Samstag, 1. August 2020

Predigt in Heilig Geist München am 29. Juli 2020 - Hl. Marta

Predigt

Heilige Messe in Heilig-Geist, München

29. Juli 2020, Gedenktag der hl. Marta

 

Lesung 1 Joh 4,7-16

Worin besteht die Liebe?

Darin dass Gott uns geliebt hat.

Was ist das für eine Liebe? Eben göttlich. Dh: nicht menschlich.

Unsere menschliche Liebe: wie wir (begrenzt, bedingt)

Gott unbegrenzt, unbedingt.

Wenn wir das be-greifen, werden wir liebesfähig.

Göttliche Liebe will in uns gott-menschliche Liebe werden.

Nicht irgendeine Tugendübung.

Sie macht unser Tun erst menschlich.

Ohne diese Liebe ist unser Tun – vielleicht sehr eifrig, aber unmenschlich, unchristlich.

Schenkende, helfende, verzeihende Liebe Ist Antwort auf die Liebe Gottes zu uns. – Größe unserer Berufung.

 

 

Evangelium Lk 10,38-42:

Das ist die Geschichte vom Besuch Jesu bei Martha und Maria.

Lukas erzählt in seinem Sondergut von einer Frau namens Marta, die Jesus in ihrem Haus Unterkunft gewährte.

Nur nebenbei kommt die Rede auf Maria, die Schwester der Gastgeberin: sie setzt sich zu Füßen nieder und hört auf sein Wort.

Die Szene springt sofort wieder zurück zu der geschäftigen Maria; sie ist um das leibliche Wohl des Gastes besorgt, und sie beschwert sich bei Jesus über die Untätigkeit ihrer Schwester Maria.

Jesus antwortet nun der Marta und spricht sie direkt an: Dadurch tritt Maria auf der thematischen Ebene in den Mittelpunkt: Sie hat den besseren Teil erwählt, der ihr nicht genommen wird.

Was ist denn dieses „Eine Notwendige“, der „Bessere Teil“?

Es geht um Probleme in der Gemeinde, und diese werden in den Verhaltensweisen der beiden Schwestern dargestellt.

In der Gemeinde des Lukas scheint sich ein geschäftlicher christlicher Aktivismus breitgemacht zu haben.

Möglicherweise will Lukas mit seiner verhaltenen Kritik an der dienenden Marta ein Korrektiv zur Werkfrömmigkeit geben: Der Liebesdienst ist wichtig, aber er darf den Wort-Dienst, das Hören des Worte, nicht verdrängen.

Der Liebesdienst darf uns nicht taub machen für das Hören des Wortes Gottes.

Die Prioritäten waren also in der Gemeinde falsch gesetzt.

Das scheint also scheint nach Lukas das „Eine Notwendige“ zu sein: Der Bessere Teil.

Blicken wir uns noch etwas um im Lukas-Evangelium, ob wir dafür eine Bestätigung finden. Ich werde jetzt einfach die Stellen aus dem Lukas-Evangelium vorlesen, an denen vom Hören des Wortes die Rede ist.

·        Was sagt ihr zu mir: Herr! Herr!, und tut nicht, was ich sage? (6,46) – Unsere Taten zeigen besser als unsere Reden, was wirklich in uns steckt.

·        Ich will euch zeigen, wem ein Mensch gleicht, der zu mir kommt und meine Worte hört und danach handelt. Er ist wie ein Mann, der ein Haus baute und dabei die Erde tief aushob und das Fundament auf einen Felsen stellte. (6.47.48) – Das Gleichnis vom Hausbau bildet bei Lukas den Abschluß der Feldrede. Beim Bauen kommt alles auf das feste Fundament an, beim Hören des Wortes kommt es auf das Tun an.

·        Wer Ohren hat zum Hören, der höre! (8,8) – Viele Menschen kamen zu Jesus und hörten ihm zu, aber nur wenige hielten bei ihm und seinem Wort aus.

·        Auf guten Boden ist der Same bei denen gefallen, die das Wort mit gutem und aufrichtigem Herzen hören, daran festhalten und durch ihre Ausdauer Frucht bringen. (8,15). – Der Ackerboden kann nichts dafür, dass er gut oder schlecht ist. Aber von uns, den Hörern des Wortes wird verlangt, dass wir „mit gutem und aufrichtigem Herzen“ hören und Frucht bringen.

·        Gebt also acht, dass ihr richtig zuhört! (8,18) – Die Leute in Nazareth haben auch „gehört“, aber in einer solchen Weise, dass sie Jesus ablehnten. Nur wenn wir die Botschaft richtig gehört und in uns aufgenommen haben, können wir sie anderen weitergeben.

·        Meine Mutter und eine Brüder sind die, die das Wort Gottes hören und danach handeln. (8,21). – Vom Hören des Wortes Gottes war im Gleichnis vom Sämann und in der Auslegung dieses Gleichnisses die Rede. Das rechte Hören, das Festhalten am Wort und das Leben nach dem Wort Jesu – das und nichts anderes führt in seine Nähe. Nicht durch blutmäßige Abstammung wird man Verwandter Jesu. Das müssen seine Blutsverwandten lernen, die aus Nazareth gekommen sind, um ihn zu sehen.

·        Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu (10,39). – Jesus lässt sich bewirten, „aber nur eines ist notwendig“: die Gabe, die er bringt und die er selber ist. Jesus ist Wort: in dem, was er sagt, und in dem, was er tut oder leidet. Dieses Wort hören oder aufnehmen, das ist das eine Notwendige. – Was heißt Lieben? Lieben heißt, aus dem HÖREN des Wortes heraus handeln. Diese Erzählung handelt vom Geheimnis des Redens Jesu und vom Hören des Menschen. Wo gehört wird, kommt es zum rechten Handeln.

·        Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen (11,28). – Wo Jesus spricht und handelt, kommt über die Menschen Gottes Herrschaft und sein Reich. Und der hörende Mensch empfängt eine neue Fähigkeit zur Mitfreude, zur Freiheit am Wort. Das hat die Frau erfahren, die auf einmal nicht mehr schweigen konnte und die Mutter Jesu glücklich preisen musste. Daraufhin stellt Jesus etwas klar:

1. Maria ist nicht deswegen glücklich zu preisen, weil sie die Mutter Jesu ist, sondern weil sie zu denen gehört, „die das Wort Gottes hören und es befolgen“;

2. Maria ist die vollkommene Hörerin des Wortes, aber sie ist nicht die einzige; alle, die das Worte hören und es befolgen, haben Gemeinschaft mit Jesus, und sie alle sind glücklich zu preisen.

So dürfte deutlich geworden sein, was mit dem „Einen Notwendigen“ gemeint ist.

An die Stelle der vielen Sorgen um das Irdische muss die zentrale Sorge um das Reich Gottes treten. Und das Reich Gottes kann man ja nur erlangen durch das Hören auf das Wort Jesu.

Die Herausforderung an mich besteht darin, beides zu sein: Martha und Maria, der im Tätigsein kontemplative Mensch, dessen Arbeit für den Herrn durch ständigen vertrauten Umgang mit ihm belebt wird.

Ist das für mich eine Herausforderung, oder habe ich mich für ein Tätigsein entschieden, welches vorher und nachher von einigen Gebeten eingerahmt ist?

Wie kann ich dann unterscheiden: den Anruf Jesu an mich – von den Anforderungen, die ich an mich stelle und mit denen ich mich eventuell überfordere?

Die Kritik Jesu an Marta:

1.      Marta ist tätig, ohne Betrachtung

2.      Tätig-sein, ohne Gottes-Bezug

3.      Marta will alles selber machen, lässt Gott nicht mehr handeln, lässt keinen Raum für Gott: fehlender Glaube und fehlende Hoffnung, Misstrauen.

4.      Glaube und Hoffnung fehlen, weil die Liebe fehlt

5.      Aktivität anstelle der Liebe

6.      Botschaft an uns: Wachstum in der Liebe, dann wissen wir auch, was wir in Glaube und Hoffnung tun sollen.


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