Er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne.
Die Geschichte von der Verklärung Jesu ist das Gegenstück zur vorausgegangenen Leidensweissagung. Sie folgt unmittelbar auf die Forderungen Jesu: auch der Jünger muß sein Leben einsetzen für seinen Meister. Er, der "geliebte Sohn", wird durch Leiden und Tod hindurch seinen Weg vollenden; damit ist auch für den Jünger der Weg vorgezeichnet. Die Jünger, die sich zu Jesus als dem Christus bekannt haben, sollen wissen, welches der Weg Jesu und auch ihr eigener Weg sein wird.
Jesus ist der Menschensohn, der leiden, sterben und auferstehen wird, und er ist der künftige Herr in der Herrlichkeit Gottes. Über seine Herrlichkeit belehrt Jesus die Jünger nicht durch Worte, die ja doch unverständlich bleiben müßten, sondern durch eine Erscheinung, die die Zukunft vorausnimmt, durch eine Offenbarung, in der durch Sehen und Hören die verborgene Würde Jesu enthüllt wird.
Jetzt begegnen sie dem Herrn auf dem "heiligen Berg", um ihn als den zu bezeugen, in dem das Gesetz und die Propheten sich erfüllen. Die Verklärung versichert die Jünger darüber, daß Christus der Sohn Gottes ist, daß er die Erfüllung der Heilsgeschichte ist: darum erscheinen Mose und Elija als die Vertreter des Gesetzes und der Propheten des Alten Bundes. Mose und Elija, die Männer, denen Israel seinen Glauben verdankt, hatten beide auf dem Sinai ihre große Gottesbegegnung.
Der Lichtglanz (shekina), in dem Jesus erscheint, war im Alten Bund das Zeichen der Gegenwart Jahwes im Heiligen Zelt. Wenn Jesus nun im Lichtglanz Gottes erscheint, dann erkennen wir daran: Jesus ist das wahre Zelt Gottes und in ihm ergeht das Wort Gottes.
Mose und Elija entschwinden. Das heißt: in Zukunft ist Jesus allein der, auf den die Jünger hören sollen.
Diese kurzen Augenblicke der Verklärung lassen das Geheimnis der Person Jesu aufleuchten, welches unter seiner Menschheit verborgen ist - machen aber auch seinen Weg in die Passion noch unverständlicher. Die Kraft, die wir für unseren Weg der Nachfolge brauchen, besteht im und erhalten wir durch unser Hören auf Christus: Auf IHN sollt ihr hören! Dem Vater gehorchen und unseren Weg im Glauben gehen: das bedeutet: Auf Christus hören.
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Samstag, 19. März 2011
Donnerstag, 10. März 2011
Predigt am Aschermittwoch
Hl. Messe mit Gebetskreis Coenacolo
Aschermittwoch, 9. März 2011, 19 Uhr
Heilig-Geist-Kirche, München
Begrüßung, Einführung
Wir betreten den Weg der 40 Tage durch die Fastenzeit. Das Ziel ist Ostern. Eine Erinnerung, die die Gnade der Passion und des Todes unseres Herrn erneuert.
Es ist eine Zeit der Buße: d. h.: Umkehr, der Bekehrung, man kehrt um, dreht um auf seinem falschen Weg.
auch eine Zeit des Kampfes: gegen den bösen Feind.
Es ist eine Zeit der Befreiung: von der Sünde, die der Ursprung des Todes ist.
So wird unser Leben nach dem Bild des auferstandenen Herrn umgestaltet.
Das Vorbild der Fastenzeit ist das 40tägige Fasten Jesu in der Wüste.
- Seine Entscheidung: die Angriffe und Versuchungen des alten Feindes zurückzuschlagen.
- Sein Hören auf das Wort Gottes.
Die Fastenzeit erinnert uns auch an Moses. Nach einer 40tägigen Fastenzeit empfing er auf dem Berg die 10 Weisungen.
Wir haben das Evangelium. Unter seiner Führung wollen wir den Weg der Erneuerung in diesen heiligen 40 Tagen gehen.
Predigt
Erste Lesung: Joel 2,12-18
Zweite Lesung: 2 Kor 5,20-6,2
Evangelium: Mt 6,1-6.16-18
Liebe Gemeinde!
Zur Ersten Lesung
400 v. Chr. Heuschreckenplage, Land kahl gefressen, wie Wüste, sogar Opfer am Tempel waren nicht mehr möglich.
Tritt Prophet Joel auf:
- Er verlangt ein Fasten; denn Gott kann die Plage beenden.
- Dann deutet er die Heuschreckenplage als ein Vorzeichen für den Tag Jahwes, für das Gericht Gottes in der Endzeit.
Katastrophe ist nicht das letzte Wort Jahwes an sein Volk.
Auch jetzt besteht noch Möglichkeit, dass sich die Dinge wenden, daß Gott wieder Segen spendet.
Wendung der Unheilssituation – ist gebunden an die Wendung des Volkes, Umkehr.
Zeichen dafür: Fasten.
Aber mit Qualitätsmerkmal: aus ganzem Herzen, wahre innere Umkehr, gemeinsame Sache des ganzen Volkes.
Die Liturgie der Kirche bringt es man wieder auf den Punkt:
"Allmächtiger Gott, du siehst nicht auf unsere äußeren Werke, sondern auf das Herz.
Gib, dass wir mit reiner Gesinnung vollbringen, was wir in diesen vierzig Tagen an Buße und Verzicht auf uns nehmen" (Gabengebet, Freitag nach Aschermittwoch).
Zur Zweiten Lesung
Laßt euch mit Gott versöhnen!
Gott ändert sich nicht: kein Wechsel der Stimmungen; keine Änderung seiner Meinung oder des Verhaltens.
Nicht er muß versöhnt werden, gnädig gestimmt werden.
Sondern wir waren es: die Menschheit, die mit Gott in Feindschaft gegangen ist (Ur-Sünde). Wir waren nicht mit Gott versöhnt.
Gott tut etwas: er versöhnt die Welt mit sich.
Darum die Verkündigung: Versöhnungs-Tat ist geschehen durch Kreuz und Auferweckung Jesu!
Gott hat den Zustand der Menschheit verändert.
Wir, wir stehen nun in einem neuen Verhältnis zu Gott.
Das ist die NEUE Schöpfung, von der Paulus immer wieder spricht.
Diese Änderung muß in unser Leben eingehen. Durch persönliche Umkehr.
Jetzt müssen wir unsere Gesinnung und Haltung dieser neuen Situation entsprechend ändern.
Und das ist ein Aspekt der Fastenzeit.
Zum Evangelium
Fastenzeit als Hilfe, dass wir uns diese neue Situation bewußt machen.
Traditionelle Werke: Almosen, Fasten, Beten: immer diese drei.
Uralte Traditionen. Schon zur Zeit Jesu waren sie üblich; aber damals in ihrer Praxis pervertiert (Mt)
Almosen: als Werk der Gerechtigkeit. Man machte Werbung dafür, um die Wohltäter zu zwingen, ihre Versprechen einzulösen, und um zur Nachahmung anzueifern.
Gebet: war zur Zeit Jesu meist öffentlich, im Tempel oder in den Synagogen auf dem Land.
Fasten war in jüdischen Sekten beliebt. Sie machten mit dem Fasten Propaganda für ihre Ziele.
Die Gefahr bestand und besteht darin, dabei von den Leuten abhängig zu werden, von ihrer Meinung, Zustimmung, Anerkennung, Lob, Bewunderung. – Dann haben wir tatsächlich schon unseren Lohn erhalten.
Was will Jesus?
Er schafft diese drei Übungen nicht ab. Er setzt auch keine anderen Übungen an ihre Stelle.
Seine Ansicht zielt auf etwas anderes: Er will eine andere Gesinnung in uns wachrufen, eine andere Gesinnung, in der wir diese Werke tun sollen.
Welche Gesinnung?
Fasten: Die Demut vor Gott
Beten: Die Hoffnung
Almosen: die Liebe.
Eine ganz wunderbare Verheißung:
3x Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.
Es geht also um eine liebevolle Beziehung: von uns zum Vater und vom Vater zu uns. Was wir aus Liebe zu Gott tun, das sieht er, und das wird er uns vergelten.
Wiederum aus der Liturgie der Kirche:
"Du mahnst uns in dieser Zeit der Buße zum Gebet und zu Werken der Liebe" (Präfation für die Fastenzeit I).
"Die Entsagung mindert in uns die Selbstsucht und öffnet unser Herz für die Armen" (Präfaton für die Fastenzeit III).
"Durch das Fasten des Leibes hältst du die Sünde nieder, erhebst du den Geist, gibst du uns die Kraft und den Sieg durch unseren Herrn Jesus Christus" (Präfation für die Fastenzeit IV).
Die ganze Fastenzeit ist ein einzige Lobpreis auf die unendliche Güte und Barmherzigkeit des himmlischen Vaters.
Der himmlische Vater ruft uns in seinem gekreuzigten Sohn zu sich zurück: uns, die wir gesündigt haben. „Gott hat die Welt mit sich versöhnt. Lasst euch mit Gott versöhnen.“
Damals Paulus, heute die Stimme der Kirche.
Fastenzeit ist die Zeit der Umkehr von der Traurigkeit zur Freude dieses neuen Zustandes, den Gott geschenkt hat.
Aschermittwoch, 9. März 2011, 19 Uhr
Heilig-Geist-Kirche, München
Begrüßung, Einführung
Wir betreten den Weg der 40 Tage durch die Fastenzeit. Das Ziel ist Ostern. Eine Erinnerung, die die Gnade der Passion und des Todes unseres Herrn erneuert.
Es ist eine Zeit der Buße: d. h.: Umkehr, der Bekehrung, man kehrt um, dreht um auf seinem falschen Weg.
auch eine Zeit des Kampfes: gegen den bösen Feind.
Es ist eine Zeit der Befreiung: von der Sünde, die der Ursprung des Todes ist.
So wird unser Leben nach dem Bild des auferstandenen Herrn umgestaltet.
Das Vorbild der Fastenzeit ist das 40tägige Fasten Jesu in der Wüste.
- Seine Entscheidung: die Angriffe und Versuchungen des alten Feindes zurückzuschlagen.
- Sein Hören auf das Wort Gottes.
Die Fastenzeit erinnert uns auch an Moses. Nach einer 40tägigen Fastenzeit empfing er auf dem Berg die 10 Weisungen.
Wir haben das Evangelium. Unter seiner Führung wollen wir den Weg der Erneuerung in diesen heiligen 40 Tagen gehen.
Predigt
Erste Lesung: Joel 2,12-18
Zweite Lesung: 2 Kor 5,20-6,2
Evangelium: Mt 6,1-6.16-18
Liebe Gemeinde!
Zur Ersten Lesung
400 v. Chr. Heuschreckenplage, Land kahl gefressen, wie Wüste, sogar Opfer am Tempel waren nicht mehr möglich.
Tritt Prophet Joel auf:
- Er verlangt ein Fasten; denn Gott kann die Plage beenden.
- Dann deutet er die Heuschreckenplage als ein Vorzeichen für den Tag Jahwes, für das Gericht Gottes in der Endzeit.
Katastrophe ist nicht das letzte Wort Jahwes an sein Volk.
Auch jetzt besteht noch Möglichkeit, dass sich die Dinge wenden, daß Gott wieder Segen spendet.
Wendung der Unheilssituation – ist gebunden an die Wendung des Volkes, Umkehr.
Zeichen dafür: Fasten.
Aber mit Qualitätsmerkmal: aus ganzem Herzen, wahre innere Umkehr, gemeinsame Sache des ganzen Volkes.
Die Liturgie der Kirche bringt es man wieder auf den Punkt:
"Allmächtiger Gott, du siehst nicht auf unsere äußeren Werke, sondern auf das Herz.
Gib, dass wir mit reiner Gesinnung vollbringen, was wir in diesen vierzig Tagen an Buße und Verzicht auf uns nehmen" (Gabengebet, Freitag nach Aschermittwoch).
Zur Zweiten Lesung
Laßt euch mit Gott versöhnen!
Gott ändert sich nicht: kein Wechsel der Stimmungen; keine Änderung seiner Meinung oder des Verhaltens.
Nicht er muß versöhnt werden, gnädig gestimmt werden.
Sondern wir waren es: die Menschheit, die mit Gott in Feindschaft gegangen ist (Ur-Sünde). Wir waren nicht mit Gott versöhnt.
Gott tut etwas: er versöhnt die Welt mit sich.
Darum die Verkündigung: Versöhnungs-Tat ist geschehen durch Kreuz und Auferweckung Jesu!
Gott hat den Zustand der Menschheit verändert.
Wir, wir stehen nun in einem neuen Verhältnis zu Gott.
Das ist die NEUE Schöpfung, von der Paulus immer wieder spricht.
Diese Änderung muß in unser Leben eingehen. Durch persönliche Umkehr.
Jetzt müssen wir unsere Gesinnung und Haltung dieser neuen Situation entsprechend ändern.
Und das ist ein Aspekt der Fastenzeit.
Zum Evangelium
Fastenzeit als Hilfe, dass wir uns diese neue Situation bewußt machen.
Traditionelle Werke: Almosen, Fasten, Beten: immer diese drei.
Uralte Traditionen. Schon zur Zeit Jesu waren sie üblich; aber damals in ihrer Praxis pervertiert (Mt)
Almosen: als Werk der Gerechtigkeit. Man machte Werbung dafür, um die Wohltäter zu zwingen, ihre Versprechen einzulösen, und um zur Nachahmung anzueifern.
Gebet: war zur Zeit Jesu meist öffentlich, im Tempel oder in den Synagogen auf dem Land.
Fasten war in jüdischen Sekten beliebt. Sie machten mit dem Fasten Propaganda für ihre Ziele.
Die Gefahr bestand und besteht darin, dabei von den Leuten abhängig zu werden, von ihrer Meinung, Zustimmung, Anerkennung, Lob, Bewunderung. – Dann haben wir tatsächlich schon unseren Lohn erhalten.
Was will Jesus?
Er schafft diese drei Übungen nicht ab. Er setzt auch keine anderen Übungen an ihre Stelle.
Seine Ansicht zielt auf etwas anderes: Er will eine andere Gesinnung in uns wachrufen, eine andere Gesinnung, in der wir diese Werke tun sollen.
Welche Gesinnung?
Fasten: Die Demut vor Gott
Beten: Die Hoffnung
Almosen: die Liebe.
Eine ganz wunderbare Verheißung:
3x Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.
Es geht also um eine liebevolle Beziehung: von uns zum Vater und vom Vater zu uns. Was wir aus Liebe zu Gott tun, das sieht er, und das wird er uns vergelten.
Wiederum aus der Liturgie der Kirche:
"Du mahnst uns in dieser Zeit der Buße zum Gebet und zu Werken der Liebe" (Präfation für die Fastenzeit I).
"Die Entsagung mindert in uns die Selbstsucht und öffnet unser Herz für die Armen" (Präfaton für die Fastenzeit III).
"Durch das Fasten des Leibes hältst du die Sünde nieder, erhebst du den Geist, gibst du uns die Kraft und den Sieg durch unseren Herrn Jesus Christus" (Präfation für die Fastenzeit IV).
Die ganze Fastenzeit ist ein einzige Lobpreis auf die unendliche Güte und Barmherzigkeit des himmlischen Vaters.
Der himmlische Vater ruft uns in seinem gekreuzigten Sohn zu sich zurück: uns, die wir gesündigt haben. „Gott hat die Welt mit sich versöhnt. Lasst euch mit Gott versöhnen.“
Damals Paulus, heute die Stimme der Kirche.
Fastenzeit ist die Zeit der Umkehr von der Traurigkeit zur Freude dieses neuen Zustandes, den Gott geschenkt hat.
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Freitag, 6. August 2010
...mal ne gute Nachricht: wir können noch hoffen
Predigt
Charismatischer Gottesdienst in Vilgertshofen
Fest der Verklärung des Herrn
6. August 2011
„So wie es jetzt ist, soll es immer sein!“
Das sagen wir in Augenblicken, in denen es uns gut geht.
Dann möchten wir die Zeit am liebsten anhalten und ein Stück Ewigkeit hereinholen ins Vergängliche. Festhalten, was flüchtig ist.
Wenn es auch schön wäre, die Hoch-Zeiten des Lebens anzuhalten, - es geht nicht. Unmöglich, sich darin einzurichten.
Was bleibt, ist die Erinnerung an Schönes, an Freude und Glück.
Das alles zählt zu den Kostbarkeiten unseres Lebens, formt und prägt es.
Es erscheint bequem und reizvoll, sich im Angenehmen einzurichten und diese Erfahrung unvergänglich zu machen; aber es ist unmöglich.
Zum Leben gehören auch die unangenehmen Dinge, die Sachen, die uns gar nicht gefallen und die Situationen, denen wir am liebsten aus dem Weg gehen würden.
Auch das, was nicht in unser Konzept passt und was wir überhaupt nicht verstehen und begreifen: Schmerz und Leid, Unglücksfälle und Katastrophen zum Beispiel.
Das Schöne möchten wir festhalten – dem Unangenehmen möchten wir entfliehen: schnell soll es vorbeigehen. Einfach nur weg damit.
Das sind unsere Erfahrungen.
Und bei diesen Erfahrungen setzt das Evangelium an.
Petrus, Jakobus und Johannes geraten in eine ganz und gar ungewöhnliche, nicht planbare Situation.
Bei ihrem Unterwegs-sein mit Jesus haben sie schon viel erlebt, aber was jetzt passiert, ist ganz neu.
Jesus nimmt sie mit auf einen Berg und da geschieht etwas Besonderes: Jesus wird vor ihren Augen verwandelt.
Und weil das noch nicht genügt, erscheinen Elija und Mose und reden mit Jesus. Das Szenario macht den Jüngern Angst.
Mehr aus Verlegenheit schlägt Petrus vor, drei Hütten zu bauen: eine für Jesus, eine für Mose und eine für Elija.
Vielleicht ist das der Versuch, den Lichtgestalten eine Bleibe zu geben.
Sie sollen bleiben, sollen in Raum und Zeit eine Wohnung finden.
Dann kommt noch eine Steigerung: Alles bisher Erzählte bereitet nur die Kulisse für die Offenbarung Jesu als Sohn Gottes:
„Das ist mein geliebter Sohn.“ Gott bekennt sich zu Jesus.
Gott erkennt ihn als seinen Sohn.
Deutlicher ist es nicht zu sagen, dass Jesus Gott ist.
Geliebter Sohn sein: das heißt: in unmittelbarer Beziehung zu sein.
Da ist nichts dazwischen. Es ist die direkte Linie, die engste Verbindung.
Es ist Legitimation: „Der ist von mir! Der ist göttlich!“
Und nachgeschoben: „Auf den sollt ihr hören. Euer Leben bekommt damit eine neue Orientierung:
Richtet euch auf ihn hin aus! Denn das, was er euch zu sagen hat, ist wichtig für euch, ist euch ein Wort zum Leben.“
Der Evangelist lebte in einer patriarchalischen Gesellschaft.
Damals war das Vater-Sohn-Verhältnis eine besondere Beziehung, sie hatte zutun mit Anerkennung und Vermächtnis.
Der Sohn ist die Zukunft des Vaters.
Er ist die Fortsetzung der Familiengeschichte.
Da hört nichts auf und bricht nichts ab.
Vom Vater her gesehen:
Der Sohn ist die Spur, die man in der Welt hinterlässt.
Er ist Zeichen der Kontinuität und Bestätigung, dass das Leben weiter geht.
Und so wählt das Evangelium genau dieses Bild, um zu sagen, dass Jesus der Erlöser ist. Er ist Gott --- und von ihm her wird Heil.
In diese Beziehung werden die Jünger mit hineingenommen.
Diese Beziehung wird näher qualifiziert. Es ist vom „geliebten Sohn“ die Rede. Das Besondere ist also die Betonung der Liebe. Darauf kommt es an.
Das Wesen der Liebe ist es, zu lieben.
Das heißt: Liebe auszuteilen, sich zu verschenken, sich hinzugeben.
„geliebter Sohn“ – das ist die Kurzformel für LEBEN.
Denn da geht es um die Liebe, - und da geht es um die Beziehung.
Leben ist In-Beziehung sein.
Zum Leen brauchen wir die Liebe.
Wir wollen geliebt-sein, und wir wollen Liebe schenken.
Und wir brauchen gute Beziehungen.
und wenn dieses In-Beziehung-sein von Liebe getragen ist, dann ist so eine Hoch-Zeit des Lebens da, die wir für ewig festhalten wollen.
Und das bist du: Du bist der geliebte Sohn,
egal, ob du nun männlich oder weiblich bist.
Du bist der, zu dem Gott der Schöpfer eine liebevolle Beziehung aufgenommen hat.
Du bist von IHM gewollt, so wie du bist.
Das ist dein unverlierbarer Schatz.
Das ist das Fundament deines Lebens.
Du bist, weil du von Gott gewollt bist, und darum darfst du dich selber wollen.
Plötzlich ist sie vorbei, die Offenbarung der Gottessohnschaft Jesu, und alles läuft wieder normal.
Die Jünger und Jesus steigen vom Berg herab. Nach dem Gipfelerlebnis und der Hoch-Zeit geht es zurück in die Normalität des Alltags. Fast banal.
Aber schon wieder ist eine Überraschung da:
Jesus sagt, sie dürfen über das Erlebte nichts erzählen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.
Eine Zumutung nach der anderen: Zuerst das Miterleben der Offenbarung und dann auch noch das unbekannte Wort „von Toten auferstehen“.
Das eine noch kaum verstanden, schon kommt das nächste.
So wundert es nicht, dass die Jünger nicht begreifen und sie fragen, was es bedeutet.
Denn von den Toten kann niemand auferstehen. Das funktioniert nicht.
Nicht nach menschlichem Verstehen. ---------------
Was sie gerade miterlebt haben, macht sie vorsichtig.
Ganz so leicht schließen sie das scheinbar Unmögliche nicht mehr aus.
Jesus ist göttlich. Das haben sie gerade gehört.
Und da ist der Tod nicht das Ende.
Wenn Gott das Leben und die Liebe ist, - dann ist der Tod für ihn kein Problem.
Wenn Gott wirklich Gott ist, dann geht seine Dynamik immer auf Auferstehen zum Leben hin.
Und dies ist das zweite Geschenk Gottes für Dich: Du kannst nicht sterben,
weil Gott, dein Schöpfer, so sehr lebendig ist, dass er dich nicht in die Anonymität des Nichts versinken lässt.
Dies hat Gott dir zugesagt in deiner Schöpfung am Anfang deines Lebens und in jedem Augenblick, da er dich am Da-sein erhält.
Und er hat es dir zugesagt im Geschenk der Taufe, der Neuschöpfung mit der Gabe der Gotteskindschaft.
Wir dürfen hoffen, dem verklärten Wesen des Auferstandenen und seinem Bild gleichförmig zu werden,
wenn wir auch dem irdischen Jesus gleichförmig werden
und wenn wir das Schicksal des armen und verachteten Jesus teilen
und wenn wir ihm folgen auf seinem Weg
und wenn wir auch bereit sind, wie er das Kreuz auf uns zu nehmen.
Das fiel den Jüngern auch schon schwer.
Und darum hat der Herr sie mit dem Zeichen seiner Verklärung gestärkt.
In der Präfation singen wir heute:
Denn er enthüllte auf dem Berg der Verklärung seine verborgene Herrlichkeit,
er ließ vor auserwählten Zeugen seinen sterblichen Leib im Lichtglanz erstrahlen und gab den Jüngern die Kraft, das Ärgernis des Kreuzes zu tragen.
Das heutige Fest ist auch ein Fest der Hoffnung:
So schenkte er der ganzen Kirche, als uns, die Hoffnung, vereint mit ihrem Haupt die ewige Verklärung zu empfangen.
Das Fest der Verklärung des Herrn ist für uns eine Vergewisserung.
Gott vergewissert uns, macht uns und unseren Glauben sicherer.
Wir haben im Tagesgebet gebetet:
Allmächtiger Gott, bei der Verklärung deines eingeborenen Sohnes hast du durch das Zeugnis der Väter die Geheimnisses unseres Glaubens bekräftigt.
Du hast uns gezeigt, was wir erhoffen dürfen, wenn unsere Annahme an Kindes Statt sich einmal vollendet.
Und dann die Bitte:
Hilf uns, auf das Wort deines Sohnes zu hören, damit wir Anteil erhalten an seiner Herrlichkeit.
Jetzt, in dieser Eucharistiefeier, da wir das Wort Gottes hören und den Tod des Herrn verkünden und seine Auferstehung preisen – da geschieht unsere Verwandlung.
Jesus verwandelt unser Leben, da wir uns ihm aussetzen.
Wir können unser Leben in einem neuen Licht sehen.
Wir können verklärt werden, wenn wir uns der Dynamik Gottes überlassen.
Die Verklärung Jesu und die Verwandlung der Gaben von Brot und Wein und unsere Verwandlung: das alles ist Werk des Heiligen Geistes.
Im Gabengebet beten wir:
Gott, unser Vater, sende über uns und diese Gaben das Licht deiner Herrlichkeit, das in deinem Sohn aufgestrahlt ist. Es vertreibe die Dunkel der Sünde und mache uns zu Kindern des Lichtes.
Wenn wir die Eucharistie feiern und empfangen, dann werden wir schon hinheinverwandelt in den verklärten Leib des Herrn.
Am Schluß der Messe werden wir beten:
Lass uns durch den Empfang der himmlischen Speise seinem verklärten Leib gleichgestaltet werden.
Charismatischer Gottesdienst in Vilgertshofen
Fest der Verklärung des Herrn
6. August 2011
„So wie es jetzt ist, soll es immer sein!“
Das sagen wir in Augenblicken, in denen es uns gut geht.
Dann möchten wir die Zeit am liebsten anhalten und ein Stück Ewigkeit hereinholen ins Vergängliche. Festhalten, was flüchtig ist.
Wenn es auch schön wäre, die Hoch-Zeiten des Lebens anzuhalten, - es geht nicht. Unmöglich, sich darin einzurichten.
Was bleibt, ist die Erinnerung an Schönes, an Freude und Glück.
Das alles zählt zu den Kostbarkeiten unseres Lebens, formt und prägt es.
Es erscheint bequem und reizvoll, sich im Angenehmen einzurichten und diese Erfahrung unvergänglich zu machen; aber es ist unmöglich.
Zum Leben gehören auch die unangenehmen Dinge, die Sachen, die uns gar nicht gefallen und die Situationen, denen wir am liebsten aus dem Weg gehen würden.
Auch das, was nicht in unser Konzept passt und was wir überhaupt nicht verstehen und begreifen: Schmerz und Leid, Unglücksfälle und Katastrophen zum Beispiel.
Das Schöne möchten wir festhalten – dem Unangenehmen möchten wir entfliehen: schnell soll es vorbeigehen. Einfach nur weg damit.
Das sind unsere Erfahrungen.
Und bei diesen Erfahrungen setzt das Evangelium an.
Petrus, Jakobus und Johannes geraten in eine ganz und gar ungewöhnliche, nicht planbare Situation.
Bei ihrem Unterwegs-sein mit Jesus haben sie schon viel erlebt, aber was jetzt passiert, ist ganz neu.
Jesus nimmt sie mit auf einen Berg und da geschieht etwas Besonderes: Jesus wird vor ihren Augen verwandelt.
Und weil das noch nicht genügt, erscheinen Elija und Mose und reden mit Jesus. Das Szenario macht den Jüngern Angst.
Mehr aus Verlegenheit schlägt Petrus vor, drei Hütten zu bauen: eine für Jesus, eine für Mose und eine für Elija.
Vielleicht ist das der Versuch, den Lichtgestalten eine Bleibe zu geben.
Sie sollen bleiben, sollen in Raum und Zeit eine Wohnung finden.
Dann kommt noch eine Steigerung: Alles bisher Erzählte bereitet nur die Kulisse für die Offenbarung Jesu als Sohn Gottes:
„Das ist mein geliebter Sohn.“ Gott bekennt sich zu Jesus.
Gott erkennt ihn als seinen Sohn.
Deutlicher ist es nicht zu sagen, dass Jesus Gott ist.
Geliebter Sohn sein: das heißt: in unmittelbarer Beziehung zu sein.
Da ist nichts dazwischen. Es ist die direkte Linie, die engste Verbindung.
Es ist Legitimation: „Der ist von mir! Der ist göttlich!“
Und nachgeschoben: „Auf den sollt ihr hören. Euer Leben bekommt damit eine neue Orientierung:
Richtet euch auf ihn hin aus! Denn das, was er euch zu sagen hat, ist wichtig für euch, ist euch ein Wort zum Leben.“
Der Evangelist lebte in einer patriarchalischen Gesellschaft.
Damals war das Vater-Sohn-Verhältnis eine besondere Beziehung, sie hatte zutun mit Anerkennung und Vermächtnis.
Der Sohn ist die Zukunft des Vaters.
Er ist die Fortsetzung der Familiengeschichte.
Da hört nichts auf und bricht nichts ab.
Vom Vater her gesehen:
Der Sohn ist die Spur, die man in der Welt hinterlässt.
Er ist Zeichen der Kontinuität und Bestätigung, dass das Leben weiter geht.
Und so wählt das Evangelium genau dieses Bild, um zu sagen, dass Jesus der Erlöser ist. Er ist Gott --- und von ihm her wird Heil.
In diese Beziehung werden die Jünger mit hineingenommen.
Diese Beziehung wird näher qualifiziert. Es ist vom „geliebten Sohn“ die Rede. Das Besondere ist also die Betonung der Liebe. Darauf kommt es an.
Das Wesen der Liebe ist es, zu lieben.
Das heißt: Liebe auszuteilen, sich zu verschenken, sich hinzugeben.
„geliebter Sohn“ – das ist die Kurzformel für LEBEN.
Denn da geht es um die Liebe, - und da geht es um die Beziehung.
Leben ist In-Beziehung sein.
Zum Leen brauchen wir die Liebe.
Wir wollen geliebt-sein, und wir wollen Liebe schenken.
Und wir brauchen gute Beziehungen.
und wenn dieses In-Beziehung-sein von Liebe getragen ist, dann ist so eine Hoch-Zeit des Lebens da, die wir für ewig festhalten wollen.
Und das bist du: Du bist der geliebte Sohn,
egal, ob du nun männlich oder weiblich bist.
Du bist der, zu dem Gott der Schöpfer eine liebevolle Beziehung aufgenommen hat.
Du bist von IHM gewollt, so wie du bist.
Das ist dein unverlierbarer Schatz.
Das ist das Fundament deines Lebens.
Du bist, weil du von Gott gewollt bist, und darum darfst du dich selber wollen.
Plötzlich ist sie vorbei, die Offenbarung der Gottessohnschaft Jesu, und alles läuft wieder normal.
Die Jünger und Jesus steigen vom Berg herab. Nach dem Gipfelerlebnis und der Hoch-Zeit geht es zurück in die Normalität des Alltags. Fast banal.
Aber schon wieder ist eine Überraschung da:
Jesus sagt, sie dürfen über das Erlebte nichts erzählen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.
Eine Zumutung nach der anderen: Zuerst das Miterleben der Offenbarung und dann auch noch das unbekannte Wort „von Toten auferstehen“.
Das eine noch kaum verstanden, schon kommt das nächste.
So wundert es nicht, dass die Jünger nicht begreifen und sie fragen, was es bedeutet.
Denn von den Toten kann niemand auferstehen. Das funktioniert nicht.
Nicht nach menschlichem Verstehen. ---------------
Was sie gerade miterlebt haben, macht sie vorsichtig.
Ganz so leicht schließen sie das scheinbar Unmögliche nicht mehr aus.
Jesus ist göttlich. Das haben sie gerade gehört.
Und da ist der Tod nicht das Ende.
Wenn Gott das Leben und die Liebe ist, - dann ist der Tod für ihn kein Problem.
Wenn Gott wirklich Gott ist, dann geht seine Dynamik immer auf Auferstehen zum Leben hin.
Und dies ist das zweite Geschenk Gottes für Dich: Du kannst nicht sterben,
weil Gott, dein Schöpfer, so sehr lebendig ist, dass er dich nicht in die Anonymität des Nichts versinken lässt.
Dies hat Gott dir zugesagt in deiner Schöpfung am Anfang deines Lebens und in jedem Augenblick, da er dich am Da-sein erhält.
Und er hat es dir zugesagt im Geschenk der Taufe, der Neuschöpfung mit der Gabe der Gotteskindschaft.
Wir dürfen hoffen, dem verklärten Wesen des Auferstandenen und seinem Bild gleichförmig zu werden,
wenn wir auch dem irdischen Jesus gleichförmig werden
und wenn wir das Schicksal des armen und verachteten Jesus teilen
und wenn wir ihm folgen auf seinem Weg
und wenn wir auch bereit sind, wie er das Kreuz auf uns zu nehmen.
Das fiel den Jüngern auch schon schwer.
Und darum hat der Herr sie mit dem Zeichen seiner Verklärung gestärkt.
In der Präfation singen wir heute:
Denn er enthüllte auf dem Berg der Verklärung seine verborgene Herrlichkeit,
er ließ vor auserwählten Zeugen seinen sterblichen Leib im Lichtglanz erstrahlen und gab den Jüngern die Kraft, das Ärgernis des Kreuzes zu tragen.
Das heutige Fest ist auch ein Fest der Hoffnung:
So schenkte er der ganzen Kirche, als uns, die Hoffnung, vereint mit ihrem Haupt die ewige Verklärung zu empfangen.
Das Fest der Verklärung des Herrn ist für uns eine Vergewisserung.
Gott vergewissert uns, macht uns und unseren Glauben sicherer.
Wir haben im Tagesgebet gebetet:
Allmächtiger Gott, bei der Verklärung deines eingeborenen Sohnes hast du durch das Zeugnis der Väter die Geheimnisses unseres Glaubens bekräftigt.
Du hast uns gezeigt, was wir erhoffen dürfen, wenn unsere Annahme an Kindes Statt sich einmal vollendet.
Und dann die Bitte:
Hilf uns, auf das Wort deines Sohnes zu hören, damit wir Anteil erhalten an seiner Herrlichkeit.
Jetzt, in dieser Eucharistiefeier, da wir das Wort Gottes hören und den Tod des Herrn verkünden und seine Auferstehung preisen – da geschieht unsere Verwandlung.
Jesus verwandelt unser Leben, da wir uns ihm aussetzen.
Wir können unser Leben in einem neuen Licht sehen.
Wir können verklärt werden, wenn wir uns der Dynamik Gottes überlassen.
Die Verklärung Jesu und die Verwandlung der Gaben von Brot und Wein und unsere Verwandlung: das alles ist Werk des Heiligen Geistes.
Im Gabengebet beten wir:
Gott, unser Vater, sende über uns und diese Gaben das Licht deiner Herrlichkeit, das in deinem Sohn aufgestrahlt ist. Es vertreibe die Dunkel der Sünde und mache uns zu Kindern des Lichtes.
Wenn wir die Eucharistie feiern und empfangen, dann werden wir schon hinheinverwandelt in den verklärten Leib des Herrn.
Am Schluß der Messe werden wir beten:
Lass uns durch den Empfang der himmlischen Speise seinem verklärten Leib gleichgestaltet werden.
Montag, 15. März 2010
Juda: Segen und Fluch
Heute in der lectio divina blieb ich hängen bei einem Vers aus Deuteronomium, Kapitel 33. Es war der Vers 7: "Und dies sagte er (Mose) für Juda: Höre, Herr, die Stimme Judas, führ ihn heim zu seinem Volk. Mit eigenen Händen kämpfe er dafür - sei du ihm Hilfe gegen seine Feinde."
Ich stutzte. Vor mir sah ich die bekannten Fotos aus der Zeit des Dritten Reiches: Läden jüdischer Besitzer, beschmiert mit der Parole: "Juda, verrecke!" Unsere Väter hatten sich zu Feinden Judas gemacht. "Sei du ihm Hilfe gegen seine Feinde." Hier wird Gott gebeten, Hilfe gegen die Feinde Judas zu sein. Da kommt mir ein anderer Psalmvers: "Rechne uns die Schuld der Vorfahren nicht an" (Psalm 79,8).
Ich stutzte. Vor mir sah ich die bekannten Fotos aus der Zeit des Dritten Reiches: Läden jüdischer Besitzer, beschmiert mit der Parole: "Juda, verrecke!" Unsere Väter hatten sich zu Feinden Judas gemacht. "Sei du ihm Hilfe gegen seine Feinde." Hier wird Gott gebeten, Hilfe gegen die Feinde Judas zu sein. Da kommt mir ein anderer Psalmvers: "Rechne uns die Schuld der Vorfahren nicht an" (Psalm 79,8).
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Dienstag, 9. März 2010
Predigt zum Dritten Fastensonntag (7. März 2010)
Predigt
von Pater Willibrord Driever OSB
Missionsbenediktiner von St. Ottilien
am Dritten Fastensonntag (Lesejahr C)
(Klosterkirche St. Ottilien, 7. März 2010)
Liebe Brüder und Schwestern!
Wir gehen auf Ostern zur: das größte Fest unseres Glaubens, Grundlage und Ziel unseres Lebens. Die Kirche lädt uns ein, uns auf diese Feier vorzubereiten und bietet uns heute das Wort Gottes an.
An diesem Sonntag im Lukas-Lesejahr präzisiert die Litugie sehr konkret das Thema Umkehr und Buße – besonders im Hinblick auf die praktische Lebensführung.
Damit entspricht die Liturgie unserem Bedürfnis nach konkreten Weisungen;
sie legt aber auch den Finger auf so manche wunde Stelle.
In der ersten Lesung (Exodus 3,1-15) haben wir von Mose gehört.
In der Wüste macht er eine Gotteserfahrung.
Mose begegnet dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs: Dem Gott, der den Vätern Land und Nachkommenschaft verheißen hatte.
Mose erkennt den Widerspruch zwischen Verheißung und der aktuellen Not der Hebräer in Ägypten.
Und Mose erhält einen Auftrag. Denn Jahwe hat beschlossen, sein Volk aus der Gewalt Ägyptens zu erretten und es herauszuführen in ein gutes und weites Land.
Und dieser Gott nennt auch noch seinen Namen: Jahwe.
Auf Deutsch: Ich bin der, ich bin für euch da.
Mit diesem Namen sagt Gott ein Zweifaches von sich:
Zum einen: „Ich bin über jeden Namen hinaus, und ich kann nicht mit einem Begriff von euch begriffen werden.“
Zum anderen: „Ihr werdet mich in dem erkennen, was ich für euch tun werde. Die Geschichte ist es, in der ich mich offenbaren werde. Und ihr werdet mich in meinem Handeln in der Geschichte erkennen. Z. B. in diesen Tagen und Wochen und Monaten und Jahren in Amerika, in Irland und in Deutschland, da ich die Decke der sündhaften Verdrängung und Vertuschung von der ganzen Kirche wegreiße, um meine Kirche, mein heiliges Volk, zu läutern und zu reinigen und zu erneuern.
Und dabei bediene ich mich der Medien und der manchmal irrationalen und schizophrenen Gesellschaft.
Und bei diesem Werk der Erneuerung habe ich bei meinen Priestern und Ordensleuten begonnen.“
Auf der ganzen Welt und vor der ganzen Welt bekennt heute die Kirche im Tagesgebet: „Gott, unser Vater, du bist der Quell des Erbarmens und der Güte, wir stehen als Sünder vor dir, und unser Gewissen klagt uns an.“
Wir bitten aber auch: „Laß uns Vergebung finden durch Fasten, Gebet und Werke der Liebe.“
Zweite Lesung (1 Kor 10,1-6.10-12)
Bei den Eucharistiefeiern in Korinth scheint es Probleme und Mißständen gegeben zu haben.
Paulus erinnert die Gemeinde an die Ereignisse im Zusammenhang mit dem Durchzug durch das Rote Meer und der Wüstenwanderung der Vor-Väter.
Das Meer erinnert an die Wasser der Taufe.
Die Wolke ist ein Hinweis auf den Heiligen Geist.
Und das Verhältnis des Volkes zu Mose ist ähnlich wie das Verhältnis der Christen zu Christus.
Paulus will sagen: in diesen Ereignissen aus der Zeit des Alten Testamentes waren Christus und der Heilige Geist am Werk.
Paulus erinnert an das Manna und an das Wasser, das aus dem Felsen hervorquoll.
Er spricht von einer geistlichen Speise und von einem geistlichen Trank und davon, dass Christus dieser Felsen war.
Im Manna und im Wasser sieht er die Eucharistie, so wie er im Durchzug durch das Rote Meer die Taufe gesehen hat.
So wie Christus jetzt die Eucharistie darreicht, so hatte er damals den Hebräern in der Wüste Manna und Wasser gereicht.
Und Paulus erinnert an ein weiteres Ereignis: die Bestrafung Israels in der Wüste. Auch das ist für Paulus ein Vor-Bild, und zwar für die Drohungen, die über der Gemeinde zu Korinth liegen.
Es heißt: „Gott aber hatte an den meisten von ihnen kein Gefallen; denn er ließ sie in der Wüste umkommen.“ Und als innere Begründung heißt es: weil sie sich von der Gier beherrschen ließen.
Was ist damit gemeint?
Obwohl Israel schon in der Wüste so etwas wie Sakramente hatte, ließ es sich dennoch von der Gier beherrschen.
Israel hatte vor dem Anspruch des Sakramentes versagt und gemurrt und wurde deswegen bestraft.
Selbst die vorweggenommene Gegenwart Christi im Alten Bund hat die Vor-Väter nicht vor der Bestrafung bewahrt.
Und genau das wirft Paulus den Korinthern vor und stellt ihnen das Gericht vor Augen:
Wenn die Korinther vor dem Anspruch der Eucharistie versagen und murren, dann werden sie bestraft werden, wie ihre Väter damals in der Wüste.
Was bedeutet das für uns?
Weder Taufe noch Eucharistie können uns das Heil garantieren.
Die Sakramente garantieren nicht das Heil – wenn dem sakramentalen Gnadenangebot Gottes nicht die Freiheit des Empfängers entspricht.
Da gibt es keine Magie und kein Automatismus. Alles bleibt Sache einer freien Begegnung zwischen zwei freien Personen: der Person Gottes und der Person des Empfängers.
In Deutschland haben wir ein Heer von getauften und gefirmten „Heiden“: Menschen, die mit kirchlicher Gutheißung ein sakramentales Ritual durchlaufen haben, aber nicht missioniert und nicht evangelisiert worden sind. Erstkommunion als kindliche Probe für die spätere Hochzeitsfeier und Firmung als religiös aufgemotzte Jugendfeier und als das große Abschiedsfest von der Kirche.
Wenn wir die Sakramente vom Glauben und von einer entsprechenden sittlichen Lebensführung trennen, dann fallen wir zurück in die Mentalität des Wüstenzuges und wir würden denselben Misserfolg erleben, den die Hebräer erlebten.
Hoffentlich liegen am Weg der Geschichte keine Christen, hingerafft wie einst die Hebräer, weil sie die Sakramente zwar empfangen haben, sie aber nicht in ihrem Leben haben wirksam werden lassen.
Das Handeln Gottes ist niemals eine Versicherung.
Und das Heil, das er uns anbietet, ist niemals etwas Automatisches.
Es genügt nicht, die Zeichen seiner Gnade zu empfangen.
Gott fordert von uns auch die personale Antwort des Glaubens und eine ständige Bekehrung und eine entsprechende Lebensführung.
Das machen wir uns bewußt, wenn wir in der Osternacht unser Tauf-Versprechen erneuern.
Das Sakrament ist kein Schlußpunkt, sondern Ausgangspunkt und Anspruch.
Zum Evangelium (Lk 13,1-9)
Im Evangelium knüpft Jesus an zwei zufällige, aber aktuelle Neuigkeiten an.
Er bezieht sich auf zwei – sagen wir – Zeitungsmeldungen:
die Brutalität des römischen Statthalters, der ein Blutbad anrichtete,
und ein Bauunglück, bei dem 18 Menschen umkamen.
Es waren keine Sünder, die ihre sog. gerechte Strafe erlitten.
Sondern Pilger werden beim Opfern im Tempel niedergemacht und unschuldige Bauarbeiter kamen zu Tode – und Gott schweigt. Der Grund der katastrophalen Vorfälle liegt nicht in einer außerordentlichen, persönlichen Schuld der Betroffenen.
Sondern: das sind zunächst mal vorzeitige und plötzliche Todesfälle, die sich bei der Niederwerfung eines Aufstandes und bei einem Bauunglück ereigneten.
Zufällig wurden diese Menschen vom Tod überrascht.
Es hätte auch andere treffen können.
Und Jesus nimmt nun diese zufälligen Ereignisse, diese Neuigkeiten her und kommentiert sie: „Wenn ihr euch nicht bekehrt, werdet ihr alle genauso umkommen.“
Vielleicht hätte Jesus heute auf den Tsunami oder auf das Erdbeben in Haiti oder auf einen Verkehrsunfall auf der A 96 hingewiesen und kommentiert: „Wenn ihr euch nicht bekehrt, werdet ihr alle genauso umkommen.“
Durch diese Sicht Jesu werden diese Ereignisse zu Zeichen.
Jesus sagt: Mit dem Gericht Gottes wird es genau so sein: es wird plötzlich über alle hereinbrechen, die es am wenigsten erwarten.
Bekehrung, Buße: das bedeutet ganz praktisch: im Lukas-Evangelium: Vergib all jenen, denen du etwas vorzuwerfen hast – solange es noch Zeit dazu ist.
Unmittelbar vor dem heutigen Evangeliums-Abschnitt ruft Jesus zur Versöhnung mit dem Gegner auf.
Darum beten wir heute im Gabengebet, Gott möge uns die Kraft schenken, einander zu vergeben, wenn wir schuldig geworden sind.
Wenn ihr euch nicht bekehrt. – Das ist keine Aufforderung, sich noch schnell für den Abflug ins Jenseits zurecht zu machen und sich passend herzurichten.
Bekehrung, Buße: das bedeutet auch: erstnehmen, dass wir an ein Ende kommen werden, es kann auch mal plötzlich sein.
Wenn ihr euch nicht bekehrt. – Das ist der generelle Aufruf zur Umkehr. Jeder ist angesprochen. Entzieht er sich, dann wird ihn die Katastrophe des Gerichtes ereilen.
Frage: Sind wir fähig, so wie Jesus, die innerweltlichen Ereignisse unserer Zeit ebenso als Zeichen zu deuten: nämlich als Aufrufe zur Umkehr?
Dann bringt Jesus ein Gleichnis. Der Feigenbaum ist unfruchtbar und entzieht den Weinstöcken auch noch die Nährstoffe.
Der Herr des Weinberges trifft eigentlich eine sinnvolle Entscheidung.
Ungewöhnlich ist die Bitte des Weingärtners: Er will einen letzten Versuch machen, um den Feigenbaum vor der Vernichtung zu bewahren.
Aber auch er ist seiner Sache nicht sicher.
Sollte der letzte Versuch fehlschlagen, dann ist das Schicksal des unfruchtbaren Feigenbaums besiegelt.
An dieser Stelle nimmt das Gleichnis noch eine ganz andere Bedeutung an:
Jesus Christus handelt wie der Weingärtner. Jesus tritt für die letzte Frist ein. Und wir erhalten diese.
Auch eine lange, unfruchtbare Vergangenheit hindert Gott nicht, dem Feigenbaum eine Chance zu geben.
Es ist die Barmherzigkeit des himmlischen Vaters, von der gerade das Lukas-Evangelium ein so starkes Zeugnis ablegt.
Gott kann unsere antwortende Liebe nicht erzwingen.
Er wartet darauf, bis wir fähig werden, in Freiheit unsere Antwort der Liebe zu geben.
Und Gott gibt uns die Kraft, in dieser vergänglichen Welt das unvergängliche Heil zu wirken (vgl. Präfation für die Fastenzeit II)
Gott sei Dank!
von Pater Willibrord Driever OSB
Missionsbenediktiner von St. Ottilien
am Dritten Fastensonntag (Lesejahr C)
(Klosterkirche St. Ottilien, 7. März 2010)
Liebe Brüder und Schwestern!
Wir gehen auf Ostern zur: das größte Fest unseres Glaubens, Grundlage und Ziel unseres Lebens. Die Kirche lädt uns ein, uns auf diese Feier vorzubereiten und bietet uns heute das Wort Gottes an.
An diesem Sonntag im Lukas-Lesejahr präzisiert die Litugie sehr konkret das Thema Umkehr und Buße – besonders im Hinblick auf die praktische Lebensführung.
Damit entspricht die Liturgie unserem Bedürfnis nach konkreten Weisungen;
sie legt aber auch den Finger auf so manche wunde Stelle.
In der ersten Lesung (Exodus 3,1-15) haben wir von Mose gehört.
In der Wüste macht er eine Gotteserfahrung.
Mose begegnet dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs: Dem Gott, der den Vätern Land und Nachkommenschaft verheißen hatte.
Mose erkennt den Widerspruch zwischen Verheißung und der aktuellen Not der Hebräer in Ägypten.
Und Mose erhält einen Auftrag. Denn Jahwe hat beschlossen, sein Volk aus der Gewalt Ägyptens zu erretten und es herauszuführen in ein gutes und weites Land.
Und dieser Gott nennt auch noch seinen Namen: Jahwe.
Auf Deutsch: Ich bin der, ich bin für euch da.
Mit diesem Namen sagt Gott ein Zweifaches von sich:
Zum einen: „Ich bin über jeden Namen hinaus, und ich kann nicht mit einem Begriff von euch begriffen werden.“
Zum anderen: „Ihr werdet mich in dem erkennen, was ich für euch tun werde. Die Geschichte ist es, in der ich mich offenbaren werde. Und ihr werdet mich in meinem Handeln in der Geschichte erkennen. Z. B. in diesen Tagen und Wochen und Monaten und Jahren in Amerika, in Irland und in Deutschland, da ich die Decke der sündhaften Verdrängung und Vertuschung von der ganzen Kirche wegreiße, um meine Kirche, mein heiliges Volk, zu läutern und zu reinigen und zu erneuern.
Und dabei bediene ich mich der Medien und der manchmal irrationalen und schizophrenen Gesellschaft.
Und bei diesem Werk der Erneuerung habe ich bei meinen Priestern und Ordensleuten begonnen.“
Auf der ganzen Welt und vor der ganzen Welt bekennt heute die Kirche im Tagesgebet: „Gott, unser Vater, du bist der Quell des Erbarmens und der Güte, wir stehen als Sünder vor dir, und unser Gewissen klagt uns an.“
Wir bitten aber auch: „Laß uns Vergebung finden durch Fasten, Gebet und Werke der Liebe.“
Zweite Lesung (1 Kor 10,1-6.10-12)
Bei den Eucharistiefeiern in Korinth scheint es Probleme und Mißständen gegeben zu haben.
Paulus erinnert die Gemeinde an die Ereignisse im Zusammenhang mit dem Durchzug durch das Rote Meer und der Wüstenwanderung der Vor-Väter.
Das Meer erinnert an die Wasser der Taufe.
Die Wolke ist ein Hinweis auf den Heiligen Geist.
Und das Verhältnis des Volkes zu Mose ist ähnlich wie das Verhältnis der Christen zu Christus.
Paulus will sagen: in diesen Ereignissen aus der Zeit des Alten Testamentes waren Christus und der Heilige Geist am Werk.
Paulus erinnert an das Manna und an das Wasser, das aus dem Felsen hervorquoll.
Er spricht von einer geistlichen Speise und von einem geistlichen Trank und davon, dass Christus dieser Felsen war.
Im Manna und im Wasser sieht er die Eucharistie, so wie er im Durchzug durch das Rote Meer die Taufe gesehen hat.
So wie Christus jetzt die Eucharistie darreicht, so hatte er damals den Hebräern in der Wüste Manna und Wasser gereicht.
Und Paulus erinnert an ein weiteres Ereignis: die Bestrafung Israels in der Wüste. Auch das ist für Paulus ein Vor-Bild, und zwar für die Drohungen, die über der Gemeinde zu Korinth liegen.
Es heißt: „Gott aber hatte an den meisten von ihnen kein Gefallen; denn er ließ sie in der Wüste umkommen.“ Und als innere Begründung heißt es: weil sie sich von der Gier beherrschen ließen.
Was ist damit gemeint?
Obwohl Israel schon in der Wüste so etwas wie Sakramente hatte, ließ es sich dennoch von der Gier beherrschen.
Israel hatte vor dem Anspruch des Sakramentes versagt und gemurrt und wurde deswegen bestraft.
Selbst die vorweggenommene Gegenwart Christi im Alten Bund hat die Vor-Väter nicht vor der Bestrafung bewahrt.
Und genau das wirft Paulus den Korinthern vor und stellt ihnen das Gericht vor Augen:
Wenn die Korinther vor dem Anspruch der Eucharistie versagen und murren, dann werden sie bestraft werden, wie ihre Väter damals in der Wüste.
Was bedeutet das für uns?
Weder Taufe noch Eucharistie können uns das Heil garantieren.
Die Sakramente garantieren nicht das Heil – wenn dem sakramentalen Gnadenangebot Gottes nicht die Freiheit des Empfängers entspricht.
Da gibt es keine Magie und kein Automatismus. Alles bleibt Sache einer freien Begegnung zwischen zwei freien Personen: der Person Gottes und der Person des Empfängers.
In Deutschland haben wir ein Heer von getauften und gefirmten „Heiden“: Menschen, die mit kirchlicher Gutheißung ein sakramentales Ritual durchlaufen haben, aber nicht missioniert und nicht evangelisiert worden sind. Erstkommunion als kindliche Probe für die spätere Hochzeitsfeier und Firmung als religiös aufgemotzte Jugendfeier und als das große Abschiedsfest von der Kirche.
Wenn wir die Sakramente vom Glauben und von einer entsprechenden sittlichen Lebensführung trennen, dann fallen wir zurück in die Mentalität des Wüstenzuges und wir würden denselben Misserfolg erleben, den die Hebräer erlebten.
Hoffentlich liegen am Weg der Geschichte keine Christen, hingerafft wie einst die Hebräer, weil sie die Sakramente zwar empfangen haben, sie aber nicht in ihrem Leben haben wirksam werden lassen.
Das Handeln Gottes ist niemals eine Versicherung.
Und das Heil, das er uns anbietet, ist niemals etwas Automatisches.
Es genügt nicht, die Zeichen seiner Gnade zu empfangen.
Gott fordert von uns auch die personale Antwort des Glaubens und eine ständige Bekehrung und eine entsprechende Lebensführung.
Das machen wir uns bewußt, wenn wir in der Osternacht unser Tauf-Versprechen erneuern.
Das Sakrament ist kein Schlußpunkt, sondern Ausgangspunkt und Anspruch.
Zum Evangelium (Lk 13,1-9)
Im Evangelium knüpft Jesus an zwei zufällige, aber aktuelle Neuigkeiten an.
Er bezieht sich auf zwei – sagen wir – Zeitungsmeldungen:
die Brutalität des römischen Statthalters, der ein Blutbad anrichtete,
und ein Bauunglück, bei dem 18 Menschen umkamen.
Es waren keine Sünder, die ihre sog. gerechte Strafe erlitten.
Sondern Pilger werden beim Opfern im Tempel niedergemacht und unschuldige Bauarbeiter kamen zu Tode – und Gott schweigt. Der Grund der katastrophalen Vorfälle liegt nicht in einer außerordentlichen, persönlichen Schuld der Betroffenen.
Sondern: das sind zunächst mal vorzeitige und plötzliche Todesfälle, die sich bei der Niederwerfung eines Aufstandes und bei einem Bauunglück ereigneten.
Zufällig wurden diese Menschen vom Tod überrascht.
Es hätte auch andere treffen können.
Und Jesus nimmt nun diese zufälligen Ereignisse, diese Neuigkeiten her und kommentiert sie: „Wenn ihr euch nicht bekehrt, werdet ihr alle genauso umkommen.“
Vielleicht hätte Jesus heute auf den Tsunami oder auf das Erdbeben in Haiti oder auf einen Verkehrsunfall auf der A 96 hingewiesen und kommentiert: „Wenn ihr euch nicht bekehrt, werdet ihr alle genauso umkommen.“
Durch diese Sicht Jesu werden diese Ereignisse zu Zeichen.
Jesus sagt: Mit dem Gericht Gottes wird es genau so sein: es wird plötzlich über alle hereinbrechen, die es am wenigsten erwarten.
Bekehrung, Buße: das bedeutet ganz praktisch: im Lukas-Evangelium: Vergib all jenen, denen du etwas vorzuwerfen hast – solange es noch Zeit dazu ist.
Unmittelbar vor dem heutigen Evangeliums-Abschnitt ruft Jesus zur Versöhnung mit dem Gegner auf.
Darum beten wir heute im Gabengebet, Gott möge uns die Kraft schenken, einander zu vergeben, wenn wir schuldig geworden sind.
Wenn ihr euch nicht bekehrt. – Das ist keine Aufforderung, sich noch schnell für den Abflug ins Jenseits zurecht zu machen und sich passend herzurichten.
Bekehrung, Buße: das bedeutet auch: erstnehmen, dass wir an ein Ende kommen werden, es kann auch mal plötzlich sein.
Wenn ihr euch nicht bekehrt. – Das ist der generelle Aufruf zur Umkehr. Jeder ist angesprochen. Entzieht er sich, dann wird ihn die Katastrophe des Gerichtes ereilen.
Frage: Sind wir fähig, so wie Jesus, die innerweltlichen Ereignisse unserer Zeit ebenso als Zeichen zu deuten: nämlich als Aufrufe zur Umkehr?
Dann bringt Jesus ein Gleichnis. Der Feigenbaum ist unfruchtbar und entzieht den Weinstöcken auch noch die Nährstoffe.
Der Herr des Weinberges trifft eigentlich eine sinnvolle Entscheidung.
Ungewöhnlich ist die Bitte des Weingärtners: Er will einen letzten Versuch machen, um den Feigenbaum vor der Vernichtung zu bewahren.
Aber auch er ist seiner Sache nicht sicher.
Sollte der letzte Versuch fehlschlagen, dann ist das Schicksal des unfruchtbaren Feigenbaums besiegelt.
An dieser Stelle nimmt das Gleichnis noch eine ganz andere Bedeutung an:
Jesus Christus handelt wie der Weingärtner. Jesus tritt für die letzte Frist ein. Und wir erhalten diese.
Auch eine lange, unfruchtbare Vergangenheit hindert Gott nicht, dem Feigenbaum eine Chance zu geben.
Es ist die Barmherzigkeit des himmlischen Vaters, von der gerade das Lukas-Evangelium ein so starkes Zeugnis ablegt.
Gott kann unsere antwortende Liebe nicht erzwingen.
Er wartet darauf, bis wir fähig werden, in Freiheit unsere Antwort der Liebe zu geben.
Und Gott gibt uns die Kraft, in dieser vergänglichen Welt das unvergängliche Heil zu wirken (vgl. Präfation für die Fastenzeit II)
Gott sei Dank!
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