Samstag, 20. Mai 2023

Himmel - Hölle - logisch

Schwere Frage - leichte Antwort.

Wer kommt in den Himmel? - Jeder und nur, wer das will.

Wer kommt in die Hölle? - Jeder und nur, wer das will.

Welche Logik steckt dahinter? - Ein philosophisches Axiom, das lautet: "Wer das Ziel will, der will auch die Mittel".

Damit ist gemeint:

Wer wirklich und ernsthaft ein Ziel anstrebt und dieses auch erreichen will, der wendet zur Erreichung dieses Zieles auch alles hilfreichen Mittel an (und vermeidet und unterlässt alles, was ihn an der Erreichung des Zieles hindert - so könnte man ergänzen).

Diese schlichte und beeindruckende Wahrheit habe ich nicht in meinem Theologiestudium in Münster gehört (1978-1983), sondern in meinem Noviziats-Unterricht in St. Ottilien.

Aber das ist doch alles Unsinn!

Ist denn die Annahme des Gegenteils sinnvoller? Ist es denn sinnvoller zu meinen, dass der/die in den Himmel kommt, der/die das nicht will, und dass der/die in die Hölle kommt, der/die das nicht will? (Entschuldigung wegen dieser Umständlichkeit, aber ist heute so...)


wo ist mein Platz?

Im Himmel.

Woher weißt du das?
Aus dem Wort Gottes.

... und was sagt das Wort Gottes?
Das Wort Gottes sagt die eine Wahrheit auf verschiedene Weisen.

Was denn nun?
1. Der Vater im Himmel hat mir zusammen mit Christus einen Platz im Himmel geben (Epheser 2,6).
Das nennt man: realisierte Es-chatologie.
Auf Neudeutsch: Apocalypse now.

2. Und dieser Christus hat gesagt: Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin (Johannes 14,3).

Cool, aber ... und wenn das alles nicht wahr sein sollte?
Dann habe ich nichts verloren. Denn dann gibt es nicht einmal ein Bewusstsein davon, ich ich das einmal geglaubt habe. - Darf ich dich auch mal was fragen?

Ja, bitte.
Und wo ist dein Platz?

unsere Berufung

 Schenke uns das feste Vertrauen, dass auch wir zu der Herrlichkeit berufen sind, in die Christus uns vorausgegangen ist (Oration Christi Himmelfahrt)

Montag, 20. März 2023

Gehorsam der deutschen Bischöfe

 Im Kontext der Pandemie waren die deutschen Bischöfe sehr gehorsam gegenüber der Bundesregierung; diesen Gehorsam erkenne ich nicht in ihrem Verhalten gegenüber der Glaubenskongregation.

Dienstag, 14. März 2023

Gedanken zum 25. März und 25. Dezember

Wann ist das Fest der Menschwerdung Gottes? Am 25. Dezember? 

Nein! Sondern am 25. März. Die Kirche in ihrer Liturgie nimmt die biologischen Gesetze ernst.

Das Wort Gottes, Christus, die zweite Person der Trinität, hat Fleisch angenommen und ist Mensch geworden aus Maria der Jungfrau durch den Heiligen Geist an dem Tag, den wir als den 25. März in unserem liturgischen Kalender eingetragen haben.

Der Unterschied wird sehr deutlich in der Grotte in der Basilika der Verkündigung in Nazareth, dort heißt es auf dem Stern: HIC VERBUM CARO FACTUM EST

Auf dem Stern in der Geburtsgrotte in Betlehem heißt es: HIC CHRISTUS NATUS EST

Was ist Menschwerdung für uns? Das, was Gott für uns will!

Wie geht Menschwerdung für uns? Vielleicht in zwei Richtungen.

Vielleicht erst so: überwinden, verlassen, herauswachsen aus... unseren Vorurteilen, Konzepten, Strategien, Selbstfestlegungen, Selbstverfluchungen, Verletzungen, Schemata, Rückzug, Selbstmitleid, Arroganz, Depression, Aggression, Selbsttröstungen, Verdrängungen, Beschwichtigungen, Relativierungen, Verklärungen, Glorifizierungen, Lügen, Verkrustungen aufbrechen, Aufbrüche...

Vielleicht dann so: in den Plan Gottes für mein Leben, hinein in die Freiheit, Wagnis der Freiheit: Was wird aus mir? Was kommt? Ja zum Leben, Berufung entdecken, ergreifen, leben...

Samstag, 4. März 2023

Gedanken zum Tagesgebet - Zweiter Sonntag der Fastenzeit

"Reinige die Augen unseres Geistes, damit wir fähig werden, deine Herrlichkeit zu erkennen."

Es gibt also eine geistliche Seh-Fähigkeit, einen geistlichen Gesichts-Sinn.

Diese geistliche Fähigkeit kann behindert sein.

Wodurch?

Durch all das, womit wir diese Fähigkeit behindert haben: unser Verhalten aufgrund von Verletzungen: negative Erfahrungen, Erinnerungen und Erwartungen; Vorurteile, Festlegungen...

So braucht es eine Reinigung.

Wie geschieht diese Reinigungen?

Wir müssen das erst mal erkennen, eine solche Reinigung nötig zu haben, dann müssen wir bereit sein, gereinigt zu werden, uns reinigen zu lassen. Wir müssen also Gott unsere Erlaubnis geben, uns zu reinigen. Das haben wir noch nicht getan, wenn wir um Reinigung bitten, wie in diesem Tagesgebet. Dazu braucht es schon mehr.

Denn der Herr ist gerecht, er liebt gerechte Taten; wer rechtschaffen ist, darf sein Angesicht schauen (Ps 11,7).

Strebt voll Eifer nach Frieden mit allen und nach der Heiligung, ohne die keiner den Herrn sehen wird (Hebr 12,14).

Und wozu das alles?

"Damit wir fähig werden, deine Herrlichkeit zu erkennen."

Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen (Mt 5,8).

Wann? 

Schon hier auf Erden, anfanghaft und bruchstückhaft, und dann in der anderen Welt, aber um da in die volle Herrlichkeit eintauchen zu können, da braucht es dann wohl noch einen Durchgang durch den Prozess der Reinigung im Fegefeuer.


Samstag, 28. Januar 2023

Gedanken zum Tagesgebet des 4. Sonntages im Jahreskreis

 Herr, unser Gott,

du hast uns geschaffen, damit wir dich preisen.

Gib, dass wir dich mit ungeteiltem Herzen anbeten

und die Menschen so lieben, wie du sie liebst.

  • Die Prädikation nennt den Grund unserer Existenz, unseres Daseins. Wer nicht weiss, warum er existiert, findet hier eine Antwort: Du bist überhaupt nur da, damit du deinen Schöpfer den Lobpreis darbringst.
  • Die erste Bitte: Gib, dass wir dich mit UNGETEILTEM Herzen anbeten. Hier könnte so manches gesagt werden: die Anbetung als die - so möchte ich es formulieren - Höchstform des Gebetes im Sinne der Selbstlosigkeit. Denn die meisten Gebete sind Bittgebete für die anderen und für uns, also eigentlich selbstbezogen, wenn nicht: dann sogar egoistisch. Im Lobpreis geht es nicht mehr um uns, wir  sehen von uns ab; aber der Lobpreis kann immer noch um der erlangten Güter willen erfolgen. Aber nicht mehr so in der Anbetung: da geht es nur und total um Gott und um sein Gottsein. Und WIE soll Anbetung geschehen? Gute Frage, hier eine gute Antwort: Mit UNGETEILTEM Herzen. Offensichtlich ist das so schwer, dass wir es ich aus eigener Kraft tun können, darum ja auch die Bitte um das (ungeteilte) ungeteilte, also das (positiv) geeinte Herz. Können wir etwas zum geeinten Herzen beitragen? Der effektivste Beitrag besteht in einer guten Gewissenserforschung. Dazu gibt es Hilfe, z. B. im GL Nr. 600 und 601. Die Gewissenserforschung hieß früher mal "Beichtspiegel", und das dürfte aktuell wohl der unbeliebteste Spiegel sein, in den man hineinschaut, weil man darin so viel Hässliches sieht. Und weil man selten oder nie in diesen Spiegel schaut, hat man dann auch ein geteiltes, krankhaftes Herz mit einem Herzfehler, mit dem man Gott eben nur teilweise lieben kann. So ist das.
  • Die zweite Bitte: Die Menschen so lieben, wie Gott sie liebt? Geht das denn? Dazu muss man wissen, WIE Gott liebt. und wie liebt er? Er liebt göttlich. und wie lieben wir? Wir lieben (nur) menschlich. Und was sollte der Unterschied sein? Der Unterschied wird rasch deutlich, wenn wir uns vergegenwärtigen, was es heißt, göttlich zu lieben. Denn das heißt: unbedingt, unbegrenzt lieben, ebenso wie ER selber ist. Gott sagt nicht: "Ich liebe dich dann, wenn du meine Gebote erfüllst." Er sagt auch nicht: "Weil du dies und das getan hast, darum liebe ich dich nicht mehr." So erkennen wir, wie wir lieben: bedingt, begrenzt. Wir machen es so wie Gott: wir lieben, wie wir sind: bedingte und begrenzte Wesen. Frage: Können wir je anders lieben als in menschlicher Weise? Können wir jemals so lieben wie Gott liebt, in göttlicher Weise? Ich kann diese Frage nicht bejahen. Trotzdem betet die Kirche heute in den deutschsprachigen Ländern in dieser Weise. Wie ist das möglich? Das ist deswegen so möglich, weil die lateinische Vorlage aus dem Missale Romanum in dieser Weise ins Deutsche übersetzt worden ist.
  • Lateinisch: Concede nobis, Domine Deus noster ut te tota mente veneremur, et omnes homines rationabili diligamus affectu.
  • Italienisch: Dio grande e misericordioso, concedi a noi tuoi fedeli di adorarti con tutta l'anima e di amare i nostri fratelli nella carità del Cristo. - ... dich anzubeten aus ganzem Herzen und unsere Brüder mit der Liebe zu lieben (amare), mit der Christus uns liebt (caritas). Das ist ja nun auch nicht einfacher. Aber immerhin, denn die Liebe Gottes (caritas Dei, die agape) ist eingegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist (Römer 5,5).
  • Englisch: Grant us, Lord our God, that we may honor you with all our mind, and love everyone in truth of heart. - Das geht schon eher, aber eben auch nur, wenn man den Zugang zur Wahrheit seines Herzens hat.
  • es geht um "rationabili diligamus affectu". Aus der christlichen Anthropologie wissen wir um die Affekte. Diese sollen die Herrschaft der Vernunft geordnet werden, dann sind es geordnete Affekte. Wenn die Affekte sich der Herrschaft der Vernunft entziehen, dann werden sie zu ungeordneten Affekten. Das kann auch mit der Liebe geschehen: Liebe kann geordnet und ungeordnet sein. Wir lieben geordnet (in rechter Weise), wenn wir Gott über alles lieben. Wir lieben in ungeordneter Weise, wenn wir die Geschöpfe mehr als Gott lieben. Um diesen Aspekt dürfte es bei der Oration gehen. Wenn das alles stimmen sollte, dann würde ich folgenden Vorschlag machen: 
  • Gib, dass wir dich mit ungeteiltem Herzen anbeten und die Menschen in rechter (geordneter) Weise lieben.