichkeit. Diese hat Gott den Augen der Jünger für einen kurzen Moment aufleuchten lassen.
Und das ist auch das Geheimnis der Kirche: sie hat eine Außen-Ansicht: Ämter, Menschen, Verwaltung, Organisation…, und eine Innen-Sicht: das ist der in der Kraft des Heiligen Geistes in der Kirche fortlebende Christus; das ist die in ihr aufbewahrte Gnade, die Gott der ganzen Menschheit durch die Kirche und ihre Mission und Evangelisierung zudienen will: kurz, ihre Heiligkeit.
Und wir alle verdunkeln durch unsere Sünden die Heiligkeit der Kirche, wir alle verdunkeln durch unsere Sünden das Erscheinungsbild der Kirche in der Welt. Wir müssen alle und immer an unsere Brust schlagen und Gott um Vergebung bitten.
Im Credo bekennen wir: Ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Dann sollen wir daran denken, was Heiligkeit bedeutet, und wir sollen Gott danken für die Gnade, zu dieser Kirche gehören zu dürfen.
7. Wir sind in der Fastenzeit, in der österlichen Buß-Zeit, wir gehen auf Ostern zu. DIE Feier von Ostern: das ist die Osternacht, in der wir das Wasser weihen und unser Taufversprechen erneuern. Das soll nicht wieder ein Ritus werden, der an uns vorbeirauscht und der vorüber ist, bevor wir recht begriffen haben, was wir da getan haben.
Bei unserer Taufe waren wir unmündig, damals haben unsere Eltern und Paten für uns den Glauben bekannt und das Taufversprechen abgelegt. In der Osternacht hast du die Gelegenheit, ganz persönlich dein Taufversprechen zu erneuern, zu ratifizieren, deine Unterschrift zu geben. Nur du, ohne Stellvertretung.
Das ist Übergabe deines Lebens an deinen Herrn. Das ist deine Erlaubnis an den Heiligen Geist, in die wirken zu dürfen. Dann kann Christus bzw. der Heilige Geist alle deine natürlichen Fähigkeiten von Selbstbezogenheit reinigen und läutern und in Dienst nehmen, dann brechen deine Charismen auf. Dann wird Kirche lebendig.
Dann begreifen auch die Eheleute, was Ehesakrament bedeutet: dann fangen sie an, gemeinsam zu beten, auch mit den Kindern. Dann werden die Familien zu dem, was das Konzil von den Familien gesagt hat: sie sind „Kirche im kleinen“. Dann werden auch die Familien zu den ersten Priesterseminaren.
Die Christen wünschen sich gute Priester. Wo sollen die denn her kommen? Die fallen doch nicht vom Himmel! Wo wird denn noch in den Gemeinden um Priesterberufe und um deren Heiligung gebetet? Die Berufungen müssen doch aus unseren Gemeinden hervorgehen, die können doch nicht immer von Indien oder aus Polen kommen!
Wir brauchen heilige Ehen, heilige Familien, in denen geistliche Berufungen von den Kindern erkannt werden können, wo die Jugendlichen auf ihrem Berufungsweg bestätigt, ermutigt werden.
8. Ich bin überzeugt: was wir in diesen Wochen erleben ist providentiell. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Gott am Werk ist. Gott ist dabei, seine Kirche zu erneuern. Und das geschieht durch Aufdeckung und Buße. Wie würde es in der Kirche weitergehen, wenn diese Fälle weder in Amerika noch in Irland noch in Deutschland aufgedeckt worden wären! Die Sünde würde weiter schwären am Leib der Kirche. Nun ist Gott dabei, die Decke der Verschwiegenheit von den Sünden runterzureißen; damit die Kirche sich bekehrt und erneuert. Gott erneuert seine Kirche. In diesem Sinne dürfen wir froh darum sein, was jetzt geschieht.
Labels:
Berufung,
Eheleute,
Erneuerung,
Familie,
Fastenzeit,
Konzil,
Missbrauch,
Mysterium,
Osternacht,
Priester,
Priester-Jahr,
Sexualdelikte,
Skandale,
Taufe,
Taufgnade,
Taufversprechen
Abonnieren
Posts (Atom)