Donnerstag, 26. Januar 2023

Dazu meine Gedanken

 

https://katholisch.de/artikel/42639-eremitin-ich-moechte-die-eucharistie-feiern-koennen

Meine Gedanken nach der Lektüre des Interviews

von Pater Dr. Willibrord Driever OSB, St. Ottilien - Rom

1.      Ich erinnere mich an den hilfreichen Unterricht in meinem Noviziat. Dort hörte ich von den zwei Dimensionen der Berufung: die innere Berufung, der von Gott ausgehende Ruf wird innerlich vernommen und zeigt sich in der rechten Neigung, angemessenen Motivation; die äußere Berufung zeigt sich in der umfassenden Eignung der Person und in der Annahme, Bestätigung durch die Kirche.

2.      Im Noviziats-Unterricht hörte ich auch: Wenn Gott ruft, dann ruft er auch in konkrete Möglichkeiten der Realisierung seines Rufes; andernfalls ist der Ruf falsch verstanden! Wow. Das heißt negativ: Gott beruft nicht in die Unmöglichkeit; dann widerspräche er sich. Das alles ist nachzulesen bei Raymond Hostie.

3.      Ich bin auch der Meinung, dass viele Frauen gute Priesterinnen wären („das Zeug dazu haben“), so wie die Priester das psychische, emotionale, charakterliche Potential haben sollten (umfassende Reife), potentiell gute Gatten und Väter zu sein.

4.      Wenn mich unwissende Leute als „Herr Pfarrer“ anreden, dann war es mir noch nie in den Sinn gekommen, darüber nachzudenken, meine monastische Berufung aufzugeben und Pfarrer zu werden.

5.      Ist es für Frauen anstrengender, berufen zu sein als für Männer? Da sehe ich keinen geschlechtsspezifischen Unterschied. Es dürfte für Frauen wie für Männer gleicherweise anstrengend sein, wenn sie sich auf eine „Berufung“ fixieren, die sich unter den gegebenen Umstanden (sic rebus circumstantibus) nicht realisieren lässt.

6.      Ich frage mich, wie diese im Interview vorgetragenen Überlegungen und andere Überlegungen dieser Art in den orthodoxen Kirchen wahrgenommen werden, die übrigens eine größere Sensibilität für das eremitische und koinobitische Mönchtum bewahrt haben. Und wir: verschwenden wir bei diesen Überlegungen überhaupt einen Gedanken an die Ökumene mit den sakramentalen orthodoxen Kirchen, mit denen uns Lateiner mehr verbindet als mit den protestantischen kirchlichen Gemeinschaften?

7.      Wieviel Segen würde für die Kirche und die Welt freigesetzt, wenn alle Getauften nur und ganz ihre ihnen von Gott geschenkte Berufung erkennen, annehmen und leben würden! Frei nach Ignatius von Loyola: Nur wenige Menschen ahnen, was Gott aus ihnen machen würde, wenn sie sich nur ihm ganz überließen.

Eremitin Ich möchte gerne die Eucharistie feiern können

 Mit 25 Jahren ist Schwester Monika Amlinger Benediktinerin geworden. Schon damals verspürte sie den Wunsch, Priesterin sein. Doch das verdrängte sie erst. Heute hat sie die Gewissheit, dass Gott ihre Berufung will. Im Interview spricht die 41-Jährige promovierte Theologin über ihre Sehnsucht, geweiht zu werden und und warum es für sie anstrengend ist, sich berufen zu fühlen.


Frage: Schwester Monika, wozu fühlen Sie sich genau berufen?

Schwester Monika: Ich sehne mich sehr danach, in der katholischen Kirche Priesterin sein zu können. Ich habe einige Jahre in Gemeinden gearbeitet und bin im Moment Krankenhausseelsorgerin. Mein Beruf erfüllt mich, ich bin gern für die Menschen da. Aber ich sehne mich nach mehr. Ich möchte auch Eucharistie feiern können. Das wäre ein Herzenswunsch. Für mich öffnet sich in der Eucharistiefeier immer ein Stück weit der Himmel. Die Bitte, dass der Heilige Geist auf die Gaben herabkomme und sie verwandle, damit Jesus unter uns gegenwärtig sei, finde ich sehr berührend. Ich möchte das Hochgebet sprechen, insbesondere auch die Einsetzungsworte. Ich bin gern Seelsorgerin, aber ich will den Menschen die Nähe Gottes gern auch in den Sakramenten vermitteln können. Im Krankenhaus wäre mir da natürlich auch die Krankensalbung wichtig.

Frage: Seit wann verspüren Sie diese Berufung?

Schwester Monika: Während meines Theologiestudiums in München bin ich ins Kloster eingetreten und Benediktinerin geworden. Damals war ich 25 Jahre alt. Im Kloster war ich Sakristanin. Ich hatte während der Gottesdienste Aufgaben, die denen einer Ministrantin ähnlich waren. So brachte ich zum Beispiel die Hostien während der Messe zum Altar. Damals ist meine Liebe zur Eucharistie gewachsen. In dieser Zeit habe ich den Ruf Gottes verspürt, Priesterin zu sein. Aber ich habe diesen Wunsch zunächst weggeschoben und verdrängt.

Bild: ©privat

Schwester Monika Amlinger lebt als Eremitin in einer Dachgeschosswohnung in Osnabrück. Dort hat sie sich einen Gebetsraum eingerichtet, in dem sie täglich viel Zeit in Gebet und Stille verbringt.

Frage: Gab es einen Moment, wo Ihnen Ihre Berufung zur Priesterin klar wurde?

Schwester Monika: Ich war während meiner Zeit im Kloster auf einem Pilgerweg zu Fuß unterwegs. Mit einer Frau habe ich mich lange unterhalten. Sie war Theologin und erzählte mir, sie fühle sich schon lange zur Priesterin berufen. Das hatte ich noch nie von einer Frau so gehört. Damals habe ich das erste Mal ganz spontan gesagt, dass mich auch zur Priesterin berufen fühle. Ich war selbst von meinen Worten überrascht. Es war wie ein Geistesblitz, eine innere Klarheit. In der Zeit danach habe ich viel gebetet und mit Gott auch gerungen. Ich habe gefragt: "Gott, was bedeutet das? Warum gibst du mir eine solche Berufung ins Herz, eine tiefe Sehnsucht, wenn Frauen in deiner Kirche gar nicht Priesterinnen sein können? Was soll ich tun?"

Frage: Haben Sie eine Antwort bekommen?

Schwester Monika: Zunächst wusste ich über längere Zeit nicht, was ich nun tun soll. Bei den Menschen, mit denen ich darüber gesprochen habe, bin ich vor allem auf Hilflosigkeit und Schweigen gestoßen. Mittlerweile bin ich mit anderen berufenen Frauen verbunden und spüre, dass Gott mit mir und mit uns etwas vorhat. Außerdem gibt mir das Gebet viel Kraft und Freude. In meiner Wohnung habe ich einen kleinen Gebetsraum eingerichtet. Hier verbringe ich viel Zeit in der Stille. Ich spüre, dass Gott mich führt. Auch die Gespräche mit meinem geistlichen Begleiter, einem Jesuiten, helfen mir, die nächsten Schritte zu finden.

Frage: Wie prüft man, ob eine geistliche Berufung echt ist?

Schwester Monika: Letztlich wird man es schwer endgültig beweisen können, ob jemand berufen ist – Mann oder Frau. Aber es gibt doch bewährte Wege der Prüfung: persönlich für sich im Gebet und in geistlicher Begleitung, aber auch in der Außenwahrnehmung der Menschen, mit denen man lebt und für die man da ist. Eine Berufung spürt man innerlich deutlich. Immer wieder wurde mir von anderen Menschen zugesagt, dass ich eine gute Seelsorgerin sei. Manche sprechen mich auch als "Frau Pfarrerin" an oder sagen mir, dass ich eine gute Priesterin wäre. Ich denke mir, wenn die Rückmeldungen von außen mit dem, was man im Inneren verspürt, zusammen gehen, kann man mit einer guten Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass eine Berufung echt und von Gott gewollt ist. Letztlich sind es dann die Amtsträger in der Kirche, insbesondere die Bischöfe, die eine Berufung aufgrund der genannten Erfahrungen anerkennen. Das ist bei uns Frauen bisher nicht der Fall. Ich finde es manchmal sehr anstrengend, berufen zu sein.

Frage: Warum?

Schwester Monika: Es ist ein tiefer Schmerz für mich, zu wissen, dass ich meine Berufung zur Priesterin nicht im vollen Sinne leben darf. Ich werde von den verantwortlichen Männern in der Kirche von diesem Amt ausgeschlossen.

Bild: ©Hannah Audebert / Netzwerk Berufener Frauen

Das "Netzwerk Berufener Frauen*" bei einem Treffen in Stuttgart. Schwester Monika Amlinger (vorne 2.v.re.) ist Teil des vierköpfigen Koordinationsteams.

Frage: Sie haben Ihre Berufungsgeschichte in dem Buch von Schwester Philippa "Weil Gott es so will" aufgeschrieben…

Schwester Monika: Ja, 150 Frauen und auch einzelne nichtbinäre Personen aus Deutschland, der Schweiz und aus Österreich schreiben in diesem Buch über ihre Berufung. Sie wollen gern Diakonin oder Priesterin sein und viele würden sich gern weihen lassen. Auch wenn sie natürlich unter vielem leiden, was sich in der katholischen Kirche im Moment an systemischen und menschlichen Problemen massiv zeigt. Wir Autorinnen haben uns schon oft online und einmal in Präsenz getroffen und sind mittlerweile gut vernetzt. Es war befreiend zu hören, dass auch andere Frauen diese Berufung von Gott verspüren. Viele haben sich jahrelang geschämt, den Wunsch danach überhaupt zu denken oder auszusprechen. Sie dachten, sie bilden sich das alles nur ein oder sie seien allein damit. Es gibt kaum weibliche Vorbilder für uns Frauen, die uns auf unserem Weg bestärken oder ermutigen könnten. Manche von uns, die sich geäußert haben, wurden belächelt, ihnen wurden Hindernisse in den Weg gelegt oder sie wurden unter Druck gesetzt zu schweigen. Wir aus der "Vernetzung berufener Frauen*" wollen nicht mehr schweigen. Wir wollen mit anderen Frauen, Männern, Nichtbinären, mit Diakonen, Priestern, Bischöfen und vielleicht auch eines Tages mit dem dem Papst, über unsere Berufung und unsere Erfahrungen sprechen. Der Dialog wird elementar sein.

„Es gibt kaum weibliche Vorbilder für uns Frauen, die uns auf unserem Weg bestärken oder ermutigen könnten. Manche von uns, die sich geäußert haben, wurden belächelt, ihnen wurden Hindernisse in den Weg gelegt oder sie wurden unter Druck gesetzt zu schweigen. Wir aus der "Vernetzung berufener Frauen*" wollen nicht mehr schweigen.“

—  Zitat: Schwester Monika Amlinger, Klinikseelsorgerin

Frage: Papst Franziskus hat erst kürzlich sein Nein zur Priesterweihe für Frauen bekräftigt…

Schwester Monika: Das finde ich persönlich rückständig und es schmerzt. Es gibt berufene Frauen auf der ganzen Welt und nicht nur in Deutschland, in der Schweiz oder in Österreich. Auf der Amazonas-Synode haben einige Bischöfe gesagt: "Warum verweigern wir Männer diesen Frauen, die schon so viel für unsere Gemeinden machen, indem sie die Leitung übernehmen, taufen, beerdigen und bei der Ehe assistieren, noch immer die sakramentale Weihe?" Da ging es um die Diakoninnenweihe und das wäre der erste wichtige Schritt. Solche Sätze machen mich hoffnungsfroh. Es macht mich auch froh, dass manche deutsche Bischöfe ein ernsthaftes Interesse an uns berufenen Frauen haben. Auf dem Synodalen Weg wurde der Grundtext zum Thema "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche" verabschiedet. Darin steht, dass es schon in früheren Zeiten Frauen gab, wie etwa Therese von Lisieux, die eine Berufung zur Priesterin in sich gespürt haben. Und dass weibliche Berufungen unbedingt auf dieselbe Weise geprüft werden sollten wie männliche. Es ist ein großer Schritt für die deutsche Kirche und für uns berufene Frauen, dass das in dem Text so drinsteht. Weil wir jetzt sagen können, wir Frauen haben viele Bischöfe hinter uns. Wichtig auch: Im weltweiten Synodalen Prozess wird deutlich, dass das Thema Frauenweihe in vielen Ländern virulent ist, nicht nur bei uns.

Frage: Was wünschen Sie sich für Ihre Berufung?

Schwester Monika: Ich würde gern geweiht werden, um den Menschen auch in den Sakramenten dienen und die Nähe Gottes vermitteln zu können. Ich weiß allerdings nicht, ob ich das noch erleben werde. Natürlich müsste sich das Priestertum nach dem heutigen Verständnis auch für die Frauen verändern, die nicht zölibatär leben wie ich, sondern eine Familie und Kinder haben oder die queer sind. Uns geht es auch um die Stärkung der diakonischen Dimension des Priestertums. Das heißt es geht um Wegbegleitung von Menschen, nicht nur um ein kurzfristiges sakramentales Handeln. Auf keinen Fall wollen wir einen Klerikalismus fortsetzen. Wir wollen die Sakramente feiern können, weil wir Frauen uns auch zu Priesterinnen berufen wissen. Weil wir spüren, dass Gott es so will!

Von Madeleine Spendier

Montag, 12. Dezember 2022

Immakulata Rosenkranz

Immakulata-Rosenkranz

(nicht nur vor dem 8. Dezember zu beten)

Erstes Gesätz

Durch deine Unbefleckte Empfängnis, rette unsere verworrene Welt.

 

Zweites Gesätz

Durch deine Unbefleckte Empfängnis, regiere unser Deutschland.

 

Drittes Gesätz

Durch deine Unbefleckte Empfängnis, segne unser (Erz-)Bistum.

 

Viertes Gesätz

Durch deine Unbefleckte Empfängnis, schütze unsere Gemeinde/Stadt.

 

Fünftes Gesätz

Durch deine Unbefleckte Empfängnis, heilige unsere Pfarreien und unsere Familien.

Samstag, 19. November 2022

Der Rosenkranz als Wochenpsalter. Ein Vorschlag

Wir haben die fünf RK. Aber wir haben noch viel mehr RK, wie man leicht entdecken kann, wenn man dieses Stichwort in die Suchmaschinen eingibt. Wir haben auch die Freiheit, den RK zu "personalisieren" - für das private, persönliche Beten. Ich habe mir Gedanken gemacht, wie man das Leben Jesu, sein Mysterium von Menschwerdung, Verkündigung, Passion und Verherrlichung bis zu seiner Wiederkunft in den Lauf einer Woche einfügen kann. Hier mein Vorschlag.

Mittwoch: Wir beginnen mit der Betrachtung des Lebens Jesu mit dem freudenreichen RK: Menschwerdung bis zur Wallfahrt des 12jährigen Jesus und seine Auffindung im Tempel.

Donnerstag: Das öffentliche Auftreten Jesu, seine Reich-Gottes-Verkündigung und sein messianisches Wirken bis zur Einsetzung der Eucharistie. Der lichtreiche RK.

Freitag: wie am Karfreitag - Passion und Tod Jesu, der schmerzhafte RK.

Samstag erinnert an den Karsamstag: Hinabgestiegen in das Reich des Todes (Credo). Was hat die Seele Jesu in der Unterwelt getan? Sie hat die dort wartenden Seelen erlöst. Wir beten für die Armen Seelen, die deswegen arm sind, weil sie nun selber nichts mehr für ihre Erlösung tun können, sondern auf unsere Fürbitte angewiesen sind. Hier ein Vorschlag:

1. Jesus, der durch seine Menschwerdung die Armen Seelen aus dem Fegfeuer befreien wolle.

2. Jesus, der durch sein Beten und Arbeiten (oder: verborgenes Leben) die Armen Seelen aus dem Fegfeuer befreien wolle.

3. Jesus, der durch seine Reich-Gottes-Botschaft die Armen Seelen aus dem Fegfeuer befreien wolle.

4. Jesus, der durch sein Leiden und Sterben die Armen Seelen aus dem Fegfeuer befreien wolle.

5. Jesus, der durch seine Auferstehung und Himmelfahrt die Armen Seelen aus dem Fegfeuer befreien wolle.

Am Sonntag beten wir den glorreichen RK: Auferstehung des Herrn, Sendung des Heiligen Geistes und Geburt der Kirche, Verherrlichung der Gottesmutter.

Der Montag ist traditionellerweise der Verehrung des Heiligen Geistes geweiht. Wir beten den Heilig-Geist-RK. Wer diesen RK nicht kennt, möge dieses Stichwort bei Google eingeben.

Dienstag: nach der Himmelfahrt des Herrn und der Sendung des Heiligen Geistes beginnt die Zeit der Kirche und der Erwartung des wiederkommenden Herrn bei der Vollendung der Zeiten. Wir beten den trostreichen RK aus dem GOTTESLOB.

Freitag, 11. November 2022

Gottes Wille und "Angehörigkeit"

Heute, am 11. November, beim SCHLUSSGEBET der heiligen Messe am Fest des heiligen Martin, bemerkte ich etwas:

Zitat: "Hilf uns, nach dem Vorbild des heiligen Martin deinen Willen zu tun, damit gleich ihm dir wahrhaftig angehören."

Abstrakt: Hilf uns, deinen Willen zu tun, damit dir wahrhaftig angehören.

Aha, wir gehören Gott wahrhaftig an, wenn wir seinen Willen tun. Und wenn wir seinen Willen tun, gehören wir ihm wahrhaftig an. 

Während ich das SCHLUSSGEBET vortrug, liefen blitzschnell zwei Gedanken ab:

Erstens. Es kam die Erinnerung an meinen Unterricht im Noviziat - lang ist es her. Unser Novizenmeister, ein scholastisch gebildeter gütiger Pater, erklärte uns den Gehorsam:

Um das Gelübde des Gehorsams zu erfüllen, ist es notwendig und hinreichend, den Willen des Gehorchenden in die Richtung des Willens des Befehlenden zu bewegen. Dabei ist es nicht gefordert, die Erkenntnis (Einsicht) des Befehlenden zu kennen oder zu übernehmen: man dürfe die persönlich Erkenntnis bewahren. "Cool", würden heutige Novizen wohl sagen - wenn sie es denn verstanden haben.

Zweitens. Die geistliche Tradition und die mystisch-aszetische Theologie und offensichtlich dieses SCHLUSSGEBEGT bezeugen: Die Vereinigung der Seele mit Gott geschieht in der Angleichung des menschlichen Willens (Wille und Verstand = die zwei höchsten Kräfte der Seele) an den Willen Gottes. Cool.


Montag, 22. August 2022

"Dann geht Jesus weg"

Kontext:

  • Christof May war Regens des Priesterseminars in Limburg.
  • Gegen ihn wurden Anklagen erhoben.
  • Bischof Bätzing befreite ihn von Dienst bis zur Klärung der Vorwürfe.
  • Tags darauf wurde Christof May tot aufgefunden.


„Dann geht Jesus weg“.

Nachdenkliches zu einem Nachruf

Pater Dr. Willibrord Driever OSB, St. Ottilien - Rom

So lautet die Überschrift eines Beitrags von Pfarrer Felix Evers zum Tod des Limburger Regens Christof May (Christ in der Gegenwart 25/2022). Diese Überschrift ist ein Zitat aus dessen Predigt, die er am 30. Januar 2022 gehalten hat. „Dann geht Jesus weg“ – dieser Satz erinnerte mich an die Perikope Lukas 4,16-30. Jesus ging weg (V. 30, wie es in der Einheitsübersetzung heißt), weil die Zuhörer in der Synagoge von Nazareth seine Botschaft ablehnten und ihn töten wollten. Diese Perikope mag eine von Lukas im Stil hellenistischer Geschichtsschreibung dramatisch aufgebaute Erzählung sein, und die Übersetzung „er wanderte weiter“ mag die theologisch zutreffendere Beschreibung sein für den Weg Jesu von Galiläa nach Jerusalem und für seinen heilsgeschichtlichen Lebenslauf; aber belassen wir es einmal bei dem Weggehen Jesu. Also „… dann geht Jesus weg“ – dieser Satz hat mich getroffen, er arbeitete in mir, und ich begann, darüber nachzudenken. Wann geht Jesus weg? Der Verstorbene hat die Antwort gegeben: „Wenn seine Wahrheit nur gelehrt, aber nicht gelebt wird, dann geht Jesus weg.“

Für den Hörer oder Leser ist dieser Satz eine unbewiesene Behauptung. Was ist dieser Satz für den Sprecher? Darf ich darüber nachdenken, „mit Furcht und Zittern“? Hier können wir nur vermuten: verdichtete Erfahrung? Ausdruck einer Entscheidung, einer Überzeugung aufgrund von Erfahrung? Ein Lebensmotto, eine Richtungsweisung für Lebensgestaltung? Ein überzogener Anspruch?

Stimmt diese Behauptung? Geht Jeshua, der Zeuge Jahwes, geht er weg? Haben wir nicht von Erich Zenger erfahren, dass Jahwe bei uns da sein will als welcher er bei uns da sein will: zuverlässig (wenn wir ihn not-wendend brauchen), unverfügbar (wenn er uns stört, wenn wir ihn nicht bei uns haben wollen), ausschließlich (nur ER, keine anderen „Götter“) und unbegrenzt?

Stimmt diese Behauptung? Geht Jesus wirklich weg, wenn wir „seine Wahrheit“ nur lehren, aber nicht mehr leben? Verlässt er uns? Ich vermute: mit „Wahrheit lehren“ ist die gesamte Lebensäußerung der Verkündigung, der Martyria der Kirche gemeint. Wessen Verkündigung von all denen, die zu dieser mit dem Ordo verbundenen amtlichen Verkündigung sakramental beauftragt und gesandt sind, befindet sich in hundertprozentiger Übereinstimmung mit der persönlichen Lebenspraxis? Wenn es eine hundertprozentige Übereinstimmung gibt, dann haben wir es nicht nötig umzukehren (vgl. Lk 15,7) und brauchen auch keine Barmherzigkeit. Es bleibt wohl immer diese Differenz. Wie gehen wir damit um? Ich sehe drei Möglichkeiten.

Die erste Möglichkeit: Ich bleibe auf dem Weg der realistischen Anerkennung meiner Selbst, ich  anerkenne meine bleibende menschliche Armseligkeit, Gebrochenheit, Zerbrochenheit, Verletzlichkeit, Versuchbarkeit, Sündhaftigkeit: „HERR, sei mir gnädig! Heile mich, denn ich habe gegen dich gesündigt“ (Ps 41,5). Ich bleibe auf dem Weg der permanenten Bekehrung und Umkehr: „Ich bin verirrt wie ein verlorenes Schaft. Suche deinen Knecht“ (Ps 119,176). Ich bleibe auf dem Weg der menschlichen und geistlichen Entwicklung und Reifung. Ich bleibe auf dem Weg der Transzendierung meiner Selbst in Richtung der Werte des Evangeliums und der Nachfolge Jesu. Auf diesem Weg erkenne ich immer mehr und immer tiefer das Geschenkt, welches Gott mir in der Priesterweihe anvertraut und zugemutet hat.

Die zweite Möglichkeit: Ich reduziere meine Verkündigung der Wahrheit Jesu auf mein moralisches Niveau, auf das Niveau dessen, was ich mit meinem mehr oder weniger armseligen Leben abdecke. Dann bleibe ich vielen vieles schuldig. Und dafür werde ich eines Tages, am Ende meiner Tage, zur Rechenschaft gezogen.

Die dritte Möglichkeit: Wenn mein Leben nicht mit meiner Verkündigung  übereinstimmt, wenn ich mir schwere Schuld aufgeladen habe und wenn ich dann noch zutiefst davon überzeugt bin, dass infolge all dessen „Jesus weggeht“, dann bleibt eigentlich nur die Verzweiflung, - nein: denn es bleibt immer noch die Barmherzigkeit Gottes. Der heilige Benedikt hat es in seiner Regel wunderbar auf eine Formel gebracht: Et de dei misericordia numquam desperare – Und an Gottes Barmherzigkeit niemals verzweifeln (RB 4,74). Dieser Tip gilt nicht nur für Benediktiner.

Mein Glaube: Jesus geht NIEMALS weg wegen unserer schäbigen Mittelmäßigkeit. Er hat keine anderen als uns erbsündlich gebrochenen Menschen, die er berufen und senden könnte. Es gibt dieses Paradox: ja, er ist von unserer Mittelmäßigkeit angewidert, und gleichzeitig ist sie attraktiv für ihn, er ist angezogen von unserer Erbärmlichkeit, um sich unser zu erbarmen; denn er ist die menschgewordenen Barmherzigkeit des barmherzigen Vaters (vgl. Lk 15), und er bleibt bei uns bis zum Ende der Welt (vgl. Mt 28,20).

Was mir, im Gegensatz zum Autor, nicht „glasklar“ ist: warum spätestens jetzt „die Uhren in der deutschen Kirche angehalten werden“ müssen. Das ist mir wohl deswegen nicht klar, weil mir die Botschaft dieser idiomatischen Redeweise unbekannt ist. Ich versuche zu verstehen: Ich kann zwar die Uhren anhalten, aber nicht die Zeit. Sollte damit gemeint sein, dass alles zum Stillstand kommen und eine neue Zeitrechnung beginnen solle? Der Autor schreibt von Pistis und meint damit das gegenseitige personale Urvertrauen. Wem schenke ich mein Urvertrauen? Ich schenke mein Urvertrauen dem und nur dem, der mir zuerst sein Urvertrauen geschenkt und niemals zurückgenommen hat: meinem Herrn, meinem Schöpfer und Erlöser, der mir mein Vertrauen ermöglicht. Wir haben am 29. Juni das Hochfest der Apostel Petrus und Paulus gefeiert; der eine war ein fanatischer Christenverfolger und wollte die Kirche vernichten (vgl. Gal 1,13), der andere hat den verleugnet, für den er vorgab, sterben zu wollen. Beiden hatte der Herr sein Vertrauen geschenkt und niemals entzogen. Der Fels, den - nach den Worten Jesu - die Mächte der Unterwelt nicht überwältigen können (vgl. Mt 16,18) und auf den der Autor offensichtlich anspielt, kann nicht implodieren. Was ist es dann, was sich „von innen her in seine Einzelteile zerlegt“ und „täglich und stündlich“ implodiert? Implodieren kann doch nur das Konstrukt meines irrigen und fehlgeleiteten Vertrauens. Wenn ich dem Papst, den Bischöfen und den Priestern und in diesem Sinne der „Kirche“ mein (Ur-)Vertrauen schenke, dann werde ich täglich und stündlich von den Splittern des implodierenden Felsens verletzt. „Besser, sich zu bergen beim Herrn, als zu vertrauen auf Menschen und auf (Kirchen-) Fürsten“ (vgl. Ps 118,8.9). Sollte das der „deutsche Kirchenfelsen“ gewesen sein? Dann würde jetzt unser irriges Vertrauen implodieren. Dann wäre der Weg frei zu dem, der Worte des Lebens hat (vgl. Joh 6,68). Dann wäre ein Neuanfang möglich. Dann hätte der Herr „die Uhren angehalten“ für eine neue Zeit.

Predigt 21. Sonntag im Jahreskreis / C (21.8.2022)

 

Predigt zum 21. Sonntag im Jahreskreis / C (21.8.2022)

Klosterkirche St. Ottilien

1.

Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?

Wie so viele andere Gefragte, könnte auch Jesus antworten: Das ist eine gute Frage! Und dabei eine gute Antwort schuldig bleiben.

Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem: Signal und Symbol. D. h.: Dort soll sich durch ihn und an ihm die Herrlichkeit Gottes offenbaren.

Ihr werdet heulen und mit den Zähnen knirschen, wenn ihr Abraham und Isaak und alle Propheten drinnen im Reich Gottes seht, euch aber draußen, ausgestoßen seht. Und sie werden von überall her kommen und im Reich Gottes zu Tische liegen. Es sind die Letzten, die ehemaligen Heiden, welche die Ersten sein werden (VV. 28-30).

Die erste Lesung aus dem Propheten Jesaja ist ausgewählt im Blick auf dieses Evangelium

2.

Gott kommt und sammelt (V. 18)

Ich kenne die Taten und Gedanken der Völker aller Sprachen, auch die geheimsten Absichten, nicht nur der Völker, sondern jedes einzelnen Menschen, deine und meine Gedanken und Taten, die wir alle von den Folgen der Erbsünde und der persönlichen Sünden infiziert sind.

Ich komme, um sie zusammenzurufen. Nämlich die Zersprengten und Zerstreuten.

Wenn Gott kommt, dann kommt er, um Zersprengte und Zerstreute zu sammeln.

Wer wird gesammelt? – Nicht nur Israel, sondern mit Israel alle Völker, die gesamte Menschheit.

Und Gott gibt eine Verheißung: Sie werden kommen und meine Herrlichkeit sehen (V.18)

Sammlungspunkt ist die Herrlichkeit Gottes.

Johannes: „So tat Jesus sein erstes Zeichen bei der Hochzeit von Kana, und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn.“ -  „ Und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, voll Gnade und Wahrheit.“

In Christus ist die Herrlichkeit des Vaters bereits aufgestrahlt. Sanctus, Sanctus, Sanctus.

Herrlichkeit Gottes ist da: in der Schöpfung schon immer, aber besonders in der Kirche, in diesem Raum des Heiligen Geistes, in dem die ganze Fülle der sakramentalen Gnaden aufbewahrt ist.

Gott ist schon gekommen, endgültig und unumkehrbar – in seiner Menschwerdung, Gott ist angekommen. Und er lebt und wirkt und ist präsent… wo? in seiner Kirche: Sakrament der Gegenwart Gottes in der Welt.

Jesus hat nur die eine Kirche gegründet: Ort der verborgenen Offenbarung seiner Herrlichkeit, in sehr zerbrechlichen Gefäßen.

Das haben wir mittlerweile alle begriffen: dank der ununterbrochenen Kette von Skandalen.

Es ist heute wie damals auf dem Kreuzweg: auch da hat der Herr seine Herrlichkeit verborgen unter seiner Niedrigkeit.

Aber es gibt keine andere, bessere, heiligere Kirche.

3.

Gott rettet und sendet (V. 19).

Ich stelle ein Zeichen auf. Was ist das für ein Zeichen? Das erste Zeichen ist er selbst: sein Eintritt in die Geschichte, seine Menschwerdung, sein Ankommen in der Geschichte. Und das zweite Zeichen sind wir: die Geretteten. Und es wäre gut, wenn wir das auch mal erfahren hätten oder erfahren würden, wie Gott uns gerettet hat: wie er eine Berufung bewahrt, beschützt und erhält, und wie er die berufene Person vor endgültigen Irrwegen, Umwegen, Abwegen bewahrt, beschützt, rettet. Wer das erfahren hat, der wendet sich Jahwe zu.

Und er wählte die 12 aus, die er bei sich haben und dann aussenden wollte (Mk).

Ja, wir sind gerettet, aber nicht für uns selbst, sondern für andere.

Und Gott tut noch etwas: er sendet die Geretteten, die Erlösten. Sie werden zu Aposteln und Missionaren.

Ich sende sie zu denen, die noch nicht von mir gehört und meine Herrlichkeit noch nicht gesehen haben. (V. 19)

Gott sendet dich zu anderen, die noch nichts von Gott gehört oder das Falsche von Gott gehört haben, oder sogar getauft und katholisch sind, die aber Gott und seine Liebe noch nicht erfahren haben.

Gott sendet, damit wir verkünden. Was? Sie sollen meine Herrlichkeit unter den Völkern verkünden (V. 19). Nicht Dogmen und Moral, nicht abstrakten Wahrheiten und Vorschriften, sondern seine Herrlichkeit, also: deine Erfahrung mit Gott, dein Zeugnis. Dann kommen die Glaubenslehre, die Katechese, und dann kommt eine entsprechende Lebenspraxis in der Moral.

4. Gott empfängt Opfergaben (V. 20)

Sie (die nun bekehrten Heiden) werden als Opfergaben eure Brüder für den Herrn herbeiholen (V. 20).

Die Missionare und die vom Herrn Berührten kommen zu Jahwes heiligem Berg, Stätte seiner Gegenwart, wo seine Herrlichkeit wohnt. (Psalmen) Wo ist das? Nach dem Wortsinn: Jerusalem. Nach dem geistlichen Sinn: In der Kirche! Sakrament der Gegenwart Gottes in der Welt.

Eine paradoxe Bewegung. Die Mission geht eigentlich nach außen, hat aber zum Ziel das Herz Gottes. Wir kommen bei Gott an. Sind bei ihm zu Hause.

Wenn wir den Text bei Jesaja so nehmen, wie er da steht: dann heißt es: dass die von uns Bekehrten nun UNS als Opfergabe zum Herrn bringen.

Paradox und geheimnisvoll. Es scheint so zu sein: dass, wenn wir unsere Berufung leben und Menschen zum Herrn führen, dass wir dadurch und durch sie beim Herrn ankommen.

Ich weiss nicht, wer du gerade bist: ein Missionar in diesem Sinne oder einer, der von einem Missionar zum Herrn geführt worden ist. Wenn das Letztere der Fall ist, dann bringst du diesen Missionar als Gott wohlgefällige Opfergabe dar als Zeichen deiner Dankbarkeit.

5. Gott nimmt für sich Priester (V. 21)

Und noch etwas tut Gott. Er nimm für sich Priester aus den Heiden (V. 21). Nämlich aus denen, die nicht zum Volk Gottes gehören und keinen Zutritt zum Tempel haben.

Und das sind wir. Insofern wir Nicht-Juden sind, sind wir Heiden. Aus den Heiden nimmt Gott für sich Priester.

Was tut der Priester im Tempel? Er bringt Tieropfer und andere Opfer dar. Wenn WIR Heiden nun Priester Gottes sind und Opfer darbringen: dann die Frage: Welche Opfer und in welchem Tempel? Wie und wo soll das geschehen?

Das tun wir nicht in einem Tempel und auch nicht in einem Kirchen-Gebäude, eigentlich auch nicht, wenn wir hier die hl. Messe feiern.

Sondern das tun wir (wenn wir es tun) im prosaischen Tempel unseres Alltags, wenn wir den Alltag leben aus Glaube, Hoffnung und Liebe, in der Kraft der Taufgnade, in der Nachfolge Jesu.

Keine materiellen Opfer, sondern genau das, was Paulus im Römerbrief 12,1 schreibt: „Ich ermahne euch, mein Brüder, euch selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen, das Gott gefällt, das ist der wahre und angemessene Gottesdienst.“

Im 3. HG beten wir: Der Heilige Geist mache UNS zu einer Gabe, die dir wohlgefällt.

Darum werden wir nach der heiligen Kommunion beten: Gewähre uns deine Hilfe, damit wir so vor dir leben können, wie es dir gefällt.

Jetzt in dieser heiligen Messe geschieht Sammlung aus Zerstreuung. Wir sammeln uns auf Christus hin, den wir jetzt hören und den wir in der heiligen Kommunion empfangen. Und wir werden dann auch wieder ausgesandt: Gehet hin in Frieden. Und durch die Sendung kommen wir wieder zum Herzen Gottes. Bis wir endgültig als das eine Gottesvolk aus vielen Völkern bei Gott ankommen, endgültig im himmlischen Jerusalem. „Du hörst nicht auf, dir ein Volk zu versammeln, damit deinem Namen das reine Opfer dargebracht wird, vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang.“ Gott sei Dank!