Mittwoch, 8. Juli 2026

 

13. Sonntag im Jahreskreis (C) in der Klosterkirche von St. Ottilien am 28. Juni 2026

Erste Lesung: 2 Könige 4,8-11.14-16a

Zweite Lesung: Römer 6,3-4.8-11

Evangelium: Matthäus 10,37-42

Liebe Brüder und Schwestern,

(Zur ersten Lesung:) Kinderlose Frau, und der Mann ist auch schon alt. Damit ist eigentlich schon alles gesagt. Nämlich: menschliche Unmöglichkeit, da ist nichts mehr zu machen, und darum: Hoffnungslosigkeit.

Aber der Fortgang der Geschichte zeigt: Die Frau wird schwanger.

Da haben wir zwei Realitäten: auf der einen Seite menschliche Unmöglichkeit, Ausweglosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Und da geschieht es: Gott bricht ein in menschliche Begrenztheit und Unmöglichkeit.

Der Gott, der das Meer spaltet, der hat immer einen Weg für dich.

Der Gott, der brennt und doch nicht verbrennt, der hat immer ein Licht für dich.

Der Gott, der den glimmenden Docht nicht auslöscht, der kann immer deinen Lebensfunken zum Auflodern bringen.

Und der Gott, der das geknickte Rohr nicht zerbricht, der kann immer die Brüche deines Lebens zu Quellen der Gnade verwandeln.

Und der Gott, der Felsen öffnet, um in der Wüste Wasser hervorquellen zu lassen, der kann auch deine Verhärtung aufweichen, ohne dich zu zerbrechen.

Dieser Gott hat nicht nur damals gehandelt. Er handelt auch heute an uns – in der Taufe (Zweite Lesung)

In der Taufe werden wir verändert, ob wir es merken oder nicht, ob wir es wissen oder nicht. Es geschieht. Weil Gott anfängt.

Realität ist: In uns stirbt der alte sündige Mensch, der alte Adam, wie Paulus sagt.

Und ein neues Leben beginnt: das Leben Jesu Christi in uns. Das ist die Taufgnade, die Taufgabe.

Nun sind wir noch nicht auferstanden. Aber die Hoffnung auf Auferstehung ist da.

Wir leben in einer Zwischenzeit. Und jetzt wir dran.

Jetzt müssen wir zeigen, dass Jesus mit der Kraft seiner Auferstehung in uns lebt. Das ist unsere Tauf-Aufgabe.

Wie können wir das zeigen? Durch unser Verhalten.

Und das sind immer zwei Dimensionen: das Gute tun, und – das ist heute das Thema der zweiten Lesung – die Abkehr von der Sünde.

Jede Sünde ist eine Verleugnung der Taufgnade, eine Distanzierung vom Herrn, ein Rückschritt auf dem Weg zum Herrn, eine Verleugnung unserer Gemeinschaft mit ihm.

Es ist schon eine Gnade, wenn wir das erkennen.

Wie dieses neue Leben konkret aussieht, sagt uns Jesus im heutigen Evangelium.

Jesus sagt: Es könnte sein, dass wir seiner nicht würdig sind.

Wann sind wir seiner nicht würdig?

Wenn wir einen Menschen oder eine Sache mehr lieben als wir Gott lieben sollen, dann vergötzen wir diesen Menschen oder diese Sache.

Wenn der Ehemann seine Frau mehr liebt als er Gott lieben soll, dann vergötzt er seine Frau.

Wenn die Ehefrau ihren Mann mehr liebt als sie Gott lieben soll, dann vergötzt sie ihren Ehemann.

Die Folge: dann gerät die Ordnung der Liebe aus dem Gleichgewicht.

Es geht auch anders.

Wenn wir Gott an die erste Stelle setzen und ihn über allen und über alles lieben, dann lieben wir auch die Menschen in der rechten Ordnung. Dann kommt niemand zu kurz.

Das zweite Wort Jesu: Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig.

Was ist dieses Kreuz?

Es sind die Widrigkeiten des Lebens. Daran fehlt es nicht:in der Ehe, in der Familie, als Single, im Kloster.

Und jeder hat sein eigenes Kreuz, nicht das Kreuz eines anderen. Das Kreuz, das Christus jedem Menschen zumisst. Es ist ihm in göttlicher Weisheit und Liebe zugedacht.

Ist Jesus inklusiv? Ist er exklusiv? Ich weiß es nicht.

Jesus ist vor allem alternativ. Er stellt uns vor eine Entscheidung.

Aber niemals ohne die Gnade, die das Unmögliche möglich macht, und niemals ohne seine Verheißung.

Denn ein Gott, der das Meer teilt, kommt nie zu spät.

Da ist immer noch Hoffnung.

Unser Gott bahnt einen Weg, immer. Auf für dich. Dank sei Gott.