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Montag, 8. Februar 2016

Rosenkranz im Göttlichen Willen.
Eine Anregung.
(ohne Kirchliche Billigung, nur zum privaten Gebrauch)
von Pater Willibrord Driever OSB

Die folgenden Gesätze sind formuliert in der Spiritualität der Luisa Piccaretta; sie präsentieren wesentliche Aspekte der Spiritualität, ohne eine systematische oder logische Reihenfolge zu beanspruchen. Es ist nicht gedacht, alle zehn Gesätze zusammen in Einheit zu beten, es wäre zu viel. Sondern man möge das eine oder andere Gesätz auswählen, welches der momentanen persönlichen Situation des geistlichen Lebens am besten entspricht und es langsam, besinnlich und verweilend (eventuell in der Gegenwart des Eucharistischen Herrn) beten, betrachten und verinnerlichen. Die Formulierungen sind weniger für das gemeinschaftliche Gebet oder für das Gebet in einer Gruppe geeignet, sondern wollen eine Anregung und Vertiefung für das persönliche und private Beten sein.

Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes:

o     Jesus, dem ich mein Leben übergebe.

o   Jesus, dem ich meinen Verstand, meinen Willen und mein Gedächtnis übergebe.

o   Jesus, der meinen Verstand, meinen Willen und mein Gedächtnis zu Eigen nimmt.

o    Jesus, den ich bitte, mich in seinen Göttlichen Willen aufzunehmen.

o    Jesus, der mich in seinen Göttlichen Willen aufnimmt.

o    Jesus, der mir erlaubt, mit ihm in seinem Göttlichen Willen zu leben.

o   Jesus, den ich liebe in seiner Liebe und mit seinem Göttlichen Willen, im Namen aller und für alle Seelen aller Zeiten.

o    Jesus, der seinen Göttlichen Willen in mich hineinfließen lässt.

o    Jesus, in dessen Liebe und in dessen Göttlichen Willen ich alle Sünden meines ganzen Lebens bereue.

o    Jesus, der mich zu einer lebendigen Opfergabe macht.

Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

Samstag, 12. Februar 2011

Zum Evangelium des 6. Sonntages im Jahreskreis: eine Einführung (A).

Zu den Alten ist gesagt worden – ich aber sage euch

Das Evangelium beginnt mit einer thematischen Eröffnung: Jesus ist gekommen, um das Gesetz zu seiner Vollendung, zu seiner Erfüllung zu bringen, und zwar sowohl in seinem eigenen Handeln wie auch in uns.
Es ist eine erste Entfaltung und Vertiefung dessen, was schon in den Seligpreisungen angekündigt worden war und dessen, was uns Christen als unsere Berufung mitgegeben worden ist: „Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist“.
Es reicht nicht aus, das Gesetz nur äußerlich zu beobachten; man muß es mit dem Herzen erfassen und auch die geheimsten Regungen des Herzens beobachten. Das gilt für die Gestaltung der Beziehungen zum Nächsten wie auch für das eheliche Leben.
Man kann den Bruder ermorden durch den Haß, den man gegen ihn in seinem Herzen nährt, so wie man ehebrüchig sein kann durch seine Lüsternheit.
Die wirklichen Friedenstifter sind jene, die sich versöhnen, wenn sie ihre Gabe zum Altar bringen, das heißt: wenn sie Eucharistie feiern. Die geopferte Gabe auf dem Altar bringt nur demjenigen den Frieden, der zuvor vergeben hat. Der Friede schließt Zorn, Haß und feindselige Gefühle aus und behandelt den Menschen so, wie Christus es getan hat.
Und die wirklich reinen Herzens sind, das sind jene, die sich völlig vom Tun des Bösen getrennt haben; die in ihrem Reden so wahrhaftig und zuverlässig sind, dass sie es nicht nötig haben, ihre Rede mit einem Schwur zu bekräftigen.
Jesus erlaubt nicht die Ehescheidung; er fordert dazu auf, immer in der Wahrhaftigkeit zu leben. Das ist wichtiger als Treue zu irgendwelchen Schwüren. Auf diese Weise hebt das Evangelium das Gesetz des Mose nicht auf, sondern führt es zu seiner Vollendung und Erfüllung. In solche Tiefe muß das Senkblei unseres Herzens reichen, und solchen Herausforderungen haben wir zu antworten.

Samstag, 7. August 2010

Ach, wenn es doch immer nur so bliebe...

Predigt
Charismatischer Gottesdienst in Vilgertshofen
Fest der Verklärung des Herrn
6. August 2011

„So wie es jetzt ist, soll es immer sein!“
Das sagen wir in Augenblicken, in denen es uns gut geht.
Dann möchten wir die Zeit am liebsten anhalten und ein Stück Ewigkeit hereinholen ins Vergängliche. Festhalten, was flüchtig ist.
Wenn es auch schön wäre, die Hoch-Zeiten des Lebens anzuhalten, - es geht nicht. Unmöglich, sich darin einzurichten.
Was bleibt, ist die Erinnerung an Schönes, an Freude und Glück.
Das alles zählt zu den Kostbarkeiten unseres Lebens, formt und prägt es.
Es erscheint bequem und reizvoll, sich im Angenehmen einzurichten und diese Erfahrung unvergänglich zu machen; aber es ist unmöglich.
Zum Leben gehören auch die unangenehmen Dinge, die Sachen, die uns gar nicht gefallen und die Situationen, denen wir am liebsten aus dem Weg gehen würden.
Auch das, was nicht in unser Konzept passt und was wir überhaupt nicht verstehen und begreifen: Schmerz und Leid, Unglücksfälle und Katastrophen zum Beispiel.
Das Schöne möchten wir festhalten – dem Unangenehmen möchten wir entfliehen: schnell soll es vorbeigehen. Einfach nur weg damit.

Das sind unsere Erfahrungen.
Und bei diesen Erfahrungen setzt das Evangelium an.
Petrus, Jakobus und Johannes geraten in eine ganz und gar ungewöhnliche, nicht planbare Situation.
Bei ihrem Unterwegs-sein mit Jesus haben sie schon viel erlebt, aber was jetzt passiert, ist ganz neu.
Jesus nimmt sie mit auf einen Berg und da geschieht etwas Besonderes: Jesus wird vor ihren Augen verwandelt.
Und weil das noch nicht genügt, erscheinen Elija und Mose und reden mit Jesus. Das Szenario macht den Jüngern Angst.
Mehr aus Verlegenheit schlägt Petrus vor, drei Hütten zu bauen: eine für Jesus, eine für Mose und eine für Elija.
Vielleicht ist das der Versuch, den Lichtgestalten eine Bleibe zu geben.
Sie sollen bleiben, sollen in Raum und Zeit eine Wohnung finden.
Dann kommt noch eine Steigerung: Alles bisher Erzählte bereitet nur die Kulisse für die Offenbarung Jesu als Sohn Gottes:
„Das ist mein geliebter Sohn.“ Gott bekennt sich zu Jesus.
Gott erkennt ihn als seinen Sohn.
Deutlicher ist es nicht zu sagen, dass Jesus Gott ist.
Geliebter Sohn sein: das heißt: in unmittelbarer Beziehung zu sein.
Da ist nichts dazwischen. Es ist die direkte Linie, die engste Verbindung.
Es ist Legitimation: „Der ist von mir! Der ist göttlich!“
Und nachgeschoben: „Auf den sollt ihr hören. Euer Leben bekommt damit eine neue Orientierung:
Richtet euch auf ihn hin aus! Denn das, was er euch zu sagen hat, ist wichtig für euch, ist euch ein Wort zum Leben.“

Der Evangelist lebte in einer patriarchalischen Gesellschaft.
Damals war das Vater-Sohn-Verhältnis eine besondere Beziehung, sie hatte zutun mit Anerkennung und Vermächtnis.
Der Sohn ist die Zukunft des Vaters.
Er ist die Fortsetzung der Familiengeschichte.
Da hört nichts auf und bricht nichts ab.

Vom Vater her gesehen:
Der Sohn ist die Spur, die man in der Welt hinterlässt.
Er ist Zeichen der Kontinuität und Bestätigung, dass das Leben weiter geht.
Und so wählt das Evangelium genau dieses Bild, um zu sagen, dass Jesus der Erlöser ist. Er ist Gott --- und von ihm her wird Heil.

In diese Beziehung werden die Jünger mit hineingenommen.
Diese Beziehung wird näher qualifiziert. Es ist vom „geliebten Sohn“ die Rede. Das Besondere ist also die Betonung der Liebe. Darauf kommt es an.
Das Wesen der Liebe ist es, zu lieben.
Das heißt: Liebe auszuteilen, sich zu verschenken, sich hinzugeben.

„geliebter Sohn“ – das ist die Kurzformel für LEBEN.
Denn da geht es um die Liebe, - und da geht es um die Beziehung.
Leben ist In-Beziehung sein.
Zum Leen brauchen wir die Liebe.
Wir wollen geliebt-sein, und wir wollen Liebe schenken.
Und wir brauchen gute Beziehungen.
und wenn dieses In-Beziehung-sein von Liebe getragen ist, dann ist so eine Hoch-Zeit des Lebens da, die wir für ewig festhalten wollen.

Und das bist du: Du bist der geliebte Sohn,
egal, ob du nun männlich oder weiblich bist.
Du bist der, zu dem Gott der Schöpfer eine liebevolle Beziehung aufgenommen hat.
Du bist von IHM gewollt, so wie du bist.
Das ist dein unverlierbarer Schatz.
Das ist das Fundament deines Lebens.
Du bist, weil du von Gott gewollt bist, und darum darfst du dich selber wollen.

Plötzlich ist sie vorbei, die Offenbarung der Gottessohnschaft Jesu, und alles läuft wieder normal.
Die Jünger und Jesus steigen vom Berg herab. Nach dem Gipfelerlebnis und der Hoch-Zeit geht es zurück in die Normalität des Alltags. Fast banal.

Aber schon wieder ist eine Überraschung da:
Jesus sagt, sie dürfen über das Erlebte nichts erzählen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.
Eine Zumutung nach der anderen: Zuerst das Miterleben der Offenbarung und dann auch noch das unbekannte Wort „von Toten auferstehen“.
Das eine noch kaum verstanden, schon kommt das nächste.
So wundert es nicht, dass die Jünger nicht begreifen und sie fragen, was es bedeutet.
Denn von den Toten kann niemand auferstehen. Das funktioniert nicht.
Nicht nach menschlichem Verstehen. ---------------

Was sie gerade miterlebt haben, macht sie vorsichtig.
Ganz so leicht schließen sie das scheinbar Unmögliche nicht mehr aus.
Jesus ist göttlich. Das haben sie gerade gehört.
Und da ist der Tod nicht das Ende.
Wenn Gott das Leben und die Liebe ist, - dann ist der Tod für ihn kein Problem.
Wenn Gott wirklich Gott ist, dann geht seine Dynamik immer auf Auferstehen zum Leben hin.

Und dies ist das zweite Geschenk Gottes für Dich: Du kannst nicht sterben,
weil Gott, dein Schöpfer, so sehr lebendig ist, dass er dich nicht in die Anonymität des Nichts versinken lässt.

Dies hat Gott dir zugesagt in deiner Schöpfung am Anfang deines Lebens und in jedem Augenblick, da er dich am Da-sein erhält.
Und er hat es dir zugesagt im Geschenk der Taufe, der Neuschöpfung mit der Gabe der Gotteskindschaft.

Wir dürfen hoffen, dem verklärten Wesen des Auferstandenen und seinem Bild gleichförmig zu werden,
wenn wir auch dem irdischen Jesus gleichförmig werden
und wenn wir das Schicksal des armen und verachteten Jesus teilen
und wenn wir ihm folgen auf seinem Weg
und wenn wir auch bereit sind, wie er das Kreuz auf uns zu nehmen.
Das fiel den Jüngern auch schon schwer.
Und darum hat der Herr sie mit dem Zeichen seiner Verklärung gestärkt.

In der Präfation singen wir heute:
Denn er enthüllte auf dem Berg der Verklärung seine verborgene Herrlichkeit,
er ließ vor auserwählten Zeugen seinen sterblichen Leib im Lichtglanz erstrahlen und gab den Jüngern die Kraft, das Ärgernis des Kreuzes zu tragen.

Das heutige Fest ist auch ein Fest der Hoffnung:
So schenkte er der ganzen Kirche, als uns, die Hoffnung, vereint mit ihrem Haupt die ewige Verklärung zu empfangen.

Das Fest der Verklärung des Herrn ist für uns eine Vergewisserung.
Gott vergewissert uns, macht uns und unseren Glauben sicherer.
Wir haben im Tagesgebet gebetet:
Allmächtiger Gott, bei der Verklärung deines eingeborenen Sohnes hast du durch das Zeugnis der Väter die Geheimnisses unseres Glaubens bekräftigt.
Du hast uns gezeigt, was wir erhoffen dürfen, wenn unsere Annahme an Kindes Statt sich einmal vollendet.

Und dann die Bitte:
Hilf uns, auf das Wort deines Sohnes zu hören, damit wir Anteil erhalten an seiner Herrlichkeit.

Jetzt, in dieser Eucharistiefeier, da wir das Wort Gottes hören und den Tod des Herrn verkünden und seine Auferstehung preisen – da geschieht unsere Verwandlung.
Jesus verwandelt unser Leben, da wir uns ihm aussetzen.
Wir können unser Leben in einem neuen Licht sehen.
Wir können verklärt werden, wenn wir uns der Dynamik Gottes überlassen.

Die Verklärung Jesu und die Verwandlung der Gaben von Brot und Wein und unsere Verwandlung: das alles ist Werk des Heiligen Geistes.
Im Gabengebet beten wir:
Gott, unser Vater, sende über uns und diese Gaben das Licht deiner Herrlichkeit, das in deinem Sohn aufgestrahlt ist. Es vertreibe die Dunkel der Sünde und mache uns zu Kindern des Lichtes.

Wenn wir die Eucharistie feiern und empfangen, dann werden wir schon hinheinverwandelt in den verklärten Leib des Herrn.

Am Schluß der Messe werden wir beten:
Lass uns durch den Empfang der himmlischen Speise seinem verklärten Leib gleichgestaltet werden.

Sonntag, 9. Mai 2010

Futurologie und Einwohnung Gottes

6. Sonntag der Osterzeit (C)
Predigt in der Wallfahrtskirche Vilgertshofen
am 9. Mai 2010


2. Lesung Offb

Im Credo bekennen wir: Wir erwarten das Leben der kommenden Welt.

a) Gott wird also sein Werk vollenden.
V10 von oben herab = Das Heil wird von Gott geschenkt. Wie wird das sein?
Darüber kann nur in Bildern und Gleichnissen gesprochen werden.
Die Lesung spricht davon. Aber das ist kein Plan für einen Wettbewerb im Städtebau; sondern das ist das Israel der Vollendung.
Die Gemeinschaft der Erlösten erscheint als die leuchtende Stadt.
In der künftigen Stadt wird es keinen Tempel mehr geben.
Johannes sieht keinen Tempel = besondere Wohnstätte Gottes.
Dem Priester vorbehalten.
Jetzt: der direkte Zugang zu Gott und Christus ist für jeden Wirklichkeit geworden. „In ihm haben wir den freien Zugang durch das Vertrauen, das der Glaube an ihn schenkt.“ (Eph 3,12).
„Durch ihn haben wir auch den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns unserer Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes“ (Röm 5,2).
Wenn es keinen Tempel mehr gibt, dann auch kein Priestertum, kein Opfer, keine Unterscheidung zwischen dem Religiösen und dem Menschlichen.
In der zukünftigen Stadt gibt es keinen Kult mehr.
Es ist alles irgendwie „laisiert“. - Aber nicht, weil Gott abwesend wäre.
Sondern durch das genaue Gegenteil: durch die Fülle Gottes. Überall wird Gott sein. In allem wird Gott sein. Er wird alles erfüllen.
Und wir werden immer unmittelbar zu ihm sein. Durch den gekreuzigten und auferstandenen Sohn Gottes, das geschlachtete Lamm.
Gott, der im unzugänglichen Licht wohnt – ist für uns Menschen zugänglich geworden.


b) Die zukünftige Stadt wird Gemeinschaft sein. Es ist der Plan Gottes, seine ganze Menschheitsfamilie untereinander zu vereinen, an sich zu ziehen, mit sich zu vereinen.
Das lesen wir hier: die Namen der 12 Stämme der Söhne Israels (V.12) = das Volk des Alten Bundes. Für die Völker der Erde geöffnet.
Zwölf Grundsteine: Die 12 Namen der 12 Apostel des Lammes: = Kirche

Warum hören wir diese Lesung in der Osterzeit?
- das Osterereignis macht die Ordnung des Alten Bundes hinfällig.
- die Christen gingen nicht mehr in den Tempel aus Steinen in Jerusalem.
- Nun war die Versammlung der Christen der Ort, wo Gott erfahren wurde.
- es geht nicht mehr um die Wallfahrt nach Jerusalem. Sondern umgekehrt: die Kirche macht nun Gott in der Welt gegenwärtig.
- die Braut des Lammes ist die Kirche. Und diese ist vom Himmel herabgestiegen. Und so kann jeder in Gemeinschaft mit dem Lamm kommen, durch die Kirche.

Wenn wir jetzt Eucharistie feiern, dann wird diese Veränderung gegenwärtig.
- unsere Versammlung um Christus ist der Tempel.
- wir haben kein anderes Opfer als das Selbstopfer Jesu Christi und das Opfer unserer Hingabe mit Christus an den Vater.

Zum Evangelium Joh 14,23-29

Das Evangelium ist den johanneischen Abschiedsreden entnommen.
Diese richten sich zunächst an die Zeitgenossen und Leser des Autors, das heißt: an die christlichen Gemeinden um das Jahr 100 nach Christus.
Diese syrischen und kleinasiatischen Christen hatten ihren Herrn Jesus weder gesehen noch persönlich gehört.
Und ihre Hoffnung auf seine glorreiche Wiederkunft bislang war vergeblich geblieben, hatte sich nicht erfüllt.
Darum waren sie verwirrt, mutlos, enttäuscht. In ihrer gesellschaftlichen Umgebung isoliert.
Diesen Menschen wollte der Evangelist im Namen Jesu etwas erklären.
Er wollte ihnen sagen, was es bedeutet, an Jesus zu glauben, ihn zu lieben, sein Wort zu bewahren.

Gott liebt keine spektakulären Manifestationen.
Gott wird in denen Wohnung nehmen, die sein Wort bewahren.

Und hier haben wir eine ganz interessante Verbindung zur Lesung aus der Offenbarung des Johannes: Das Wohnen Gottes im Menschen.
Der Tempel aus Stein in Jerusalem galt als der Ort der Gegenwart Gottes.
Aber das Zeichen war zu materiell. Und Gott verließ den Tempel.
Paulus spricht auch von einem Tempel, aber von einem maßlosen Tempel. Denn das Maß des neuen Tempels ist die Liebe. Und die ist maßlos. Also ist auch der neue Tempel der Liebe maßlos.
Die ersten Christen hatten begriffen, daß es nicht mehr notwendig ist, Gott in einem Tempel aufzusuchen.
Denn nun waren alle ihre liturgischen Versammlungen der Ort des Wohnens Gottes.
Und das ist die innere wirkmächtige Gegenwart des Heiligen Geistes in unseren Herzen.
„Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Denn um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden. Verherrlicht also Gott in eurem Leib.“ (1 Kor 6,19-20).
„Wir sind doch der Tempel des lebendigen Gottes“ (2 Kor 6,16).
„Ihr seid also jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes. Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlussstein ist Christus Jesus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn. Durch ihn werdet auch ihr im Geist zu einer Wohnung Gottes erbaut“ (Eph 2,19-22).

b) Jesus kündigt den Aposteln an, dass er sie nicht verlassen werde, da er im Geist wiederkehren würde.

Das "Erinnern" des Heiligen Geistes ist keine rein informative Tätigkeit, als müßte den Gläubigen nur immer wieder erzählt werden, was Jesus früher einmal gesagt und getan hat.
Sondern: der Heilige Geist hat die Aufgabe, das einstige Wirken Jesu zu vergegenwärtigen, in der Gemeinde und durch die Gemeinde für die Welt.

Und das alles gilt genauso für uns heute:
Christus bleibt gegenwärtig in seiner Kirche. – Aha! – Ja, aber: wie?

1. er offenbart sich durch sein Wort, das verkündet, gehört und geglaubt wird,
2. und durch die Liebe, mit der die Glaubenden an seinem Wort festhalten.

Die Glaubenden: das ist jeder einzelne, und es ist die große Gemeinschaft all derer, die im Licht des auferstandenen Christus ihren Weg gehen.

Jesus nimmt Abschied. Er wünscht den Apostel Frieden.
„Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch.“ – Jesus nimmt Abschied, indem er Frieden wünscht.
Es ist ein besonderer Abschied: Er gibt eine besondere Gabe. Dieser Friede ist etwas anderes, als das, was Politiker versprechen herzustellen.

Jesus verheißt uns den Geist und schenkt uns den Frieden: die Gewissheit der bleibenden Gemeinschaft mit ihm und dem Vater.

Jesus gibt die messianischen Heilsgüter.
Die Gaben, die die Propheten für die Endzeit verheißen hatten:
zB vom Propheten Jesaja:

„Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg mit dem Haus des Herrn steht fest gegründet als höchster der Berge, er überragt alle Hügel, zu ihm strömen die Völker. Viele Völker machen sich auf den Weg; sie sagen: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs. Er zeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn vom Zion kommt die Weisung des Herrn, aus Jerusalem sein Wort.
Er spricht Recht im Streit der Völker, er weist viele Nationen zurecht.
Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermessern aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg.“ (Jes 2,2-4).

„Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seinen Schultern; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. Seine Herrschaft ist groß, und der Friede hat kein Ende.“ (Jes 9,5-6).

1 Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, / ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht.
2 Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm: / der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, / der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht.
3 [Er erfüllt ihn mit dem Geist der Gottesfurcht.] / Er richtet nicht nach dem Augenschein / und nicht nur nach dem Hörensagen entscheidet er,
4 sondern er richtet die Hilflosen gerecht / und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist. Er schlägt den Gewalttätigen / mit dem Stock seines Wortes und tötet den Schuldigen / mit dem Hauch seines Mundes.
5 Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften, / Treue der Gürtel um seinen Leib.
6 Dann wohnt der Wolf beim Lamm, / der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, / ein kleiner Knabe kann sie hüten.
7 Kuh und Bärin freunden sich an, / ihre Jungen liegen beieinander. / Der Löwe frisst Stroh wie das Rind.
8 Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter, / das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange.
9 Man tut nichts Böses mehr / und begeht kein Verbrechen / auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, / so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist. (Jes 11)

Wir kennen diese Teste von Jesaja aus den Lesungen der Adventszeit.
Das sind die messianischen Gaben, die die Propheten für die Endzeit verheißen haben
Und diese Gaben gibt Jesus jetzt.
Weil jetzt die Heilszeit angebrochen ist.
DIE Gabe ist das Leben des Vaters: göttliches, unzerstörbares, ewiges Leben – das tragen wir jetzt schon ist uns: durch den Glauben, durch die Taufe, durch die Gnade, die immer in uns erneuert wird durch die Sakramente der Buße und der Eucharistie – so sind wir mit Christus verbunden wie die Reben am Weinstock, so fließt sein göttliches Leben immer in uns hinein.

Freitag, 13. November 2009

Predigt am 31. Sonntag im Jahreskreis - LJB (8.11.2009)

(Zum Anhören bitte auf den Pfeil klicken.)
Text Text Text ...

Dienstag, 4. August 2009

Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu











Unsere Klosterkirche ist dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht. Der Freitag in der Woche nach dem Fronleichnamsfest ist das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu. Diesen Tag begehen wir in St. Ottilien immer mit einer besonderen Festlichkeit. Am Abend halten wir eine eucharistische Anbetung: 20 Uhr: Herz-Jesu-Rosenkranz, danach Aussetzung des Allerheiligsten, dann eine gestaltete Anbetung mit meditativen Texten und Lobpreis-Liedern, musikalisch begleitet von der Gruppe TOTUS TUUS. Hier einige Fotos von der diesjährigen eucharistischen Anbetung.

Dienstag, 21. Juli 2009

Heiliger Geist, komm und entzünde uns, aber verbrenne uns nicht!

Predigt im Konventamt in der Klosterkirche St. Ottilien
Pfingstsonntag, 31. Mai 2009
Pater Willibrord Driever OSB

Eine Spannung liegt in den Lesungen und Gebeten und Gesängen der heutigen Liturgie. Die Spannung von Bitte und Erfüllung.

einerseits: Wir beten um die Sendung des Heiligen Geistes:
1. im Tagesgebet: Erfülle die ganze Welt mit den Gaben des Heiligen Geistes.
2. im Graduale: Emitte Spiritum tuum: Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu.
3. Sequenz: Komm herab, o Heil'ger Geist... (GL 244)
4. Ruf vor dem Evangelium: Veni Sancte Spiritus: Komm, Heiliger Geist, und erfülle die Herzen deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.
5. im Gabengebet: Allmächtiger Gott, erfülle die Verheißung deines Sohnes: Sende uns deinen Geist, damit er uns in die volle Wahrheit einführt.

Andererseits: In den Lesungen und im Evangelium hörten wir vom Kommen des Heiligen Geistes und von seinem Wirken.

1. die Lesung aus der Apostelgeschichte berichtet das Pfingstereignis,
2. die Lesung aus dem Korintherbrief beschreibt, wie der Geist Christi die Vielheit der Gaben und Dienste bewirkt und wie er die Einheit des Glaubens und des Bekenntnisses schafft,
3. das Evangelium verkündet, wie der auferstandene Herr am Ostertag den Geist schenkt. Der Ostergruß des Auferstandenen heißt "Friede".
Seine Ostergabe ist der Heilige Geist.

Die Spannung von Bitte und Erfüllung.
Die Bitte um die Gabe des Geistes und die Erfüllung der Bitte in der geschehenen Gabe. Dies in der Liturgie. – Aber nicht nur dort.

Sondern auch in unserem Leben.
Wir sind alle getauft. In der Taufe hat Gott uns seinen Heiligen Geist geschenkt.
Er hat uns die Gaben von Glaube, Hoffnung und Liebe geschenkt.
Er hat uns die heiligmachende Gnade geschenkt.

Aber wir erfahren den Heiligen Geist und sein Feuer so selten in unserem Leben.
Warum?

1. Vielleicht, weil wir sein Wirken in unserem Leben nicht erkennen.

Im Credo bekennen wir jeden Sonntag: Ich glaube an den Heiligen Geist. - Was heißt das denn? Wir können das mal durchbuchstabieren:
Ich glaube an den Heiligen Geist, das heißt: Ich glaube,
- daß er meine Vorurteile abbauen kann,
- daß er meine schlechten, eingefahrenen Gewohnheiten ändern kann,
- daß er meine Gleichgültigkeit und Trägheit und Menschenfurcht überwinden kann,
- daß er mir Phantasie zu einer liebevollen Lebensführung geben kann,
- daß er mich vor dem Bösen warnen kann,
- daß er mir Mut zum Guten geben kann,
- daß er meine selbstbezogene und unfruchtbare Traurigkeit überwinden kann,
- daß er mir Liebe zum Wort Gottes geben kann,
- daß er mir meine Minderwertigkeitsgefühle und meine Allmachtsphantasien nehmen kann,
- daß er meine Aggressionen bzw. Depressionen erhellen und verwandeln kann,
- daß er mir einen verständnisvollen Menschen an die Seite geben kann,
- daß er mein Wesen durchdringen kann.

Das wäre die Richtung für ein Leben im Heiligen Geist.
Wie schaut das praktisch aus: ein Leben im Wirkungsbereich des Heiligen Geistes?

Das könnte bedeuten:

• Müde sein - und doch andere aufmuntern.
• Sich verlassen fühlen - und doch andere zum Lächeln bringen.
• Selber Fragen haben - und sich Ratsuchenden doch nicht verweigern.
• Gehetzt sein - und doch andere nicht mit Ausreden abwimmeln.
• Schmerzen haben - und doch anderen gegenüber Geduld aufbringen.
• Belastet sein - und doch anderen tragen helfen.
• Nach einem Ausweg tasten - und doch die Hand eines anderen nicht loslassen.
• Manches entbehren - und doch anderen nichts missgönnen.
• Enttäuscht sein - und doch anderen ein Stück Hoffnung vorleben.
• Sich ausgebrannt vorkommen - und doch anderen helfen Sinn zu finden.
• Betend selber ohne Antwort bleiben - und doch anderen den Glauben erlebbar machen.
• Mit Ärger angefüllt sein - und doch den Gruß des anderen erwidern.
• Enttäuscht sein - und doch die Fehler anderer nicht an die große Glocke hängen.
• Keinen Dank bekommen - und doch für andere da sein.

Vielleicht hast du entdeckt, wo du schon im Wirkungsbereich des Heiligen Geistes lebst.

Der Geist ist in dir. Er ist schon da,

  • wo dein Leben pulsiert,
  • wo deine Wünsche entspringen,
  • wo deine Sehnsüchte zu strömen beginnen,
  • wo die Funken deiner Liebe sprühen,
  • wo du im Namen Jesu und in der Kraft des Heiligen Geistes Vergebung schenkst,
  • wo du einen neuen Anfang wagst,
  • wo deine neuen Gedanken aufbrechen,
  • wo du deinen Mut zu neuen Begegnungen sammelst,
  • wo dir die Kräfte zu neuen Aufgaben zuwachsen,
  • wo die Freude in dein Wesen tropft,
  • wo du es wagst, du selbst zu sein.

Da ist Gottes Geist in deinem Leben.

2. Oder wir spüren den Heiligen Geist deswegen nicht in unserem Leben, weil wir ihn nicht haben wollen.
Wir beten zwar: Komm, Schöpfer Geist – fürchten uns aber vor der göttlichen Unruhe.
Wir beten zwar: Entzünde die Herzen deiner Gläubigen – und wir fürchten uns dann, von ihm in Brand gesetzt zu werden und daß so manches in unserem Leben in seinem Feuer nicht bestehen könnte. Wir halten ihn auf Sparflamme.

Dann hätten wir nicht begriffen, wer der Heilige Geist ist und wie er wirkt.

Es ist der Geist,
• der über dem Urchaos schwebte und Ordnung schaffte,
• der auf Maria herabkam,
• der auf Jesus bei seiner Taufe herabkam,
• der auf die im Abendmahlssaal versammelten Frauen und Jünger herabkam,
• und den wir in jeder Eucharistiefeier auf die Gaben von Brot und Wein --- und auf uns herabrufen.

Es ist der gute Geist Gottes. - Dieser Geist möchte auch in mir und in Dir zur Grundmelodie und zum Hauptmotiv des Lebens werden.

Dabei geht es weder um besondere, rauschhafte Augenblicke, in denen der Heilige Geist in außergewöhnlicher Weise erfahren wird; noch um einen stimmungsvollen Gottesdienst am Pfingstfest.

Sondern es geht um die Gestaltung unseres normalen, alltäglichen Lebens aus der Taufgnade. Das ist der Heilige Geist, der uns gegeben ist.
Das ist Spiritualität: Gestaltung unseres Lebens aus dieser Kraft der Taufgnade.
Aus der Kraft der Taufgnade unser Leben gestalten und die Widrigkeiten des Alltags annehmen und bewältigen.

Die Spannung von Bitte um die Gabe und bereits geschenkte Gabe.

Die Bitte um den Heiligen Geist bedeutet nicht, daß wir ihn nicht schon besäßen.
Sondern dies ist die Bitte um Freisetzung des in der Taufe empfangenen Heiligen Geistes und seiner Gaben in uns, und es ist unsere Entscheidung dazuhin.

Der Heilige Geist ist nicht aufdringlich, er überfällt uns nicht und zwingt uns nicht, wie andere Geister. Der Heilige Geist will gebeten und eingeladen sein.
Und dann wird er sanfte und beharrliche Impulse geben.

Und woher kommt dieser Geist?
An jedem Karfreitag hören wir in der Liturgie die Passion nach Johannes.
Als Jesus am Kreuz erhöht war und von dem Essig genommen hatte, sprach er:
Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt - und er gab den Geist:
er schenkte den Geist als Gabe in die Welt hinein!
Vom Kreuz herab wurde der Geist in die Welt hinein entbunden.
Heute, am 50. Ostertag, hören wir wieder das Evangelium nach Johannes.
Am Ostertag, am Abend des ersten Tages der Woche, sagt der erhöhte Herr: Empfangt den Heiligen Geist.

Nochmal: Woher kommt dieser Geist?
  • Aus dem Geheimnis von Tod und Auferstehung des Herrn.
  • Aus der Feier der Eucharistie.
  • Und aus dem Empfang der eucharistischen Gaben.

Sende uns deinen Geist, damit er uns in die volle Wahrheit einführt und uns das Geheimnis dieses Opfers immer mehr erschließt.