Heute erhielt ich eine telefonische Anfrage bezüglich der "Novene zum hl. Judas Thaddäus". Im Zusammenhang mit Aufklärung über Esoterik und Aberglaube nehme ich in meinen Exerzitien dazu gewöhnlich Stellung. Den heutigen Anruf habe ich zum Anlaß genommen, mich dazu auch schriftlich zu äußern:
Eine Novene ist eine Gebets-Einheit von 9 Tagen nach dem Vorbild der ersten christlichen Gemeinde in Jerusalem, die durch 9 Tage im "Obergemach" betete: von der Himmelfahrt des Herrn bis zur Herabkunft des Heiligen Geistes (siehe Apostelgeschichte 1,15-26; 2,2-4); sie ist eine gute alte katholische Tradition.
In einem besonderen Anliegen wenden wir uns an eine heilige Person (z.B. Mutter Gottes, HI. Rita, HI. Antonius ... ) und bitten sie um Fürsprache bei Gott, wobei Gott immer frei bleibt, unsere Bitten in der Weise zu erfüllen, wie er es in seiner Weisheit für uns als besser erkennt.
Wir dürfen um alles bitten; aber alle Bitten stehen unter dem größeren Vorbehalt der Bitte im Vaterunser:
Dein Wille geschehen.
Der Text der nachfolgenden Novene zum hl. Judas Thaddäus ist in Ordnung, nicht aber die vorausgehende Anweisung (täglich sechsmal beten, 9 Exemplare täglich auslegen) und auch nicht die nachfolgende Verheißung der unfehlbaren Erhörung; denn damit wird der Irrtum verbreitet, wir könnten Gott in seinem Handeln festlegen.
Wer etwas anderes behauptet und praktiziert, macht sich der Sünde des Aberglaubens schuldig. Der "Katechismus der Katholischen Kirche" sagt dazu:
,,2110 Das erste Gebot ... untersagt Aberglauben ... Der Aberglaube ist gewissermaßen ein abartiges Zuviel an Religiosität..., ein der Tugend der Gottesverehrung widersprechendes Laster.
2111 Der Aberglaube ist eine Entgleisung des religiösen Empfindens und der Handlungen, zu denen es verpflichtet. Er kann sich auch in die Verehrung einschleichen, die wir dem wahren Gott erweisen. So wenn z. B. bestimmten, im übrigen berechtigten oder notwendigen Handlungen eine magische Bedeutung beigemessen wird. Wer die Wirksamkeit von Gebeten oder von sakramentalen Zeichen dem bloß äußerlichen Verrichten zuschreibt und dabei von den inneren Haltungen, die sie erfordern, absieht, verfällt dem Aberglaube [Vgl. Mt 23,16-22]."
(Es folgt jetzt der Text eines Zettels, den man manchmal in den Kirchen finden kann:)
*Diese Novene muss täglich sechsmal (6mal) konsequent neun (9) Tage lang gebetet werden.
*Neun (9) Exemplare dieser Novenen müssen täglich in einer Kirche ausgelegt werden.
*Das Anliegen wird erhört werden. spätestens am 9. Tag der Novene, wenn nicht schon früher und war noch nie unerhört.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Dass das Heiligste Herz Jesu angebetet und geliebt werde bis zum Ende der Zeiten. Amen.
Dass das Heiligste Herz Jesu gelobt und verherrlicht werde - jetzt und immer Amen.
Heiliger Judas Thaddäus, bitte für uns und erhöre unsere Bitten. Amen.
(Bitte vorbringen!)
Gesegnet sei das Heiligste Herz Jesu. Amen.
Gesegnet sei das unbefleckte Herz Mariens. Amen.
Gesegnet sei der Heilige Judas Thaddäus von der ganzen Welt in Ewigkeit. Amen.
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel,
so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes Jesus.
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen.
Gelobt sei Jesus Christus in Ewigkeit. Amen
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Samstag, 6. November 2010
Freitag, 27. August 2010
Die unerwartete Heiligkeit und der unerwartete Heilige
Predigt Charismatischer Gottesdienst Illerberg
26. August 2010
Donnerstag der 21. Woche im Jahreskreis
Lesung 1 Kor 1,1,-9
Evangelium Mt 24,42-51
Zu 1 Kor 1
Vers 1: Geheilige. Berufen als Geheiligte. War Privileg des alten Israel (Ex 19.6; 1 Petrus 2,9).
Kirche in Korinth = Nachfolgerin des alten Israel, herausgelöst aus der heidnischen Umwelt. Unmoral der heidnischen Umwelt ablehnen.
Gemeinschaft mit allen, die auf der ganzen Welt den Name Jesu anrufen. „überall“, d.h. auf der ganzen Welt.
AT: Der Name Jahwe. Antwortpsalm GL 527,1. D.h.: Wir haben Verantwortung für das Heil der Welt.
Vers 3: Gnade und Friede.
Was ist Gnade? – Beispiel: Brief einer Frau an mich: „Ich weiß gar nicht, womit ich das verdient habe.“ Kein Verdienst, eben Gnade, Wohlwollen – wie die Taufgnade.
Gnade. Woher? Von Gott – durch Christus – zu uns (Doxologie).
Wie gelangen wir in Gnade?
- Christus angehören
- In Christus sein
- Taufspiritualität
Was bewirkt die Gnade?
Sie ist Angeld. Voraus-Anteil an:
- Herrlichkeit
- Königtum
- Auferstehung
- Leben in Christus
- Auch das tragen wir seit der Taufe in uns.
Vers 5 „reich geworden in ihm“
- An Rede (Sprachengebet)
- An Erkenntns. Welche? – kein brüchiges Material. Keine Esoterik. Keine Weltweisheit, um sich selbst zu retten. Sondern: Das Zeugnis über Jesus Christus.: a) historischer Jesus, b) der auferstandene Christus, Gottes Handeln, Auferweckung
Vers 8 „festigen bis zum Ende“. Gottes Gaben retten uns nicht ein für allemal. Sondern wir sollen wachsen. Kraft verleihen. – Wenn man lange von Kirche entfernt gelegt hatte und in Esoterik unterwegs war, dann Bekehrung. Aber nach Bekehrung entdeckt man immer wieder neue Blockaden. Dann die Frage: „Hört das denn niemals auf…“ Es ist ein Glaubensweg. Ziel: Tag des Herrn, schuldlos dastehen. Am Tage der Offenbarung (V.7).
Wir können an Gottes Offenbarung in Herrlichkeit nicht teilhaben, wenn wir nicht jetzt schon in ihm sind – durch den Glauben. Kraft der Gaben, die er gewährt.
Vers 9 – 1. „Treu ist Gott“. Das wäre mal ein sinnvolles Mantra. 2. „berufen“. Wozu? Zur Gemeinschaft mit ihm.
Christen in Korinth lebten in einer Diaspora-Situation. Juden lebten zu dieser Zeit auch außerhalb von Jerusalem und in diesem Sinne auch in Diaspora-Situation. Aber sie hatten immer noch Hoffnung auf Wiederherstellung des Tempels in Jerusalem als politisches, nationales und religiöses Zentrum.
Aber: Die Christen in Korinth hatten kein solches Zentrum. Sie waren in Versuchung, sich auf Weltweisheit zu stützen.
1. Darum weist Paulus die Christen auf ihre wahre Stadt hin, die nun eine Person ist, nämlich Jesus Christus (5 mal)
2. Und Paulus gibt eine Richtung an und zeigt eine Dynamik auf, Zeitachse: „Der Tage Jesu“ (V.8). Der Tag seiner Offenbarung, Verherrlichung a) hat angefangen in uns, b) vollendet sich an einem Zeitpunkt.
Das ist unser christliches Leben:
a) Gott ist schon am Werk in uns.
B) Gott erwartet unsere Mitarbeit.
Zum Evangelium:
Zwei Gleichnisse, beide haben zur Voraussetzung: das Kommen des Herrn verzögert sich.
Das erste Gleichnis handelt von einem Dieb. Vielleicht ein bekannter Vorfall, ein Einbruch, der Hausherr wurde überrascht. Jesus nimmt dieses Ereignis zum Anlass, eine Lehre zu erteilen. Nämlich: Menschen leben so, als rechneten sie nicht mit seinem Kommen. Aber plötzlich ist er das, so plötzlich wie ein Dieb.
Was ist verlangt? Wachsamkeit und Treue.
Das zweite Gleichnis. Knecht hat Vertrauensposten erhalten.
„Knecht“. Jesus meinte Schriftgelehrte. Matthäus aktualisiert: Gemeindeleiter. Heute: Priester.
Jesus kündigt unerwartete Prüfung an. Die Treue des Führers muss sich dann zeigen. Eben Treue und Wachsamkeit.
26. August 2010
Donnerstag der 21. Woche im Jahreskreis
Lesung 1 Kor 1,1,-9
Evangelium Mt 24,42-51
Zu 1 Kor 1
Vers 1: Geheilige. Berufen als Geheiligte. War Privileg des alten Israel (Ex 19.6; 1 Petrus 2,9).
Kirche in Korinth = Nachfolgerin des alten Israel, herausgelöst aus der heidnischen Umwelt. Unmoral der heidnischen Umwelt ablehnen.
Gemeinschaft mit allen, die auf der ganzen Welt den Name Jesu anrufen. „überall“, d.h. auf der ganzen Welt.
AT: Der Name Jahwe. Antwortpsalm GL 527,1. D.h.: Wir haben Verantwortung für das Heil der Welt.
Vers 3: Gnade und Friede.
Was ist Gnade? – Beispiel: Brief einer Frau an mich: „Ich weiß gar nicht, womit ich das verdient habe.“ Kein Verdienst, eben Gnade, Wohlwollen – wie die Taufgnade.
Gnade. Woher? Von Gott – durch Christus – zu uns (Doxologie).
Wie gelangen wir in Gnade?
- Christus angehören
- In Christus sein
- Taufspiritualität
Was bewirkt die Gnade?
Sie ist Angeld. Voraus-Anteil an:
- Herrlichkeit
- Königtum
- Auferstehung
- Leben in Christus
- Auch das tragen wir seit der Taufe in uns.
Vers 5 „reich geworden in ihm“
- An Rede (Sprachengebet)
- An Erkenntns. Welche? – kein brüchiges Material. Keine Esoterik. Keine Weltweisheit, um sich selbst zu retten. Sondern: Das Zeugnis über Jesus Christus.: a) historischer Jesus, b) der auferstandene Christus, Gottes Handeln, Auferweckung
Vers 8 „festigen bis zum Ende“. Gottes Gaben retten uns nicht ein für allemal. Sondern wir sollen wachsen. Kraft verleihen. – Wenn man lange von Kirche entfernt gelegt hatte und in Esoterik unterwegs war, dann Bekehrung. Aber nach Bekehrung entdeckt man immer wieder neue Blockaden. Dann die Frage: „Hört das denn niemals auf…“ Es ist ein Glaubensweg. Ziel: Tag des Herrn, schuldlos dastehen. Am Tage der Offenbarung (V.7).
Wir können an Gottes Offenbarung in Herrlichkeit nicht teilhaben, wenn wir nicht jetzt schon in ihm sind – durch den Glauben. Kraft der Gaben, die er gewährt.
Vers 9 – 1. „Treu ist Gott“. Das wäre mal ein sinnvolles Mantra. 2. „berufen“. Wozu? Zur Gemeinschaft mit ihm.
Christen in Korinth lebten in einer Diaspora-Situation. Juden lebten zu dieser Zeit auch außerhalb von Jerusalem und in diesem Sinne auch in Diaspora-Situation. Aber sie hatten immer noch Hoffnung auf Wiederherstellung des Tempels in Jerusalem als politisches, nationales und religiöses Zentrum.
Aber: Die Christen in Korinth hatten kein solches Zentrum. Sie waren in Versuchung, sich auf Weltweisheit zu stützen.
1. Darum weist Paulus die Christen auf ihre wahre Stadt hin, die nun eine Person ist, nämlich Jesus Christus (5 mal)
2. Und Paulus gibt eine Richtung an und zeigt eine Dynamik auf, Zeitachse: „Der Tage Jesu“ (V.8). Der Tag seiner Offenbarung, Verherrlichung a) hat angefangen in uns, b) vollendet sich an einem Zeitpunkt.
Das ist unser christliches Leben:
a) Gott ist schon am Werk in uns.
B) Gott erwartet unsere Mitarbeit.
Zum Evangelium:
Zwei Gleichnisse, beide haben zur Voraussetzung: das Kommen des Herrn verzögert sich.
Das erste Gleichnis handelt von einem Dieb. Vielleicht ein bekannter Vorfall, ein Einbruch, der Hausherr wurde überrascht. Jesus nimmt dieses Ereignis zum Anlass, eine Lehre zu erteilen. Nämlich: Menschen leben so, als rechneten sie nicht mit seinem Kommen. Aber plötzlich ist er das, so plötzlich wie ein Dieb.
Was ist verlangt? Wachsamkeit und Treue.
Das zweite Gleichnis. Knecht hat Vertrauensposten erhalten.
„Knecht“. Jesus meinte Schriftgelehrte. Matthäus aktualisiert: Gemeindeleiter. Heute: Priester.
Jesus kündigt unerwartete Prüfung an. Die Treue des Führers muss sich dann zeigen. Eben Treue und Wachsamkeit.
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Montag, 31. Mai 2010
Aktualität des Wortes Gottes
Drei Ebenen:
1. Der heutige (2. Juni) Gedenktag des heiligen Justin. Justin, ein aus Nablus stammende Heide, um 100 n. Chr. geboren, studierte mit größtem Eifer die Philosophie, doch wurde er von allen enttäuscht, bis er schließlich bei den Christen - so seine Worte - "die allein zuverlässige und wahre Philosophie" fand. In Rom eröffnete er eine Schule im Sinn des jungen Christentums, hielt öffentliche Disputationen und widmete sich der Verteidigung des christlichen Glaubens.
Unter Mark Aurel erlitt er mit seinen Gefährten um 165 das Martyrium.
In den Prozessakten ist seine Verteidungsrede protokolliert. Daraus zwei Zitate:
"Alles Wissen suchte ich zu lernen und blieb schließlich bei der wahren Lehre der Christen, auch wenn sie den im Irrtum Befangenen nicht gefällt...
Niemand, der folgerichtig denkt, kann von der Gottesfurcht zur Gottlosigkeit abfallen" (Lektion Studenbuch II/5, S. 275f.)
2. Die sog. "Bahnlesung": die von der Kirche für die Eucharistiefeier am Dienstag der 9. Woche im Jahreskreis vorgesehenen biblischen Lesungen: nämlich 2. Petrusbrief 3,12-18 und das Evangelium Markus 12,13-17.
3. Unsere moderne neuheidnische Religiosität in der Gestalt der Esoterik.
Und nun die Verbindung:
1. Selbst die Gegner und Feinde Jesu mussten anerkennen und zugeben, daß Jesus immer die Wahrheit sagt und wirklich den Weg Gottes lehrte (Evangelium).
2. Das erkannte auch der zunächst als Heide aufgewachsene Justin: Das Evangelium als "die allein zuverlässige und wahre Philosophie".
3. Heute erleben wir, daß viele Getaufte, aber nicht Evangelisierte, sich von der vernunftgemäßen Offenbarung Gottes abwenden und sich den irrationalsten Systemen der Esoterik zuwenden. Wir erleben aber auch, dass ehemals in der Esoterik Gefangene nach langen Suchbewegungen "die allein zuverlässige und wahre Philosophie" des Evangeliums entdecken.
4. Der Apostel Petrus warnt uns in der Lesung, uns nicht "von dem Irrtum der Gottesverächter mitreißen" zu lassen, den Halt zu verlieen und zu Fall zu kommen. Er gibt aber auch eine Empfehlung: "Wachset in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Retters Jesus Christus!" Deutliche Worte in der zweiten Enzyklika der Kirchengeschichte.
Übrigens: Der Präfekt Rusticus verkündete das Urteil über Justin und seine Gefährten: "Diese lehnen es ab, den Göttern zu opfern und dem Befehl des Kaisers zu gehorchen. Sie sollen gegeißelt werden und dann nach der Vorschrift des Gesetzes mit der Strafe der Enthauptung büßen."
Das ist (noch) nicht aktuell.
1. Der heutige (2. Juni) Gedenktag des heiligen Justin. Justin, ein aus Nablus stammende Heide, um 100 n. Chr. geboren, studierte mit größtem Eifer die Philosophie, doch wurde er von allen enttäuscht, bis er schließlich bei den Christen - so seine Worte - "die allein zuverlässige und wahre Philosophie" fand. In Rom eröffnete er eine Schule im Sinn des jungen Christentums, hielt öffentliche Disputationen und widmete sich der Verteidigung des christlichen Glaubens.
Unter Mark Aurel erlitt er mit seinen Gefährten um 165 das Martyrium.
In den Prozessakten ist seine Verteidungsrede protokolliert. Daraus zwei Zitate:
"Alles Wissen suchte ich zu lernen und blieb schließlich bei der wahren Lehre der Christen, auch wenn sie den im Irrtum Befangenen nicht gefällt...
Niemand, der folgerichtig denkt, kann von der Gottesfurcht zur Gottlosigkeit abfallen" (Lektion Studenbuch II/5, S. 275f.)
2. Die sog. "Bahnlesung": die von der Kirche für die Eucharistiefeier am Dienstag der 9. Woche im Jahreskreis vorgesehenen biblischen Lesungen: nämlich 2. Petrusbrief 3,12-18 und das Evangelium Markus 12,13-17.
3. Unsere moderne neuheidnische Religiosität in der Gestalt der Esoterik.
Und nun die Verbindung:
1. Selbst die Gegner und Feinde Jesu mussten anerkennen und zugeben, daß Jesus immer die Wahrheit sagt und wirklich den Weg Gottes lehrte (Evangelium).
2. Das erkannte auch der zunächst als Heide aufgewachsene Justin: Das Evangelium als "die allein zuverlässige und wahre Philosophie".
3. Heute erleben wir, daß viele Getaufte, aber nicht Evangelisierte, sich von der vernunftgemäßen Offenbarung Gottes abwenden und sich den irrationalsten Systemen der Esoterik zuwenden. Wir erleben aber auch, dass ehemals in der Esoterik Gefangene nach langen Suchbewegungen "die allein zuverlässige und wahre Philosophie" des Evangeliums entdecken.
4. Der Apostel Petrus warnt uns in der Lesung, uns nicht "von dem Irrtum der Gottesverächter mitreißen" zu lassen, den Halt zu verlieen und zu Fall zu kommen. Er gibt aber auch eine Empfehlung: "Wachset in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Retters Jesus Christus!" Deutliche Worte in der zweiten Enzyklika der Kirchengeschichte.
Übrigens: Der Präfekt Rusticus verkündete das Urteil über Justin und seine Gefährten: "Diese lehnen es ab, den Göttern zu opfern und dem Befehl des Kaisers zu gehorchen. Sie sollen gegeißelt werden und dann nach der Vorschrift des Gesetzes mit der Strafe der Enthauptung büßen."
Das ist (noch) nicht aktuell.
Freitag, 7. Mai 2010
Gott zum Lügner machen und der arme Jesus
Charismatischer Gottesdienst
Fest der Hl. Katharina von Siena
29. April 2010
In der Pfarrkirche Illerberg
Zur Lesung 1 Joh 1,5-2,2
Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm.
Das ist die Wahrheit.
Er ist die Helligkeit, die wir brauchen, um als Menschen und als Christen leben zu können.
Das geschaffene Licht ist ein Gleichnis für Gott, das ungeschaffene Licht.
Licht und Leben gehören zusammen. Wie Finsternis und Tod.
Christus ist das wahre Licht.
Dieses Licht ist in die Welt gekommen.
Wir stehen vor der Entscheidung:
Wir können im Licht leben (nach der Wahrheit Gottes leben) oder wir können in der Finsternis leben (und aus unserem Leben eine Lüge machen)
Zwei Wendungen: in der Finsternis wandeln (in der Sünde leben) und im Licht wandeln (in der Heiligkeit leben).
Johannes bringt aber einen neuen Gedanken:
- die Leuchte, die den Weg erhellt, ist nicht mehr das Gesetz, sondern Gott selbst.
- früher waren es die rituellen Waschungen, die Reinheit verliehen, jetzt reinigt uns das Blut Jesu, und führt uns wieder auf den Weg des Lichtes, wenn wir uns zeitweise entfernt haben. (V.7b)
- Wenn wir am Licht teilhaben, dann stellt es uns in Gemeinschaft miteinander (V.7a) „haben wir Gemeinschaft miteinander“
Wie geht ein Leben im Licht?
1. das Bekenntnis: Jesus ist im Fleisch gekommen.
2. er ist wahrer Mensch geworden.
3. Es ist die Praxis der Bruderliebe. (Wer seinen Bruder hasst, ist in der Finsternis.) Wir können nicht auf dem Weg des Lichtes sein, und gleichzeitig das Grundgesetz der Bruderliebe auslassen.
4. anerkennen, dass wir Sünder sind.
Wenn wir uns selbst überlassen sind, dann können wir nicht im Licht Gottes bleiben. Wir können auch nicht den Plan Gottes verwirklichen, und wir können nicht in Gemeinschaft mit ihm leben.
Mit der Sünde verlieren wir den Weg und drängen uns ständig in die Finsternis.
Wir haben gesunden Menschenverstand und geben uns da keinen Illusionen hin.
„Wenn wir sagen, daß wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns.
Johannes spielt hier auf damalige Sekten an, die die Sündhaftigkeit des Menschen leugneten. – Wie heute, in der Esoterik: auch da gibt es keine Sünde, sondern nur gestörte Energiefelder oder gestörte Energiehaushalte, Energieblockaden, oder Yin und Yang sind aus dem Gleichgewicht.
Die einzig wirkliche Sünde ist der Hochmut: sich für sündlos zu halten.
Damit schneiden wir uns von der Gnade ab. Denn dann glauben wir, keine Gnade mehr nötig zu haben. Dann wohnt die Wahrheit nicht mehr in uns.
Wenn wir unsere Sünden bekennen, dann haben wir Gemeinschaft mit Gott. Wieso? Das Bekenntnis der Sünden ist eigentlich ein Bekenntnis der Barmherzigkeit Gottes. Damit sind wir bei Gott, mit ihm verbunden, in seiner Gemeinschaft.
Im Licht Gottes sein und Gemeinschaft mit ihm haben – das ist ein Weg, eben im Licht wandeln, es ist immer wieder ein Hinübergehen von der Finsternis zum Licht – durch Umkehr, durch Bekenntnis der Sünden.
So gesehen: Die Sünde verhindert nicht Gemeinschaft mit Gott, sondern ist also ein Anlaß zur Gemeinschaft mit Gott – durch den Ruf nach Vergebung.
Nur wenn wir uns als Sünder vor Gott bekennen, nur dann erfahren wir ja, das wir von Gott angenommen werden und angenommen sind – obwohl wir eigentlich – wegen unserer Sünden – unannehmbar sind.
Und ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.
Und dass du mich beim Namen nennst und mir vergibst.
Herr, du richtest mich wieder auf, und du hebst mich zu dir hinaus.
Ja, ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.
Nur der Anspruch, ohne Fehler zu sein, dadurch berauben wir uns der Gemeinschaft mit Gott – denn dann kann Gott nichts mehr an uns und für uns tun, nicht einmal Vergebung schenken, weil wir ja glauben, diese nicht nötig zu haben.
Das ist damit gemeint, wenn Johannes sagt: Wir machen dann Gott zum Lügner, ihn, der den Anspruch erhebt, uns vergeben zu wollen.
Im Johannes-Evangelium lesen wir: Jesus ist das Licht der Welt. Hier im Johannes-Brief folgt die Aufforderung: Wandelt im Licht.
Zum Evangelium Mt 11,25-30
Zwei Teile:
1. Dankgebet. Das einzigartige Verhältnis zwischen Vater und Sohn. Dank für die Sendung, die er vom Vater empfangen hat. Sendung: Den Vater den Kleinen zu offenbaren.
2. Jesus wendet sich an die Kleinen. Lädt sie ein, mit ihm in Gemeinschaft zu treten.
biblischer Hintergrund
Zur Zeit Jesu: im Judentum - die Weisen und Schriftgelehrten. Sie kannten die Heilige Schrift, waren gebildet. Es waren die jüdischen Lehrer, die kein Mitleid hatten mit den einfachen Leuten, mit dem unwissenden Volk, den sogenannten Kleinen, die Armen. Sie waren tatsächlich arm: sowohl materiell, wie auch dem Verstand nach.
Jesus will sich nun genau dieser Gruppe zuwenden, er will den Armen sein Reich öffnen. Er will ihnen eine besondere Offenbarung schenken.
Vers 27: Mir ist von meinem Vater alles übergeben. – Jesus hat eine volle Erkenntnis des Vaters. Die will er den Kleinen offenbaren.
D.h., wenn die Kleinen, die Armen, die Nicht-Studierten: sich um Jesus scharen, dann können sie Gott erkennen und eine Gemeinde bilden. Dann unterscheiden sie sich von jenen, die Gott nicht kennen. Und das sind die Heiden, aber auch die jüdischen Weisen. Genau die, die behaupten, Gott zu kennen. Aber von ihnen sagt Jesus: Der Vater hat es den Weisen und Klugen verborgen.
Jesus distanziert sich vom Intellektualismus.
Die Mühseligen und Beladenen – sind dieselben, wie die Kleinen und Unwissenden.
Bürde und Joch: Im Judentum – die Beobachtung des Gesetzes.
Schriftgelehrte: Gesetz mit unzähligen Vorschriften beladen. Die Einfachen und Unwissenden konnten das alles gar nicht wissen. D.h., sie machten sich dauernd schuldig, weil sie nicht alle Gesetze kannten und nicht erfüllen konnten. Sie konnten nicht das Notwendige vom Zufälligen unterscheiden.
Jesus sammelt die Menschen um sich, die unter der Knechtschaft des jüdischen Legalismus leiden.
Jesus distanziert sich also auch vom Legalismus.
d) Und doch sagt Jesus: Nehmt mein Joch auf euch.
Also: auch Jesus legt ein Joch auf. Aber dieses Joch ist leicht zu tragen.
Denn die Liebe zu Gott besteht darin, daß wir seine Gebote halten. Seine Gebote sind nicht schwer. Denn alles, was von Gott stammt, besiegt die Welt. Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube. (1 Joh 5,3-4).
Jesus selbst gehört der Gemeinschaft der Armen. Er war kein Studierter. Kein Schriftgelehrter. Er gehörte nicht der besseren Gesellschaft an.
Jesus ist ein Armer. Und er ist es von Herzen. Denn er hat völlig freiwillig diese Seinsweise auf sich genommen.
Jesus distanziert sich vom Intellektualismus.
Jesus wendet sich an die Unwissenden. Aber nicht von oben herab. Nicht wie ein Wissender. Sondern wie einer von ihnen.
Jesus legt ein Bekenntnis ab. Er bekennt, dass sein ganzes Wissen nicht aus ihm selbst kommt, sondern dass er es als Geschenk vom Vater empfangen hat.
Jesus distanziert sich also auch vom Legalismus.
Jesus wendet sich an jene, die unter der Last des Gesetzes stöhnen, die schuldig werden um des Gesetzes willen, und er steht ebenfalls wie einer von ihnen da.
Dafür einige Beispiele, die - wie das Evangelium - nur Matthäus entnommen sind:
- Man hatte ihm Fehler und Sünden vorgeworfen: Siehe, deine Jünger tun etwas, was am Sabbat verboten ist!
- Ist es am Sabbat erlaubt zu heilen? Sie suchten nämlich einen Grund zur Anklage gegen ihn.
- Die Pharisäer aber gingen hinaus und fassten den Beschluss, Jesus umzubringen.
- Nur mit Hilfe von Beelzebul, dem Anführer der Dämonen, kann er die Dämonen austreiben.
Meister, wir möchten ein Zeichen sehen.
Jesus mußte sich gegen diese Anschuldigungen verteidigen.
Und er hat jene aufgefordert, sich daraus zu befreien, die darin gefangen waren.
Was ist nun das Geheimnis dieses Evangeliums?
Jesus lebte in einer besonderen Beziehung zu Gott.
Es war die Beziehung des Sohnes zum Vater.
Jesus erkennt, dass sich das alttestamentliche Gesetz verselbständigt hat. Es ist zum Legalismus geworden. Es schiebt sich wie eine Wand vor die Begegnung mit dem wahren und lebendigen Gott. Es führt die Unwissenden in die Irre und bringt sie in ein falsches Verhältnis zu Gott.
Jesus schenkt den Armen und Bedürftigen besondere Aufmerksamkeit.
Jesus denkt den Kreis der Armen auf die Unwissenden aus und auf alle, die von einer falschen Weisheit getäuscht worden sind und von einem engen Legalismus gefangen wurden.
Jesus wurde ein Armer unter den Armen.
Was war seine Armut?
Er sagt es selber: Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden.
Er wurde also überreich beschenkt.
Er hat nichts aus sich selbst.
Er hat nur das, was er empfangen hat.
Ein ganz neues Verständnis von Armut im Licht des Herrn.
Armut – das hieß früher: materielle Situation und Unwissenheit.
Jetzt aber: arm sein – das ist die Art und Weise, wie Jesus zu seinem Vater steht.
- das ist die Art und Weise, wie Jesus auf seinen Vater bezogen ist.
- arm sein – das ist kein Mangel, sondern das ist die Art und Weise, wie Gott den Menschen geschaffen hat: nämlich so, dass wir auf Gott unseren Schöpfer bezogen sind.
Paulus sagt: Wir sind nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen. Also wir Menschen sind nach dem Bild und Gleichnis des Sohnes Gottes geschaffen.
Tatsächlich: auch wir können sagen: Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden. Was hätten wir denn, was wir nicht von Gott haben. Was wir aus uns selbst haben, das sind unsere Sünden.
Jesus – total auf den Vater bezogen.
Wir sind Jünger dieses Jesus.
Und wir werden immer mehr Jünger dieses Jesus, wenn wir im tiefsten Grund unserer Persönlichkeit einwilligen in eine Lebensart, die verfügbar ist für die Initiativen Gottes in unserem Leben. Und wenn wir das innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft leben.
Diese Zusammenhänge und diese Perspektiven lernen wir kennen, wenn wir usn auf einen Glaubensweg begeben, so wie Sie es jetzt tun, die Sie nach Illerberg gekommen sind. Oder wenn Sie Exerzitien machen, um im Glauben zu wachsen, oder wenn Sie sich einem Gebetskreis anschließen.
In der Feier und im Empfang der Eucharistie üben wir diese Haltung ein: diese Armut, dieses Sich-beschenken-lassen, dieses Frei-werden für die überraschenden Initiativen Gottes in unserem Leben.
Fest der Hl. Katharina von Siena
29. April 2010
In der Pfarrkirche Illerberg
Zur Lesung 1 Joh 1,5-2,2
Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm.
Das ist die Wahrheit.
Er ist die Helligkeit, die wir brauchen, um als Menschen und als Christen leben zu können.
Das geschaffene Licht ist ein Gleichnis für Gott, das ungeschaffene Licht.
Licht und Leben gehören zusammen. Wie Finsternis und Tod.
Christus ist das wahre Licht.
Dieses Licht ist in die Welt gekommen.
Wir stehen vor der Entscheidung:
Wir können im Licht leben (nach der Wahrheit Gottes leben) oder wir können in der Finsternis leben (und aus unserem Leben eine Lüge machen)
Zwei Wendungen: in der Finsternis wandeln (in der Sünde leben) und im Licht wandeln (in der Heiligkeit leben).
Johannes bringt aber einen neuen Gedanken:
- die Leuchte, die den Weg erhellt, ist nicht mehr das Gesetz, sondern Gott selbst.
- früher waren es die rituellen Waschungen, die Reinheit verliehen, jetzt reinigt uns das Blut Jesu, und führt uns wieder auf den Weg des Lichtes, wenn wir uns zeitweise entfernt haben. (V.7b)
- Wenn wir am Licht teilhaben, dann stellt es uns in Gemeinschaft miteinander (V.7a) „haben wir Gemeinschaft miteinander“
Wie geht ein Leben im Licht?
1. das Bekenntnis: Jesus ist im Fleisch gekommen.
2. er ist wahrer Mensch geworden.
3. Es ist die Praxis der Bruderliebe. (Wer seinen Bruder hasst, ist in der Finsternis.) Wir können nicht auf dem Weg des Lichtes sein, und gleichzeitig das Grundgesetz der Bruderliebe auslassen.
4. anerkennen, dass wir Sünder sind.
Wenn wir uns selbst überlassen sind, dann können wir nicht im Licht Gottes bleiben. Wir können auch nicht den Plan Gottes verwirklichen, und wir können nicht in Gemeinschaft mit ihm leben.
Mit der Sünde verlieren wir den Weg und drängen uns ständig in die Finsternis.
Wir haben gesunden Menschenverstand und geben uns da keinen Illusionen hin.
„Wenn wir sagen, daß wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns.
Johannes spielt hier auf damalige Sekten an, die die Sündhaftigkeit des Menschen leugneten. – Wie heute, in der Esoterik: auch da gibt es keine Sünde, sondern nur gestörte Energiefelder oder gestörte Energiehaushalte, Energieblockaden, oder Yin und Yang sind aus dem Gleichgewicht.
Die einzig wirkliche Sünde ist der Hochmut: sich für sündlos zu halten.
Damit schneiden wir uns von der Gnade ab. Denn dann glauben wir, keine Gnade mehr nötig zu haben. Dann wohnt die Wahrheit nicht mehr in uns.
Wenn wir unsere Sünden bekennen, dann haben wir Gemeinschaft mit Gott. Wieso? Das Bekenntnis der Sünden ist eigentlich ein Bekenntnis der Barmherzigkeit Gottes. Damit sind wir bei Gott, mit ihm verbunden, in seiner Gemeinschaft.
Im Licht Gottes sein und Gemeinschaft mit ihm haben – das ist ein Weg, eben im Licht wandeln, es ist immer wieder ein Hinübergehen von der Finsternis zum Licht – durch Umkehr, durch Bekenntnis der Sünden.
So gesehen: Die Sünde verhindert nicht Gemeinschaft mit Gott, sondern ist also ein Anlaß zur Gemeinschaft mit Gott – durch den Ruf nach Vergebung.
Nur wenn wir uns als Sünder vor Gott bekennen, nur dann erfahren wir ja, das wir von Gott angenommen werden und angenommen sind – obwohl wir eigentlich – wegen unserer Sünden – unannehmbar sind.
Und ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.
Und dass du mich beim Namen nennst und mir vergibst.
Herr, du richtest mich wieder auf, und du hebst mich zu dir hinaus.
Ja, ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.
Nur der Anspruch, ohne Fehler zu sein, dadurch berauben wir uns der Gemeinschaft mit Gott – denn dann kann Gott nichts mehr an uns und für uns tun, nicht einmal Vergebung schenken, weil wir ja glauben, diese nicht nötig zu haben.
Das ist damit gemeint, wenn Johannes sagt: Wir machen dann Gott zum Lügner, ihn, der den Anspruch erhebt, uns vergeben zu wollen.
Im Johannes-Evangelium lesen wir: Jesus ist das Licht der Welt. Hier im Johannes-Brief folgt die Aufforderung: Wandelt im Licht.
Zum Evangelium Mt 11,25-30
Zwei Teile:
1. Dankgebet. Das einzigartige Verhältnis zwischen Vater und Sohn. Dank für die Sendung, die er vom Vater empfangen hat. Sendung: Den Vater den Kleinen zu offenbaren.
2. Jesus wendet sich an die Kleinen. Lädt sie ein, mit ihm in Gemeinschaft zu treten.
biblischer Hintergrund
Zur Zeit Jesu: im Judentum - die Weisen und Schriftgelehrten. Sie kannten die Heilige Schrift, waren gebildet. Es waren die jüdischen Lehrer, die kein Mitleid hatten mit den einfachen Leuten, mit dem unwissenden Volk, den sogenannten Kleinen, die Armen. Sie waren tatsächlich arm: sowohl materiell, wie auch dem Verstand nach.
Jesus will sich nun genau dieser Gruppe zuwenden, er will den Armen sein Reich öffnen. Er will ihnen eine besondere Offenbarung schenken.
Vers 27: Mir ist von meinem Vater alles übergeben. – Jesus hat eine volle Erkenntnis des Vaters. Die will er den Kleinen offenbaren.
D.h., wenn die Kleinen, die Armen, die Nicht-Studierten: sich um Jesus scharen, dann können sie Gott erkennen und eine Gemeinde bilden. Dann unterscheiden sie sich von jenen, die Gott nicht kennen. Und das sind die Heiden, aber auch die jüdischen Weisen. Genau die, die behaupten, Gott zu kennen. Aber von ihnen sagt Jesus: Der Vater hat es den Weisen und Klugen verborgen.
Jesus distanziert sich vom Intellektualismus.
Die Mühseligen und Beladenen – sind dieselben, wie die Kleinen und Unwissenden.
Bürde und Joch: Im Judentum – die Beobachtung des Gesetzes.
Schriftgelehrte: Gesetz mit unzähligen Vorschriften beladen. Die Einfachen und Unwissenden konnten das alles gar nicht wissen. D.h., sie machten sich dauernd schuldig, weil sie nicht alle Gesetze kannten und nicht erfüllen konnten. Sie konnten nicht das Notwendige vom Zufälligen unterscheiden.
Jesus sammelt die Menschen um sich, die unter der Knechtschaft des jüdischen Legalismus leiden.
Jesus distanziert sich also auch vom Legalismus.
d) Und doch sagt Jesus: Nehmt mein Joch auf euch.
Also: auch Jesus legt ein Joch auf. Aber dieses Joch ist leicht zu tragen.
Denn die Liebe zu Gott besteht darin, daß wir seine Gebote halten. Seine Gebote sind nicht schwer. Denn alles, was von Gott stammt, besiegt die Welt. Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube. (1 Joh 5,3-4).
Jesus selbst gehört der Gemeinschaft der Armen. Er war kein Studierter. Kein Schriftgelehrter. Er gehörte nicht der besseren Gesellschaft an.
Jesus ist ein Armer. Und er ist es von Herzen. Denn er hat völlig freiwillig diese Seinsweise auf sich genommen.
Jesus distanziert sich vom Intellektualismus.
Jesus wendet sich an die Unwissenden. Aber nicht von oben herab. Nicht wie ein Wissender. Sondern wie einer von ihnen.
Jesus legt ein Bekenntnis ab. Er bekennt, dass sein ganzes Wissen nicht aus ihm selbst kommt, sondern dass er es als Geschenk vom Vater empfangen hat.
Jesus distanziert sich also auch vom Legalismus.
Jesus wendet sich an jene, die unter der Last des Gesetzes stöhnen, die schuldig werden um des Gesetzes willen, und er steht ebenfalls wie einer von ihnen da.
Dafür einige Beispiele, die - wie das Evangelium - nur Matthäus entnommen sind:
- Man hatte ihm Fehler und Sünden vorgeworfen: Siehe, deine Jünger tun etwas, was am Sabbat verboten ist!
- Ist es am Sabbat erlaubt zu heilen? Sie suchten nämlich einen Grund zur Anklage gegen ihn.
- Die Pharisäer aber gingen hinaus und fassten den Beschluss, Jesus umzubringen.
- Nur mit Hilfe von Beelzebul, dem Anführer der Dämonen, kann er die Dämonen austreiben.
Meister, wir möchten ein Zeichen sehen.
Jesus mußte sich gegen diese Anschuldigungen verteidigen.
Und er hat jene aufgefordert, sich daraus zu befreien, die darin gefangen waren.
Was ist nun das Geheimnis dieses Evangeliums?
Jesus lebte in einer besonderen Beziehung zu Gott.
Es war die Beziehung des Sohnes zum Vater.
Jesus erkennt, dass sich das alttestamentliche Gesetz verselbständigt hat. Es ist zum Legalismus geworden. Es schiebt sich wie eine Wand vor die Begegnung mit dem wahren und lebendigen Gott. Es führt die Unwissenden in die Irre und bringt sie in ein falsches Verhältnis zu Gott.
Jesus schenkt den Armen und Bedürftigen besondere Aufmerksamkeit.
Jesus denkt den Kreis der Armen auf die Unwissenden aus und auf alle, die von einer falschen Weisheit getäuscht worden sind und von einem engen Legalismus gefangen wurden.
Jesus wurde ein Armer unter den Armen.
Was war seine Armut?
Er sagt es selber: Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden.
Er wurde also überreich beschenkt.
Er hat nichts aus sich selbst.
Er hat nur das, was er empfangen hat.
Ein ganz neues Verständnis von Armut im Licht des Herrn.
Armut – das hieß früher: materielle Situation und Unwissenheit.
Jetzt aber: arm sein – das ist die Art und Weise, wie Jesus zu seinem Vater steht.
- das ist die Art und Weise, wie Jesus auf seinen Vater bezogen ist.
- arm sein – das ist kein Mangel, sondern das ist die Art und Weise, wie Gott den Menschen geschaffen hat: nämlich so, dass wir auf Gott unseren Schöpfer bezogen sind.
Paulus sagt: Wir sind nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen. Also wir Menschen sind nach dem Bild und Gleichnis des Sohnes Gottes geschaffen.
Tatsächlich: auch wir können sagen: Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden. Was hätten wir denn, was wir nicht von Gott haben. Was wir aus uns selbst haben, das sind unsere Sünden.
Jesus – total auf den Vater bezogen.
Wir sind Jünger dieses Jesus.
Und wir werden immer mehr Jünger dieses Jesus, wenn wir im tiefsten Grund unserer Persönlichkeit einwilligen in eine Lebensart, die verfügbar ist für die Initiativen Gottes in unserem Leben. Und wenn wir das innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft leben.
Diese Zusammenhänge und diese Perspektiven lernen wir kennen, wenn wir usn auf einen Glaubensweg begeben, so wie Sie es jetzt tun, die Sie nach Illerberg gekommen sind. Oder wenn Sie Exerzitien machen, um im Glauben zu wachsen, oder wenn Sie sich einem Gebetskreis anschließen.
In der Feier und im Empfang der Eucharistie üben wir diese Haltung ein: diese Armut, dieses Sich-beschenken-lassen, dieses Frei-werden für die überraschenden Initiativen Gottes in unserem Leben.
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